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TARIQ KRIM: DREI DINGE ... - CLICK HERE

Freitag, 24. Juni 2016

BREXIT - ein (st)einwurf - aus besonderem anlass - UPDATE


ich bin fest davon überzeugt, dass bei einer befragung in deutschland, in polen, in dänemark, in den niederlanden, in italien, in spanien, in griechenland und sonst wo die mehrheit der bevölkerung sich für einen austritt aus der €U entscheiden würde ...

pubertäres kindverhalten

das ist wie bei einem heranwachsenden kind, das etwas vorfindet, was es selbst nicht überblickt und durchschaut und kreiert hat - und lieber das taschengeld sofort ausgibt anstatt es aufs sparkonto zu legen - und die "vernunft" der elterngeneration, die das ja alles zum selbstschutz vor generationen im internationalen miteinander geschaffen hat - einfach mal ablehnt und egozentrisch in die tonne treten will, und einfach mal über die stränge schlagen will ...: nein - ich pillere nicht mehr in eure sandkastenförmchen --- nein - ich spiel nicht mehr eure spiele --- nein - ich erzähle nicht mehr eure geschichten: die europäischen kriege und blutigen auseinandersetzungen gegeneinander - sind schon über 70 jahre bzw. 100 jahre her - und es sind staaten inzwischen "souverän" (volljährig) geworden (deutschland) - und man schwenkt und dräut mit den nationalflaggen ... rechtspopulisten agieren wie demagogen, und meinen die zeit sei reif: back to the roots ... - und merken nicht, wie das angestrebte "weltreich" "great"/groß-britannien zu einem kleinen wackeligen rückwärtsgewandten vorgartenzwerg schrumpft: das hat mit fortschritt nichts zu tun: das ist rückschritt: "vorwärts - wir marschieren zurück" - und diese menschen setzen sich im gleichen atemzug an den pc oder bedienen das tablet - um sich "mit aller welt" gleichzeitig zu vernetzen, zu "liken", internationale "freunde" zu generieren und fotos, "selfies" und videos "hochzuladen": seht her - das bin ich ... und ist es nicht toll: ich maile mit einem palästinenser   u n d   einem israeli gleichzeitig... - und wahrscheinlich verwechseln sie das "www"-web sogar mit ihrem längst verlorengegangen und patina angesetzten"commonwealth of nations"...

wie alle nationalisten und rechtspopulisten hat die mehrheit der briten - besonders in den inselteilen england und in wales - nur auf die "soll"-seite geschielt - und nicht auf das "haben" ... - kultureller zugewinn wird einfach negiert, als gäbe es so etwas nicht ...

symptome einer "borderline-persönlichkeitsstörungs"-epidemie in den betroffenen austrittswilligen bevölkerungsgruppen

"die Briten sind verrückt" ...
überhaupt scheint es mir so, als zeige diese insgesamte rechtslastige uropäische austrittsmehrheit - einschließlich der afd-sympathisanten und der pegida-freaks in deutschland - jetzt also bewiesenermaßen mehrheitlich die briten in wales und england - massenhaft - also epidemieartig - die eindeutigen symptome einer "borderline"-persönlichkeitsstörung (die sowieso normalerweise bei 6 - 8% der erwachsenen population immanent ist ...): die durch impulsivität und instabilität von emotionen und stimmung, der identität, sowie zwischenmenschlichen beziehungen charakterisiert ist. betroffene erleben sich als opfer ihrer eigenen heftigen stimmungs- und gefühlsschwankungen und als opfer ihres lebensschicksals, als verlierer, was zu extremer innerlicher anspannung führen kann, die dann als unerträglich und peinigend erlebt wird. viele setzen selbstschädigende verhaltensweisen ein, um diese anspannung zu verringern.  vor allem schmerz spüren viele während der extremen spannungsphasen kaum oder nur sehr wenig. selbstverletzungen und auch drogeneinnahmen und hoch riskante aktivitäten (spiele mit hohen einsätzen - wetten) lindern die anspannung sofort, werden dadurch jedoch rasch zu suchtartigem problemverhalten:
  • an den Börsen sind so nach der brexit-entscheidung weltweit die kurse eingebrochen. der crash soll weltweit fünf billionen dollar an börsenwert gekostet haben. dies entspreche dem doppelten der gesamten wirtschaftsleistung großbritanniens und 17 % der wirtschaftsleistung der g7-staaten im vergangenen jahr, sagt der aktienstratege christian kahler von der dz-bank in einem kurzkommentar.
  • außerdem droht der allmähliche zerfall großbritanniens: ein austritt der schotten aus dem königreich ist nun sehr wahrscheinlich - 
  • die nordiren haben zu fast 60 % für den verbleib großbritanniens in der €U gestimmt. jetzt fordert vize-premier martin mcguinness ein referendum über die unabhängigkeit nordirlands. 
  • und auch gibraltar, die zu großbritannien gehörende halbinsel in südspanien, hat mehrheitlich für einen €U-verbleib gestimmt. der spanische außenminister josé manuel garcia margallo schlägt nun eine britisch-spanische ko-souveränität für gibraltar vor: aber nur auf zeit - nach einer übergangszeit solle das gebiet dann an spanien zurückgegeben werden...
diese menschen für den austritt, die offensichtlich an einer borderline-persönlichkeitsstörung leiden, fühlen sich innerlich zerrissen, haben ein gestörtes selbstbild und eine gestörte körper- und umwelt- (sprich: "nationenzugehörigkeits"-)wahrnehmung. sie leiden unter massiven ängsten vor dem alleinsein und instabilen beziehungen - die sie aber paradoxerweise durch ihr massenhaftes abwehr-verhalten in ihrer kohorte auch immer wieder gern anstacheln ...

nationalstaats-wahnidee

aber der eigentliche irrsinn - das sind ja diese nationalstaaten überhaupt - die imaginär - durch kriege und menschliche verträge - gezogenen und vermessenen grenzverläufe: es gibt gar keine nationen in wirklichkeit - in "real life" ... die vielstaaterei in deutschland früher: fürstentümer und königreiche hier und da und allerorten ... sind immer in der geschichte durch größere "vernünftige" lösungen abgelöst worden - wie bei den "reichsbildungen" ...:
  • das waren immer handelsabsprachen über die kleingeistigen und unsinnigen grenzziehungen und zäune hinweg - und das war dann folglich auch die gesunde "vernünftige" logik der €U ...
gewiss hat diese €U ihre regelungswut zu weit getrieben und der basis nicht immer gut "verkauft" (=krumme/gerade gurken) und viel an bodenhaftung verloren - und ist diesen "parkinsonschen gesetzen", nämlich der tendenz aller organisationen und systeme erlegen, sich möglichst mit sich selbst zu beschäftigen und sich selbst zu verwalten: aber dagegen gibt es politische gestaltungs- und steuerunsmöglichkeiten - und da können beispielsweise bürgerreferenden in sach- und detailfragen entgegensteuern ...: diese parkinsonschen gesetze werden seit mitte der 50er jahre formuliert ... - und sind immer wieder neu automatisch ablaufende verhaltensstörungen großer organisationen und verwaltungen - dagegen kann man etwas unternehmen - und die warnsysteme und blinklichter sind programmierbar ...

wenn ich aber heute einen armen verblendeten pegida-menschen sehe mit dem plakat: "ich will nur ein deutscher unter deutschen sein" ...: dann muss ich nach der "substanz" dahinter fragen: was ist das: deutsch - deutsch sein - deutscher sein... ???

es gibt keine typisch deutschen gene - keine typisch türkischen gene und kein türkisches blut, herr erdogan - es gibt kein deutsches blut, das vergossen wurde: wir alle sind die höher entwickelte eigentlich tierische affenrasse, die sich mensch nennt - und wo jeder zum beispiel untereinander von chinesen, kongolesen, syrern und kurden im notfall durchaus blutspenden entgegennehmen kann - einfach menschen, die im falle der geschlechtlichen vereinigung kinder zeugen können und zur welt bringen: unser lebensraum ist die eine welt - unser blauer planet, mit dem wir durchs all rasen ... und diese nationen und nationalbezeichnungen und "reiche" und grenzen sind nicht einmal fliegenschisse darauf - einfach nichts - nicht vorhanden - es gibt keine grenzen ... - keine nationen - es gibt nur menschen, die miteinander leben wollen - und müssen - in beziehungen zueinander und im einklang mit der gesamten natur ...

die großen globalen sozialen netzwerke im internet zeigen das ja auf ihre art und weise ganz deutlich: da "liken" chinesen den jungen briten, syrer die palästinenser, israelis den österreichischen milchbauern ... - über alle grenzen hinweg leben wir virtuell in einem "world-wide-web" und können uns darin weltweit miteinander vernetzen und wir tun das auch:
das ist/war der geist der €U: weg von den nationalen grenzen, die ja nur imaginär vohanden sind, und die nichts als krieg und bomben und hass und falschen stolz und leid und viel zu frühen tod generiert haben ... - ich wenigstens will weiterhin ohne grenzkontrollen nach enschede ohne geldumtausch zum einkaufen fahren können und in ootmarsum die kunstausstellung besuchen - ob das dem mijnheer geert wilders nun mal in den kram passt oder nicht ...

und die deutsche fußball-"national"-mannschaft ist nichts anderes als eine aktuelle auswahlmannschaft des "deutschen fußball-bundes" (dfb) - einer dachorganisation aller deutschen fußball - v e r e i n e ... - mit "nation" hat das - zum glück - nichts zu tun - außer, dass der millionenschwere dfb noch knete aus dem steuersäckle bekommt für seine "gemeinnützigen aufgabenanteile" - ach so...



und - ach guck - da liegt wieder eines dieser eigentümlichen tücher an einem abgebrochenem plastikstab angeheftet in schwarz-rot-goldenen farben im dreckigen regenmatsch - und die autos rasen darüber hinweg ... - komisch gerade in diesen tagen sieht man diese lappen immer häufiger ... S!


Donnerstag, 23. Juni 2016

sandomir & ice | photography und laufschrift-lyrik am laufenden band - S!NED!|art


https://youtu.be/dhrkD8Gkw7Y
sandomir & ice | fotos und laufschrift-yrik am laufenden band - S!NED!|art - click here

Wo steckt die Seele ???


»Mit dem Seelengrund 
verhält es sich wie mit einem Brunnen, 
der zugeschüttet wurde. 
Auch wenn niemand ahnt, 
dass unter der Erdschicht 
köstliches Wasser schlummert, 
ist es immer präsent.« 

Origenes




Auf der Suche nach dem Innersten des Menschen:
Christliche und buddhistische Denkmodelle

Von Katharina Ceming | Publik-Forum

Auf die Frage, ob der Mensch mehr ist als nur dieser sichtbare Körper, hätte ein mittelalterlicher Mensch vermutlich, ohne zu zögern, geantwortet: ja, denn er hat ja eine Seele. Unsere heutige Nachfrage, was die Seele denn sei, hätte er wahrscheinlich nicht verstanden. Galt es doch als gewiss, dass die Seele eine Art geistiger Substanz sei, die sich nach dem Tode des Menschen von dessen Körper löst und je nach der irdischen Lebensweise des Seeleneigners eine gute oder eine schlechte ewige postmortale Existenz zu erwarten habe.

Die Vorstellung einer unsterblichen Seele, die ohne ihren Körper existieren könne, stammt aus der griechischen Philosophie. Platon lehrte, dass der Mensch mit einer unsterblichen Seele ausgestattet sei, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheide. Diese unsterbliche Seele habe der Mensch vom göttlichen Schöpfer selbst. Viele christliche, aber auch jüdische Theologen griffen Platons Seelenlehre auf. Besonders die jüdischen Gemeinden, die außerhalb Israels lebten, hatten Elemente der griechischen Popularphilosophie in das eigene Denken integriert.

Mit dieser Seelenlehre waren zudem eine eigene Kosmologie und ein ganz bestimmtes Gottesbild verbunden. Der Ort, an dem man sich Gott vorstellte, waren die transzendenten himmlischen Gefilde über unserer bewohnten Erde. Zwischen Himmel und Erde lagen noch diverse abgestufte Regionen, die von verschiedenen geistigen Wesenheiten bewohnt wurden. Aus diesem Grund war man auch überzeugt, dass die Seele eines Menschen nach dessen Tod, so sie für gerecht befunden wurde, in den Himmel auffahren würde, da der Himmel über der Erde verortet wurde.

Diese Überzeugungen gaben den allermeisten Menschen durch die Jahrhunderte hindurch Halt, bis mit der Moderne viele Gewissheiten, die noch für die Generation unserer Urgroßeltern unumstößlich waren, ins Wanken gerieten. Die moderne Naturwissenschaft hat nicht nur den göttlichen Aufenthaltsort im Himmel und die unterirdischen Höllenorte abgeschafft, sondern auch die klassische Seelenvorstellung arg in Bedrängnis gebracht. Dies bedeutet nicht, dass damit die Frage nach dem, was der Mensch wesenhaft ist, was ihn im Innersten ausmacht, geklärt wäre. Wir merken aber, dass wir, wenn wir heute von Gott und Seele reden wollen, ohne in naive Vorstellungen zurückzufallen, uns schwertun, da diese Begriffe mit konkreten Bildern und Vorstellungen aufgeladen sind. Dass wir gleichwohl immer noch darüber reden möchten und müssen, hängt damit zusammen, dass unsere spirituelle Sehnsucht nicht wesentlich geringer ausgeprägt ist als die unserer Vorfahren.

Was Buddha und Meister Eckhart verbindet

Doch woran sollen wir uns orientieren? Es wird uns nicht erspart bleiben, manche Neujustierungen selbst vorzunehmen. Dennoch können wir auch in großen spirituellen Traditionen hilfreiche Anknüpfungspunkte finden, und zwar dort, wo sie nicht mit vormodernen Bildern arbeiten, die für viele Menschen heute nicht mehr nachvollziehbar sind. Ich möchte zwei Vorstellungen zu Wort kommen lassen, die, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen und religiösen Traditionen stammen, zum einen eine erstaunliche strukturelle Nähe aufweisen und zum anderen meines Erachtens für die Beantwortung der Frage, was den Menschen wesenhaft ausmacht, ein paar interessante Ideen bereit halten.

Buddha
Es handelt sich um die Lehre vom Tathagatagarbha, dem sogenannten Buddhakeim, im Mahayana-Buddhismus und um die Lehre vom göttlichen Seelenfunken bzw. Seelengrund bei Meister Eckhart. Die Begriffe Buddhakeim oder Seelenfünklein mögen abschreckend wirken. Doch das Innerste des Menschen, das damit umschrieben wird, ist in beiden Vorstellungen gerade kein abgegrenzter Bezirk, also nichts statisch Objekthaftes, sondern etwas Dynamisches, das sich in der Erfahrung verwirklicht. Nicht Weltflucht und Weltverneinung lassen den Menschen mit seinem innersten Wesen in Berührung kommen, sondern das Erleben des Verbundenseins mit allem, was in dieser Welt existiert, weil alles im Innersten wesenhaft ununterschieden ist. Dahinter steht die Vorstellung, dass all die unterschiedlichen Erscheinungsformen, die unsere Welt ausmachen, nur Ausdrucksformen einer Wirklichkeit sind.

Meister Eckhart -
Rekonstruktion S!art
Meister Eckhart, einer der größten mittelalterlichen Denker, war überzeugt davon, dass die eine, ungeteilte Wirklichkeit die Gottheit selbst ist, die sich ausschließlich durch eine einzige Sache von allem anderen unterscheidet: Sie ist ununterschieden. Für Eckhart hieß das, dass alles, was ist, nur ein Aspekt der göttlichen Wirklichkeit ist. Nichts ist wesenhaft von ihr getrennt. Der Mensch selbst ist völlig in diese eine göttliche Wirklichkeit hineingenommen, nur realisiert er es nicht. Er erkennt nicht, dass alles Vielheitliche nur eine Ausdrucksform des göttlichen Einen ist. Er glaubt, dass die Unterschiedenheit all dessen, was existiert, real ist.

Das unzerstörbare Göttliche in uns

Weil es wesenhaft aber nur eine göttliche Wirklichkeit gibt, kann der Mensch aus dieser nie herausfallen, egal, wie wenig er sich dieses Göttlichen bewusst ist. Er ist immer Teil dieses großen Gewebes, in dem alles seinen Platz hat, auch wenn er es nicht merkt. Er trägt in sich stets etwas unzerstörbares Göttliches. Meister Eckhart nennt diese unzerstörbare göttliche Qualität im Menschen unter anderem das Seelenfünklein. In der antiken Stoa, aber auch bei dem neuplatonischen Denker Proklos galt der Seelenfunken als eine Art Übervernunft in der menschlichen Seele, mittels deren der Mensch die kosmische Vernunft erkennen konnte, die das Göttliche selbst war.

Eckhart entwickelte diese Idee weiter. Er illustrierte den Gedanken von der Unzerstörbarkeit der göttlichen Qualität im Menschen mit einem Bild des griechischen Theologen Origenes. Mit dem Seelenfunken verhält es sich wie mit einem Brunnen, der zugeschüttet wurde. Auch wenn niemand ahnt, dass unter der Erdschicht köstliches Wasser schlummert, ist es immer präsent. Wer die Stelle kennt, kann, indem er die Erde beseitigt, das Wasser freilegen, das nie verschwunden, sondern nur zugeschüttet war. Genauso verhält es sich mit dem Göttlichen im Menschen. Es ist immer vorhanden, es ist nie zu zerstören, egal, was der Mensch tut oder wie er lebt.

Eckhart macht immer wieder deutlich, dass dieses Seelenfünklein keine Substanz ist. Es wurde weder erschaffen, noch hat es eine bestimmte Qualität, noch ist es irgendetwas, was man erfassen oder begreifen kann. Es ist die unbegrenzte, göttliche Wirklichkeit selbst. Als das Göttliche im Menschen ist es etwas Dynamisches. Wer es erkennen, sprich: erfahren möchte, muss, um im Bild des Origenes zu bleiben, alles beseitigen, was diesen Seelengrund verschüttet.

Von einem mittelalterlichen christlichen Denker würde man erwarten, dass er die Sündhaftigkeit des Menschen als diesen verdeckenden Schutt ausmacht. Nicht so bei Eckhart. Sünde als moralische Kategorie interessiert Eckhart nicht wirklich. Die moralische Unzulänglichkeit ist für ihn nur ein Symptom der viel tiefer liegenden Ursache: ebenjenem Nicht-Erkennen-Können, dass die Wirklichkeit wesenhaft ungeteilt ist. Wir halten alles für real unterschieden, obwohl in Wirklichkeit alles in einem Beziehungsgeflecht miteinander verwoben ist. Aus diesem Grund wird das immer präsente Seelenfünklein erst durch das Ablassen von falschen Ansichten realisiert.

Die großen Theologen des Mahayana-Buddhismus hätten Meister Eckharts Ausführungen sicherlich zugestimmt. Auch für sie ist das Nicht-Erkennen der non-dualen Wirklichkeit das Grundproblem des menschlichen Daseins. Der Mensch sucht nach Erlösung, obwohl er immer schon erlöst ist. Die non-duale Wirklichkeit ist im Bewusstsein oder im Geist des Menschen stets präsent, wird aber nicht realisiert. Diese immerwährende non-duale Präsenz haben die Mahayanins Tathagatagarbha, also Buddhakeim oder Buddhanatur genannt. Tathagata heißt wörtlich der So-Gegangene (tatha-gata) oder auch der So-Gekommene (tatha-agata) und ist ein Ehrentitel für den Buddha. Garbha kann mit Schoß, Keim, Embryo, Samen oder Nährboden übersetzt werden. Jeder Mensch ist potenziell ein Buddha, ein Erwachter, nur hat er diese Erkenntnis noch nicht realisiert. So wenig wie Meister Eckharts Seelenfünklein eine geistige Substanz ist, so wenig ist es der Tathagatagarbha. Beides sind Erlebenskategorien. Sie beschreiben das, was den Menschen im Innersten ausmacht.

Aus diesem Grund waren die Lehren vom Seelenfünklein oder vom Tathagatagarbha nicht primär Gegenstand metaphysischer Spekulationen, sondern eher die Aufforderung, sich praktisch dieses Fünkleins oder Keims zu vergewissern. Ihn, bildhaft gesprochen, im eigenen Inneren zum Glühen und Blühen zu bringen. In der buddhistischen Tradition war dies mit der Aufforderung verbunden, selbst ein Buddha, also ein Erwachter zu werden. Bei Meister Eckhart lautete die Anweisung ganz ähnlich: Werde derselbe Sohn Gottes, der Jesus Christus ist. Und diese Sohnwerdung ist bei Eckhart nichts anderes als die Gottwerdung des Menschen, welche frühe christliche Theologen in dem Satz zusammenfassten: Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde. Für Eckhart ist das Ziel des menschlichen Lebens erst erreicht, wenn der Mensch sagen kann: »Gott und ich sind eins.« Dies erlebt er, wenn er sich seines innersten Seelengrundes bewusst wird.

Der Meditationsweg endet am Marktplatz

Sowohl im Mahyana-Buddhismus wie bei Meister Eckhart führte die Bewusstwerdung des Buddhakeims oder des Seelenfünkleins im Inneren nicht aus der Welt hinaus, sondern in diese hinein. Im Zen-Buddhismus gibt es den berühmten Ochsenzyklus. Er beschreibt in zehn Bildern die Geschichte des Suchens und Findens der eigenen Buddhanatur. Das Interessante an dieser Geschichte ist, dass der Zyklus nicht mit dem achten Bild endet, das für das Erwachen steht, also dafür, dass der Mensch seine Buddhanatur gefunden hat. Er endet erst mit dem zehnten Bild, das den Menschen fröhlich lachend mitten auf dem Marktplatz zeigt. Derjenige, der seine Buddhanatur realisiert hat, ist von nichts mehr getrennt, erst recht nicht vom alltäglichen Leben. In der eigenen Mitte ruhend, nimmt dieser Mensch an der Fülle des Lebens und Seins teil. Nicht die große Leere und Stille der meditativen Erfahrung ist das letzte Ziel, sondern die Integration dieser Erfahrung in den Alltag, die sich dann als die große Fülle des Daseins zeigt.

Ganz ähnlich bei Meister Eckhart. In seiner genialen Uminterpretation der biblischen Erzählung von Maria und Martha erklärt Eckhart Martha zur wahren Heldin. Nach Eckhart hat Martha im Gegensatz zu Maria ihren Seelenfunken vollkommen zum Leuchten gebracht. Sie kann aus dem In-sich-gegründet-Sein nun völlig unbehindert und frei mitten in der Welt stehen und agieren. Sie ist offen für die Bedürfnisse der Welt wie der buddhistische Erwachte auf dem Marktplatz, ohne im Strudel der Welt verloren zu gehen. Maria hingegen braucht die spirituelle Auszeit. Sie kann beides noch nicht ineinander integrieren. Wer hingegen mit seinem Seelenfunken oder Buddhakeim verbunden ist, hat das innere Richtlot gefunden, das es ihm ermöglicht, auch in den wildesten Stürmen des Lebens die Orientierung nicht zu verlieren.

Beiden ist aber noch etwas gemeinsam: Sie sind offen für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Sie sind zu Mitempfinden in der Lage, weil sie sich mit allen verbunden wissen. Gerade im Mahayana-Buddhismus wird die enge Verbindung von Prajna, Weisheit, die auch für das Erwachen steht, und Karuna, Mitempfinden, betont. Das Verbundensein mit dem eigenen Innersten verbindet den Menschen mit der Welt. Das macht den Reiz dieser beiden Vorstellungen aus: In der Begegnung mit dem eigenen Inneren kann sich eine Dimension eröffnen, die Raum gibt für die Begegnung mit dem anderen.


Den Buddhakeim zum Blühen bringen bedeutet, selbst ein Buddha, ein Erwachter, zu werden.



Katharina Ceming ist Theologin und Philosophin. Ihr Schwerpunkt ist Spiritualität in östlichen und westlichen Traditionen und die Integrale Theorie des amerikanischen Philosophen Ken Wilber. Sie ist Redakteurin beim »Weisheitsletter« und Autorin zahlreicher Bücher.

Text aus: Publik-Forum 12-2016, S.26

Mittwoch, 22. Juni 2016

Sheldon Solomon: "Zuflucht in der Schönheit" - SPIEGEL-Gespräch

gestern habe ich ja bereits hingewiesen auf den begriff "culture" in meinem blog-titel hier ... - und wie die "kultur" immer mehr in ein rand-dasein in den medien verdrängt wird ... - 
nach sheldon solomon, hat das bestimmt mit der verdrängung unseres todes insgesamt zu tun, mit der sich ja die menschheit seit ihrer geburt herumschlägt -  
wenn nämlich, wie solomon meint, die kultur das "glaubenssystem" ist, mit dem wir die last unseres wissens vom tod ertragen wollen, wird das verdrängenwollen dieser todesgewissheit - und manchmal auch des verdrängenmüssens um der seelischen gesundheit willen  - auch diese "kultur" mit verdrängen und einsperren - in jenes sankt nimmerlein-stübchen unseres unbewussten ...S!

So­lo­mon, 62, ist So­zi­al­psy­cho­lo­ge am Skid­mo­re Col­le­ge in Sa­ra­to­ga Springs im Bun­des­staat New York. In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren ha­ben er und Kol­le­gen welt­weit in mehr als 500 Ex­pe­ri­men­ten er­grün­det, wie die Angst vor dem Tod Den­ken und Han­deln des Men­schen re­giert: „Ter­ror-Ma­nage­ment“ nen­nen die For­scher den Um­gang des Men­schen mit der ei­ge­nen End­lich­keit. In ih­rem in­zwi­schen auf Deutsch er­schie­ne­nen Buch ha­ben sie die fas­zi­nie­ren­den Be­fun­de aus dem ­Ab­grund der mensch­li­chen See­le zu­sam­men­ge­tra­gen*)


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„Denn alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blumen. Das Gras ist verdorret und die Blume abge­fallen.“ 
Aus „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms nach 1. Petrus 1,24

SPIEGEL: Pro­fes­sor So­lo­mon, Sie ha­ben sich fast Ihr ge­sam­tes Be­rufs­le­ben lang mit der Angst vor dem Tod be­fasst. Kön­nen Sie sich er­in­nern, wann Sie die­se Furcht erst­mals emp­fun­den ha­ben?

So­lo­mon: Oh, das weiß ich noch ganz ge­nau. Ich war acht Jah­re alt, und ei­nes Abends sag­te mei­ne Mut­ter: „Nimm Ab­schied von Groß­mut­ter. Sie wird nicht mehr lan­ge bei uns sein.“ Und tat­säch­lich starb sie am nächs­ten Tag. Ich er­in­ne­re mich, wie ich da­nach hoch in mein Zim­mer ging. Dort blät­ter­te ich durch mei­ne Brief­mar­ken­samm­lung, mein Blick fiel auf eine Se­rie der ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten. Und plötz­lich dach­te ich: „Da, Ge­or­ge Wa­shing­ton. Ein tol­ler Kerl, und trotz­dem ist er tot. Tho­mas Jef­fer­son – auch ge­stor­ben. Und all die an­de­ren auch.“ Da durch­schoss es mich wie ein Blitz: „Oje, es sieht nicht gut für mich aus.“ Die Er­kennt­nis, dass die­ses Schick­sal auch für mich un­aus­weich­lich ist, ging mir durch Mark und Bein.

SPIEGEL: Und die­ser Schock wirkt bis heu­te nach, mehr als 50 Jah­re spä­ter?

So­lo­mon: Im Grun­de ja. Tief ver­bor­gen un­ter der Ober­flä­che mei­nes Be­wusst­seins ru­mort stän­dig die­se Pa­nik. Un­ser Groß­hirn, das uns er­laubt, abs­trakt und sym­bo­lisch zu den­ken, ist zu­gleich auch fä­hig zu be­grei­fen, dass un­ser Le­ben, wie das­je­ni­ge al­ler Le­be­we­sen, end­lich ist. Das er­zeugt ei­nen tie­fen, läh­men­den Schre­cken.

SPIEGEL: Da­für, dass Sie so er­schüt­tert sind, wir­ken Sie ganz fi­del ...
...Um die Last des Da­seins er­tra­gen zu kön­nen, ver­an­kern wir uns in ei­nem Glau­bens­sys­tem, das wir „Kul­tur“ nen­nen. Kul­tur gibt un­se­rem Le­ben ei­nen Sinn, sie gibt uns ei­nen Wert – und zwar, in­dem sie uns eine Vi­si­on von Un­sterb­lich­keit lie­fert: Ent­we­der sie gibt uns Hoff­nung auf ech­te, buch­stäb­li­che Un­sterb­lich­keit, in Form des Him­mels, der See­le oder der Wie­der­ge­burt. Oder sie lässt uns glau­ben, dass wir in über­tra­ge­nem Sin­ne über den Tod hin­aus fort­be­ste­hen, in Ge­stalt un­se­rer Kin­der, un­se­rer Wer­ke oder des Ver­mö­gens, das wir im Lau­fe un­se­res Le­bens an­ge­häuft ha­ben. Al­ler­dings ist kein Glau­bens­sys­tem stark ge­nug, um uns die To­des­angst in Gän­ze neh­men zu kön­nen. ...

... zum Weiterlesen des Original-SPIEGEL-GESPRÄCHS clicken Sie hier ...

*) Shel­don So­lo­mon, Jeff Green­berg, Tom Py­sz­c­zyn­ski: „Der Wurm in un­se­rem Her­zen“. DVA, Mün­chen; 368 Sei­ten; 24,99 Euro. 
Das Ge­spräch führ­ten die Re­dak­teu­re Ra­fae­la von Bre­dow und Jo­hann Grol­le in So­lo­mons Büro am Skid­mo­re Col­le­ge in Sa­ra­to­ga Springs.

Jenseitsvision | Ölgemälde von Hieronymus Bosch - Ausschnitt - um 1500: "Schrecklich wäre es, in alle Ewigkeit fortzubestehen" ...

1.Petrus 1, 22-24:  
Ihr habt der Wahrheit gehorcht und lebt nun als gereinigte Menschen. Das soll dazu führen, dass ihr einander mit einer echten Liebe, wie ihr sie zu Geschwistern empfindet, begegnen könnt. Geht immer liebevoll miteinander um, aus vollem Herzen! Neugeborene seid ihr, aber euer Ursprung ist nicht vergänglich, sondern unvergänglich: das Wort, das Gott spricht, lebendig und bleibend. 
So heißt es auch: Alles Fleisch ist wie Gras und all seine Herrlichkeit wie die Blüte des Grases. Das Gras wurde dürr und die Blüte fiel ab. Aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. 
Damit ist die Botschaft vom Heil gemeint, die euch verkündet worden ist. 
(BigS)

Dienstag, 21. Juni 2016

Vor 75 Jahren: Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion ...

Nun - da habe ich im Titel zu diesem Blog auch das Wörtchen "culture" stehen: und wollte da eigentlich über Ausstellungen und über Künstler berichten, wie sie in ihren Ateliers oder in den Konzertsälen oder in den Studios oder am Schreibtisch arbeiten ...

Aber schon - wenn ich regelmäßig die 3sat-kulturzeit schaue oder sonntags metropolis bei arte - und westart und artour (mdr) oder die ZDF-aspekte oder das bayerische Capriccio .. und ... und ...:
Da finde ich nur selten solche uns die Kunst näherbringenden Clips und Beiträge - die überwiegenden Schwerpunkte bilden die Aufarbeitungen unserer Gegenwart mit der Problematik geflohener Menschen in und um €uropa in allen Nuancen, bilden Gedenktage an den Holocaust, an die NS-"Euthanasie" - und nun an den Überfall Hitlers auf die Sowjetunion am 22.06.1941 - also vor genau 75 Jahren ...

Und dann erkenne ich auch, welch ein Nischendasein diese Kultursendungen angesichts des TV-Mainstreams und zum Beispiel der Fußball-EM und anderer "populärer" TV- und Tages-Ereignisse eigentlich führen - Randsparten sind die Kultur-Sendungen geworden ... - und ein grottenschlechter "Grand Prix d'€urovision" - pardon - heute heißt das ja kurz und knapp: "ESC - Eurpopean Song Contest" - wird jedes Jahr als Riesen-Event inszeniert und verschlingt Stunden an kostbarer Sendezeit und Millionen an Fernseh-Gebühren, wo dann jeweils der deutsche Beitrag heimlich still und leise - wenigstens seit 2 Jahren - auf dem letzten Platz landet ...: und dann ... ??? - das macht den Verantwortlichen nichts: Mund abwischen - weitermachen ...

Und deshalb müssen solche der Mehrheit "unangenehmen" Gedenktermine einfach in das Nischen-Fernsehen abgeschoben werden ... - und deshalb sind diese oben genannten Kultursendungen überfrachtet mit der Aufarbeitung der Geschichte und der Zeitgeschichte ... 

Und wenn in Russland der böse Herr Putin heutzutage angeblich mit dem Zeigefinger dräut - und der Herr Außenminister Steinmeier bei NATO-Manövern an der russischen Grenze völlig zu Recht von unangemessenem "Säbelrasseln" redet - und gleichzeitig "Deutschland" sich anschickt, die "vierte Fußball-EM" als Weltmeister "zu holen" - wer will sich in diesen Zeiten daran erinnern lassen, dass vor 75 Jahren dieses Deutschland hinterhältig trotz "Nichtangriffs-Pakt" bzw. "Hitler-Stalin-Pakt" die damalige Sowjetunion überfallen - und dort unvorstellbare Greueltaten begangen hat ...
Irgendwann - denkt dann die schwarz-rot-gold bewimpelte deutsche Seele ("Wir sind doch längst wieder wer!" - "Ich will nur Deutscher unter Deutschen sein ...", so brüllt ja Pegida und die AfD ...) ist es doch auch mal gut, mit all diesem "Erinnern" und "Gedenken" und "Bereuen" - "= bis ins 3. und 4. Glied" ...
Der Zweite Weltkrieg liegt über 70 Jahre zurück. Doch er ist längst noch nicht verschwunden. Wie die Forschung heute weiß, lebt er weiter (click). In den Seelen derer, die ihn miterlebt haben, aber auch in vielen Seelen der Nachgeborenen.

Bei vielen zeigt sich das als fehlende Verankerung im Leben, mangelnde Geborgenheit, Gefühlsstörungen oder verdeckte Schuldgefühle. Aber auch in unerklärlichen körperlichen Schmerzen oder ernsthaften psychischen Krankheiten. Sind wir für immer seelisch verflucht, obwohl die heutigen Generationen doch unschuldig sind? Oder gibt es Wege, dem Fluch zu entkommen?

Gott sprach: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, bis in die dritte und vierte Generation. (2. Mose - Kapitel 20).

Das traumatische Leiden der Kriegskinder wurde auf Eis gelegt. Sie sollten vor allem keinen Ärger machen und funktionieren. Doch Traumata lassen sich nun mal nicht wegschweigen. Und das Schlimme bei nicht verarbeiteten Traumata ist ja – das weiß die Forschung inzwischen - dass diese dann häufig an die nächste Generation weiter geben werden. So haben viele Menschen, die in etwa zwischen 1955 und 1980 geboren sind, die gleichen Macken, Einschränkungen oder sogar krankhaften Störungen wie ihre Eltern.

Die Kinder der Kriegskinder, die Krieg-Enkel. Oberflächlich betrachtet sind viele von uns durchaus behütet aufgewachsen, Vater, Muter, Geschwister, ein Haus, sichere Arbeitsverhältnisse. Und doch erlebten in vielen Familien die Kinder oft ein stilles Drama: emotionale Leere oder sogar Kälte, kein Kuscheln, kein In-den-Arm-nehmen, diffuse Ängste, die niemand auffing. Bei vielen unserer Generation ist dies bis heute ein Grundgefühl – Unsicherheit, Haltlosigkeit, Freudlosigkeit, ein Leben mit angezogener Handbremse, fern jeder unbelasteten Lebenskraft.

Also: Wir sollten alle miteinander - behutsam und angemessen - in würdiger Art und Weise - Geschichte auch mit Gedenktagen und Erinnerungen aufarbeiten lernen. Da ist nichts einfach mal so erledigt (von wegen: "die Zeit heilt alle Wunden ...") - da ist es nicht "endlich mal gut" - nein - es geht vielleicht sogar über das 3. und 4. Glied hinaus: wenn es nicht aufgearbeitet wird ...: Traumata lassen sich nicht auf Eis legen ... S!

WIR TREFFEN UNS IM PARADIES


Foto: Bernhard Pierel | WSTFALEN-BLATT
»Wir treffen uns im Paradies«
Theaterprojekt erzählt die Geschichte von Geflüchteten in Bielefeld auf dem Klosterplatz

Von Vivian Winzler | WESTFALEN-BLATT, 21.6.2016

Eine Kiste, die wie von Geisterhand über den Boden fährt. Kleine graue Gesichter, die ängstlich daraus hervorgucken. Dazu Erzählungen, die unter die Haut gehen.

»Wer ein Zuhause hat, das den Namen verdient, der geht nicht weg – der bleibt«, ist nur eine davon. Es sind vor allem solche Worte, die im Publikum des Open-Air-Theaterstücks »Wir treffen uns im Paradies« am Freitagabend eine starke Betroffenheit auslösen.

14 Geflüchtete aus Detmold erzählen auf dem Klosterplatz innerhalb von 90 Minuten ihre Geschichte – ganz ohne Dialog. Stattdessen untermalen eingespielte Audioaufnahmen die Angst und Verzweiflung der Geflüchteten, die unter freiem Himmel nachgestellt werden.

Das Theaterprojekt »fragile« aus Berlin erarbeitete in Kooperation mit den Geflüchteten das Stück, dass ohne viel Schnickschnack daherkommt. So reichen eine Kiste und ein paar Eimer als Requisiten völlig aus. Die Darsteller tragen zudem ausdruckslose graue Masken, die dem Ganzen eine Note von Tristesse und Ausweglosigkeit verleihen. »Dadurch bekommt das ganze eine gewisse Härte und Magie«, meint auch Merlin Nowak vom Kulturamt Bielefeld, die das Projekt unterstützt. »Das war auch das Ziel. Es soll nah und unkompliziert wirken.«

Tatsächlich braucht es nicht viel, um dem Zuschauer die Lage zu vermitteln. Ganz ohne Worte wird die Geschichte eines Paares erzählt, das einen Schmuggler bezahlt, um sich auf die lebensgefährliche Reise mit einem Frachter zu machen.

Die eingespielten Erzählungen geben die Handlung zwar nicht wieder, sind jedoch nie störend oder unpassend. Sogar dass einige der Audiotakes in der Muttersprache der Einzelnen gesprochen sind, wirkt alles andere als unverständlich.

»Ich bin wie ein Mann im Dunkeln, der spazieren geht ohne Licht«, erzählt ein junger Iraker. In dem Stück gibt es zum Schluss dennoch etwas Licht. Am Ende bauen die Darsteller einen kleinen Markt auf, wo sich das Paar wieder trifft. Und ehe man sich versieht, steht man plötzlich selbst auf der Bühne und bekommt einen Teller warme Suppe und Rezepte aus aller Welt in die Hand gedrückt. Integration zum Anfassen könnte man es nennen.

Doch nicht nur das begeistert die Bielefelder: die Darsteller, teils noch Kinder, ernten tosenden Applaus und stehende Ovationen. »Es ist verständlich, dass die Deutschen Angst haben vor den Anderen. Aber vielleicht ist das Anders-Sein ein ganz neuer Anfang.«
Mit diesen Worten schließt das Stück – und öffnet gleichzeitig den Raum für neue Gespräche.

die über das wasser wandeln ...

Diamond
die über das wasser wandeln - christos's "the floating piers" - click on the picture

Mittwoch, 15. Juni 2016

der friede sei mit euch allen: ... wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, dass das Reich Gottes nahe ist ... (Lukas 21,31): man tut nichts böses mehr ...

Unüberbrückbare Differenzen scheint es in dieser Beziehung nicht zu geben. Im thailändischen Sriracha-Zoo schwört man auf tierisches Patchwork. Hier leben Tiger und Ferkel zusammen, Raubtiermuttis säugen die Ferkel und liebkosen sie. Dass den Schweinchen hin und wieder Tigerkostüme angezogen werden, wie auf der Internetseite des Zoos zu sehen ist, wirft allerdings Fragen auf. Da bleibt am Ende zu hoffen, dass das Ferkel Schwein hat und der Tiger nur gähnen will, wenn er das Maul aufreißt. - ÖZLEM TOPCU | DIE ZEIT - Foto: Chaiwat Subprasom/Reuters



Dann wohnt der Wolf beim Lamm,
der Panther liegt beim Böcklein.
Kalb und Löwe weiden zusammen,
ein kleiner Knabe kann sie hüten.
Kuh und Bärin freunden sich an,
ihre Jungen liegen beieinander.
Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter,
das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
Man tut nichts Böses mehr
und begeht kein Verbrechen
auf meinem ganzen heiligen Berg;
denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn,
so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.

Jesaja 11, 6-9




neo-crucifixus mammona - 14|06|2016

neo-crucifxus
neo-crucifixus mammona - 14|06|2016 - S!NED!art - click on the picture

= meine Antwort auf die "manifesta"-Themenfrage in Zürich - von wegen "What people do for money?"