"

Samstag, 28. Februar 2015

Boris Vian: ... wurde vom Stachel eines Flohs, der zwischen seinem Hemd und seiner Epidermis*) eingeklemmt war, ins Herz gebissen.


S!NEDi|kritzel: ... vom Stachel eines Flohs ins Herz gebissen ...

... und der Major wurde vom Stachel eines Flohs, der zwischen seinem Hemd und seiner Epidermis*) eingeklemmt war, ins Herz gebissen. 

 Zitat aus
Boris Vian: Drehwurm, Swing und das Plankton
Zweitausendeins 1982, S. 23/24



---------------------------------------------------------

*)Epidermis

Die Epidermis ist das Oberflächenepithel der Haut.

Histologisch betrachtet handelt es sich um ein mehrschichtiges, verhorntes Plattenepithel.

Die Epidermis besteht aus 4 (5 an Händen und Füßen) Schichten:
  • Stratum basale (Basalzellschicht)
  • Stratum spinosum (Stachelzellschicht)
  • Stratum granulosum (Körnerschicht)
  • (Stratum lucidum (Glanzschicht) - nur an dicken Epidermisstellen (Handinnenfläche, Fußsohle) ausgebildet)
  • Stratum corneum (Hornschicht)

Zellen der Epidermis:
  • Melanozyten
  • Langerhans-Zellen
  • Merkel-Zellen
  • Lymphozyten

Bildunterschrift hinzufügen




Beschreibung: Die Haut
  1. Hornschicht (Ephitelium)
  2. Basalschicht (Basismembran)
  3. Lederhaut (Dermis)
  4. Unterhaut (Subcutis)


Freitag, 27. Februar 2015

avantgarde | neue photo | show zum wochenende ... | S!NEDi






... zum Wochenende eine kleine neue photo|show unter dem bezeichnenden Titel: AVANTGARDE ... - 
viel Spaß ...

und zum Stöbern am Wochenende:

Donnerstag, 26. Februar 2015

Griechenland-Minister Varoufakis spielt mit Schäuble Sudoku ...

aufgedeckt


Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich in einer Sondersitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion "fassungslos" über die jüngsten Äußerungen seines griechischen Amtskollegen Giannis Varoufakis. 
Er könne nicht erkennen, dass Varoufakis etwas tue, "um uns das Leben leichter zu machen", zitieren Teilnehmer der Sitzung Schäuble. "Wenn die Griechen gegen die Absprachen verstoßen, dann sind diese hinfällig." Die Griechen würden mit Füßen auf der Solidarität der Europäer herumtreten, wird Schäuble wiedergegeben.Varoufakis hatte in einem Radio-Interview erneut einen Schuldenschnitt für sein Land gefordert - kurz nachdem die Euro-Finanzminister einer Reformliste der griechischen Regierung zugestimmt hatten. Zudem erschien in der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" ein Interview mit Varoufakis, in dem er Schäuble und seine europäischen Amtskollegen warnt: "Wenn Ihr denkt, Ihr tut gut daran, progressive Regierungen wie unsere zur Strecke zu bringen, dann macht Euch auf das Schlimmste gefasst ... (aus SPIEGEL.de...)
Aha - Herr Minister Schäuble - ein so begeisterter wie besonnener Sudoku-Spieler - sogar auch heimlich während gewichtiger Haushaltsdebatten im Deutschen Bundestag - haben sich da aber ganz bös echauffiert ...:

Dabei hat schon der olle Fritze Perls, der Vater der Gestalt-"Philosophie" - wenn Sie, Herr Schäuble, verstehen was ich meine - in seinem sogenannten "Gestalt-Gebet" es ganz deutlich so ausgedrückt:
"Ich lebe mein Leben und du lebst dein Leben.
Ich bin nicht auf dieser Welt, um deinen Erwartungen zu entsprechen –
und du bist nicht auf dieser Welt, um meinen Erwartungen zu entsprechen.
ICH BIN ich und DU BIST du –
und wenn wir uns zufällig treffen und finden, dann ist das schön,
wenn nicht, dann ist auch das gut so."

Schäuble beim SUDOKU-Spiel
Tja - lieber Herr Minister Schäuble, der Herr Minister Yanis Varoufakis aus Griechenland ist nicht auf der Welt, um so zu sein wie Sie und einige Mitstreiter Ihrer Couleur in der €U ihn gerne haben möchten ...  - und das ist auch gut so ... -

Endlich kommt mal ein wenig Feuer unter die angestaubten und ausgehängten Talare - und er versucht wenigstens den €U-Muff der letzten 50 Jahre ein wenig aufzuwinden ...- und Ihnen so Ihr so beliebtes Langeweile-Sudoku zu vermiesen ... - er hat nämlich sogar Ahnung von dieser vermaledeiten "Spieltheorie" (s. Frank Schirrmacher: "EGO - Das Spiel des Lebens", Blessing 2013) - die dann letztlich zu dem uns und Sie und die €U bestimmenden Algorithmengewusel geführt haben - die wie heimliche Impulsgeber unseren realen "marktkonformen" Kapitalismus unabänderlich steuern - und Ihnen allen die notwendigen Zeitressourcen ermöglichen, damit sie in Ruhe Sudoku spielen können ... - denn zum "Regieren" und "Entscheidungen treffen" bleibt da nicht mehr viel übrig - es sei denn die Datenbahnen sind eines Tages verstopft...

Und dabei stellte man Herrn Varoufakis in den "seriösen" westeuropäischen Medien immer so ein wenig als einen unbeholfenen unbeleckten und unerfahrenen Polit-Clown dar - und es ist dem "FREITAG" zu danken, der in all dem Gezeter den Versuch unternimmt, Herrn Varoufakis tatsächliche Denke - ja sogar überragende Fach-Denke - zu skizzieren und damit uns allen zu erhellen - nämlich als einen beschlagenen marxistisch orientierten Ökonomen, der weit über dem Sudoku-Niveau eines beleidigten Politprofis wie Herrn Schäuble zu denken und zu sprechen und zu schreiben in der Lage ist ...
  • Und diesen "seriösen" westeuropäischen Medien muss man geradezu "Irreführung" in Bezug auf die Person Veroufakis vorwerfen ... - aber die hatte man ja bereits mit dem bösen Herrn Putin auf einem anderen "Kriegsschauplatz" hinreichend und zu genüge eingeübt: Wie manipuliert man im Sinne der "von oben" verlautbarten "marktgerechten Demokratur" öffentliche Meinung am besten ...


Yanis Varoufakis | nach einem Foto von: news.vice.com

YANIS VAROUFAKIS

Der Freidenker

Bekenntnis | Kann man mit Karl Marx den Euro retten? Und wie hilft sein Denken, die heutige Krise zu verstehen? 

Ein Essay von Yanis Varoufakis


Im Jahr 2008 erlebte der Kapitalismus zum zweiten Mal in seiner Geschichte einen Krampfanfall von globalen Ausmaßen. Die Finanzkrise setzte eine Kettenreaktion in Gang, die Europa in eine nicht enden wollende Abwärtsspirale stürzte. Die Lage, in der sich der Kontinent momentan befindet, bedroht nicht nur einzelne Gruppen, Klassen oder Länder. Sie bedroht die gesamte Zivilisation, wie wir sie kennen.

Wenn meine Prognose zutrifft und wir es nicht nur mit einer weiteren zyklischen Krise zu tun haben, ergibt sich daraus für die Linke die Frage: Sollten wir die Krise des europäischen Kapitalismus nutzen, um ihn durch ein besseres System zu ersetzen? Oder sollten wir über die momentane Situation so besorgt sein, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um das herrschende System zu stabilisieren?

Für mich ist die Antwort klar. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Krise in Europa einer besseren Alternative zum Kapitalismus den Weg ebnet. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sie gefährlich-regressive Kräfte entfesselt, die eine humanitäre Katastrophe verursachen könnten. Für diese Einschätzung wurde ich von manchen Linken als „Defätist“ bezeichnet, der das sozioökonomische System Europas retten will, das für all das steht, wogegen Linke kämpfen sollten: nämlich gegen eine undemokratische, neoliberale, völlig irrationale EU. Und ja, ich muss zugeben, diese Kritik tut weh. Weil sie mehr als nur ein Körnchen Wahrheit enthält.

Ich teile die Einschätzung, dass die Europäische Union ein gewaltiges Demokratie-Defizit hat und die Währungsunion falsch konstruiert ist. Ich bin auch überzeugt, dass diese beiden Faktoren, die von den Eliten geleugnet werden, zwei der Hauptursachen für die anhaltende Rezession sind, unter der viele Menschen seit Jahren leiden. Ich würde auch viel lieber für eine radikale Agenda eintreten, die darauf abzielt, den Kapitalismus durch ein vernünftigeres System zu ersetzen. Aber ich will erklären, warum ich denke, dass ein Zusammenbruch des europäischen Kapitalismus – so dysfunktional dieser auch sein mag – um jeden Preis vermieden werden muss. Ich will radikale Linke davon überzeugen, dass wir eine widersprüchliche Mission zu erfüllen haben: Wir müssen den freien Fall des europäischen Kapitalismus aufhalten, um die Zeit zu gewinnen, die wir für das Ausarbeiten einer Alternative brauchen.

Berater bei Papandreou


Als ich mir 1982 ein Thema für meine Doktorarbeit aussuchte, wählte ich absichtlich ein durch und durch mathematisches. Marx’ Denken spielte in diesem Bereich keine Rolle. Als ich später eine wissenschaftliche Laufbahn einschlug, unterrichtete ich an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, die mich beriefen, stets eine Art von neoklassischer Wirtschaftstheorie, in der für Marx kein Platz vorgesehen ist. Ende der 80er stellte man mich an der Universität Sydney sogar ein, um so einen linken Kandidaten an der Fakultät zu verhindern – das erfuhr ich allerdings erst später.

Als ich 2000 nach Griechenland zurückkehrte, begann ich, für George Papandreou zu arbeiten. Ich dachte, ich könnte ihm helfen zu verhindern, dass eine wiedererstarkende Rechte die Regierung übernimmt. Denn diese war wild entschlossen, Griechenland zu einem von Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus geprägten Land zu machen. Wie heute jeder weiß, ist Papandreous Partei aber nicht nur daran gescheitert, der Fremdenfeindlichkeit etwas entgegenzusetzen. Sie verantwortete am Ende sogar eine äußerst aggressive neoliberale Politik, die mit ihrer sogenannten Bankenrettung – wenn auch unbeabsichtigt – dafür sorgte, dass wieder Nazis auf den Straßen von Athen marschierten. Obwohl ich Anfang 2006 meinen Job als Papandreous Berater aufgab und zu einem der entschiedensten Kritiker seines Krisenmanagements wurde, hatten meine öffentlichen Interventionen aber mit Marxismus nicht das Geringste zu tun.

Dennoch: Karl Marx hat meine Sicht auf die Welt entscheidend geprägt. Von meiner Jugend bis heute. Das ist etwas, worüber ich in „vornehmer Gesellschaft“ nicht offen rede, denn die meisten Leute schalten sofort auf Durchzug, wenn sie den Namen des Bärtigen nur hören. Aber warum komme ich dann jetzt darauf zu sprechen, wenn ich ihn während meiner wissenschaftlichen Karriere weitgehend ignoriert habe und auch meine aktuellen politischen Empfehlungen unmöglich als marxistisch beschrieben werden können? Die Antwort ist einfach: Selbst meine nicht-marxistische Ökonomie folgt Marx’ Methode der immanenten Kritik, die die Grundsätze des Gegners akzeptiert, um ihm dann nachzuweisen, dass seine eigenen Ableitungen zu diesen Annahmen in Widerspruch stehen.

Man kann natürlich auch alternative Theorien entwickeln und hoffen, dass diese ernst genommen werden, aber nach meiner Erfahrung lassen die Herrschenden sich niemals von Theorien beunruhigen, die von anderen Annahmen als ihren eigenen ausgehen. Die etablierte neoklassische Wirtschaftswissenschaft lässt sich – wenn überhaupt – durch nichts anderes verunsichern als durch den Nachweis der inneren Widersprüchlichkeit ihrer eigenen Modelle. Aus diesem Grund habe ich mich von Anfang an mit der neoklassischen Theorie beschäftigt und so gut wie keine Energie darauf verwandt, alternative Kapitalismusmodelle zu entwickeln. Meine Beweggründe hierfür waren aber marxistische.

Wenn man mich jedoch bat, mich zu der Welt zu äußern, in der wir leben, konnte ich gar nicht anders, als auf die marxistische Tradition zurückzugreifen, die mein Denken prägt, seit mein Vater mir als Kind die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf den historischen Prozess vor Augen führte. Mein Vater war Metallurg und Chemieingenieur. Er erklärte mir, wie zum Beispiel der Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit die Geschichte vorantrieb; wie die Entdeckung des Stahls die Dinge noch einmal beschleunigte; und wie schließlich die auf Silicium basierenden IT-Technologien unsere Welt wieder völlig veränderten.
______________________________________
Yanis Varoufakis ist seit Januar Finanzminister im Kabinett von Alexis Tsipras. Er wurde am 24. März 1961 in Athen geboren. Sein Vater war Vorstandsvorsitzender eines griechischen Stahlkonzerns. Varoufakis studierte in Großbritannien Wirtschaftsmathematik, nach der Promotion lehrte er Ökonomie unter anderem in Cambridge, Glasgow, Sydney, Austin und Athen. Er hat Texte zur "Spieltheorie veröffentlicht - Jakob Augstein bezeichnet ihn gar als Professor für Spieltheorie. Auf Englisch bloggt er unter yanisvaroufakis.eu (siehe Vita unten ...)
______________________________________ 

Dass ich schon sehr früh Bekanntschaft mit Marx’ Schriften gemacht habe, lag aber auch daran, dass ich in einer besonderen Zeit aufwuchs. Griechenland war gerade dabei, den Albtraum der neofaschistischen Diktatur von 1967 bis 1974 abzuschütteln. An Marx faszinierte mich sein Talent, ein Drehbuch der Geschichte, ja der Verdammnis der Menschheit zu schreiben, in dem aber immer die Möglichkeit zur Erlösung enthalten war. Die Arbeiter, Kapitalisten, Funktionäre und Wissenschaftler, die seine Erzählung als Akteure der Geschichte bevölkerten, bedienten sich im Zuge der Selbstermächtigung der Vernunft und der Wissenschaft. Sie entfesselten dabei entgegen ihrer Absichten aber dämonische Kräfte, die sie ihrer Freiheit und Menschlichkeit beraubten.

Die dialektische Sichtweise, in der alles auch sein Gegenteil hervorbringt, und der scharfe Blick, mit dem Marx in einer der veränderungsfeindlichsten Gesellschaftsstrukturen überhaupt das Potenzial zur Veränderung wahrnahm, half mir, die großen Widersprüche der kapitalistischen Epoche zu begreifen. Sie lösten für mich das Paradox eines Zeitalters auf, das im selben Moment atemberaubenden Reichtum und noch nie gesehene Armut hervorbrachte. Heute, wenn wir uns der Krise in Europa, in den USA und der anhaltenden Stagnation des japanischen Kapitalismus zuwenden, verstehen die meisten Kommentatoren nicht den dialektischen Prozess, der sich vor ihren Augen abspielt. Sie erkennen den Schuldenberg und die Verluste des Bankensektors, vernachlässigen aber die andere Seite: den gewaltigen Berg an Sparguthaben, die aus Angst eingefroren auf den Konten liegen, statt produktiv investiert zu werden.

Einer der Hauptgründe, warum viele Beobachter unsere Realität nicht wirklich begreifen, liegt darin, dass sie nie das dialektische Spannungsverhältnis der „gemeinsamen Produktion“ von Schulden und Überschüssen, Wachstum und Arbeitslosigkeit, Reichtum und Armut, ja: von Gut und Böse verstanden haben. Marx’ Drehbuch hat uns gezeigt, dass diese binären Oppositionen die Quelle für die Durchtriebenheit der Geschichte sind.


Bereits während meiner ersten Gehversuche als Ökonom gelangte ich zur Überzeugung, dass Marx eine Entdeckung gemacht hatte, die im Zentrum einer jeden ernst zu nehmenden Analyse des Kapitalismus stehen muss. Es handelt sich um eine weitere binäre Opposition in der Natur der menschlichen Arbeit, und zwar zwischen deren beiden recht verschiedenen Eigenschaften, I) eine wertbildende Tätigkeit zu sein, die niemals im Voraus quantifiziert und deshalb unmöglich zur Ware werden kann, und gleichzeitig II) in Arbeitsstunden quantifizierbar, käuflich und damit eine Ware zu sein, die ihren Preis hat.

Dieser widersprüchliche Doppelcharakter der Arbeit, der sie von anderen produktiven Faktoren unterscheidet, spielte in der bürgerlichen politischen Ökonomie vor und nach Marx keine Rolle. Die etablierte Wirtschaftswissenschaft weigert sich bis heute vehement, ihn zur Kenntnis zu nehmen. Ohne diese Einsicht kann die Tendenz des kapitalistischen Wirtschaftssystems, Krisen hervorzubringen, aber niemals völlig verstanden werden.

In dem Science-Fiction-Klassiker Die Körperfresser kommen von 1953 greift die Armee der Aliens die Menschen nicht von außen an, sondern übernimmt sie von innen heraus, bis nichts von ihrem Geist und ihren Gefühlen mehr übrig bleibt. Ihre Körper sind dann nur noch willenlose Hüllen, die vom Kern der menschlichen Natur „befreit“ wurden. So ähnlich würde es aussehen, wenn die menschliche Arbeit sich vollständig in die Modelle der Vulgärökonomen einfügen ließe.

Jede Wirtschaftstheorie, die davon ausgeht, menschliche und nicht-menschliche Faktoren seien beliebig austauschbar, unterstellt, dass die Entmenschlichung der Arbeit bereits vollständig erfolgt sei. Wäre das möglich, würde dies allerdings das Ende des Kapitalismus als eines Werte schaffenden und verteilenden Systems bedeuten. Sollte es dem Kapital jemals gelingen, die Arbeit vollständig zu quantifizieren und damit zu einer Ware zu machen wie jede andere, wird es gleichzeitig diese unbestimmte, widerspenstige menschliche Freiheit auslöschen, die der Arbeit innewohnt. Und die es ermöglicht, dass ein Wert entsteht.

Freiheit als eigene Kategorie

Marx’ großartiges Verständnis des Wesens der kapitalistischen Krise bestand genau darin: Je mehr es dem Kapitalismus gelingt, Arbeit in eine Ware wie jede andere zu verwandeln, desto geringer ist der Wert einer jeden Produkteinheit, die sie schafft. Desto niedriger ist die Profitrate und desto näher letztlich die nächste Rezession. Marx war der Einzige, der erkannt hat, dass die menschliche Freiheit eine ökonomische Kategorie darstellt. Dies hat ihm ermöglicht, die Tendenz des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu Krise, Rezession und Depression mit großer analytischer Scharfsinnigkeit zu interpretieren.

In einer Zeit, in der die Neoliberalen die Mehrheit der Gesellschaft mit ihrer Theorie umgarnt haben und gebetsmühlenartig erklären, die Produktivität der Arbeit müsse erhöht werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und Wachstum zu generieren, bietet Marx’ Analyse ein starkes Gegengift. Das Kapital kann bei seinem Versuch, die Arbeit in einen unendlich elastis
chen, mechanisierten Input zu verwandeln, niemals gewinnen, ohne selbst dabei zugrunde zu gehen. Das ist es, was weder Neoliberale noch Keynesianer jemals begreifen werden.

Heute würdigen fast alle Denkschulen, einschließlich einiger Ökonomen, Marx als einflussreiche Figur der Geistesgesichte. Im selben Atemzug behaupten sie aber, sein Beitrag habe heute keine große Relevanz mehr. Ich sehe das anders. Abgesehen davon, dass er das grundlegende Dilemma der kapitalistischen Dynamik genau erfasst hat, hat Marx mir auch die Werkzeuge an die Hand gegeben, um mich gegen das Gift des Neoliberalismus zu immunisieren. Nur ein Beispiel: Man kann nur allzu leicht der Vorstellung erliegen, Reichtum werde privat produziert und dann mittels Steuern von einem quasi-illegitimen Staat angeeignet. Wer aber bei Marx einmal gelernt und verstanden hat, dass das genaue Gegenteil der Fall ist – Reichtum wird kollektiv produziert und dann aufgrund der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse und Eigentumsrechte privat angeeignet –, fällt darauf nicht mehr rein.

Warum nenne ich mich aber einen erratischen Marxisten? Nachdem ich gezeigt habe, was ich Karl Marx alles verdanke, muss ich auch erklären, warum ich mich oft schrecklich über ihn ärgere und mich eher als erratischen, denn als marxistischen Marxisten bezeichne. Marx hat zwei schwere Fehler begangen. Und diese behindern die Wirkungsmacht der Linken noch heute, insbesondere in Europa.

Marx’ erster Fehler bestand darin, dass er nicht genügend darüber nachdachte, welchen Einfluss seine Theorie auf die Welt haben würde. Seine Theorie ist diskursiv außergewöhnlich stark, dessen war er sich bewusst. Wie ist es also möglich, dass er sich keine Gedanken darüber machte, dass seine Schüler, also Leute, die diese überzeugenden Ideen besser begreifen konnten als der durchschnittliche Arbeiter, die Macht, die sie ihnen verliehen, dazu nutzen könnten, sich über ihre Genossen zu erheben? Dieses Versäumnis kann ich Marx aber noch verzeihen, er war ja kein Prophet.

Sein zweiter Fehler wiegt wesentlich schwerer – und ich bin nicht bereit, ihm diesen zu verzeihen. Er besteht in der Annahme, die Wahrheit über den Kapitalismus könne in der Mathematik seiner Modelle gefunden, also quasi mathematisch bewiesen werden. Das war der schlimmste Bärendienst, den er seiner Theorie erweisen konnte. Derselbe Mann, der uns die menschliche Freiheit als ökonomische Kategorie von erstem Rang präsentierte; derselbe Wissenschaftler, der die radikale Unbestimmtheit in ihren rechtmäßigen Rang in der politischen Ökonomie erhob, spielte mit stark vereinfachten algebraischen Modellen herum, um aus diesen Gleichungen gegen alle Vernunft zusätzliche Einsichten über den Kapitalismus zu gewinnen. Wie konnte Marx sich da so sehr täuschen? Warum hat er nicht gemerkt, dass aus keinem mathematischen Modell der Welt sich jemals eine Wahrheit über den Kapitalismus ergeben kann, ganz egal, wie genial der Schöpfer des Modells auch sein mag? Ich vermute, Marx wusste, was er tat. Ihm musste klar sein, dass eine umfassende Werttheorie nicht in einem mathematischen Modell untergebracht werden kann und dass eine seriöse ökonomische Theorie respektieren muss, dass die Regeln des Unbestimmten selbst unbestimmt sind.

Immer das letzte Wort

Dies anzuerkennen hätte aber bedeutet zu akzeptieren, dass seine „Gesetze“ nicht unabänderlich waren. Er hätte konkurrierenden Stimmen in der Gewerkschaftsbewegung zugestehen müssen, dass seine Erklärungen nicht uneingeschränkt zutreffen konnten und bis zu einem gewissen Grad immer provisorisch bleiben würden. Seine Entschlossenheit, immer das letzte Wort behalten zu wollen, ist etwas, dass ich Marx nicht verzeihen kann. Wie sich gezeigt hat, folgten daraus ein Hang zum Autoritären und eine Menge Fehleinschätzungen, die bis heute nachwirken und für die Unfähigkeit der Linken, konstruktive Impulse zu setzen, mitverantwortlich sind.

1978 ging ich zum Studieren nach England. Sechs Monate später sollte der Sieg Margaret Thatchers Großbritannien für immer verändern. Ich erlag als junger Linker damals einer grandiosen Fehleinschätzung: Ich nahm an, Thatchers Sieg könne etwas Gutes an sich haben. Der Schock, den er den britischen Arbeitern und Mittelschichten versetzen würde, würde der Linken die Möglichkeit geben, eine radikale Agenda zu formulieren und umzusetzen. Selbst als sich die Arbeitslosenzahlen unter Thatcher verdoppelt und dann verdreifacht hatten, hoffte ich immer noch, Lenins Maxime „je schlimmer, desto besser“ würde sich bewahrheiten. Das Leben wurde immer härter, brutaler, für viele auch kürzer. Und mir schwante, dass ich einem Irrtum aufgesessen war: Die Dinge konnten sich immer weiter verschlechtern, ohne jemals besser zu werden. Die Hoffnung, dass die Verschlechterung der Zustände automatisch zu einer Renaissance der Linken führen würde, war nichts als: eine Hoffnung.

Stattdessen wurde die Linke mit jeder Drehung der Rezessionsschraube immer unfähiger, eine überzeugende Antwort hervorzubringen. Die Arbeiterklasse wurde gespalten: Die einen fielen aus der Gesellschaft heraus, die anderen mussten die neoliberale Mentalität verinnerlichen, um zu überleben. So wurden sie integriert.


Anstatt die Gesellschaft zu radikalisieren, zerstörte die Rezession die Möglichkeit einer radikalen, progressiven Politik. Irgendwann wurde es fast unvorstellbar, dass es jenseits dessen, was der Markt als den „richtigen Preis“ ermittelte, noch andere Werte geben sollte. Die Lektion, die Thatcher mich in Bezug auf eine lang anhaltende Rezession lehrte, begleitet mich heute durch die europäische Krise. Thatcher zeigte mir, dass es möglich ist, jeglichen Ansätzen einer emanzipatorischen Politik das Wasser abzugraben, indem man die Gesellschaft mit Hass und Missgunst verseucht. Aufgrund dieser Erfahrung lasse ich mir gern von einigen Kritikern auf der Linken eine Sünde vorhalten: die Sünde, kein radikales politisches Programm vorzuschlagen, das versucht, die Gelegenheit zu nutzen, um den Kapitalismus in Europa zu überwinden, die Währungsunion aufzulösen und die Europäische Union der Kartelle und bankrotten Banker zu schwächen.

Ja, ich würde gerne eine solche Agenda verfolgen, bin aber nicht bereit, den gleichen Fehler zweimal zu begehen. Was würde es bringen, heute die Eurozone oder sogar die ganze EU aufzulösen, wenn der Kapitalismus doch selbst sein Möglichstes tut, um die Eurozone, die EU und sogar sich selbst zu untergraben? Ein griechischer, portugiesischer oder italienischer Austritt aus der Eurozone würde schnell zu einer Fragmentierung des europäischen Kapitalismus führen und hätte eine stark rückläufige Überschuss-Region nördlich der Alpen zur Folge, während der Rest Europas sich im Griff einer üblen Stagflation wiederfände. Wer aber würde von einer solchen Entwicklung profitieren? Eine emanzipatorische Linke? Oder die Nazis von der Goldenen Morgenröte? Ich habe keine Zweifel, wer dann als Sieger hervorgehen würde. Ich bin jedenfalls nicht bereit, einer postmodernen Version der 1930er den Weg zu bereiten. Wenn das bedeutet, dass wir, die erratischen Marxisten, den europäischen Kapitalismus retten müssen, dann sei es so – nicht aus Liebe zu Brüssel oder der Europäischen Zentralbank, sondern einfach, um die Zahl der Krisenopfer so gering wie möglich zu halten.

Noch nicht bereit

Die Eliten Europas verhalten sich heute, als verstünden sie weder die Natur der Krise, die sie zu verantworten haben, noch deren Auswirkungen auf die Zukunft. Atavistisch halten sie daran fest, die Konten der Schwachen und Besitzlosen zu plündern, um damit die im Finanzsektor klaffenden Löcher zu stopfen. Während sie die Realität nicht anerkennen wollen und deshalb über die Vorgänge zutiefst verwirrt sind, muss aber auch die Linke sich eingestehen, dass wir zurzeit nicht bereit sind, den Abgrund, den ein Zusammenbruch des Kapitalismus in Europa aufreißen würde, mit einem funktionierenden sozialistischen System zu überbrücken.

Unsere Aufgabe sollte daher erstens darin bestehen, eine Analyse anzufertigen, die auch nicht-marxistische Europäer, die von den Sirenen des Neoliberalismus gelockt wurden, einsichtig finden. Zweitens sollten wir dieser Analyse Vorschläge zur Stabilisierung Europas folgen lassen – um die Abwärtsspirale zu beenden, von der letzten Endes nur die Fanatiker profitieren.

Schließen möchte ich meine Ausführungen mit einem sehr persönlichen Bekenntnis: Ich kenne die Gefahr, mich über die Enttäuschung, dass ich das Ende des Kapitalismus wohl nicht selbst erleben werde, mit der Genugtuung hinwegzutrösten, dass ich mittlerweile in der „feinen Gesellschaft“ akzeptiert werde. Bei mancher Gelegenheit begann mich schon dieses Gefühl der Selbstzufriedenheit zu beschleichen – es ist ein hässliches, zersetzendes Gefühl.

Meinen persönlichen Tiefpunkt erlebte ich auf einem Flughafen. Irgendeine solvente Organisation hatte mich eingeladen, um eine Grundsatzrede über die europäische Krise zu halten, und mir ein aberwitzig teures Ticket für die Erste Klasse gekauft. Auf dem Weg zurück nach Hause, ich war müde und hatte bereits mehrere Flüge hinter mir, ging ich an der langen Schlange wartender Economy-Class-Passagiere vorbei zu meinem Gate. Plötzlich bemerkte ich mit Schrecken, wie leicht ich mir den Gedanken zu eigen machte, ich sei dazu berechtigt, am „gemeinen Volk“ vorbeizugehen. Mir wurde klar, wie leicht man vergessen kann, was mein linkes Bewusstsein immer gewusst hat: dass nichts sich besser reproduziert als ein falsches Gefühl der Berechtigung. Wenn wir Allianzen mit reaktionären Kräften schmieden – was wir tun sollten, um Europa zu stabilisieren –, setzen wir uns der Gefahr aus, integriert und vereinnahmt zu werden.

Radikale Bekenntnisse wie dieses hier sind vielleicht ein Gegengift gegen jene Mechanismen, die uns allzu leicht zu Rädern im Getriebe werden lassen. Wenn wir Bündnisse mit unseren politischen Gegnern eingehen, müssen wir es vermeiden, so zu werden wie die Sozialisten, denen es nicht gelang, die Welt zu verändern, die aber recht erfolgreich darin waren, ihre eigenen Lebensumstände zu verbessern. Die Kunst besteht darin, revolutionäre Maximalforderungen zu vermeiden, die am Ende nur den Neoliberalen helfen. Und zugleich die immanenten Fehler des Kapitalismus im Auge zu behalten, während wir – aus strategischen Gründen – versuchen, ihn vor sich selbst zu retten.


Info | Dieser Text ist die überarbeitete, aktualisierte Fassung einer Rede, die 2013 beim Subversive-Festival in Zagreb gehalten wurde

Quelle: der Freitag 

Übersetzung aus dem Englischen: Holger Hutt

..........................................................

  • Vita

Yanis Varoufakis | nach einem Foto von: news.vice.com
Yanis Varoufakis 

(griechisch Γιάνης Βαρουφάκης , Gianis Varoufakis; * 24. März 1961 in Athen) ist ein griechischer Wirtschaftswissenschaftler, der ebenfalls die australische Staatsbürgerschaft besitzt. Er ist Verfasser mehrerer Sachbücher und aktiver Blogger. Bei der Parlamentswahl 2015 wurde er für SYRIZA ins griechische Parlament gewählt und ist seit dem 27. Januar 2015 Finanzminister im Kabinett Alexis Tsipras.

Laufbahn
Nach dem Erwerb der Hochschulreife an der Privatschule Moraitis in Athen studierte Varoufakis Wirtschaftsmathematik an der University of Essex und Mathematische Statistik an der University of Birmingham. Zwischen 1983 und 1985 lehrte er zunächst in Essex, wo er zwei Jahre später in Ökonomie promovierte. Von 1986 bis 1988 war er Fellow und Lehrkraft an der Universität von Cambridge. Zudem dozierte er an den Universitäten von East Anglia, Glasgow und Sydney, bevor er im September 2000 an die Universität von Athen berufen wurde. Ab 2013 unterrichtete er auch an der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs der University of Texas in Austin. Außerdem veröffentlichte er Bücher über die Spieltheorie.

Von Januar 2004 bis Dezember 2006 war Varoufakis Berater des späteren griechischen Ministerpräsidenten Giorgos A. Papandreou, dessen Politik er später scharf kritisierte.

Ab dem Jahr 2012 wirkte er mehrere Monate für die Valve Corporation zunächst als Hausökonom, dann als Berater. Über die Ergebnisse seiner Forschungen berichtete er in einem Blog.

Öffentliches Wirken
2010 gründete er mit der Künstlerin Danae Stratou die gemeinnützige Organisation Vital Space, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf weltweit vorkommende Missstände aufmerksam zu machen.

International bekannt wurde er durch sein in sechs Sprachen übersetztes Buch The Global Minotaur (deutsch: Der globale Minotaurus) über die Entstehung der Finanzkrise ab 2007. Er verwendet darin die Metapher der Tribute an den Minotauros für seine zentrale These, dass seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems Anfang der 1970er Jahre der größte Teil der Gewinne der deutschen, chinesischen und japanischen Industrie aus Exportüberschüssen in die USA zurückgeflossen seien und damit zu einer beschleunigten Verschuldung der USA geführt haben. Der Verlag Zed Books zitierte die positive Rezeption des Buchs u.a. durch Steve Keen und Terry Eagleton. Er gab als Experte zur Weltwirtschafts- und Eurokrise Interviews im Fernsehen (z.B. auf den Sendern BBC, CNN, Sky News, RT und Bloomberg TV) und in der Presse. Sein Twitter-Account hatte vor seiner Ernennung zum Finanzminister fast 130.000 Follower.

Wirtschaftspolitische Standpunkte
Varoufakis’ volkswirtschaftlicher Standpunkt wurde von einem Analysten als „John Maynard Keynes mit einem Hauch von Karl Marx“ beschrieben.[10] Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnete ihn als Pragmatiker, der mit den europäischen Kollegen eine für beide Seiten akzeptable Lösung suchen wolle.

Er ist ein strikter Gegner der Austeritätspolitik als Antwort auf die griechische Staatsschuldenkrise. Seiner Ansicht nach „wurden hohe Verluste aus den Büchern der Banken auf die schwachen Schultern der griechischen Steuerzahler verschoben in dem vollen Bewusstsein, dass die Kosten, weil die griechischen Schultern zu schwach dafür waren, auf Deutschland, die Slowakei, Finnland, Portugal und anderen überschwappen würden“. Nicht Griechenland sei gerettet worden, sondern Banken und verschiedene Hedgefonds. Da durch die drastischen Sparauflagen die Einkommen der Menschen um ein Viertel reduziert wurden und gleichzeitig die Lebenshaltungskosten stiegen, sei es sowohl für die öffentliche Hand als auch für den privaten Sektor in Griechenland unmöglich geworden, alte und neue Kredite zurückzuzahlen.

Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt ERT protestierte er im Juni 2013 gegen deren Schließung, er bezeichnete den Schritt als „barbarisch“.

In seinem erstmals 2010 zusammen mit Stuart Holland und (ab der 4. Auflage 2013:) mit James K. Galbraith veröffentlichten „A Modest Proposal for Resolving the Eurozone Crisis“ schlug Varoufakis vor: 

  • (1) die Banken der hochverschuldeten Staaten direkt unter die Aufsicht der EZB zu stellen, 
  • (2) die Schulden der südeuropäischen Länder, sofern sie „Maastricht-konform“ sind (d.h. der Anteil, der unter 60 Prozent des BIP liegt) mit Unterstützung der EZB neu auf den Markt zu bringen, 
  • (3) einen europäischen Investitionsfonds, 
  • (4) ein Notprogramm finanziert aus Zinszahlungen auf Target2-Verbindlichkeiten. 

Varoufakis et al. nennen ihren Vorschlag „modest“ (dt: bescheiden), weil sie der Ansicht sind, dass die europäischen Institutionen dadurch nicht grundsätzlich verändert würden. 
Den vorgeschlagenen Europäischen Investitionsfonds könne man, so Varoufakis Anfang 2015, auch „Merkel-Plan“ nennen - in Anlehnung an den „Marshall-Plan“ der 1950er Jahre. 

Der Bremer Ökonom Hans-Heinrich Bass bezeichnete die Vorschläge von Varoufakis et al. zustimmend als „unkonventionell, aber europa-konform“. Bass spricht im Zusammenhang mit der Umschuldung von einem „Reinwaschen“ eines Teils der Schulden, nämlich der „guten“, d.h. mit einem physischen Gegenwert (beispielsweise in der Infrastruktur) gesicherten, Schulden. Demgegenüber bezeichnete der Journalist Christian Reiermann in Der Spiegel die Vorschläge als „Wolkenschiebereien“. Der Text der drei Autoren soll am 27. Februar 2015 in deutscher Übersetzung erscheinen unter dem Titel Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise.

Zu seiner Einschätzung der Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung erklärte Varoufakis:
„Der Euro ist nicht zukunftsfähig. Die Art und Weise, wie die EU diese Krise anging, war monumental idiotisch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Situation nicht unter Kontrolle, Europas Bankensystem bleibt weiterhin fragmentiert, und wir bewegen uns eher in Richtung Nationalisierung der Politik als in Richtung Fiskalunion. Wenn wir Europas Probleme weiterhin so behandeln wie bisher, dann wird es in ein paar Jahren keinen Euro mehr geben.“
– Yanis Varoufakis: Interview in profil

Familie

Varoufakis war in erster Ehe mit einer Australierin griechischer Herkunft verheiratet. Nach elf Jahren trennte sich das Paar und seine Exfrau kehrte mit der gemeinsamen Tochter von Athen zurück nach Australien. Varoufakis betont, er habe täglich Kontakt zu seiner Tochter, indem er via Skype mit ihr kommuniziere. Seit 2005 lebt er mit der Künstlerin Danae Stratou zusammen, mittlerweile in zweiter Ehe. (WIKIPEDIA)

Kirche im Dorf lassen | impuls für die woche - 169


S!NEDi|photography: ... und ich sagte noch: Lasst doch die Kirche im Dorf ...

 Jesus von Nazareth spricht: "Das Reich Gottes ist in euch." (Lukas 17, 21)
  • Und der Jünger Stephanus mahnt: "Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht (Jesaja 66, 1-2): ´Der Himmel ist mein Thron und die Erde ist der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen`, spricht der HERR, ´oder was ist die Stätte meiner Ruhe? Hat nicht meine Hand das alles gemacht?` Ihr Halsstarrigen, mit verstocktem Herzen und tauben Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr" (Apostelgeschichte 7, 48-51). Unmittelbar nach diesen Worten ließen ihn die Priester umbringen.
  • Und in der Bergpredigt lehrt Jesus: "Wenn du aber betest, so geh in die Kammer und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir´s vergelten." (Matthäus 6, 6)
  • Nachdem Jesus die Tierhändler aus dem Tempel aus Stein getrieben hatte, forderten seine Zeitgenossen: "´Was zeigst du uns für ein Zeichen, dass du dies tun darfst?` Jesus antwortete und sprach zu ihnen: ´Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.` Da sprachen die Juden: ´Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?` Er aber redete vom Tempel seines Leibes."  (Johannes 2, 18-21)
  • Und Jesus betete zu Gott, seinem Vater, über seine Jünger: "Wie Du, Vater, in mir bist und ich in Dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast." (Johannes 17, 21)
  • Der Kirchenlehrer Paulus erklärt: "Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1. Korinther 3, 16)
  • Und Paulus lehrt auch weiterhin: "In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir." (Apostelgeschichte 17, 28)
  • Und Jesus prophezeite seine geistige Wiederkunft: "Seid auf der Hut, dass niemand euch irre führe mit den Worten ´Seht hier` oder ´Seht da`. Denn der Sohn des Menschen ist in eurem Innern. Folget ihm nach! Die ihn suchen, werden ihn finden." (Das von der Kirche als "apokryph" (= verborgen) bezeichnete und nicht in die Bibel aufgenommene Evangelium der Maria, zit. nach Papyrus Berolinensis, S. 8, 12 - 9, 5)
  • Johannes schreibt: "Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4, 16 b)
  • Diese "Väter" der Priester, von denen Stephanus sprach, ließen in Israel zweimal einen Tempel aus Edelhölzern und Stein bauen und erfanden einen grausamen Kult mit der Opferung von zigtausend unschuldigen Tieren. Angeblich hätte König Davids Sohn Salomo von "Gott" den Auftrag zum ersten Tempelbau erhalten. Doch von welchem Gott?
  • Bereits David selbst wollte ein solches Haus bauen. Doch ein Prophet griff ein, und es heißt im 2. Buch Samuel: "In der Nacht aber kam das Wort des HERRN zu Nathan: ´Geh hin und sage zu meinem Knecht David: ´So spricht der HERR: Solltest du mir ein Haus bauen, dass ich darin wohne? Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tag, da ich die Israeliten aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als Wohnung. Habe ich die ganze Zeit, als ich mit den Israeliten umherzog, je geredet zu einem der Richter Israels, denen ich befohlen hatte, mein Volk Israel zu weiden, und gesagt: Warum baut ihr mir nicht ein Zedernhaus?``" (2. Samuel 7, 5-7)
  • Und durch den Propheten wurde David auch folgendes Gotteswort übermittelt: "Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will" (Vers 11 b). David selbst sollte also zu einem würdigen "Tempel Gottes" werden, in dessen Herz Gott wohnen kann.


Und doch meine ich - lasst doch die Kirche im Dorf ... Sie mag einige Jahrhunderte alt sein. So eine schöne Dorfkirche besteht nun mal aus alten Wackersteinen, die im Märchen den Wolf beim Trinken in die Tiefe gerissen haben - weil statt eines lebendigen Glaubens diese toten alten schweren Wackersteine in seinem Bauch als Ballast herumkullerten ...

Ja, wenn Steine reden könnten, dann hätten sie eine Menge zu erzählen: Von der damaligen Bevölkerung wurde die Kirche mit viel Opfern gebaut: es mussten Sonderzahlungen und besondere Spanndienste geleistet werden. Viele Generationen sind in der Dorfkirche getauft, konfirmiert, getraut und betrauert worden. Die Woche über steht die Kirche meistens leer und ungenutzt da, am Sonntag sind die meisten Sitzplätze unbesetzt. Es gibt Stimmen, die sagen, solche kaum genutzten Dorfkirchen sollte man schließen und verkaufen. Andere Stimmen protestieren: Man muss doch die Kirche im Dorf lassen!

Das ist die eine sichtbare Kirche - das Kirchengebäude: sie besteht objektiv aus toten Steinen, die nun mal nicht reden können. Für viele weckt sie allenthalben nostalgische Gefühle, sie gehört eben zum Dorfbild dazu, ansonsten ist die Kirche ein Museum geworden. Vor 4 Jahren waren wir auf dem Kirchentag in Dresden und haben uns die Frauenkirche angeschaut. Diese Kirche wurde ja im Februar 1945 zerstört und ist nun wieder aufgebaut.

Viele Steine aus dem Trümmerhaufen hat man seinerzeit sorgfältig gesammelt und mit Nummern versehen. So wollte man garantieren, dass sie auf ihren früheren Platz kommen. Jeder Stein hat seine besondere Bedeutung an seinem Platz! Doch was kommt danach: Wird die Frauenkirche auch nur ein großes Museum, ein Konzertgebäude oder doch Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinde sein?

Kirche als Museum, als Denkmal als Konzertgebäude- oder wie hier in Bielefeld - als Nobelrestaurant? Kann das alles sein? Die Texte oben sprechen von einer anderen Kirche, wie sie Jesus Christus gewollt hat: Diese Kirche besteht nicht aus toten, sondern aus lebendigen Steinen. Ein bemerkenswertes Bild: die Kirche als ein geistiges Haus aus lebendigen Steinen. Jeder Stein gehört an seinen Platz. Jeder Stein hat seine eigene und besondere Bedeutung. Genauso wie bei der Frauenkirche in Dresden die alten Steine einzeln nummeriert und katalogisiert worden sind, hat Gott uns gewissermaßen einzeln katalogisiert: Er hat uns bei unserem Namen gerufen: wir gehören zu ihm!

Mit jedem Leben hat Gott einen Stein vom Boden aufgelesen und lebendig an seinen Platz gestellt.

An diesem Platz soll ich mit Gestalt annehmen, Profil gewinnen, Raum greifen, tragen, da soll ich die Nachbarsteine stützen, gleichzeitig aber werde ich selbst von anderen Steinen getragen und gestützt - ein Jeder nach seiner Art - und nur so bin ich Teil eines Großen und Ganzen.

Eine solche Kirche aus lebendigen Steinen ist ungleich wertvoller als ein altes Gebäude aus toten Steinen. In dieser Kirche aus lebendigen Steinen werden wir Schutz finden vor den Stürmen unserer Zeit. In dieser Kirche aus lebendigen Steinen werden wir Geborgenheit und Gemeinschaft finden, wenn wir draußen alt und einsam geworden sind. Natürlich muss man die Kirche im Dorf lassen - vor allem aber diese Kirche aus lebendigen Steinen immer weiter neu bauen - in einer permanenten Dynamik - in einem unablässigen Prozess ... - dann lässt sich das Nobelrestaurant in einem alten Kirchengebäude auch besser ertragen ... - wenn wir daran vorbeifahren ...

Und diese Kirche aus lebendigen Steinen wird nie "fertig" werden - obwohl sie hier und da schon ganz schön "fertig" ist - vergleichbar mit den riesengroßen Dombauten unserer Zeit: Die ewige Bauhütte am Kölner Dom - die über 100 Jahre alte Baustelle der "Sagrada Família" nach den Plänen von Antoni Gaudí in Barcelona: Es fehlen immer Teile: es fehlt an allen Ecken und Enden - es fehlt hier und fehlt da. 

Und vielleicht kann diese eigentliche uns umhüllende Kirche aus lebendigen Steinen auch niemals fertig sein, denn wo Leben ist, da gibt es ja auch notwendige Veränderungen. Menschen werden geboren, Menschen sterben, die Zeiten wandeln sich: das alles ruft Veränderungen hervor. Gott aber bleibt ...

mit Materialien aus dieser Predigt...

Mittwoch, 25. Februar 2015

MICHAEL JACKSON: EARTH SONG | S!NEDi|SL!DE|SHOW



Earth Song - 08.11.1995 (Erstveröffentlichung) 
Songtext Übersetzung


Was ist mit dem Sonnenaufgang
Was ist mit dem Regen
Was ist mit allen Dingen
Von denen Du sagtest, dass wir sie erben würden...
Was ist mit den Schlachtfeldern
Kommt diese Zeit noch
Was ist mit all den Dingen
Von denen Du sagtest, sie wären Dein und mein...
Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen
Wie viel Blut wir schon vergossen haben
Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen
Wie die Erde schreit, diese Küsten weinen?

Was haben wir der Welt angetan
Schau was wir getan haben
Was ist mit all dem Frieden
Welchen Du Deinem einzigen Sohn versprachst...
Was ist mit den Blumenfeldern
Kommt diese Zeit noch
Was ist mit all den Träumen
Von denen Du sagtest, sie wären Dein und mein...
Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen
Wie viele Kinder im Krieg starben
Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen
Wie die Erde schreit, diese Küsten weinen?

Ich träumte immer
Ich blickte immer jenseits der Sterne
Jetzt weiß ich nicht mehr, wo wir sind
Obwohl ich weiß, dass wir weit abgetrieben sind

Hey, was ist mit dem Gestern
(Was ist mit uns)
Was ist mit den Meeren
(Was ist mit uns)
Der Himmel stürzt ein
(Was ist mit uns)
Ich kann nicht sogar atmen
(Was ist mit uns)
Was ist mit der Teilnahmslosigkeit
(Was ist mit uns)
Von der ich gar nicht einmal wusste
(Was ist mit uns)
Was ist mit dem Wert der Natur

Es ist das Innerste unseres Mutterplaneten
(Was ist mit uns)
Was ist mit den Tieren
(Was ist mit uns)
Wir haben Königreiche zu Staub verwandelt
(Was ist mit uns)
Was ist mit den Elefanten
(Was ist mit uns)
Haben wir ihr Vertrauen verloren
(Was ist mit uns)
Was ist mit weinenden Walen
(Was ist mit uns)
Wir verwüsten die Meere
(Was ist mit uns)
Was ist mit den Waldpfaden

Niedergebrannt trotz unserer Einsprüche
(Was ist mit uns)
Was ist mit dem geheiligten Land
(Was ist mit ihm)
Zerrissen durch Glaubensüberzeugungen
(Was ist mit uns)
Was ist mit dem kleinen Mann
(Was ist mit uns)
Können wir ihn nicht befreien
(Was ist mit uns)
Was ist mit Kindern, die sterben
(Was ist mit uns)
Kannst du sie nicht weinen hören
(Was ist mit uns)
Wo sind wir falsch abgebogen

Kann mir das einer erklären
(Was ist mit uns)
Was ist mit dem Baby-Jungen
(Was ist mit uns)
Was ist mit den Tagen
(Was ist mit uns)
Was ist mit ihren sämtlichen Vergnügungen
(Was ist mit uns)
Was ist mit dem Mann
(Was ist mit uns)
Was ist mit dem weinenden Mann
(Was ist mit uns)
Was ist mit Abraham
(Was ist mit uns)
Was ist denn mit dem Tod schon wieder

Kümmert es sie einen Scheißdreck

-----------------------------------------------


Earth Song ist ein Lied von Michael Jackson und die dritte Single des Doppelalbums HIStory – Past, Present and Future Book I von Michael Jackson aus dem Jahre 1995. Es handelt sich um eine Pop-Ballade, die Elemente aus Blues und Gospel sowie aus der Oper enthält und von Jackson geschrieben und komponiert wurde.

Das Stück wurde im Wiener Hotel Imperial geschrieben. Es stellt sich in eine Reihe von Liedern Jacksons mit sozialem oder wohltätigem Hintergrund wie We Are the World, Man in the Mirror oder Heal the World. Earth Song war dabei der erste Titel von Jackson, der sich mit ökologischen Aspekten beschäftigte. Allerdings werden in dem Lied auch andere Themen, die die Erde betreffen, wie etwa Krieg, angeschnitten. Das Stück ist als „Beschwerde“ an das zerstörerische Handeln der Menschen zu verstehen.

Earth Song wurde am 8. November 1995 als Single veröffentlicht.

Es rangierte in zahlreichen europäischen Hitparaden unter den ersten fünf Plätzen:
In der Schweiz und in Spanien wurde es ein Nummer-eins-Hit. In Deutschland war es die erste Single von Michael Jackson, welche Platz eins der Single-Charts belegte; sie verblieb fünf aufeinanderfolgende Wochen auf diesem Platz und ist damit die erfolgreichste Single von Michael Jackson in Deutschland.


In Großbritannien stieg Earth Song direkt als Nummer eins in die Hitparade ein und verblieb dort für sechs Wochen; dort ist der Song mit über einer Million Exemplaren bis heute die bestverkaufte Single von Michael Jackson. 1996 trat er daher mit Earth Song auch bei den BRIT Awards auf (allerdings mit Vollplayback). Der Auftritt wurde durch Jarvis Cocker gestört und so zu einem kleinen Skandal. WIKIPEDIA

-------------------------------------------


Mir war mal so danach:
All diese Drohnen über Paris, all dieses Waffengetöse um die Ukraine - und hier die Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken - oder die - die z.B. aus dem Kosovo kommen, wozu die total humane Bundesregierung befindet, dies sei doch ein "sicheres Herkunftsland" [vielleicht sollte irgendein Bundestags-Fuzzy bei aller "potenzieller" EU-Freizügigkeit mal einfach dort seinen Wohnsitz nehmen - um das mal mit "aller Deutlichkeit" zu unterstreichen: jawoll - Herr Bosbach - das wär's doch ...)

Ich habe einfach an die Auftritte von Michael Jackson zu seinem Earth-Song gedacht - die mit dem echten Panzer auf der Bühne ...: Von einem Auftritt in Prag berichtet der Chronist seinerzeit:

"Nachdem er den Earth Song vortrug, erschien plötzlich ein echter Panzer aus dem hinteren Bühnenbereich. Aus dem Panzer sprang ein Soldat und richtete sein Gewehr gegen das Volk und Michael. Doch dann erschien ein kleines Mädchen und übergab dem Soldaten eine Blume. Der Soldat gab seinen Wiederstand auf und legte seine Waffe nieder und viel auf die Knie. Diese Szene war ergriffen, sehr rührend und jeder hat Michaels Message verstanden. Mir ging bei dieser Szene einen kalter Schauer durch den Körper..."

Ich zeige hier mittels YouTube eine ähnlich Szene aus München 1997 - eine unvergleichliche Performance - irgendwie in diesen ganzen 20 Jahren bis heute unerreicht - besonders wenn ich jetzt diese kleinen Schnuckel sehe, die da inzwischen die Millionen abräumen ...

Was ich ganz wichtig finde, ist, zu erwähnen dass EARTH SONG anscheinend keine "Auftragsarbeit" war - von irgendeiner Interessengruppe gesponsert ... - nee - sicherlich war es "Zeitgeist" - 1988/1995 (die Berliner Mauer fiel - der Ostblock implodierte - "Wer zu spät kommt - den bestraft das Leben" ... - das war der Mahnspruch von Gorbatschow an Honecker) - es war aber auch sicherlich ein ganz inneres persönliches Anliegen von Michael Jackson ... - viel zu wenig gewürdigt seinerzeit und auch heutzutage ...

Doch gleichzeitig möchte ich an meine damalige Professorin 
(Frau Prof. Dr. Kornelia Rappe-Giesecke, Ev. FH Hannover) denken, die damals frisch nach den Semesterferien in die Vorlesung kam, um uns mitzuteilen, sie habe im Urlaub viel gejoggt, und habe über Kopfhörer dabei immer wieder den "Earth Song" von Michael Jackson gehört, "eines der besten und größten Songs - überhaupt" - oder so ähnlich - das waren in etwa ihre Worte ...







Michael Jackson ging allein in seinem Hotelzimmer auf und ab.

Er befand sich mitten im zweiten Abschnitt seiner Bad-Welttournee, einem anstrengenden aufsehenerregenden 123 Konzerte umfassenden Spektakel, das sich über nahezu zwei Jahre erstreckte. Die Tournee sollte zur umfangreichsten und meist besuchten Konzertreihe der Geschichte werden.


Erst ein paar Tage zuvor war Jackson in Rom im ausverkauften Flaminio Stadion vor einer verzückten Menge von 30.000 Menschen aufgetreten. Während eines konzertfreien Tages besichtigte er mit Quincy Jones und dem legendären Komponisten Leonard Bernstein die Sixtinische Kapelle und den Petersdom im Vatikan. Später fuhren sie nach Florenz, wo Jackson unter Michelangelos meisterhafter Skulptur von David stand und sein Blick staunend nach oben glitt. 


Nun befand er sich in Wien, Österreich, der musikalischen Hauptstadt der westlichen Welt. Es war hier, an diesem Ort, wo Mozarts großartige Sinfonie Nr. 25 und das tief bewegende Requiem komponiert wurden; hier studierte Beethoven bei Haydn und führte seine erste Sinfonie auf. Und hier im Wiener Hotel „Marriot“ wurde auch am 1. Juni 1988 Michael Jacksons Meisterwerk „Earth Song“ geboren.


Das sechseinhalb Minuten Stück, das im Lauf der nächsten sieben Jahre verwirklicht wurde, war anders als alles bisher in der Popmusik Dagewesene. Soziale Hymnen und Protestsongs waren eine bereits lange gehegte Tradition in der Rockmusik. Aber nicht wie dieses hier. Der „Earth Song“ war epischer, dramatischer und grundlegender. Seine Wurzeln lagen tiefer, seine Visionen waren panoramaartiger. Es war eine Klage, den Seiten Hiobs und Jeremias entrissen, eine apokalyptische Prophezeiung, die an das Werk von Blake, Yeats und Eliot erinnerte.


Es brachte musikalisch das zum Ausdruck, was Picassos meisterhaft ästhetischer Protest Guernica in der Kunst zum Ausdruck brachte. Inmitten brodelnder Szenen der Zerstörung und des Leids, waren Stimmen – weinend, flehend, schreiend, um sich Gehör zu verschaffen (Was ist mit uns?).

Der „Earth Song“ sollte zur erfolgreichsten Umwelthymne werden, die jemals aufgenommen wurde, sie erreichte in mehr als 15 Ländern der Erde die Top-Charts und wurde über fünf Millionen Mal verkauft. Die Kritiker wussten dennoch nie so genau, was sie damit anfangen sollten. Die ungewöhnliche Verschmelzung von Oper, Rock, Gospel und Blues klang nicht nach etwas, das man im Radio hörte. Die Hymne setzte sich nahezu über alles, was man von einer traditionellen Hymne erwartete, hinweg. Statt Nationalismus stellte sie bildhaft eine Welt ohne Trennung und Hierarchie dar. Statt nach religiösen Dogmen und Humanismus sehnte sie sich nach einer umfassenderen Vision ökologischer Balance und Harmonie. Statt simpler zweckgebundener Beeinflussung, war sie ein unverfälschter künstlerischer Ausdruck. Anstelle eines klirrenden Refrains, mit dem man ein T-Shirt oder eine Plakatwand hätte bepflastern können, bot sie einen wortlosen, universellen Schrei.

Quelle

Montag, 23. Februar 2015

Buddha: er ist nur halb zu sehen - und ist doch rund und schön ... | gedicht & bild

S!NEDi|graphic: er ist nur halb zu sehen - und ist doch rund und schön ...
"SIMPEL BEAUTIFUL"

manchmal - wenn ich unentwegt hinstarre:
zwinkert mir der buddha heimlich zu ...

in seiner silhouette spiegelt sich
meine kindheit wider - all das spielzeug

so flatterhaft wie ein gedachter schmetterling
an seiner stirn ...

ich weine mir an mona lisa's schulter
schon mal die augen aus

ihr undurchdringliches lächeln
bringt hyazinthen zum knospen

auf der weltkugel tanzen wie auf einem
gymnastikball - und wieder züngeln

die schlangen rundherum im ringelrein ...
und der buddha ist nur auf dem linken auge

blind - das macht ihn mir ja so
sympathisch ...
[also - ich weiß nicht recht was sie noch wollen: wir haben doch damit ein lupenrein drehend tanzendes ringelement diesem text hinzugefügt - wo sie doch vielleicht nicht zu unrecht meinen, dass das da unbedingt mit einer gewissen tonnentaumelnden rundrotation beziehungsweise mit einem geschwinden karusselldrehmoment diese szene aufgefüllt und bereichert werden müsste, damit sie so dem gesamtbild ausgezeichnet und äußerst dynamisch einfach nur gut zupass stünde ... - ich bin schon ganz schwindelig ... - und dreh mich mal lieber eine zeitlang andersherum ...]  

sinedi

TATORT: Das Haus am Ende der Straße | AL GREEN: SIMPLY BEAUTIFUL | SL!DE|SHOW


Und heute dann - folgerichtig - zum Abschieds-TATORT von Joachim Król: Das Haus am Ende der Straße - eine Bildmeditation zu AL GREEN'S SIMPLY BEAUTIFUL, ein Song aus dem Soundtrack - passend in den Handlungsablauf platziert ...:



AL GREEN
Simply Beautiful 

Lyrics

If I gave you my love, 
I tell you what I'd do 
I'd expect a whole lotta love outta you

You gotta be good to me 
I'm gonna be good to you 
There's a whole lotta things you and I 
Could do 
Hey hey

Hey hey hey

Simply beautiful simply beautiful simply 
Beautiful 
Simply beautiful simply beautiful simply 
Beauti.. 
Simply beautiful 
Simply beautiful 
Simply beautiful 
Simply beautiful

What about the way you love me 
And the way you squeeze me 
Hey 
Hey simply beautiful hey

And you get right down it 
And the love is getting you through it

Simply beautiful [Repeat to end]


"SIMPLY BEAUTIFUL" erschien 1972 in dem Album "I'm Still in Love with You" ...

--------------------------------------------- 

Zu AL GREEN

AL GREEN
(* 13. April 1946 in Forrest City, Arkansas geboren als Albert Greene) ist ein amerikanischer Sänger und Prediger.

Green begann seine Karriere als Sänger im Alter von neun Jahren als Mitglied der Gospelgruppe seines Vaters, den „Green Brothers“. Anfang der 1960er Jahre gründete er zusammen mit Curtis Rogers und Palmer Jones die Gruppe „Al Green and the Creations“. Die Creations benannten sich in „Soulmates“ um und landeten mit dem Lied Back Up Train 1967 einen Hit.

Al Green traf 1969 auf den Produzenten von „Hi Records“, Willie Mitchell. Mit ihm zusammen entstand Greens Hit Tired of Being Alone. Das Album Al Green Gets Next to You (1970) erreichte die Billboard-Charts. Das folgende Album Let’s Stay Together von 1972 wurde ebenfalls ein riesiger Erfolg; der Titelsong erreichte Platz 1 der Billboard Hot 100. Noch im selben Jahr erschien das Album I’m Still in Love with You, gefolgt 1973 vom Album Call Me mit den Top-10-Singles Here I Am, Call Me und Sha-La-La – Make Me Happy. Al Green avancierte damit zum Superstar des Soul und Rhythm and Blues (R&B).

Privat musste Al Green 1974 einen Schicksalsschlag hinnehmen. Seine damalige Freundin, Mary Woodson, übergoss ihn mit heißer Grütze, während er in der Badewanne saß, und verbrannte ihm damit den halben Oberkörper. Anschließend erschoss sie sich selbst. Das Motiv hierfür war, dass er ihren Heiratsantrag ablehnte. Ziemlich mitgenommen von diesem Drama wandte sich Green dem Glauben zu. Er gründete die christliche Kirche „Church of the Full Gospel Tabernacle“ in Memphis und wurde dort Prediger. 1977 eröffnete der Sänger sein eigenes Studio „American Music“. Die folgenden zwei Alben The Belle Album (1977) und Truth and Time (1978) produzierte er in Eigenregie. Der kommerzielle Erfolg wie bei den früheren Alben blieb jedoch aus.

Im Jahr 1979 fiel Al Green während eines Auftritts von der Bühne. Ernsthafte Verletzungen trug er nicht davon, was der Sänger als Zeichen Gottes deutete, worauf er sich ganz von der weltlichen Musik abwendete und sich auf Gospel sowie religiöse Popsongs und R&B-Nummern verlegte. The Lord Will Make a Way war das erste von zahlreichen Alben dieser Richtung.

Green kehrte Mitte der 1980er Jahre zu seinen musikalisch-weltlichen Wurzeln zurück und nahm mit Annie Lennox das Lied Put a Little Love in Your Heart für den Film Die Geister, die ich rief… auf. 1989 nahm er ein Duett mit Al B Sure auf: As Long as We’re Together; im selben Jahr sang er den von Arthur Baker produzierten Erfolgstitel The Message Is Love. Das Album Don’t Look Back von 1993 wurde ein großer Erfolg. 1994 wurde Green in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Er veröffentlichte 2003 zusammen mit seinem alten Erfolgsproduzenten Willie Mitchell das Album I Can’t Stop. Das Werk wurde als grandioses Comeback gefeiert. 2004 wurde Al Green in die Songwriter Hall of Fame aufgenommen. The Belle Album erschien in der Liste The Wire's "100 Records That Set the World on Fire (While No One Was Listening)". Während all dieser Jahre predigte er in seiner Kirche in Memphis.

2014 wurde Green mit dem Kennedy-Preis ausgezeichnet.

aus: WIKIPEDIA 

-------------------------------------------------------

Und hier noch mal zum Nach-Schauen und Nachhören:
[AL GREENS SIMPLY BEAUTIFUL ab 44:32...]


Weitere Infos zum Film:
Länge: 90 min.
Krimi, Deutschland, 2014


Darsteller:
Frank Steier Joachim Król
Rolf Poller Armin Rohde
Nico Sauer Maik Rogge
Robin Sauer Vincent Krüger
Lisa                 Janina Schauer
Seidel               Peter Kurth
Titus 
Schwarzenbacher Axel Wandtke
Stefan Zittner 
"Zitze"              Wolfgang Michael
Memo                 Cem-Ali Gültekin
Richterin Susanne Schäfer
Staatsanwalt Wilfried Hochholdinger
Anwalt Strahmke Matthias Scheuring
Matthias Langenbrock Steffen Münster
Mutter Smetek Franziska Junge
Richter              Jörg Zick

Stab:
Regie: Sebastian Marka
Buch: Erol Yesilkaya und Michael Proehl
Kamera: Armin Alker

Musik: Thomas Mehlhorn