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Donnerstag, 21. August 2014

Photographie-Geburtstag: 175 Jahre "Cheeeeeese" - "Ameisenscheiße" bzw. "HillimillihirtzheftpflasterEntferner“

Dieses Bild gilt als "Mona Lisa" der Fotografie – obwohl man eigentlich nichts sieht. Seine Magie enthüllt sich erst auf den zweiten Blick, nämlich ...  (dapd/DIE WELT)

... nach einer Bearbeitung: das älteste Foto der Welt. (DPA/DIE WELT)


"Cheeeeeese" - sollen die Leute mit breitem Grinsen vor sich hinsprechen, wenn sie photographiert oder "geknipst" werden. Manche Experten behaupten, dieses "Cheeeeeese" leite sich ab von "schieeeß!" und stamme eben aus der älteren Photographier-Zeit, in der ein Foto sehr lange gedauert habe, und die Personen oft ungeduldig wurden und mit dieser Aufforderung den Photographen antreiben wollten, schneller ein Foto zu "schießen"! 
Na ja das ist auch eine Erklärung ... - aber sicherlich reine Theorie ... - es kommt auf den Selbstlaut "iiiiiiiiiiiii" an, wobei man beim Intonieren kaum den Mund öffnen muss und eben ein breites Grinsen die Lautformulierung unterstützt, was ja für den "Ablichtungs"-Moment des Porträtierten vorteilhaft sein soll ... - 
Und zum gleichen Zweck verwenden einige Photographen tatsächlich das schäbige Wort "Ameisenscheiße",was dann natürlich bei einem Gruppenbild kollektiv gesprochen werden muss, damit alle grinsen und ca. bei Ame-iii-sensche-iii-ße der oben beschriebene Photographier-"Schuss" erfolgen sollte, weil außer dem Grinsen über dieses im wahrsten Sinne "scheußliche" Wort, eben bei den enthaltenen iiiiii die vorteilhafteste Mundmimik erreicht wird... 
Mit "Cheeese" oder "Ameisenscheiße" habe ich mich als Ablichter eigentlich nie beschäftigt - höchstens mal bei einer eigenen Ablichtung durch einen anderen
Agfa Box
Photographen: Mit der ollen Agfa Box meines Vaters durfte ich mit viel Schwitzehändchen als vielleicht 10-jähriger meine ersten oft verwackelten Photoaufnahmen "schießen", die mit den abgeschnittenen Watschelschwimmflossenbeinen und dem abgeschnittenen Höcker am Schnabelansatz, wenn ich eigentlich die zwei bronzenen Turtelschwäne im Bürgerpark ablichten wollte ...
 
Aber so allmählich wuchs ich da hinein, zwischendurch musste ich sogar mal an einer
Diatype-Fotosatzgerät
"Foto"-Setzmaschine - der "Diatype" von der Firma H. Berthold AG - mein Brot verdienen - mit den ersten Schritten hin zu einer Bleiletter-losen Texterstellung - zur Weiterverwendung im Offsetdruck ... - Und dazu musste man die mit Buchstaben belichteten Diafilme in der Dunkelkammer entwickeln - alles sehr kompliziert und wundersam - fast alchemistisch - aber das alles brachte mich der eigentlichen Photographie noch näher: Und wieder gab es dabei so ein Photographier-Zauber-Wort: Zur Feineinstellung der Diatype-Fotosetzmaschine wurde das Nonsenswort „HillimillihirtzheftpflasterEntferner“ abgesetzt und vermessen. Dies erfolgte mit einer Schriftgradeinstellung von 6 Punkt (etwa so:
 HillimillihirtzheftpflasterEntferner). Durch Verändern der Laufweite der Schrift musste mit diesem Wort eine Lauflänge von 32 mm erreicht werden. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Laufweite der Schrift immer gleich war. Es war deshalb ratsam, die "Diatype" jeden Tag bei Arbeitsbeginn gewissermaßen warm laufen zu lassen und die Einstellung regelmäßig zu überprüfen. 
Nun - das alles ist Schnee von gestern - und gefühlt fast so alt wie die Photographie insgesamt - und deshalb versuche ich hier einen Sprung ins Jetzt & Hier (nunc & hic): 
Inzwischen betreibe ich hier diesen "Sinedi-Blog nunc|hic", eigentlich in seinem Kern von Haus aus ein Photographier-Blog, in dem ich Ihnen meine Photographierey veröffentliche, die ich natürlich heutzutage - 175 Jahre nach der Erfindung der Photographie - nach der digitalen Original-Aufnahme mit
Meine treue LUMIX DMC-FZ50
meiner treuen Panasonic "Lumix DMC-FZ50" - oder auch aus dem riesigen Google-Bild-Angebot - digital am PC mit Photoshop-Elementen weiterverarbeite - und so nach jeweiligem Hin- und Her-Probieren Ergebnisse erzielt werden, die "fast wie gemalt" sind - eben ein "Malen mit photographischen Elementen" - und die Sie wenn Sie hier vorbeischauen immer mal wieder aufsuchen können und dabei auch in allerley Verfremdungen und mit "Beifängen" versehen zu Gesicht bekommen ...:


Während die Zeit vergeht, 
bleibt das Abbild 
eines Jetzt & Hier erhalten, 
bis es sich erledigt hat ... - 
um vielleicht 
im nächsten Moment
einen neuen 
bemerkenswerten Augenblick 
festzuhalten und hierher 
zu transportieren ... 
usw.

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Spiegel mit Gedächtnis

Vor 175 Jahren wurde in Paris die Erfindung der Fotografie vorgestellt

Von Christina Sticht | dpa|Neue Westfälische


Die Geburtsstunde der Fotografie war ein gesellschaftliches Ereignis: Am 19. August 1839 wurde die Erfindung in der Pariser Akademie der Wissenschaften mit allen technischen Details vorgestellt und feierlich als Geschenk der Menschheit übergeben. Der französische Staat hatte dem Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre die Rechte an dem Verfahren abgekauft und gab es zur kostenlosen Nutzung für alle frei. 

Die oft geschmähte und sogar totgesagte Fotografie hat seitdem in ihrer 175-jährigen Geschichte einen beispiellosen Siegeszug um die Welt angetreten. Der Photoindustrie-Verband will zur Feier des Jubiläums einen riesigen Bilderglobus entstehen lassen, zu dem jeder Fotos beisteuern kann. Im September soll die Weltkugel auf der Fachmesse Photokina in Köln präsentiert werden. Darüber hinaus nehmen zahlreiche Museen und Galerien den Jahrestag zum Anlass für Sonderausstellungen. Sie blicken nicht nur zurück, sondern spiegeln auch die Gegenwart.

"Mitte der 1990er Jahre wusste man, dass die Fotografie anders wird. Jetzt ist dieser große Umbruch gekommen vor allem mit den sozialen Netzwerken und den sogenannten Foto-Communitys. Wie heute Bilder zirkulieren, ist ein Quantensprung", sagt Florian Ebner, Leiter der fotografischen Sammlung des Museums Folkwang in Essen.

Der 44-Jährige wird 2015 den Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig gestalten. Zum ersten Mal fiel damit die Wahl auf einen Fotokunst-Experten, was einiges über die Bedeutung der Fotografie als Kunstgattung aussagt. Für Ebner ist die Stärke der Fotografie, dass sie so viele Gesichter und Sprachen hat. "Sie hat etwas zu tun mit dem Journalistischen, mit dem Privaten, mit dem Amateurhaften, aber auch mit Luxus und schöner Illusion."

Schon vor 175 Jahren fingen die Menschen sofort Feuer für den "Spiegel mit Gedächtnis", wie die Daguerreotypie-Kamera auch genannt wurde. Fotoateliers entstanden in beinahe jeder Großstadt. Abgelichtet wurden zunächst Bauwerke, Denkmäler, Kunstschätze und bald auch prominente Persönlichkeiten. Das Frankfurter Städel Museum zeigt noch bis 5. Oktober unter dem Titel "Lichtbilder" Fotografien aus der eigenen Sammlung von den Anfängen bis 1960. In dem Museum gab es laut einer Anzeige im Frankfurter Intelligenz Blatt bereits 1845 eine Fotoausstellung - so weit bekannt, die früheste weltweit.

Zur anerkannten Kunstform mauserte sich die Fotografie allerdings erst in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren, weil Künstler wie Gerhard Richter oder Sigmar Polke anfingen, sich mit ihr zu beschäftigen. In den USA dokumentierten die Vertreter der Land- Art ihre Werke mit Fotos, auch in der Konzeptkunst spielte die Fotografie eine große Rolle. Von Beginn an versuchten auch Laien besonders auf Reisen ihre Erlebnisse in Bildern zu bannen. Schon 1893 tagte die Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie in Hamburg.

Wolfgang Kemp, Herausgeber einer mehr als 1.000-seitigen "Theorie der Fotografie", beobachtet derzeit eine Revolution beim privaten Bildermachen. "Der soziale Gebrauch hat sich völlig geändert", sagt der an der Uni Lüneburg lehrende Kunsthistoriker. "Früher wurden nur die herausragenden Momente für das Album, für die Erinnerung fotografiert. Heute dient das Foto meist der momentanen Mitteilung. Es wird sofort weitergeleitet, verbraucht und verschwindet."

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Meilensteine der Fotografie 
19. August 1839: Erfindung der Fotografie wird in Paris bekanntgegeben.
1840: Der Engländer William Henry Fox Talbot erfindet die Fotografie auf Silberjodidpapier, und damit das Negativ/Positiv-Verfahren.

1888: Der US-Amerikaner George Eastman bringt eine Boxkamera für 100 kreisrunde Aufnahmen unter der Marke "Kodak" heraus.

1914: Oskar Barnack, Entwicklungschef der Firma Leitz in Wetzlar, konstruiert den Prototyp der späteren "Leica" für Aufnahmen auf Kleinbildfilm 35mm.

1948: Der Amerikaner Edwin H. Land bringt mit seiner Firma Polaroid die erste Sofortbildkamera heraus.

1975: Steven J. Sasson konstruiert bei Eastman Kodak die erste Digitalkamera.

1999: Erstes Handy mit Kamera in Japan. 

© 2014 Neue Westfälische
03 - Bielefeld Süd, Donnerstag 21. August 2014

Mittwoch, 20. August 2014

Digitale Agenda: Der Sand im Netz, den sie uns in die Augen streuen ...

...und was haben wir gelacht ...


Digitale Agenda der Bundesregierung 




Nichts als schöne Bekenntnisse

Breitband für alle versprechen, aber nicht sagen können, wie das gehen soll. Mit ihrer Digitalen Agenda, zeigt die Bundesregierung, dass man sie beim Thema Internet nicht ernst nehmen kann.

Ein Kommentar von Timo Brücken | stern.de

Wenigstens sind sie konsequent: Die Bundesregierung lässt sich einfach nicht von dem Ziel abbringen, bis 2018 (fast) alle deutschen Haushalte mit Internetanschlüssen zu versorgen, die mindesten 50 Mbit schnell sind. Gut, ursprünglich sollte das schon 2014 der Fall sein, dann wurde die Deadline um vier Jahre verschoben, aber die Idee hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Und auch in der gerade vorgelegten Digitalen Agenda bleiben Merkel und Minister ihr treu. Ganz nach dem Motto: Wenn man nur fest genug dran glaubt, wird es schon wahr werden.

Dabei hinkt Deutschland beim Breitbandausbau weit hinterher, den eigenen Erwartungen und dem Rest Europas, wie zum Beispiel gerade erst Daten der EU-Kommission gezeigt haben. Wie soll es also plötzlich trotzdem bis 2018 klappen? Hätte ja sein können, dass die Digitale Agenda darauf tatsächlich Antworten liefert. Tut sie aber nicht. Stattdessen gibt es in dem von gleich drei Ministern mit großer Bugwelle angekündigten Papier nur wolkige Absichstbekundungen und schöne Bekenntnisse. "Ein Gegensatz zwischen 'realer' und 'virtueller' Welt existiert nicht", steht da, und dass flächendeckendes Breitband-Internet "die Voraussetzung für gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land" sei.

Lasst euch was besseres einfallen

Bemerkenswerte Worte für "Neuland"-Merkel und ihre Regierung, würde nicht so verdammt wenig dahinterstecken. Wenn es um das Erreichen der Breitband-Ziele geht, steht in der Agenda zu oft "wir wollen" und zu selten "wir werden". Und der einzige Ansatz einer konkreten Strategie ist eine olle Kamelle: marktgetriebener Ausbau. Das heißt, der Staat steckt hier und da ein bisschen Geld in die Netze und hofft, dass die Netzbetreiber sich um den Rest kümmern. Dass die aber wenig Interesse daran haben, Glasfaserleitungen auch bis ins letzte Kuhkaff zu verlegen, und stattdessen lieber den letzten Cent Profit aus ihren alten Kupferkabeln pressen, ist bekannt.


Da kann man mittelständischen Unternehmern auf dem Land, die im Jahr 2014 noch mit Modem-Geschwindigkeit surfen müssen, noch so lange von der totalvernetzten "Industrie 4.0" erzählen - so wird sie nicht kommen. Nichts als Plattitüden also in der Digitalen Agenda - und Lösungsansätze, die sich längst als falsch herausgestellt haben. 

Wenn diese Bundesregierung netzpolitisch irgendwann einmal ernst genommen werden will, muss sie sich was besseres einfallen lassen.

Dienstag, 19. August 2014

Ferguson/USA: Kabelbinder-Fessel gegen 90-jährige Holocaust-Überlebende



Hedy Epstein demonstrierte für Gerechtigkeit, nach den tödlichen Schüssen auf Michael Brown aus Ferguson wollte sie ein Zeichen setzen. Dann wurde die 90-jährige Holocaustüberlebende von der Polizei in Kabelbindern abgeführt.

Ferguson/St. Louis - Vor zehn Tagen hatte der weiße Polizist Darren W. den 18-jährigen Michael Brown erschossen, obwohl dieser unbewaffnet war. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen. Die Polizei gibt an, es habe zuvor einen Angriff auf W. gegeben. Seitdem kommt es in Ferguson zu Protesten, die von Plünderungen und Ausschreitungen begleitet werden. 

"Die Nationalgarde muss weg, die Nationalgarde muss weg." Mit lauten Rufen und Plakaten marschierte eine Gruppe Protestierender am Montagnachmittag (Ortszeit) in die Innenstadt von St. Louis. Ihr Ziel war das Büro des Gouverneurs von Missouri, Jay Nixon. Er hatte die Nationalgarde in die nahegelegene Kleinstadt Ferguson beordert, wo sie die Unruhen nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown befrieden soll. Die Demonstrierenden forderten Gerechtigkeit für Brown, so berichtet es der Fernsehsender KMOV.

Mittendrin befand sich auch eine bekannte Aktivistin. Hedy Epstein, 90 Jahre alt, geboren in Freiburg in Deutschland, überlebte als Kind den Holocaust. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in den USA für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Zuletzt hatte sie sich vor allem für Palästina eingesetzt.

Bei der Demonstration in St. Louis hielt die 90-Jährige nun eine Rede gegen Polizeigewalt. Im Verlauf der Kundgebung hätten Epstein und acht weitere Mitstreiter sich vor dem Eingang des Bürogebäudes an den Armen untergehakt, berichtet das Wochenmagazin "The Nation" online. Schließlich sei die Menschenkette von der Polizei aufgelöst worden.

Videoaufnahmen zeigen, wie mehrere Beamte die alte Frau abführen - die Arme wurden Epstein und ihren Mitstreitern mit Kabelbindern auf den Rücken gebunden. Die Begründung: Sie hätten sich geweigert, die Blockade aufzulösen. Ihnen wird Missachtung des Aufrufs zur Auflösung einer Menge vorgeworfen. Alle neun Demonstranten befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Epstein lebt seit Jahren in St. Louis. 2001 gründete sie hier ein weltweites Frauennetzwerk, das sich gegen Kriege und Gewalt engagiert. "Ich mache das hier, seit ich ein Teenager bin", sagte Epstein bei ihrer Abführung über ihren Einsatz. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass das noch nötig wäre, wenn ich 90 bin." Die Menschen müssten sich in diesen Zeiten zusammentun.

Auch mehrere Medienvertreter wurden festgenommen. Zwei deutsche Reporter der "Welt" wurden von der Polizei abgeführt und offenbar ohne Angaben eines Grunds drei Stunden festgehalten. Später teilte auch die "Bild"-Zeitung mit, einer ihrer Reporter befände sich in polizeilichem Gewahrsam. Zuvor hatte die Fotoagentur Getty Images gemeldet, einer ihrer Fotografen sei festgenommen worden. Scott Olson wurde demnach in Gewahrsam genommen, als er Bilder von einer Demonstration in Ferguson aufnahm. Vor einigen Tagen war ein Reporter der "Washington Post" festgehalten worden.
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WIKIPEDIA:


Hedy Epstein - nach einem foto von socialistworker.org


Hedy Epstein
Hedy Epstein-Wachenheimer (* 15. August 1924 in Freiburg im Breisgau) ist eine Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin.

Sie wuchs in Kippenheim auf. Als sie acht Jahre alt war, kamen die Nationalsozialisten an die Macht. 1938 musste sie wegen ihrer jüdischen Herkunft die Schule verlassen. Ihr Vater wurde während der Novemberpogrome 1938 für vier Wochen in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Die Eltern versuchten verzweifelt, Deutschland zu verlassen, doch sie scheiterten an den Einreisebedingungen verschiedener Länder, da niemand für sie bürgen wollte. Nachdem die Familie es geschafft hatte, Hedy 1939 mit einem Kindertransport nach England zu schicken, wurden die restlichen Familienangehörigen 1940 in das Konzentrationslager Camp de Gurs nach Frankreich deportiert und 1942 nach Auschwitz. Die letzten Lebenszeichen ihrer Eltern bekam sie im selben Jahr.

In England wurde sie in einer Gastfamilie aufgenommen, fand sich dort aber nicht zurecht. Sie zog in ein Mädchenheim. In der Nachbarschaft fand sie Kontakt zu einer Gruppe der Londoner FDJ, der sie sich im Sommer 1943 anschloss. Mit politischen Freundinnen zog sie in eine Wohngemeinschaft und nahm an politischen Arbeitskreisen teil. Ihren Entschluss, in einer kriegswichtigen Produktionsstätte zu arbeiten, begründete sie damit, endlich etwas gegen NS-Deutschland unternehmen zu können.

1945 kehrte Hedy Epstein nach Deutschland zurück, um bei dem Nürnberger Ärzteprozess als Übersetzerin zu arbeiten und nach ihren Eltern zu suchen. 1948 wanderte sie in die USA aus. 1953, als bereits die McCarthy-Ära und der Kalte Krieg das Klima in den USA prägte, stellte sie einen Antrag auf Einbürgerung, der erst nach jahrelangen Befragungen zu ihrer Mitgliedschaft in der FDJ 1960 bewilligt wurde.


Aktivistin Epstein: Als Kind überlebte die 
Jüdin den Holocaust, heute setzt sie sich für Palästina ein - 
nach einem Foto von REUTERS
In den USA arbeitete sie in einer Rechtsanwaltskanzlei, engagierte sich für Opfer von Diskriminierungen und für die Rechte rassistisch ausgegrenzter Menschen. In den 1970er Jahren betreute sie rechtlich Vietnamkriegsdeserteure. Ende Dezember 2009 beteiligte sie sich mit etwa 1400 Aktivisten aus aller Welt am „Gaza Freedom March“ und trat in Ägypten in den Hungerstreik, da den Aktivisten die Einreise über Rafah in den Gazastreifen verweigert wurde; es war ihr dritter Versuch nach Gaza zu gelangen. Beginnend im Jahr 2003 reiste sie mehrfach ins Westjordanland um sich für die Rechte der Palästinenser einzusetzen. Im Mai 2010 unterstützte sie den internationalen Hilfskonvoi von Free Gaza Movement, der nach Auffassung Israels rechtswidrig war, weswegen der Konvoi vom Militär aufgebracht wurde (Ship-to-Gaza-Zwischenfall).

Hedy Epstein engagiert sich bis heute politisch wie sozial u.a. in der Antirassismus- und Friedensbewegung und berichtet auf zahlreichen Veranstaltungen von ihrem Leben und erinnert an die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten.

Im August 2014 beteiligte sie sich an den Protesten im Zusammenhang mit dem Tod von Michael Brown und wurde von de Polizei verhaftet.

Sie lebt in St. Louis, USA.
Autobiographie:
1999 - Erinnern ist nicht genug. Unrast Verlag - ISBN 3928300865
Radio-Sendung zu Hedy Epstein - die ja erst vor 4 Tagen 90 wurde - Herzlichen Glückwunsch...


Siehe zu ähnlichen Vorkommnissen in den freiheitlichsten und demokratischsten USA dazu auch hier und hier

Papst Franziskus: den Aggressor stoppen - Innehalten ...

Papst Franziskus erläutert den feinen Unterschied zwischen "Aggressor stoppen" und "Krieg führen" ...


Papst Franziskus an der Mauer zwischen Israel und Palästina - bei einer Friedensmission



Franziskus begrüßt eine internationale Intervention zum "Stopp" der IS/ISIS-Milizen im Irak - und erläutert sein gemeintes "Stopp" in Abgrenzung zu einem Krieg ...

Bei einer Pressekonferenz im Flugzeug auf der Rückreise nach einem fünftägigen Besuch in Südkorea, kam das Oberhaupt der katholischen Kirche auch auf den Konflikt im Nordirak zu sprechen. Ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft ist nach seiner Ansicht das richtige Vorgehen gegen die militanten Islamisten. 

"Wo es einen unrechtmäßigen Aggressor gibt, ist es berechtigt, ihn zu stoppen. Ich unterstreiche das Verb stoppen, nicht bombardieren oder Krieg führen", sagte der Pontifex laut italienischen Medien.

Der Papst warnte zugleich vor Alleingängen. Die Vereinten Nationen müssten diskutieren, wie der Angreifer gestoppt werden könne, forderte der 77-Jährige. "Eine einzelne Nation kann nicht beurteilen, wie ein Aggressor gestoppt wird", mahnte er. Deshalb seien nach dem Zweiten Weltkrieg die UN gegründet worden. "Man sollte im Kopf behalten, wie oft mit dieser Entschuldigung, einen Angreifer zu stoppen, die Mächte einen wirklichen Eroberungskrieg begonnen haben."

Er sei auch selbst bereit, in die Krisenregion im Nordirak zu reisen, sagte Franziskus. "In diesem Moment ist es nicht das Beste, was man tun kann, aber ich bin dazu bereit."

Der fünftägige Besuch in Südkorea, der am Montag zu Ende ging, war Franziskus' erste Asienreise und zudem der erste Asienbesuch eines Papstes überhaupt seit 15 Jahren. Offizieller Anlass des Besuchs waren die Jugendtage der asiatischen Katholiken.

Auszug aus einem Bericht der SZ.de 

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In der letzten Woche gab ich in meinem "Impuls" die unbedingt pazifistische Einstellung zu jeder Art gewaltsamer Auseinandersetzung der evangelischen Ex-Bischöfin Margot Käßmann wieder, die sicherlich einige Leser und ja auch einige prominente Kommentatoren vielleicht für "weltfremd" und völlig "neben der Spur" empfunden haben... Hier nun die Einstellung des amtierenden Papstes, des Oberhauptes der römisch-katholischen Christenheit, zum Konflikt im Nordirak mit den IS-Milizen, der hierzu unmissverständlich zu einem international abgesprochenen bewaffneten lokalen "Stopp" dieser Truppen aufruft - der sich aber gleichzeitig deutlich vor einem Missbrauch dieses "Stopps" zu einem erneuten "Kriegführen" dort eindeutig distanziert ... - so wie es schon oft in internationalen Konflikten vom Zaun gebrochen wurde ...: Der Papst ruft einfach auf zu einem internationalen "Innehalten" - einem sich selbst und der eigenen "Vernunft" wieder "inne werden" ...

Ich denke nicht, dass die Aufrufe von Margot Käßmann und die Einstellung des Papstes zu diesem Konflikt inhaltlich sehr weit auseinander liegen: Ich bin froh, dass wenigstens "bei Kirchens" sich immer wieder Stimmen zu Wort melden, die Alternativen formulieren zu diesem wieder seltsam in Mode gekommenen blindwütigen und drohnengesteuerten, menschenleben- und kapitalvernichtenden "Hau-Drauf" - alles oft scheinbar in Abstimmung mit einer "marktgerechten Demokratie" - wahrscheinlich als Reaktion auf das verheerende internationale Trauma von 9/11 in 2001 ...:
"Haltet inne" ... ruft es dazu in der Bibel und aus den Kirchen: Ein Appell an die Vernunft ...

In jeder Verhaltensanweisung bei "Katastrophen" lautet zumeist der erste Satz: "Ruhe bewahren" - nicht kopflos handeln, innewerden, haltet inne ...

Innehalten ist das einfachste Mittel, um sofort in die Präsenz mit dem Göttlichen in uns selbst zu gelangen. Und dazu ist es in fast jeder Lebenslage und jedem Konflikt und jeder Situation durchführbar - auch in jedem "Außer-sich-sein": Einfach Innehalten, wenn ein Impuls dazu kommt, ein Anlass gegeben ist: beim Arbeiten, beim Essen, beim Gehen, beim Sprechen, beim Diskutieren, einfach bei Lebenslagen, die dem bedürfen ... - aber erst recht auch bei internationalen gefährlichen Konflikten oder bei den Mediationsprozessen auf UN- oder anderen internationalen Ebenen: radikal und mittendrin jegliches körperliche und geistige Burn-Out der Wut oder der Aggression, des "Weiter so" - "Augen zu und durch" - "Blut-Schweiß-Tränen" - "Rennen-Kratzen-Beißen" stoppen - jede dieser Erregungen unterbrechen - und wieder "herunter kommen" - und sich "erden"... - aber klar und unmissverständlich und aufrichtig dem Aggressor Einhalt gebieten: "Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen" (
Matthäus 26,52) ... - ihn "Festhalten und Durchschütteln", damit er wieder "zu sich" kommt ... Eigentlich eine ganz natürliche menschliche Reaktion der Solidarität und Ersten Hilfe - ganz bekannt - aber keine Regierung - und nur wenige Menschen wenden es - wenn es sein muss - auch wirklich und folgerichtig an ...

Muskelspiele - Kampf - Zähne zeigen, blecken, fauchen - das sind eigentlich animalische Reaktionsweisen - während der Mensch immer noch einfach "Innehalten" kann ...



Montag, 18. August 2014

NSA- und BND-Affäre - "Beifang" - und das "Abhören unter Freunden" ...

Da kocht der Bundesregierung eine ganz unangenehme Suppe hoch - vielleicht ist sie auch schon längst übergekocht: Die Regierung Merkel hat sich nun selbst in den Netzen verfangen, die man ihr gegenüber so angeblich schändlich und anscheinend völlig hinterrücks seit Jahren ausgelegt hatte - und trotzdem fragt man sich ja heute: Was war da wohl zuerst: Huhn - oder Ei - und wer ist Täter und wer ist Opfer - und wer schaut als Retter dabei zu ... (= das sogenannte "Dramadreieck" aus der Familientherapie, wo die Rollen Täter, Opfer und Retter jeweils im wechselnden Rollentausch reihum je nach Bewertung und Dynamik eingenommen, "gespielt", ge- und verwechselt werden... - oder auch: 
"Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, dass in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen." - Bundespräsident Heinemann in einer Fernsehansprache am 14. April 1968 nach den gewalttätigen Ausschreitungen gegen den Springer-Verlag, die dem Attentat auf Rudi Dutschke folgten. Die ZEIT 19. April 1968). 
Abhören unter Freunden ... 
Ausdrücklich verteidigt nun Frau Merkel aus dem fernen Lettland, wo sie wohl derzeit auf Dienstreise weilt, ihren berühmten Satz: "Abhören unter Freunden geht gar nicht" ... Aber: ihr Satz sei "in einem erkennbaren Kontext" gefallen. "Es ging dabei um die Vereinigten Staaten von Amerika..." - Ach so ... 
Und doch fragt man sich nach Edward Snowden und NSA und Co.: Warum gerieten schon längst davor die US-Außenminister Hillary Clinton und John Kerry ins Visier des Bundesnachrichtendienstes? Und warum hält es die Regierung für notwendig, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst in der Türkei aktiv ist?
Auf alle Fälle ist nun auch klargestellt: Die Türkei zählt wahrscheinlich nicht zu den "Freunden" der Bundesregierung ... - sonst würde man da nach der Moral der Kanzlerin nicht spionieren - aber das ahnte man ja bereits früher.
 
Kanzlerin Angela Merkel und ihre Strategen greifen nach Bekanntwerden der Spionageaktivitäten des BND gegen die Verbündeten USA und Türkei nun auf eine schlechte, aber altbewährte Taktik zurück: Aussitzen - einfach mal abwarten was da kommt - wie ja auch schon bei der NSA-Affäre ... - wozu der grüne Ströbele nun meint: Sie schämt sich einfach, die Bundeskanzlerin, weil sie selbst soviel Dreck am Stecken hatten ... Jetzt, da die Deutschen einmal selbst beim Spitzeln erwischt werden, wird herumgedruckst. Angela Merkel will "über Details der Dienste" keine Auskunft geben. "Was notwendig ist", werde dem für die Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium mitgeteilt, erklärt sie. 
S!NEDi: Merkel ist sich selbst ins Netz gegangen ...
Und die Sache ist eben peinlich. Die Berichte von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung" über die BND-Lauschaktionen gegen Verbündete kratzen an der deutschen Glaubwürdigkeit. Auf einmal stellt sich mancher die Frage, ob die deutschen Dienste in ihren Methoden so viel weniger zimperlich sind als NSA und Co. 
Die Bundesregierung steckt nun in der Defensive. Die Türkei hat den deutschen Botschafter in Ankara zum Gespräch gebeten, und auch die Opposition und die Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums stellen Fragen, was hinter der ganzen Sache steckt.
Geheimnisträger Markus R. 
Im Juli, als die Spionage-Affäre um den US-Spitzel Markus R. hochkochte, räumte man in den Gremien ein, die den Geheimschutz kontrollieren, Markus R. habe unter anderem das BND-Auftragsprofil an die USA verkauft, das verratene Papier stamme aber aus dem Jahr 2009 - als ob es um ein unwichtiges und auch noch altes Dokument ginge. Von der Brisanz des immer noch gültigen Papiers verriet man nichts: Wie jetzt bekannt wurde, wird darin das Nato-Land Türkei als Spionage-Ziel definiert. 
Auch die Tatsache, dass der Geheimnisträger Markus R. nach seiner Verhaftung als kleines Licht im BND dargestellt wurde, lässt den Dienst schlecht aussehen - und dürfte zudem manches Mitglied der Bundesregierung erzürnen, das sich damals bei der Bewertung des Falls auf die Einschätzung aus Pullach verließ: Aber auch die brisanten Informationen zu den Clinton- und Kerry-Überwachungen sind in den Dokumenten des Herrn Markus R. enthalten ...
Herunterspielen, verschleiern, verschleppen - diese jahrelange Taktik der Regierung mit Blick auf die zahlreichen BND-Pannen - bzw. das zimperliche Reagieren auf die NSA-Enthüllungen in Bezug auf  Nachteile für das eigene Haus - lässt inzwischen vieles zweifelhaft erscheinen... Kann man die Behauptung, die abgehörten Telefonate von Clinton und ihrem Nachfolger Kerry seien nur "Beifang" der allgemeinen Überwachung, überhaupt noch glauben... 
Beifang 
Ich habe mich schon mal gefragt, was man gemeinhin unter "Beifang" verstehen könnte: WIKIPEDIA erklärt das als Fachausdruck aus dem Fischfang - es stinkt also nach Fisch - und es stinkt gewaltig gen Himmel, dieses Wörtchen "Beifang": 
Als Beifang werden in der Fischerei diejenigen Fische und andere Meerestiere bezeichnet, die zwar mit dem Netz oder anderen Massenfanggeräten gefangen werden, nicht aber das eigentliche Fangziel des Fischens sind. Der Beifang wird zum Teil verwertet, zum größten Teil aber als Abfall (Fachausdruck Discard oder auch Rückwürfe) wieder über Bord geworfen. Zum Beifang kommt es einerseits aufgrund nicht selektiver Fischfangtechnik, andererseits aber auch aufgrund nicht nachhaltigen Fischereimanagements. So dürfen die Fischer aufgrund gesetzlicher Regelungen manche Fische gar nicht anlanden, auch wenn diese verwertbar wären. Häufig überleben die beigefangenen Fische und sonstigen Tierarten den Fang und Rückwurf nicht oder werden schwer verletzt. Auch Wale, Delfine, Robben, Meeresschildkröten, Seevögel, Haie und Rochen sterben als Beifang.
Also - man muss schon "gezielt" in diese oder jene Richtung "fischen", - und nicht nur mit "Massenfanggeräten" - wenn man denn Telefonate von Hillary Clinton und John Kerry tatsächlich als "Beifang" mit im Netz einfach so und ganz zufällig auffindet - ich denke schon, dass die Leitungen und die Funk-Frequenzen dieser US-Außenminister ziemlich gut verschlüsselt und abgeschirmt sind ... Aber bei welchen "Operationen" nun diese "Beifänge" ins Netz gingen, wird natürlich auch nicht verraten und ist natürlich auch irgendwo noch "streng geheim" ... 
Und wie geht es weiter im Verhältnis mit der Türkei? In Berlin hofft man, dass die "Einladung des Botschafters zum Gespräch" dann schon die maximale diplomatische Eskalationsstufe war... - schauen wir mal ...

Mit Materialien aus SPIEGEL-ONLINE und WIKIPEDIA

Sonntag, 17. August 2014

sinedi: Meinem 0,4-mm-Stabilo entsprungen ...

S!NEDi: dem stabilo entsprungen

Also - da ist meinem "stabilo point 88 - fine 0,4" wieder so ein - ich sags mal vorsichtig: "Gebilde" entfleucht ...
Ich setze den Stift an - skizziere ein paar hastige Linien - einen Kreis hinein (ist ja fast klassisch: Liniengebilde vor Kreisform ...) deute mit ein paar Kringeln Nasenrüssel und Luftballonpropellermäulchen an - und ein Paar Dummer-August-Äuglein - fast wie Schweinsaugen = "Kringel - Kringel - Komma - Strich  - fertig ist dies Geistgesicht" ...

In einem Interview - was würde dieses Geschöpf aus 0,4 mm-Strichen schließlich von sich geben:

Es gibt mich schon ein paar Millionen Jahre: Erste Umrisse wurden bereits in den Höhlen von Altamira entdeckt - also in der Nähe der Stadt Santillana del Mar in Kantabrien, Spanien ... Bereits  16.000 v. Chr. bis zum Einsturz des Höhleneinganges 11.000 v. Chr. malte und ritzte man Prototypen meines Genres in den Stein ...
Man kann mich als Archetyp aus dem Unterbewusstsein in all den Jahren nicht verdrängen: Ich bin - ich bin - ich bin ...
manchmal in masse, manchmal in abstraktem Strichgewirr, manchmal als Mammut-Elefant, manchmal als Amöbe oder als Bärtierchen (siehe dieses ...) ...

Also - habt mich alle lieb - und das nächste Mal kritzeln auf dem Notizblock: "Kringel - Kringel - Komma - Strich  - fertig ist dies Geistgesicht"

sinedi-S!nntagsmaler S!NEDi Nr.06: antlitz | gedicht & bild: gesichtbelichtung

S!NEDi: bildnis 

so ein bewegendes gesicht
- oder wollen wir wieder antlitz sagen -
kann man in verschiedensten
bereiche belichten und form geben:
regionen und grenzen
aneinanderreihungen
tiefgründige profilierungen
grenzkonflikte - schlagbäume
stopps all der tränenkonvois

bei einer lupen-vergrößerung
würden landschaften sichtbar
felder und höhenzüge
straßen und wege dazwischen
kleine flusstäler

3-D-röntgen:
schichtaufnahmen aus der röhre;
ganz normale pathologien, anomalien:

und einfach nicht stillgehalten:
einatmen - luft anhalten - 
still liegen - nicht weiteratmen:

warten auf das vögelchen ...
cheeeeeese ....

sinedi


Donnerstag, 14. August 2014

sinedi | gedicht & bild: inwändig - zwischen den augenbrauen ...







wie abgestreift-/abgetippte zigarrenasche
hat der gestrige abend platz genommen
inwändig - zwischen den augenbrauen

wenn dieser weiße schuppensand
endlich in die zugluft bröselt
weil die balkontür offensteht

und die stirnhöhlen längst
mit bläulichem plastik ausgegossen sind
wie früher diese milchkännchen aus pressglas

"und das atmen nicht vergessen" -
ruhig & regelmäßig: einatmen - ausatmen - entspannen
und da - dann schwappt das tierchen auf den sand:

versandet im rekeln
auf der feucht-klebrigen blutegelhaut
in diesen niedlichen pirouetten: zu einer acht

da - da kommt der schnitter
durch das kornfeld - wie das von van gogh:
ächzend und stöhnend: strohhalm um strohhalm
schnitt auf schnitt


da zieht etwas durch
aus belgien kommend
mit immerwährender abflussspirale 

vom mittelohr
in die tiefe
in den schlund
mitten ins herz



sinedi

Mittwoch, 13. August 2014

Margot Käßmann: Gelebte Kriegsdienstverweigerung: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin ... | impuls für die woche -147



Margot Käßmann hat eigentlich kein wirklich wichtiges Amt in Deutschland. Die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche ist Beauftragte für das Reformationsjubiläum - was wahrscheinlich die wenigsten wissen.

Aber was Käßmann sagt, zählt für viele Deutsche immer noch. Bei Kirchentagen wird sie bejubelt, sie wird in Talkshows eingeladen. Ihre Stimme wird gehört. Und von vielen geschätzt.

Jetzt hat sich Käßmann im "Spiegel"-Gespräch  (Link anclicken) für die Abschaffung der Bundeswehr ausgesprochen. "Ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica", sagte Käßmann.

Im Moment, das gibt Käßmann selbst zu, sei ihre Position noch eine Utopie - auch wegen der Einbindung Deutschland in der Nato.

Sie registriere allerdings mit Genugtuung, dass die Deutschen bewaffneten Einsätzen enorm skeptisch gegenüberstünden, sagte sie im Gespräch mit dem "Spiegel". "Ich fände es gut, wenn wir als Konsequenz aus den Schrecken des 20. Jahrhunderts sagen: Wir beteiligen uns nicht an Kriegseinsätzen."

Käßmann bekräftigte auch ihre Kritik an Bundespräsident Joachim Gauck. "Der Bundespräsident redet vom Krieg als letztes Mittel, ich rede über den Weg zum Frieden", so Käßmann. "Wir Protestanten können wunderbar streiten über unterschiedliche Positionen."

Auch in die Rüstungspolitik Deutschland mischte sich Käßmann ein. Sie forderte im "Spiegel"-Interview einen Verzicht auf Waffenlieferungen - sowohl an Nato-Staaten oder befreundete Länder wie Israel.

"Meine ganz persönliche Meinung ist, dass ein Land mit der Vergangenheit wie Deutschland sich nicht dadurch hervortun muss, 'schöne' und technisch ausgefeilte Waffen in die ganze Welt zu liefern", sagte Käßmann. "Es steht Deutschland gut an zu sagen: Wir exportieren Frieden und nicht Rüstung."

Margot Käßmann ist Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017. Die Theologin (56) war 1999 bis 2010 Bischöfin der Landeskirche Hannover und Ratsvorsitzende der EKD. Sie trat nach einer Alkoholfahrt von ihrem Amt zurück.

Textquelle: Huffington Post

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Und schon fällt die vereinigte deutsche Journaille in Kommentaren - im Schultschluss mit BP Gauck - über Frau Käßmann und die 67 ostdeutschen Pfarrer her, die mit ihr der gleichen Meinung sind ...

Pazifismus ist nicht angesagt, es muss wieder mal etwas krachen im Gebälk ... - und "Deutschland soll nicht so feige sein" ... Auch im S.P.O.N.-Kommentar (unter der bezeichnenden Rubrik: Der Schwarze Kanal ...) von Jan Fleischhauer in SPIEGEL.DE wird ein ähnlicher fast lächerlich machender Verriss gestartet wie im unten beispielhaft wiedergegebenen Kommentar aus dem TAGESSPIEGEL. Fast scheint es so, als hätten mindestens diese beiden Kolumnisten bzw. Kommentatoren sich vorgestern in der Mittagspause bei einer Currywurst zusammengesetzt, um sich ihre Zeilen abzusprechen ...  

Und doch ist in diesen konzertierten Anti-Pazifismus-Argumentationen der so hochgebildeten und kalt kalkulierenden Kommentatoren alles irgendwie beim alten geblieben: 

Wie schon im Kosovokrieg wird mal wieder die Propaganda zum Mittel in der Politik. 1999 hatte Außenminister Joschka Fischer, der im Tandem mit dem damaligen Radfahrer und Verteidigungsminister Scharping die Bundeswehr in den Kosovo-Krieg geführt hatte, mit dem erpresserischen Slogan: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“) - und mit der völlig überzogenen Skizzierung eines drohenden Völkermordes (Rudolf Scharping trat in den Massenmedien zudem mit der Schilderung von Gräueltaten auf, die er als belegt bezeichnete: „Schwangeren Frauen wurden nach ihrer Ermordung die Bäuche aufgeschlitzt und die Föten gegrillt.“ ... - wozu aber dann doch am 16. Februar 2001 die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf Zeugenaussagen hochrangiger Militärs richtigstellte: "Deutsche Politiker haben sich der Falschinformation und der Lüge bedient, um die Beteiligung der Bundeswehr am Nato-Bombardement in Jugoslawien gegenüber der Öffentlichkeit zu legitimieren."

Dazu stellte Barbara Supp 2010 im Spiegel am Beispiel dieses Fischer'schen Auschwitz-Vergleichs aus 1999 fest: „Und dann sprach Joschka Fischer von einem neuen Auschwitz, das der Serbe Milošević plane und das nur durch Krieg zu verhindern sei. Auschwitz - das äußerste Mittel. Der Kosovo-Krieg, obwohl das Völkerrecht dagegen sprach, sei also gerecht und ohne Alternative. Er hieß ‚humanitäre Intervention’. Wer dagegen war, würde Alliierter der serbischen Mörder sein" - oder - wie jetzt eine dumme unrealistisch verträumte unverbesserlich humanistisch-christliche Pazifistin... 

Damals der "Auschwitz-Vergleich" und die "gegrillten Föten" - und heute schreibt Fleischhauer: "Wir müssen uns nur die Mühe machen, im Netz nach den Bildern zu suchen, mit denen die Soldaten des 'Islamischen Staats' die Ernsthaftigkeit ihrer Überzeugung beglaubigen. Man sieht die abgeschlagenen Köpfe, mit denen sie die Plätze der Städte dekorieren, die sie auf ihrem Weg ins siebte Jahrhundert erobert haben. Man sieht die Frau, die ihre Steinigung erwartet, die Gefangenen, die um ihr Leben flehen, bevor sie auf Lastwagen verladen werden, um sie in der Wüste zu exekutieren, die Kreuzigung von Männern, die der Apostasie angeklagt wurden ... Was soll man zu Männern sagen, die einer Frau die Hände auf dem Rücken binden, und dann so lange Steine auf sie werfen, bis sie nur noch ein blutiger Haufen ist?"
Im Westen nichts Neues: Das ist die kriegslüsterne Propaganda von heute - ebenso wenig tatsächlich verifiziert wie damals das "Föten-Grillen" bei Herrn Scharping ...: Aber angesichts dieser "Fakten" müsste doch auch endlich eine Frau Käßmann einknicken ...

Frau Käßmann ist schon in ihrer selbstgesteuerten honorarträchtigen Publicity - für mich wenigstens - echt gewöhnungsbedürftig. Ähnlich wie der Vielschreiber Anselm Grün warf auch Sie einen Text nach dem anderen auf den Büchermarkt - ohne dass man eine spirituelle "Weiterentwicklung" erkennen konnte ...

Aber hier - mit ihrem standhaften Pazifismus, gespeist aus Bergpredigt und christlicher Ethik, erweist sie sich als "Kriegsdienstverweigerin par excellence" und imponiert mir als staatlich gewissensgeprüfter Kriegsdientverweigerer aus 1969 - wie schon damals, Weihnachten 2010, als sie den Afghanistan-Krieg der Bundeswehr unverblümt als "Krieg" bezeichnet hat und ausführte: "Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut, von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen."

Und schon gute 4 Wochen später waren "wie zufällig" Polizisten in Hannover vor Ort, als Frau Käßmann alkoholisiert bei "Rot" über eine Ampel fuhr (wie sagt man da: ... zur falschen Zeit am falschen Ort ...) - und diese Verfehlung fand schnurstracks ihren sofortigen Weg in die Presse-Schlagzeilen des Boulevard, als habe man nur darauf gewartet ... Ich will hier nichts bagatellisieren  - aber wieviele "einfache" und "normale" Menschen fahren wohl unter Alkoholeinfluss bei Rot über die Ampel - ohne dass das in mit Namen in der Presse steht und sofort veröffentlich wird ...- aber natürlich hat da niemand irgend etwas dran "gedreht" ... - und als Bischöfin der EKD war Frau Käßmann damit erledigt ... - aber sie macht nun mutig weiter ... - "Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses antut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin." (Matth. 5, 39)

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Sie versucht es trotzdem. - nach einem FOTO von DPA | DER TAGESSPIEGEL

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Frühere EKD-Chefin
Der selbstgerechte Pazifismus der Margot Käßmann

Stell dir vor, Margot Käßmann predigt Pazifismus - und die EKD widerspricht. Die evangelische Theologin und 67 ostdeutsche Pfarrer kritisieren Bundespräsident Joachim Gauck. Damit verhöhnen sie das UN-Prinzip der Schutzverantwortung. Ein Kommentar von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL (Meinung)

Wer hätte Hitler gestoppt, wenn die Alliierten nicht in der Normandie gelandet wären? Gäbe es einen Staat Israel, wenn dieser sich im Juni 1967 nicht gegen eroberungswütige arabische Nachbarn zur Wehr gesetzt hätte? Waren es nicht Nato-Bomben, die das mörderische Treiben von Slobodan Milosevic, Radovan Karadzic und Ratko Mladic beendeten? Aktuell wiederum sind es die USA, die mit Luftschlägen einen Völkermord im Nordirak verhindern wollen. Soll man sie dafür kritisieren?

Margot Käßmann tut es. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, Pazifismus zu predigen.

Ausgerechnet zum D-Day-Jahrestag meinte sie, auch gegen Hitler-Deutschland sei ein Krieg nicht gerechtfertigt gewesen – was in den Ohren der betagten Veteranen, die ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus riskiert hatten, wie eine Verhöhnung geklungen haben musste. Im Schulterschluss mit 67 ostdeutschen Pfarrern kritisiert sie Bundespräsident Joachim Gauck, weil dieser Militäreinsätze als letztes Mittel der Politik nicht ausschließen will. Und sie träumt von der Abschaffung der Bundeswehr. „Ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica.“

Margot Käßmann und die Kollateralschäden der Gesinnungsethik

Neu oder originell ist eine solche Position nicht. Auch verdient Anerkennung, dass die Theologin bereit ist, die Konsequenzen daraus in Kauf zu nehmen: Genozid, Mord, Leid und Elend müssen hingenommen werden, wenn ihnen nicht anders als durch Waffengewalt Einhalt geboten werden kann. Die Kollateralschäden einer solchen Gesinnungsethik sind freilich jene Tote, deren Tod hätte verhindert werden können. Wer für das Leben anderer verantwortlich ist, kann sich der Pflicht zur Notwehr nicht ganz so einfach entziehen.

Neu aber ist die Wucht des Widerspruchs, der Käßmann aus eigenen Reihen entgegenhallt. Ihr Nachfolger im Amt, Nikolaus Schneider, verteidigte Gauck. Ein Militäreinsatz könne gerechtfertigt sein, wenn dadurch „massive gewalttätige Auseinandersetzungen gestoppt werden“, sagte er und begründete dies mit Eindrücken aus dem Südsudan. „Wenn man die Lage in einem solchen Land erlebt, dann begreift man, dass es so etwas wie ein Wüten des Bösen und der Gewalt gibt – und dass man auch militärische Kraft braucht, um für einen Raum zu sorgen, in dem sich anderes entwickeln kann.“ Käßmanns Vorgänger, Wolfgang Huber, stellte sich ebenfalls vor Gauck. Der Militärpfarrer von Speyer, Ulrich Kronenberg, warf Käßmann gar eine vor „Selbstgerechtigkeit triefende Hybris“ vor.

Im Jahre 2005 formulierten die Vereinten Nationen das Prinzip der „responsibility to protect“ (Schutzverantwortung). Es verpflichtet die internationale Gemeinschaft zur militärischen Intervention, wenn ein Staat die eigene Bevölkerung vor Massenverbrechen nicht schützen kann. Lediglich darauf hatte sich Gauck bezogen, hielt der Berliner Historiker Heinrich August Winkler, seit mehr als 50 Jahren SPD-Mitglied, Käßmann und den ostdeutschen Geistlichen vor. Deren „fundamentalistischer Protest“ trage „in seinem Innerlichkeitspathos sehr deutsche Züge und macht sie den national gesinnten Pastoren der wilhelminischen Zeit ähnlicher, als ihnen bewusst ist“. Klarer und wahrer geht’s kaum.



Dienstag, 12. August 2014

Irak-Konflikt: ISIS, IS: tl;dr: too long; didn't read: Hufgescharre Deutschland



Und schon wieder:
tl;dr: too long; didn't read

  • Irak-Konflikt: Von der Leyen will Kurden aufrüsten
  • Deutsche Waffen für Kurden: Gysi bringt seine Genossen gegen sich auf
  • Kampf gegen IS-Dschihadisten: Gabriel schließt Waffenlieferungen nicht mehr aus
  • Außenminister Frank-Walter Steinmeier wortgewaltig in der "FAZ": "Ich bin angesichts der dramatischen Lage dafür, bis an die Grenzen des politisch und rechtlich Machbaren zu gehen."
Und das ist der gleiche Außenminister, der noch am Montag - also gestern - in aller Vorsicht betonte, dass sich Deutschland allein auf humanitäre Hilfe im Nordirak konzentriere. Diese wollte man aufstocken, aber die kurdischen Kämpfer aufzurüsten, so wie es die Amerikaner bereits seit Tagen tun und wie es die EU-Partner Frankreich und Italien ebenfalls fordern, das komme für die Bundesregierung nicht infrage. Die Rüstungsexportrichtlinien würden die Lieferung in Kriegs- oder Krisengebiete verbieten. - Das nennt man dann wohl: Flexibilität ...


Was ich in diesem Auf- bzw. Ausrüstungs-Dilemma nicht verstehe ist dieses rasche wendehalsige Hin- und Her-Gehampel: Wer hat da wen "im Griff" bzw. "unter Druck gesetzt" ...: Ist es wieder die algorithmengesteuerte "Wirtschaftspolitik": Wenn denn schon Knete aus einem Krieg herauszupressen ist - dann natürlich nicht ohne Deutschland (denkt an unsere U-Boote und Panzer ... - an Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, Thyssen-Krupp, Diehl Defence - usw.) ... oder sind es die Statements von BP Gauck - etwa dieser Güte: „Manchmal kann auch der Einsatz von Soldaten erforderlich sein… wenn schließlich der äußerste Fall diskutiert wird – der Einsatz der Bundeswehr –, dann gilt: Deutschland darf weder aus Prinzip “nein” noch reflexhaft “ja” sagen… Als äußerstes Mittel ist dann der Einsatz von Militär möglich…“ - oder was - oder wer - oder wie ... ??? - Aber letztlich glaube ich: Es kratzt mal wieder "kein Schwein":


...


Montag, 11. August 2014

Science fiction: Bärtierchen und die Ewigkeit - von nun an bis in ... - auf zu neuen und uralten Ufern ...

S!NEDi|Illustration nach einem Foto von: © Oliver Meckes & Nicole Ottawa/ eyeofscience.de/ geo.de
Bärtierchen (Tardigrada) – auch Wasserbären genannt – bilden einen Tierstamm innerhalb der Häutungstiere (Ecdysozoa). Die meistens weniger als einen Millimeter großen achtbeinigen Tiere erinnern durch ihr Aussehen und ihre tapsig wirkende Fortbewegungsweise etwas an Bären, was zu ihrer Bezeichnung im deutschen Sprachraum führte. Auch ihr wissenschaftlicher Name (Zusammensetzung aus lateinisch tardus ‚langsam‘ und gradus ‚Schritt‘) geht auf die langsame Fortbewegung zurück.

Sie leben weltweit im Meer, Süßwasser oder in feuchten Lebensräumen an Land; besonders häufig findet man sie dort in Mooskissen. Eine Eigenschaft der Tiere ist die Kryptobiose, ein todesähnlicher Zustand, in dem sie extreme Umweltbedingungen überdauern können. Bärtierchen können sich sowohl vom Inhalt von Pflanzenzellen ernähren als auch räuberisch von kleinen Tieren wie Fadenwürmern (Nematoda) oder Rädertierchen (Rotifera), die sie dazu anstechen und aussaugen. Bärtierchen pflanzen sich meistens geschlechtlich fort. Manche Arten vermehren sich aber auch parthenogenetisch, das heißt ohne Beteiligung von Männchen; die Eier der Weibchen entwickeln sich in diesem Fall ohne Befruchtung.

Die nächsten Verwandten der Bärtierchen sind vermutlich Glieder- (Arthropoda) und Stummelfüßer (Onychophora), mit denen sie das Taxon Panarthropoda bilden.

WIKIPEDIA

S!NEDi|Illustration nach einem Foto von WGB/ eyeofscience.de/ SPIEGEL-ONLINE



Das Wunder der Bärtierchen

Autor: Lisa Reggentin | nationalgeographic.de
   

Die Bärtierchen sind wahre Überlebenskünstler.

Sie leben in unserer unmittelbaren Umgebung: in Moosen, Teichen und Dachrinnen, doch kaum jemand kennt sie, denn sie sind mit dem bloßen Auge nicht zu sehen. Die Rede ist von Tardigraden, oder auch Bärtierchen. Sie sind echte Überlebenskünstler, die extreme Trockenheit und Kälte problemlos überstehen können.

Die Bärtierchen bilden einen Tierstamm innerhalb der Häutungstiere. Die bis zu einen Millimeter großen achtbeinigen Tiere erinnern durch ihr Aussehen und ihre tapsige Fortbewegung an Teddybären in Miniaturversion, was ihnen auch ihren deutschen Namen eingebracht hat. Das Bärtierchen ist ein begehrtes Forschungsobjekt, dabei kennt man seine Art bereits seit mehr als 200 Jahren. 1773 wurde das erste Tier entdeckt und beschrieben, bis heute sind mehr als 1000 Arten bekannt. Und es werden immer mehr. Ralph Schill vom Biologischen Institut der Universität Stuttgart ist Koordinator des weltweit größten Tardigradenprojekts "FUNCRYPTA". Er sagt, dass jedes Jahr mindestens zehn neue Arten der Tardigraden entdeckt werden.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt untersucht die Überlebensmechanismen der Bärtierchen, die den Wissenschaftlern nach wie vor große Rätsel aufgeben. Normalerweise führt das Trocknen und Gefrieren von Zellen zur massiven Schädigung der Zellmembranen und -proteine. Meistens sterben erst die Zellen, dann der ganze Organismus. Bei den Bärtierchen ist das nicht der Fall – sie überleben auch die extremsten Umweltbedingungen ohne jeglichen Schaden.

Beeindruckende Überlebensstrategien

Die Bärtierchen haben besondere Strategien entwickelt, um Kälte und Hitze problemlos zu überstehen. Trocknet ihre Umgebung aus oder kommt es zu extremen Kälteeinbrüchen, bilden sie so genannte Resistenzstadien. Dabei versetzen sie sich selbst in einen todesähnlichen Zustand und drosseln so ihren Stoffwechsel auf ein Minimum. Dieses Phänomen wird Kryptobiose genannt. Der Begriff wurde von dem britischen Biologen David Keilin definiert und beschreibt einen Zustand, in dem der Organismus keine sichtbaren Lebenszeichen mehr zeigt, aber noch am Leben ist.
Die verschiedenen Arten der Tardigraden haben unterschiedliche Überlebensstrategien und Überdauerungszustände entwickelt. So gibt es Arten, die so genannte Tönnchen bilden, wenn ihre Umgebung austrocknet: Sie verharren auf der Stelle, ziehen langsam ihre Beinchen ein und krümmen sich. In diesem Zustand können die Tiere Temperaturen von bis zu 110 Grad ertragen. Sobald wieder Feuchtigkeit auftritt, ploppen die Beine binnen 20 Minuten der Reihe nach aus dem Tönnchen heraus, das Tier richtet sich auf und läuft weiter.


S!NEDi|Illustration nach einem
foto von : © Oliver Meckes & Nicole Ottawa/ eyeofscience.de/ geo.de 
Andere Arten bilden bei schnell wechselnden Wettereinflüssen Cysten. Sie verlassen dann nicht, wie sonst bei der Häutung, ihre abgelegte Hülle, sondern verharren darin und bilden eine weitere Innenhaut, die besonders widerstandsfähig ist. Dieser Zustand ist, anders als der des Tönnchens, nicht geeignet, um lange Zeit anzudauern. Wiederum andere Arten verhindern das Gefrieren der eigenen Körperflüssigkeit durch eine erhöhte Zuckerkonzentration, und weitere sind in der Lage die Eisbildung in den Zellzwischenräumen zu ertragen.



Eine Bereicherung für die Forschung

Die Fähigkeiten der Bärtierchen beeindrucken selbst erfahrene Wissenschaftler. Durch Forschungsprojekte konnten zwar viele Kenntnisse über die Tiere und ihre Überlebenskünste gewonnen werden, trotzdem sind noch viele Fragen offen. "Bislang ist uns keine andere Art bekannt, die solch extreme Umwelteinflüsse ohne jegliche Schädigung überleben kann. Wir wollen die Mechanismen der Bärtierchen verstehen, um die gewonnenen Kenntnisse für neue Forschungsansätze zu nutzen", so Schill.

Die Erforschung der Tardigraden interessiert nicht nur wissbegierige Zoologen, sie könnte auch zu Fortschritten im Biomedizinischen- und Lebensmittelbereich führen. Experimente haben ergeben, dass die Tardigraden mindestens 18 Jahre lang in dem kryptobiotischen Zustand verharren können, unter optimalen Bedingungen wahrscheinlich um ein Vielfaches der Zeit. Würde man diese Mechanismen verstehen, könnte dies zu entscheidenden Verbesserungen in der Lebensmittelherstellung und der Konservierung von transplantierten Organen führen. Laut Schill würden sich dann auch neue Möglichkeiten in der Herstellung von gefriergetrocknetem Blut ergeben.
Die S!NEDi|Illustrationen zu diesem Beitrag sind den Original-Fotos 
in der Google-Fotogalerie von geo.de und SPIEGEL-ONLINE in künstlerischer Freiheit nachempfunden und stammen im Original von Oliver Meckes & Nicole Ottawa/ eyeofscience.de.
Das Original-Bildmaterial der Tardigraden erhält man prinzipiell  bei Oliver Meckes & Nicole Ottawa/ eyeofscience.de - und dann natürlich auch in den Original-Farben und -Formen (siehe dort) ...  


Schrift-Innerlichkeiten vorm "Tipping-Point" ... - Nervöse Slideshow hinter den Lidern ...

Manchmal stehe ich mitten in der Nacht auf - und lese - so 45 - 90 Minuten, bis die Müdigkeit wieder Platz nimmt in dem Gefalte und den Scharnieren der Augenlider ... 
Ich lege mich dann wieder hin - und schließe die Augen und warte auf den big-big Einschlafpunkt: diesen "Tipping-Point", diesen "Point of no return", diesen Augenblick oder Moment, an dem eine vorher geradlinige und eindeutige Entwicklung durch bestimmte Rückkopplungen abrupt abbricht oder die Richtung wechselt: eben dieser „qualitative Umkipppunkt“, der einen vom Wachzustand in den Schlaf befördert. 
Manchmal nehme ich im Hinüberdösen diesen Punkt wahr: ein Zucken durchfährt dann den Körper, wohl ein muskulärer Erschlaffungsmoment - so ganz durch und durch - das letzte spürbare Crescendo, dass sich hinein in die Halbschlaf-Duseligkeit gesteigert hat ... 

Und direkt vorher, hinter den geschlossenen Wimpern, leuchtet oft noch ein funzeliger Lichtkegel, ein grünlicher Spot - schwach flackernd wie ein altes schwach belichtetes Radium-/Tritium-Armbanduhr-Leuchtzifferblatt - über die rasch wechselnden Schriftzeichen aus uralten vorgeburtlichen Zeiten: Immer just, wenn es scheint als könne ich ihre Botschaften noch vor dem Wegdämmern entziffern, wechseln die Wahrnehmungen wie in einer inneren Slideshow - wie auf einer eiernd quietschenden tibetischen Gebetsmühle: Handschriften wie Griechisch, wie die "karolingische minuskel" etwa - abwechselnd mit gotischen Versalien - und alles durchsetzt mit schwarz verfilztem Wurzelwerk ...: Magische Grundsatz-Schriften mit Formel-Werkzeugen und allerhand Archetypen, Handschriften der alten Mystiker tauchen auf, die Schriftzeichen aus Tora-Rollen, in denen kein Häkchen am Buchstaben Yod fehlen darf ... alles in einem Mit- und Übereinandergeschiebe wie die Wolken, mit verdrehtem Duktus und Widerhaken, in einem zackig ab-geschnittenen Ballett-Tanz im Auf und Nieder - in einem Miteinander-Verweben und Um-Kreieren - etwa so:
Lautsprecher-Symbol anclicken !!!!
S!NEDi: hinüberduseln