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Dienstag, 16. September 2014

Marktforschung für die "marktgerechte Demokratur" oder: Wie die Demokratie sich selbst zerstört ...


Ja - da habe ich neulich einen SPIEGEL-Beitrag kommentiert, aus dem hervorgeht, inwieweit Angela Merkel über das Bundespresse-"Amt" Meinungsumfragen extra in Auftrag gibt und interpretiert, um dem Volk eine "wohlgefällige" "marktgerechte" "Politik" butterweich und nur fad gewürzt sowie leicht verdaulich zu reichen ... - manchmal jedoch stellt sich Sodbrennen ein ...

Und das Wörtchen (Bundespresse-)"Amt" habe ich mal lieber in Anführungsstrichelchen gesetzt, weil dieses Wort ansonsten vorgaukelt, es sei eine von meinen Steuergeldern mitfinanzierte Bundesbehörde, die als Behörde neutral, überparteilich und ohne persönliche Interessen von wem auch immer, das Meinungs- und Pressewesen der Medien allparteilich zu dokumentieren hat - und allen Bürgern und Parteien offensteht ... - Aber ich glaube - da täusche ich mich - und mit eben meinen Steuergeldern lotet diese Regierung mit ihren beteiligten Parteien ihre ureigensten und eigennützigsten "parteilichen" Interessen mit diesem "Amt" aus - "PR-Abteilung der Bundesregierung" wäre eine zeitgemäßere Bezeichnung - finanziert von den in der Regierung beteiligten Parteien ...:

Zuerst die Meinung zu irgend etwas einholen - dann erst eine genau dem entsprechende Verlautbarung absetzen mit Tremolo und "Weitblick" und Demoskopen-Souffleur als "kleinem Mann im Ohr" - und immer nur Lächeln und immer vergnügt ...: besser gehts nicht ...

Nun finde ich genau dazu in meiner Roman-Lektüre von Frédéric Beigbeder: "39,90" aus dem Jahr 2000 (dt. Rowohlt 2001) doch tatsächlich folgende Passagen - zunächst auf Seite 32 - dann weiter Seite 36 ...:

    «Zwanzig Käuferinnen wurden befragt, und sie haben von Ihren Spinnereien kein Wort begriffen: Text-Erinnerungswert null. Was sie wollen, ist Info, sie wollen das Produkt und den Preis sehen, Punkt, Ende. Und wo bleibt mein Key Visual? Ihre kreativen Ideen sind ja ganz nett, aber ich stehe im Wettbewerb, ich brauche etwas, das man in Aktionen am Selling Point umsetzen kann! Und wie mache ich Werbung im Internet? Die Amerikaner erfinden SPAM und verschicken ihre Promotion jetzt per E-Mail. Ihre Denke ist doch zwanzigstes Jahrhundert! Aber darauf fall ich nicht rein! Ich bin durch eine harte Schule gegangen! Auf die Basis kommt es an! Ich bin durchaus bereit, Ihnen etwas Überraschendes abzukaufen, aber ich habe gewisse Sachzwänge zu berücksichtigen!» 
Ich tat mein Bestes, um die Contenance zu wahren. 
   «Darf ich Ihnen eine Frage stellen, Monsieur? Wie wollen Sie eigentlich Ihre Konsumentinnen überraschen, wenn Sie sie vorher nach Ihrer Meinung fragen? Fragen Sie Ihre Frau auch, womit sie zum Geburtstag überrascht werden möchte?»    
«Meine Frau hasst Überraschungen.»    
«Hat sie Sie deshalb geheiratet?» 
Und dazu auf Seite 36 - noch klarer:  
   «Politiker haben nichts mehr zu sagen; die Wirtschaft regiert ["marktgerechte Demokratie"]. Marketing ist eine Perversion der Demokratie — das Orchester dirigiert den Dirigenten. Umfragen bestimmen die Politik, Tests die Werbung, Panels die Platten, die im Radio gespielt werden, Sneak Previews das Ende von Kinofilmen, Einschaltquoten das Fernsehprogramm... Keiner ist mehr verantwortlich ... 
...Big Brother is not watching you, Big Brother is testing you. 
Der Marktforschungsfetischismus ist purer Konservatismus. Eine Abtretung. Kein Angebot, das Ihnen WOMÖGLICH nicht gefallen könnte. So wird jede Innovation, Originalität, Kreativität und Rebellion erstickt. Daraus ergibt sich alles weitere. 

Unsere geklonten Existenzen ... unsere mechanische Stumpfheit ... die Isolation der Menschen ... die betäubende Hässlichkeit allenthalben ...  Nein, das  ist keine harmlose Besprechung. Es ist das Ende der Welt in Bewegung.Man kann die Welt nicht verändern, wenn man sich ihr unterwirft. 
Eines Tages werden die Kinder in der Schule lernen, wie die Demokratie sich selbst zerstört hat.»

Montag, 15. September 2014

Vielfalt ist Einfalt ist Vielfalt ... - diversity versus simplicity | naivety

Wer ist das Schönste im ganzen Land ...
Nun - die Vielfältigkeit ist mega in: Da gründet ja die gesamte Diskussion der Inklusion auf der Philosophie des diversity - der Diversität - der Vielfältigkeit...: und alle Normabweichungen werden nicht mehr ausgesondert, abgeschoben, "exkludiert" - nein - sie sind in ihrer Einzelheit jeweils ein Zugewinn der Kultur ...

Diversität ist ein Konzept der Soziologie, das in der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft, analog zum Begriff diversity im englischsprachigen Raum, für die Unterscheidung und Anerkennung von Gruppen- und individuellen Merkmalen benutzt wird. Häufig wird der Begriff Vielfalt anstelle von Diversität benutzt. Diversität von Personen - sofern auch rechtlich relevant - wird klassischerweise auf folgenden Dimensionen betrachtet: Kultur (Ethnie), Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung, Religion (Weltanschauung). Weniger ins Auge fallen eine große Zahl weiterer sozialisationsbedingter und kultureller Unterschiede wie Arbeitsstil, Wahrnehmungsmuster, Dialekt usw., die die Diversität einer Gruppe weiter erhöhen und kontextabhängig ebenfalls der Aufmerksamkeit und ggf. der sozialen Anerkennung bedürfen.

Das Konzept Diversität hat seinen Ursprung in der Bürgerrechtsbewegung der USA, die gegen die Benachteiligung von Schwarzen gekämpft hat. Diversität steht damit für die Herstellung von Chancengleichheit von Gruppen, die nach bestimmten Merkmalen benachteiligt werden. Daraus entstand in den USA das Antidiskriminierungsgesetz und die Affirmative Actions zur Förderung benachteiligter Gruppen (Rasse, Geschlecht, Hautfarbe, nationale Herkunft, Alter, Behinderung oder Religion).

Seit dem Ende der 1990er Jahre wird das Konzept auch von der Europäischen Union als Leitbild verwendet.

Seit 2006 sind in der deutschen Gesetzgebung die Aspekte der Vielfalt im Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz berücksichtigt und schützen Personen aus diesen Dimensionen vor Diskriminierung.

Das Diversitätsmanagement als eine Methode des betrieblichen Personalwesens zielt darauf ab, die Diversität der Mitarbeiter konstruktiv und gewinnbringend zu nutzen. Eine bekannte Vertreterin des Diversitätsmanagements in Deutschland ist die wirtschaftspolitische Initiative Charta der Vielfalt.

Wenn Ihnen nun der Kopf schwirrt vor lauter Diversitäts- und Vielfaltsgerangel, das aber auch deshalb immer wieder aufgerührt wird, weil das Rennen "Wer wird der Erste sein" - bzw. unter Männern "Wer hat den Längsten" - eben niemals endet: Das wiederum zeigen uns jüngst die Ausnahme"Leicht"athleten Markus Rehm (Weitsprung) und der Sprinter Oscar Pistorius bis zu seiner Verhaftung, die beide mit technisch hochwertigen Prothesen trotz Amputationen in die Weltspitze vorstießen in ihren Disziplinen - also sozusagen die Inklusion konterkarieren und sich hindurch katapultieren - um neu "einsame" Spitze zu werden - begleitet allerdings von der Diskussion, ob deren Prothesen als Techno-Doping eingesetzt werden können oder eingesetzt sind, also den normal funktionierenden humanoiden Körperteilen aus Blut und Knochen und Haut und Haaren durch ihre Technik überlegen sind ...

Immer höher, immer weiter, immer verrückter: Das Alleinstellungsmerkmal, die Einzigartigkeit, um das in der Werbebranche so viel TamTam gemacht wird, wird weiterhin gesellschaftlich hofiert - auch gleichzeitig oder erst recht vor der Philosophie der Vielfalt, des diversity, der Inklusion als Background ...: so funktioniert die ausgehende Postmoderne: alles auf einmal - sich gegenseitig durchdringend wie ein gewirkter eng verwobener Flickenteppich in den grellsten Farben, und beim Denken und Wollen die jeweiligen Alternativen immer gleichzeitig mitgedacht, um vor Überraschungen gewappnet zu sein: Grün ist Rot ist Grün - oder: wenn Du lange auf eine grüne Fläche starrst - dann die Augen plötzlich und abrupt schließt, mischen deine elektrisch aufgeladenen Sehnervpartikelchen in ihrer "Vielfalt" ein leuchtendes Rot hinter den geschlossenen Lidern: kommt und seht ...

Und zu diesem komplexen Thema schreibt der französische Kultautor Frédéric Beigbender in seinem Kultbuch "99 Francs" - "39,90" von 2000, dt: Rowohlt 2001, auf S. 30: "Das Besondere am Dritten Weltkrieg ist, dass ihn alle Länder gleichzeitig verloren haben. Ich hätte da einen Scoop für Sie: David kann Goliath nicht schlagen. Ich war naiv. Und die Einfalt ist eine Tugend, die in dieser Zunft nicht gebraucht wird. Ich habe mich ziemlich übers Ohr hauen lassen. Das ist übrigens das Einzige, was ich mit Ihnen gemeinsam habe."

Nomen est Nonsense - Omen est Prodigium ... - oder so ähnlich ...

Sonntag, 14. September 2014

Porträt eines Unbekannten ...: Das kann doch nicht alles gewesen sein ... | S!NEDi|art

S!NEDi|art: man sagt ja auch: "Grab eines Unbekannten" - hier nun: "Porträt eines Unbekannten"

Also - dieses "Porträt eines Unbekannten" hatte seine Ausgangsbasis in einer Skizze - man höre und staune: auf einem Blatt Toilettenpapier: natürlich mit dem schon viel zitierten Tuschestift "STABILO point 88 - fine 0,4": zweifellos das Porträt eines aufgeweckten jungen Mannes, der irgendwie "wissend" nun aber mit einer neuen Situation konfrontiert wird, auf die er mit all seinem "wissenden" Kalkül doch skeptisch und auch kritisch hinstarrt: Soll es das also wirklich schon gewesen sein ... ???

 Die Fülle, die man einst versprochen hatte - die Abwechselungen - das bunte Programm des Lebens - von einer Entwicklungsphase in die nächste - hinübergleitend ... ...Na ja - wenn sie dann erst wie ein Sack alter keimender Kartoffeln an den brüchigen Schultern zerrt, spürt man vielleicht dieses uralte millionenjahre währende Einerlei ... - längst ab- und ausgelutscht - ohne jede Überraschung - immer wieder das gleiche Stück - mit kleinen individuellen höchstenfalls Nuancen hier und da ... - ansonsten immer die gleiche Tragödie - in 3-4 Aufzügen - je nach Charaktereigenschaften und Liebschaften, die absolviert werden mussten ... 
Die Frage für heute lautet: In welcher Szene spielen Sie im Augenblick mit - und haben Sie Ihre Rolle auch gründlich vorher studiert ... ??? 
Nun - dann wünsche ich Ihnen: 
Hals- und Beinbruch - und 3 x spucken über die linke Schulter ...

sonne + blumen - falls du mal keine hast - nimm doch meine ...

S!NEDi|photo|graohy: die sonne auf erden ...

Samstag, 13. September 2014

Borussia Dortmund's KAGAWA BEKOMMT SONDERBRIEFMARKE VON DER FANPOST GESTIFTET - ECHTE LIEBE ...

frisch aus S!NEDi's briefmarkenalbum:

hallo fans | shinji kagawa ist wieder daaaaaa ...

deshalb hat die deutsche fanpost eine sonderbriefmarke im nennwert von 60 cent herausgegeben...
seht selbst:


S!NEDi: kagawa-sonderbriefmarke
...echte liebe ...

sinedi - S!NNTAGSMALER: Nr.08 + Bonus: S!NEDi's MONA LISA + face to face

S!NEDi's Mona Lisa

S!NEDi: face to face

Goliath triumphiert über David ...

Ende Juli sagte Herr Graumann vom Zentralrat der Juden in Deutschland der Rheinischen Post, er beklage angesichts der jüngsten judenfeindlichen Parolen in Deutschland eine fehlende Unterstützung der Zivilgesellschaft. "Warum gibt es keine Welle der Solidarität mit uns Juden angesichts der Welle von Antisemitismus?", sagte der Vorsitzende Dieter Graumann der "Rheinischen Post". 
Ja - ich hatte Herrn Graumann vom Zentralrat der Juden vor ein paar Wochen schon einmal hier eine Stellungnahme geschrieben, auf seine diesbezüglichen Klagen. Ich habe auch seinerzeit das Grass-Gedicht "Was gesagt werden muss" lauthals verteidigt - und ebenso die harsche Kritik des Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center (SWC) gegen den Journalisten Jakob Augstein verurteilt, den dieses Center doch tatsächlich auf die Liste der „Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs“ gesetzt hat, also zugehörig zu der Top Ten der antiisraelischen oder antisemitischen Verunglimpfung. Und seitdem Jakob Augstein die Gelegenheit, sich für seine Äußerungen zu entschuldigen, habe verstreichen lassen und stattdessen seinen Glauben an die Richtigkeit seines Tuns bekräftigt habe, vertritt Cooper die Ansicht: „Er ist ein Antisemit.“... 
Ich habe mich über den Papst gefreut, als er gemeinsam mit Abbas und Perez um den Frieden im Nahen Osten betete im Vatikan - nach seinem Besuch in Israel - u.a. an der menschenfeindlichen "Schutzmauer" (dieser Begriff kommt mir 53 Jahre nach Errichtung und 25 Jahre nach Fall der Berliner Mauer irgendwie bekannt vor ...) zwischen Israel und Palästina ... 
Nun - Herr Grass und Herr Augstein haben explizit vor Monaten das ausgesprochen, was nun 43 ehemalige Soldaten aus einer Geheimdiensteinheit Israels selbst anprangern - und so war es auch gemeint in der deutschen Bevölkerung und in den meisten bundesdeutschen Demos, die in keine naive Welle der Solidarität mit den Juden schwimmen konnten... - auch wenn nun morgen in Berlin im Beisein der Kanzlerin und des Bundespräsidenten ja eine Großdemo stattfinden wird unter dem Motto: „Steh auf - nie wieder Judenhass.“ 
Okay - "Judenhass" darf es in Deutschland nie wieder geben - auch nicht ausgehend von den Landsleuten muslimischen Glaubens ... - dafür kann und muss man demonstrieren ... Aber man darf berechtigte Kritik an die unmenschliche und imperialistische Besatzerpolitik der Israel-Regierung Netanjahu gegenüber Palästina auch nicht mit "Judenhass in Deutschland" verwechseln - beide Seiten dürfen das nicht ... - und auch dafür muss man demonstrieren dürfen: aber lesen Sie hierzu selbst:



aufgedeckt

Israelische Soldaten kritisieren Besatzung: Die Tapferen

Von Julia Amalia Heyer, Tel Aviv | SPIEGEL.de


43 ehemalige Soldaten aus einer Geheimdiensteinheit prangern Israel als Besatzungsregime an. Es ist eine harsche Abrechnung und ein mutiger Schritt - für die meisten Israelis sind sie Verräter.


David heißt nicht David, aber seinen richtigen Namen darf man nicht nennen. Er ist 29 Jahre alt, acht davon war er Mitglied des Militärgeheimdienstes der israelischen Armee. Bis er vor drei Jahren aus dem aktiven Dienst ausschied, diente er der Eliteeinheit 8200 als Kommandant. Danach war er noch Reservist, doch das ist vorbei. Jetzt sitzt er in Ringelshirt und Jeans auf einer Fensterbank, die Sonne, die durch die Jalousien fällt, schraffiert seinen Rücken. "Ich habe meinen Job sehr ernstgenommen", sagt David, und es passt zu seinem schmalen, ernsten Gesicht. Acht Jahre sind eine lange Zeit.

Aber irgendwann ging es nicht mehr: Da waren all die Fragen, auf die er keine Antwort bekam. Viele Lügen. Und immer wieder der Satz: "Es gibt keine falschen Befehle." Als guter Soldat befolgt man Befehle. Man stellt sie nicht in Frage.

Man denkt deshalb lieber nicht länger darüber nach, warum die sexuelle Orientierung eines Palästinensers für den israelischen Geheimdienst so wichtig ist, oder wofür die Information über eine schwere Krebserkrankung der Ehefrau verwendet werden kann. David hat solche Informationen gesammelt, jahrelang. Er hat sie weitergegeben, an seine Vorgesetzten. Und wusste natürlich, dass diese Menschen, die ganz klar kein Sicherheitsrisiko für sein Land darstellten, damit von der Armee und den Geheimdiensten zur Zusammenarbeit erpresst werden.
und Goliath schlägt nun zurück ... - unter Verwendung einer Karikatur aus dem Netz



David schüttelt den Kopf und erklärt sein Problem: "Hier geht es nicht um die Selbstverteidigung des israelischen Staates, hier geht es darum, ein anderes Volk so effektiv wie möglich zu unterdrücken." Und weil das seiner Ansicht nach so nicht sein soll, sitzt er jetzt zusammen mit drei Gleichgesinnten in der Wohnung seiner Eltern und erläutert seine Entscheidung.

Die drei haben, gemeinsam mit 40 anderen ehemaligen Militärgeheimdienstlern, einen Brief an Premierminister Benjamin Netanjahu geschrieben, an den Chef der Armee und des Militärgeheimdienstes. Darin steht, dass sie, allesamt Veteranen der Eliteeinheit 8200 und bis heute Reservisten, sich nie mehr an "Aktionen gegen Palästinenser" beteiligen werden. Weil sie keine "Instrumente der israelischen Besatzung" sein wollen.

Seit 47 Jahren besetzt Israel nun das Westjordanland und "das Militärregime verweigert den Palästinensern dort Grundrechte", wie es in dem Brief heißt. Die dort geschaffene Realität, in der für jüdische Siedler und palästinensische Anwohner zwei unterschiedliche Rechtssysteme gelten, die einem Teil - den Siedlern - Rechte zubilligen, die sie dem anderen Teil - den Palästinensern - verweigern, sei "kein unausweichliches Ergebnis einer notwendigen Selbstverteidigung". Diese Realität sehe so aus, weil die israelischen Regierungen sie sukzessive so gewählt hätten. Genauso verhalte es sich auch mit Entscheidungen zur Landenteignung, mit dem Verlauf der Sperranlage, oder mit wirtschaftlichen Restriktionen.

Ein moralisches Dilemma kennt die Armee nicht

Es ist die erste offene Verweigerung dieser Art seit 14 Jahren und eine harsche Abrechnung mit dem Vorgehen Israels als Besatzungsmacht. Denn die Kritik kommt diesmal aus dem Herzen des Systems, der Armee nämlich, das die Besatzung aufrecht hält.

Die Courage derjenigen, die diesen Brief unterzeichnet haben, ist umso höher zu schätzen, als dass der Hass auf Menschen, die dem immer nationalistischeren Mainstream nicht folgen wollen, selten so offen zutage tritt wie derzeit.

Er habe Angst, von Freunden und Kollegen als Verräter beschimpft zu werden, sagt David. Aber die Angst war nicht größer als sein schlechtes Gewissen. "Was wir im Westjordanland und im Gaza-Streifen tun, ist nicht richtig", sagt er. Und selbst wenn es einem dauernd gesagt werde, das Informationen-Sammeln sei eben "keine saubere Sache". David glaubt, dass das "System Armee" deshalb so gut funktioniert, weil jedem einzelnen - egal ob Geheimdienstler oder Luftwaffenpilot - suggeriert werde, er trage für das, was er tue, keine Verantwortung. Weil er ja nur die Befehle befolge.

Ihm selbst wurde bewusst, wie manipulativ dieses System ist, als er den Fall einer sogenannten gezielten Tötung recherchierte, die anders, als seine Vorgesetzten behaupteten, nicht der Sicherheit seines Landes diente, sondern einen reinen Racheakt darstellte. Ein Racheakt, bei dem völlig unschuldige Zivilisten, in diesem Fall eine ganze Familie, ums Leben kamen.

Ein moralisches Dilemma kenne die Armee nicht, sagt Noa, auch sie gehört zu den Unterzeichnern des Briefs. "Wir können alles, deshalb dürfen wir alles", laute die Maxime. Während die Zahl der Unschuldigen, die diesem Prinzip zum Opfer fallen, stetig steigt - bestes Beispiel dafür ist der letzte Gaza-Krieg - stumpft die israelische Bevölkerung immer mehr ab, wenn es um das Leid anderer geht. Wurde vor zehn Jahren noch über gezielte Tötungen als militärisches Mittel kontrovers diskutiert, gehören sie inzwischen zum probaten Repertoire. Auch aus diesem Grund haben sich die Geheimdienst-Reservisten entschlossen, ihre Zweifel in die Öffentlichkeit zu tragen. Palästinenser seien für die israelische Armee mittlerweile weniger Menschen, als vielmehr bloße "Ziele", sagt Nadav, der fünf Jahre lang gedient hat, zuletzt als Unteroffizier.

Was man mit diesen "Zielen" alles erreichen kann, davon will er jetzt nichts mehr wissen.

Freitag, 12. September 2014

sinedi-S!NNTAGSMALER Nr. 07: fassadenkletterei | gedicht|bild

S!NED|photo|graphy: fassadenkletterei...

es ist ein kommen & gehen
auf den fassaden dieser welt:
wer mit dem fahrstuhl hochfährt
der fährt mit ihm auch wieder runter
manche klettern sprosse um sprosse
bis dass der wagen bricht ...

und oben angekommen
ist der fall so tief so tief
und dieses aufprallklatschen
unten - ganz unten ...
wahrscheinlich bleibt die 
kleine delle im trottoir

also bleibt das verharren
bis dass der pelz wächst
beschlagen und belegt 
die gespaltene zunge
halten sie sich zurück
oder klammern sie sich ganz fest
bis sie wurzeln schlagen ...


sinedi


Donnerstag, 11. September 2014

Bakterien: Die guten im Kröpfchen - die schlechten im Töpfchen oder : Wer löst das "Kribbeln im Bauch" aus ...


Als ich mir das unten eingefügte SPIEGEL-Video über den "Umzug des Mikrobioms" anschaute, war da die Werbung von Scout24 (oben) vom "Kribbeln im Bauch" vorgeschaltet ...
Im Nachhinein finde ich das so passend wie "Ar... auf Eimer" (in diesem Zusammenhang sei auch dieser Vergleich mal gestattet), denn seit unserem Wissen vom Mikrobiom, von der Darmflora, von deren Schaltkreise und Botenstoffe zu unseren Emotionen und Gedanken, wissen wir allmählich, wo dieses "Kribbeln" im Bauch denn tatsächlich herkommt: Unser Mikrobiom spielt dann mal wieder verrückt ... ;-)
Das sind schon erstaunliche Wunderwerke, diese Bakterien in unserem individuell zusammengestellten Mikrobiom. Ich habe ja schon ein paar Beiträge in dieses Blog dazu gestellt - und bin einfach fasziniert von diesen "nicht von Menschen gemachten" Mitbewohnern, die uns helfen können, die uns durch die Millionen Jahre unserer Menschwerdung von Anfang an begleiten und die die Grundlage bildeten - und die bleiben werden, wenn es uns als Individuen gar nicht mehr gibt ...Und diese Helfer beeinflussen auch unser Denken und unser Wissen - und bilden, davon bin ich überzeugt, auch die berühmten Jungschen "Archetypen" in uns ab - und tragen uns fort bis in alle Ewigkeit ...: Das ist doch fantastisch ... 
Hier nun ein Beitrag, den ich aktuell in SPIEGEL.de dazu fand - garniert mit ein paar weiteren Infos:

Aus einem screenshot von http://www.hmpdacc.org/


Körpereigene Antibiotika

Was die Bakterien in unserem Innern anstellen


Von Julia Merlot | SPIEGEL.de|Wissenschaft

Wussten Sie das? Im menschlichen Körper produzieren zahlreiche Bakterien Medikamente. Forscher haben nun herausgefunden: Diese besonderen Arzneien könnten sich zur Therapie von Krankheiten eignen.

Das Immunsystem ist die erste Adresse, wenn es darum geht, den Körper vor Krankheiten zu schützen. Doch unsere Körperabwehr hat Hilfe, ohne die sie aufgeschmissen wäre: In unserem Darm, auf der Haut und auf Schleimhäuten tummeln sich mehrere Billionen Mikroorganismen. Sie machen schädlichen Mikroorganismen das Leben schwer, indem sie ihnen Raum und Nährstoffe wegnehmen.

Nun haben Forscher begonnen, das Volk in unserem Körper mit all seinen Fähigkeiten genauer zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass der Bakterienzoo noch wichtiger für das Wohlbefinden sein könnte als bereits angekommen: Das Mikrobiom (Link zu weiteren Infos zum Mikrobiom ...) entpuppt sich zunehmend als vielfältiger Arzneistoffproduzent.


Grafik: DIE ZEIT - HIER clicken - und als PDF herunterladen ...

"Bisher ist unser Bild, dass Medikamente gezielt von Pharmaunternehmen entwickelt werden", sagt Michael Fischbach von der Harvard Medical School in Boston. "Jetzt zeigt sich, dass wahrscheinlich zahlreiche Arzneien mit ähnlichem Potenzial und ähnlicher Spezifizierung vom menschlichen Mikrobiom selbst hergestellt werden." Das menschliche Bakterienvolk könnte demnach Anleitungen für zahlreiche nützliche Medikamente bereithalten.

Antibiotikaproduzent identifiziert

In etwa 750 menschlichen Mikrobiomproben suchten Fischbach und Kollegen mithilfe einer Software nach Bauplänen für die Produktion von bioaktiven Substanzen. Enthält ein Bakterium solche Pläne, kann es Stoffe herstellen, die mit Zellen und Botenstoffen im Körper interagieren und so etwa Krankheitserreger bekämpfen. Ein Beispiel: Antibiotika. Sie zerstören die Zellwand von Bakterien oder hindern die Organismen an der Fortpflanzung, indem sie wichtige Moleküle in den Zellen kaputtmachen.

Die Forscher fanden in Bakterien von unterschiedlichen Körperstellen, etwa aus dem Darm, der Nase oder auf der Haut, gut 3100 Gengruppen, die im Zusammenspiel solche biologisch aktiven Stoffe herstellen. Genauer untersuchten sie die Medikamentenfabrik des Milchsäurebakteriums Lactobaciilus gasseri, das typischerweise in der Vagina lebt - und machten eine spannende Entdeckung.

Das Bakterium produziert ein Antibiotikum, das Pharmaunternehmen in ähnlicher Form derzeit in klinischen Studien am Menschen untersuchen. Der Wirkstoff tötet krankmachende Bakterien, harmlose oder nützliche Untermieter lässt er aber in Ruhe, berichten die Forscher im Fachmagazin "Cell".

Körperapotheke hält gesund

Das Beispiel lege nahe, dass das Mikrobiom als Medikamentenapotheke entscheidend dazu beiträgt, dass wir gesund bleiben, sagt Fischbach. Darauf weisen auch zahlreiche weitere Untersuchungen hin.

Es gibt deutliche Hinweise, dass das Krankheitsrisiko steigt, wenn der Bakterienzoo sich aus deutlich anderen Organismen und Bakterienmengen zusammensetzt als üblich. So werden von einer gestörten Darmflora etwa Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr richtig aufgenommen, was bei Kindern zu Wachstumsstörungen führen kann. Bei chronischen Darmerkrankungen experimentieren Mediziner bereits mit Bakterientransplantationen: Sie siedeln die Mikroben aus dem Darm eines Gesunden in gleicher Menge in dem eines Kranken an - mit großem Erfolg.

Welche konkreten Fähigkeiten die Bakterien in unserem Inneren haben, beginnen die Forscher des Human Microbiome Projects, in dessen Rahmen auch die aktuelle Studie entstanden ist, jedoch gerade erst zu verstehen. Aus mikrobiologischer Sicht war aber abzusehen, dass die Organismen Arzneien herstellen: Bereits jetzt stammten etwa ein Drittel aller Medikamente, die in der Medizin eingesetzt werden, ursprünglich von Mikroorganismen oder Pflanzen, berichtet Fischbach. Neben Antibiotika stellen diese etwa Insulin zur Behandlung von Diabetes her oder Interferone, die in der Chemotherapie eingesetzt werden.

Beim Menschen ziehen die Bakterienuntermieter in der frühen Kindheit ein und setzen sich aus den Mikroorganismen zusammen, denen wir zu Hause und in unserer Umgebung begegnen. Deshalb unterscheidet sich der Bakterienzoo von Mensch zu Mensch immer ein wenig. Haben sich die Organismen einmal eingerichtet, bleibt das Mikrobiom bei gesunden und normal ernährten Menschen im Wesentlichen ein Leben lang bestehen und zieht sogar mit um.

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Wenn Menschen umziehen, packen sie nicht nur Tisch und Stuhl ein - auch ihre persönliche Bakterienflora zieht mit um. Forscher untersuchten jetzt die bakterielle Besiedlung von Häusern, um mehr über den Einfluss des Mikrobioms auf unsere Gesundheit herauszufinden.





screenshut http://www.hmpdacc.org/-Seite
Mikrobiom (Link zu weiteren Infos zum Mikrobiom ...)

Mittwoch, 10. September 2014

10. September: ein Feiertag ...

Kommentar zur Einwanderung

Heute ist der 10. September: Heute ist ein Feiertag!

Ein Kommentar von Sebastian Hammelehle | SPIEGEL.de

Armando Rodrigues de Sa 1964: Einmillionster "Gastarbeiter" | nach DPA





Wir gedenken der Kriege, wir bejubeln den Mauerfall. Aber dass Migration seit 50 Jahren unser Land prägt, wird von der Politik nicht wirklich gewürdigt - das ist nicht nur falsch, sondern gefährlich. Wir sollten den heutigen Tag feiern.

Es mag schwerfallen. Bitte verabschieden Sie sich für einen Moment von einigen allzu gern benutzten Begriffen aus den Waffenkammern der bundesdeutschen Verbal-Auseinandersetzung: Von Multikulti, von Einwanderungsland, von Gutmensch, Kopftuch und Parallelgesellschaft. Es geht an dieser Stelle nicht darum, was Sie oder der Autor dieses Textes über Migranten denken - oder gar darum, ob wir uns gegenseitig für Sozialromantiker, Herrenmenschen, verkappte Nazis oder die nützlichen Idioten muslimischer Hassprediger halten.

Es geht darum, wie kluge, zukunftsgerichtete und entsprechend langfristig gedachte Symbolpolitik aussehen könnte.

Heute ist der 10. September. Morgen erinnern wir uns an die Attentate des 11. September. Vor zehn Tagen, am 1. September, haben wir des Beginns des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren gedacht. Am 9. November werden wir des Mauerfalls vor 25 Jahren gedenken - und es gab 2014 viele weitere Gedenktage. Der 10. September ist nicht dabei.

Dabei ist dieser Tag für die Gesellschaft der Bundesrepublik von ebensolcher Bedeutung.

Heute vor 50 Jahren, am 10. September 1964, stieg auf dem Bahnhof von Köln-Deutz der Portugiese Armando Rodrigues de Sa aus dem Zug. Feierlich begrüßt und mit einem Mofa beschenkt, war er der einmillionste jener Arbeitsmigranten in die Nachkriegsrepublik, die so beschönigend wie ausgrenzend "Gastarbeiter" genannt wurden. Beschönigend, weil ein Gutteil dieser Menschen nicht ganz so gut behandelt wurde, wie es Gästen gebührt. Ausgrenzend, weil dieses Wort ja auch deutlich machte, dass all die Männer und Frauen, die man geholt hatte, um am bundesdeutschen Wirtschaftswunder mitzuarbeiten, alsbald wieder zu verschwinden hätten.

Es kam anders: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben mittlerweile 16,3 Millionen Menschen in Deutschland einen so genannten Migrationshintergrund. Nationale Wurzeln, Sozialstruktur, kulturelle wie religiöse und politische Orientierung sind deutlich vielfältiger als 1964. Eines aber hat sich nicht geändert: Auf eine nachhaltige Geste der Anerkennung von offizieller Seite müssen die Migranten in Deutschland bis heute warten.

Stabilität durch hellsichtige Innenpolitik

Stellvertretend für die Schwierigkeiten der bundesdeutschen Mehrheitsgesellschaft im Umgang mit Einwanderern steht kein Satz so, wie der des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Er hatte 2010 gesagt: "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland"- und damit entschiedenen Widerspruch provoziert.

Auch sein Nachfolger Joachim Gauck hat sich davon distanziert. Gauck interpretiert die deutsche Rolle zunehmend als die eines außenpolitisch, im Zweifel auch militärisch aktiven Players im globalen Spiel der Kräfte. Auch auf europäischer Ebene dominiert der Gedanke, die Welt da draußen abwehren und bändigen zu müssen: im Inneren erlebt der überkommen geglaubte Rückzug in die nationale Wagenburg seine Renaissance, an ihren Außengrenzen hat sich die EU in eine Festung verwandelt.

Was Gauck und mit ihm die vielen anderen bundesdeutschen Politiker vergessen, die Migranten entweder für ein Problem halten oder doch für eine vernachlässigbare Größe im innenpolitischen Gefüge: Stabilität entsteht nicht nur durch robuste Außenpolitik, sondern auch durch hellsichtige Innenpolitik.

Viel zu lang hat die bundesdeutsche Öffentlichkeit Migranten das Gefühl gegeben, ein Problem zu sein: Zuerst geduldet, dann mühevoll akzeptiert.

Wenn wir Zuwanderer, ihre Kinder und Enkelkinder und den ökonomischen wie kulturellen Beitrag, den sie für dieses Land geleistet haben, endlich ernstnehmen; wenn wir feststellen, dass dieser 10. September 1964, als der Tag an dem Migration als gesellschaftlich relevanter Faktor manifest wurde, unser Land mindestens ebenso geprägt hat wie der Mauerfall; wenn wir den Migranten und den Deutschen mit Migrationshintergrund in der Folge endlich jene Anerkennung zukommen lassen, die sie verdient haben - dann fördern wir eine positive Identifikation mit den Werten der westlichen Demokratie auch bei jenen, die aus Kulturkreisen kommen, in denen dies nicht selbstverständlich ist.
Eine derartige Integration ist der Stabilität nicht nur unseres Gemeinwesens, sondern auch unserer Sicherheit mindestens ebenso dienlich wie Panzerfäuste gegen den Islamischen Staat.

Es wäre ganz einfach: Erklären wir den 10. September zum Feiertag - oder zumindest zu einem wichtigen, nationalen Gedenktag der Migration.

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In diesem Zusammenhang frage ich mich, welche Familie in Deutschland ohne jeden "Migrationshintergrund" lebt: Bei den oftmals veränderten Grenzen nach den letzten beiden großen Kriegen, denen wir in diesem Jahr gedenken ...: 
Da gibt es beispielsweise auch die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten, die aus Uruguay und Russland und z.T. aus den USA und Canada nach Deutschland kamen, nachdem ihre Vorfahren aus Holland und Deutschland immer dann neue Siedlungsplätze ansteuerten, wenn sie wegen ihres Glauben flüchten mussten, weil man sie anfeindete und vertrieb - da gibt es einige Tausend Menschen mit hugenottischer Abstammung ursprünglich aus Frankreich und mit inzwischen manchmal spannenden Familiennamensverballhornungen - und die Glaubengemeinschaft der Waldenser und der Täufer und Baptisten z.T. mit einer ähnlichen Vertreibungsgeschichte - da gibt es die Tausenden Bergarbeiter im Ruhrpott Anfang des 20. Jahrhunderts, die aus Polen, Ungarn, der damaligen Tschechoslowakei einwanderten, um hier zu "malochen" - und die - und das macht Mut - eine tatsächliche "Inklusion" in Deutschland bereits durchlaufen haben - und deren Kinder und Kindeskinder manchmal in der Deutschen Fußballnationalmannschaft heutzutage kicken ... 
Und ich weiß, wovon ich rede: Mein Großvater wurde als sogenannter Donauschwabe - in Ungarn geboren - wahrscheinlich kamen seine Vorfahren aus Elsass-Lothringen (heute Frankreich) - 1902 fuhr er mit dem Auswanderungsschiff nach Amerika - um nach 2 Jahren arbeitslos zurückzukehren, um ab dann in Dortmund als Bergarbeiter zu arbeiten ...
Mein Vater ist 1909 in Dortmund geboren worden - aber sein Vater kam - wie gesagt - aus Ungarn - seine Mutter kam aus dem heute polnischen Waplewo [dt. Waplitz], Kreis Osterode [Ostróda] in Ostpreußen: Ähhh - hat nun meine Familie einen Migrationshintergrund oder doch (nicht) ...??? 
Und so wird es irgendwie inzwischen vielleicht durch alle Familien gehen - und zum Glück benötigen wir ja keinen "Arier-Nachweis" mehr,um unsere "Deutschstämmigkeit" nachzuweisen ...

Dienstag, 9. September 2014

Merkel-Marionetten





Merkel: Aufstellpuppe ....
Ach Freunde, soooo ungefähr sieht für mich (auch) die nächste Bundeskanzlerin aus: Hängend an den Vorführfäden der "marktgerechten" Demokratie - versucht sie - ebenfalls mechanisiert - irgendwie zu lächeln - was auch relativ tump ausschaut: und natürlich unterliegen Rumpf & Arme & Beine den Marionettenprinzipien einer gefädelten Puppe mit einem mit Stroh ausgestopften Puppen-Hohlkopf... Und - siehst Du dahinten die Souffleuse im Hochstuhl sitzen - ???: Die Moderne benötigt halt diese "Einflüsterei" als Antworten darauf, was sie gleich antworten kann/soll/muss/ ... 
Mal sehen - inwieweit das Theater im Dorf bleibt - denn Ruhe ist die Erste Bürgerpflicht...

Montag, 8. September 2014

Bob Dylan | Nick Cave: Death Is Not The End




Nick Cave – (Original Bob Dylan)
Death Is Not The End (1996) 
(Der Tod ist nicht das Ende) 

Wenn Du traurig und einsam bist, 
und Du keinen Freund mehr hast, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Und alles was Du heilig gehalten hast, 
fällt herunter und verbessert sich nicht mehr, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Nicht das Ende, nicht das Ende, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende 

Wenn Du an der Straßenkreuzung stehst, 
die Du nicht begreifen kannst, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Und alle Deine Träume sind verschwunden, 
und Du weißt nicht was nach der Kurve kommt, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Nicht das Ende, nicht das Ende, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende 

Wenn die Sturmwolken sich über Dich versammeln, 
und schwerer Regen herunterkommt, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Und niemand ist da um Dich zu ermutigen, 
mit einer helfenden Hand die er Dir leihen könnte, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Nicht das Ende, nicht das Ende, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende 

Für den Baum des Lebens der wächst, 
wo der Geist niemals stirbt, 
und dem hellen Licht der Erlösung, 
oben im dunklen und leeren Himmel 

Wenn die Städte unter Feuer stehen, 
mit den brennenden Fleisch der Menschen, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Und Du suchst vergeblich, 
um nur einen gesetzestreuen Bürger zu finden, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende, 
Nicht das Ende, nicht das Ende, 
Denke daran, der Tod ist nicht das Ende


Ja - über meine (zumindest mir) schon bekannten "Umwege" (ich nenne das ja immer meine "Hinführungen") bei den Recherchen - diesmal zum neuen Leonard-Cohen-Song - stieß ich plötzlich und unerwartet auf diesen Song von Nick Cave aus 1996, der ursprünglich von Bob Dylan in seinem Album "Down in the Groove" 1988 veröffentlicht wurde ...
Ich erfuhr weiter, dass viele Menschen sich diesen Song als "Final-Song" bei ihrer eigenen Beerdigung wünschen: So Bono, 53, Sänger, Songwriter, Gitarrist und Frontmann der Rockband U2: „Ich hätte es gerne, wenn viel geweint und gejammert würde“, sagt Bono in einem Interview-Buch ... „Die Musik muss schon gut sein. Bob Dylan sollte "Death Is Not The End" singen. Und ich glaube, ich hätte es gerne, wenn Pavarotti aus "La Traviata" sänge.“ 


Also  - vor diesem Background taucht der Titel immer wieder auf, wenn es um eine letzte Gewissheit geht, die mitgenommen werden will - bei aller gesellschaftlichen "Ungläubigkeit" im Allgemeinen und Besonderen ... - da nimmt man diese Hoffnung gern an, dass da einer eine "helfende Hand leihen könnte", um dich dann "am Ende" in aller "Finalität" zu ermutigen - zum Neuanfang auf die "andere Seite" des Lebens mit zu gehen... 
Und ich habe dann das oben eingeblendete Video bei YouTube gefunden - mit all den kleinen Lichtwachs-Auferstehungsfigürchen ... - viel Spaß - und good luck ...
Für den Baum des Lebens der wächst, wo der Geist niemals stirbt, und dem hellen Licht der Erlösung, oben im dunklen und leeren Himmel

Leonard Cohen: Ein neues Album zum 80: POPULAR PROBLEMS





Ein Song aus dem neuen Album "Popular Problems"
von Leonard Cohen

Almost Like The Blues
Versuch einer Übersetzung

Ich sah einige Leute hungern 
es war Mord - es war Vergewaltigung 
ihre Dörfer brannten 
sie waren auf der Flucht 
Ich konnte nicht ihren Blicken standhalten 
Ich starrte auf meine Schuhe
Ich war sauer, es war tragisch 
Es war fast wie der Blues 
Es war fast wie der Blues 

Ich bin ein wenig gestorben
zwischen jenen mörderischen Gedanken 
und wenn ich fertig bin mit Denken 
Habe ich eine Menge zu sterben 
es gibt Folter und es wird getötet 
und es ist alles nur mein schlechtes Gewissen
Der Krieg, die Kinder fehlen, Herr
es ist fast wie der Blues 
es ist fast wie der Blues 

Also ließ ich mein Herz einfrieren, 
um die Fäulnis entfernt zu halten 
Mein Vater sagt, ich bin gewählt 
meine Mutter sagt, ich bin gar nicht 
Ich hörte ihre Geschichte 
der Zigeuner und der Juden 
es war gut, es wurde nicht langweilig 
Es war fast wie der Blues 
Es war fast wie der Blues 

Es gibt keinen Gott im Himmel 
und es gibt keine Hölle unten
so sagt der große Professor 
Da ist gut zu wissen, 
aber ich hatte diese Einladung
die ein Sünder nicht ablehnen kann 
und es ist fast wie Erlösung 
es ist fast wie der Blues 
Es ist fast wie der Blues 

Leonard Cohen wird 80 - ja-und ... ???

Leonard Cohen
Neues Album "Popular Problems" 
kommt am 19. September | mit Video


Seit über 60 Jahren im Musikgeschäft und (glücklicherweise) noch kein Ende in Sicht: Leonard Cohens neues Album "Popular Problems" (Columbia/Sony Music) erscheint am 19. September. Die erste Single "Almost Like The Blues" kann bereits ab 22. August im Radio gehört werden. Zudem kann der Song von jedem Fan, der das Album in einem der Download-Shops vorbestellt, direkt kostenfrei heruntergeladen werden.

Zwei Jahre nach "Old Ideas" (Columbia/Sony Music), dem erfolgreichsten Album seiner Karriere, veröffentlicht der kanadische Singer/Songwriter Leonard Cohen ein neues Studioalbum. "Popular Problems" ist sein insgesamt 13. Werk und erscheint zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag (am 21.9. ist sein Geburtstag). Die insgesamt neun Songs des Albums entstanden erneut in Zusammenarbeit mit Patrick Leonard (u.a. Madonna, Pink Floyd, Elton John), der diese auch produzierte. Aufnahme und Mischung übernahm Jesse E. String.

Leonard Cohen durchlebte zahlreiche Stationen als Schriftsteller, Songwriter und zeitweise sogar buddhistischer Mönch. Er wurde in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen und ist Träger des Order Of Canada und des Ordre national du Québec, die höchsten Ehrungen seines Landes und seiner Provinz. 

Zu seinen bekanntesten Songs zählt "Hallelujah", der unter anderem von Jeff Buckley, Bon Jovi und John Cale interpretiert wurde. Mittlerweile gibt es über 1330 Coverversionen seiner Lieder von Bands und Künstlern wie U2, R.E.M., Nick Cave oder Johnny Cash.

Mit "Old Ideas" stieg Cohen im Februar 2012 auf Platz zwei der österreichischen und Schweizer Charts ein, in Deutschland konnte sich das Werk auf Rang vier platzieren, eine dazugehörige Deutschland-Tour absolvierte Cohen im Herbst 2012 und Sommer 2013. Weltweit erreichte "Old Ideas" in acht Ländern Platz eins.

Quelle: musikmarkt

Sonntag, 7. September 2014

sinedi-S!nntagsmaler S!NEDi Nr.06: wohlweislich & rosenrot | gedicht&bild: silhouettenglut



S!NEDi: silhouettenglut



da quarzt es am horizont
am ersten tag nach dem staub
bricht just diese uralte sonne durch
die sonne durch
durch all die milliarden moleküle

schwer legen sie sich auf unseren atem
wir hüsteln - wir röcheln - wir schnupfen
belegen unsere bronchien
unsere bronchien auch
friede freude heiserkeit

da fallen die türme in sich zusammen
da bleckt das feuer - da bleckt der staub
bleckt der staub da
in unseren mund- und atemschutzmasken
lasst's endlich gut sein ...

es knirscht zwischen den lidern
es tränt zwischen den zähnen
der generalstaatsanwalt bittet um ein tempo
um ein tempotuch:
es ist eine schlimme zeit, meint er

wohlweislich & rosenrot


sinedi

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Sie dürfen ruhig ein wenig verschämt schauen - Sie betreten hier den "Bonus"-Bereich

wenn all die natur digitalisiert wird ... - | S!NEDi




flieder-pommes ...
kunst-kartoffelchips | im quadrat² ... | im quadrat² ...
S!NEDi


Meinungsforscher sind die Merkel-Flüsterer ...

Bundesregierung

So stark beeinflussen Meinungsforscher Merkels Politik

Von Sven Becker und Frank Hornig | SPIEGEL.de

Wie es die Spatzen vom Dach pfeifen ... | S!NEDi
Angela Merkel lässt sich sehr stark von Meinungsforschern leiten. Das zeigen Umfragen im Auftrag des Bundespresseamtes, die der SPIEGEL ausgewertet hat. Sätze der Demoskopen schafften es fast wortgleich in eine Regierungserklärung.

Die Arbeit der Bundeskanzlerin Angela Merkel wird viel stärker von Meinungsumfragen bestimmt als bisher bekannt. In der vergangenen Wahlperiode gab das Bundespresseamt rund 600 bislang unveröffentlichte Umfragen in Auftrag, die das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL nun erstmals auswerten konnte.

Demnach ließ das Bundespresseamt zentrale Regierungsvorhaben und die Beliebtheitswerte der Kabinettsmitglieder umfassend bei den Wählern abfragen. Der Regierungssprecher Steffen Seibert leitete die Ergebnisse in einer Zusammenfassung an die Bundeskanzlerin weiter.

Die Resultate der Demoskopen finden sich regelmäßig im Handeln der Regierungschefin wieder. Vor der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 sollte das Institut Emnid herausfinden, welche Klimapolitik sich die Deutschen wünschen. Mehrere Aussagen der Studie tauchten später fast wortgleich in einer Regierungserklärung auf, die Merkel im Bundestag hielt. Auch bei der Aussetzung der Wehrpflicht sind deutliche Übereinstimmungen zwischen internen Umfragen wie der Allensbach-Studie "Verteidigungspolitik im Spiegel der öffentlichen Meinung" und Merkels Politik erkennbar. Weitere Erhebungen beschäftigten sich unter anderem mit den "Wertvorstellungen der Deutschen" oder "Singles im Alter von 30 bis 59 Jahren".

Einige Umfragen werfen die Frage auf, ob dabei Parteiinteressen und nicht das Regierungshandeln im Vordergrund stehen. Die Forschungsgruppe Wahlen sollte im Auftrag des Bundespresseamts in den Jahren 2011 und 2012 mehrfach herausfinden, ob sich eine rot-grüne Regierung nach Ansicht der Deutschen besser um das Gemeinwohl oder langfristige Probleme kümmern würde als es die schwarz-gelbe Koalition tut.


... so wird es elektronisch aufbereitet und als
"Politik" verkauft | S!NEDi
Der Bundesrechnungshof kritisiert Umfragen, die parteipolitischen Interessen dienen. Es bestehe die Gefahr, dass die "Chancengleichheit der miteinander konkurrierenden Parteien" verletzt werde, erklärte ein Sprecher. Regierungssprecher Seibert kann kein Fehlverhalten erkennen: "Das Bundespresseamt bewegt sich innerhalb seines Auftrags und der dabei zu beachtenden Grenzen."

Zugänglich wurden die Umfragen erst durch einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz des Grünen-Politikers Malte Spitz. Das Bundespresseamt wehrte sich monatelang gegen die Herausgabe der Unterlagen. Spitz konnte sich schließlich vor Gericht durchsetzen.






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Aha - so ist das also tatsächlich - so geht also die berühmte "marktgerechte" Demokratur - manche nennen das sogar "die Politik" in der Mitte der 2010er Jahre: Da wird zunächst einmal ordentlich Knete rausgehauen an die großen Meinungsforschungsinstitute - wie Emnid und Allensbach - und so durchleuchtet man diese Gesellschaft von vorne bis hinten mit allen demoskopischen Mitteln und Tricks (ähnlich den Durchleuchtungsaktionen der NSA mittels elektronisch-digitaler Abgreifmethoden ...) - und lässt feststellen, womit frau/man sich also beliebt machen kann: formuliert das dann in Wahlprogramme und Regierungserklärungen - und schwupps - schwurbelt die Kanzlerin auf jede nur mögliche Frage irgendeine populäre Antwort in die Mikrofone, die ihr der Regierungs"sprecher" vorher brav zugeraunt hat ...

Also - wenn man sich hier und da immer mal wieder sorgt, wer die Nachfolge von Merkel antreten könnte: Macht euch keine Sorgen, Leute: Irgend so eine Meinungsforschungs-Marionettenfigur wird man schon auftreiben - und wenn es aus der hintersten Ecke ist - die muss nur irgendwie "populär" rüberkommen - und das lässt sich ja exakt ermitteln: Immer schön stromlinienförmig auf dem herausgekitzelten "Mainstream" reiten: dann bekommt man 40 % der Stimmen per se - stellt also sowieso die Regierung - und "überzeugt" dann nur noch irgendeinen Koalitionär, der sich meistens oder spätestens in letzter Minute "für Deutschland in die Pflicht nehmen lässt..." ... - und man kann sich für die nächste Legislaturperiode wieder geruhsam umdrehen ... Das alles muss man mit viel TamTam und Mediengerummel - und Großem Zapfenstreich - und Weltmeisterschafts-Flügen - äußerst "wichtig" und erfolgreich ausstaffieren: Schon funktioniert der Laden ... 

Ich möchte dabei doch mit dem Berliner Künstler und Kulturpolitiker Max Liebermann diese Zeilen schließen - der fast auf den Tag genau 100 Jahre älter ist als ich - : „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“

Freitag, 5. September 2014

Propaganda in ARD und ZDF-Medien | So funktioniert Stimmungsmache ...


aufgedeckt


Falsche Bilder bei der ARD zum Ukraine-Konflikt

Propagandatricks - oder Pannen in Serie

von Matthias Meisner | tagesspiegel.de


Zur Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat die ARD Bilder und Filmmaterial verwendet, das gar nicht dort entstand oder schon Jahre alt ist. Bei der Korrektur läuft nicht alles glatt. Der WDR verteidigt sich.

Der Westdeutsche Rundfunk gibt zu, etwas falsch gemacht zu haben. "Trotz unseres Anliegens, Bildmaterial sorgfältig zu verwenden, ist uns ein Fehler unterlaufen. Wir bitten, das zu entschuldigen", teilte der Sender auf Twitter mit. Und nahm damit Stellung zu einem Vorgang, der im Netz scharfe Kommentare ausgelöst hatte. Die Vorwürfe lauten von "Panzerlüge" bis zu "billiger Propagandatrick".

Tatsächlich hat WDR 5, wie es am Wochenende auf der Internetseite "Propagandaschau" hieß, "die unbewiesene Behauptung, russische Truppen und Panzer würden in der Ostukraine kämpfen, mit einem martialischem Foto untermalt".

Fünf Jahre später dasselbe Foto - Kritiker sprechen von einem "billigen Propagandatrick" | SCREENSHOT: BLAUER BOTE | tagesspiegel.de


Es zeigte eine Panzerkolonne in einer wüstenartigen Landschaft. Im Bildtext dazu hieß es: “Russische Kampfpanzer fahren am 19.08.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine.“ Betitelt war der WDR-Artikel mit der Zeile: "Russland auf dem Vormarsch?"

Tatsächlich stammte das Bild aus dem Jahre 2008. Der dpa-Bilderdienst Picture Alliance hat das Foto in seiner Datenbank mit einer eindeutigen Bildunterschrift versehen: "Russian Armoured Personnel Carriers and tanks leave their position outside Gori, Georgia, 19 August 2008 in what is seen as a withdrawal from the former Soviet republic after the recent conflict. EPA/SERGEI CHIRIKOV (zu dpa 0589) +++(c) dpa - Bildfunk+++"

2009 verwendete der Sender n-tv das Foto auf seiner Internetseite, um das russische Militärmanöver "Kaukasus 2009" zu illustrieren. "Auch Medien im Westen spekulieren, dass es Moskau mit der großflächigen Übung für Heer, Luftwaffe und Marine nicht um die propagierte Stabilität im Kaukasus gehe, sondern um eine Einverleibung der in die Nato strebenden Ex-Sowjetrepublik Georgien", hieß damals bei n-tv. In der Bildzeile des Fotos stand damals: "Das Militärmanöver der Russen weckt Erinnerungen an den Kaukausus-Krieg 2008."

"Gezielt Lügenpropaganda gegen Russland"

"Propagandaschau" kommentierte: "Ein fünf Jahre altes Foto aus dem Kaukasus wird also vom WDR vorsätzlich benutzt, um gezielt Lügenpropaganda gegen Russland betreiben zu können." Das Portal enthüllte zugleich, dass das Foto einen "weiteren Karrieresprung" hinter sich habe. Die "Huffington Post" nutzte es demnach nun zur Illustration eines Artikels, in dem es unter der Überschrift "Sie haben praktisch jedes Haus zerstört" hieß: "Hunderte russische Panzer zerstören Teile der Ukraine."

Der WDR hat das Bild inzwischen ausgetauscht. Abgebildet wird nun ein russischer Soldat, der aus einem Panzer schaut. Laut Bildtext befindet er sich in der Ukraine befindet. "Wir haben bei der Erstellung dieser Seite fälschlicherweise ein Archivbild statt eines aktuellen Bildes verwendet", heißt es auf der WDR-Internetseite.

Der WDR hat das Foto auf seiner Internetseite ausgetauscht -
und offenbar gleich den nächsten Fehler gemacht |
DOKUMENTATION: PROPAGANDASCHAU | tagesspiegel.de
Allerdings passierte beim Austausch des Fotos dann gleich die nächste Panne. Denn formal richtig war zwar, dass sich der auf dem Foto abgebildete russische Soldat mit seinem Panzer in der Ukraine befindet. Nur: Das Bild dokumentiert, wie der Blog "Blauer Bote" nun berichtete, nicht die aktuelle von Kiew behauptete Invasion russischer Truppen in die Ukraine. Entstanden ist es stattdessen im März, und zwar nicht in der Ostukraine, sondern auf der Krim. Die ARD sei "offenbar beratungsresistent", hieß es dazu vom "Blauen Boten", sie ersetze "nach Protesten Fälschung... durch neue Fälschung". Auch für die Moskau-freundliche Internetseite "Propagandaschau" war die neue Bebilderung eine willkommene Vorlage für Kritik. Dort heißt es nun: "Eine Propagandalüge über russische Soldaten in der Ukraine jagt die nächste."

Der WDR reagierte am Dienstag auf die neuen Vorwürfe: Das Tagesgespräch sei eine Diskussionssendung mit Hörern, erklärte der Sender. "Es ging es um den Ukraine-Konflikt in seiner Gesamtheit. Somit ist das Bild nicht aus dem Kontext gerissen", twitterte WDR 5.
Später am Dienstag nahm der WDR auch dieses zweite, im März auf der Krim entstandene Foto von seiner Internetseite. Zur Begründung erklärte der Sender: "Der Austausch des Bildes mit einem Motiv aus dem März 2014 zum gegenwärtigen Ukraine-Konflikt hat leider zu Schlussfolgerungen geführt, die nicht von uns intendiert waren."

Hubschrauberabsturz bei Slowjansk mit Video aus Syrien bebildert

Für die ARD ist der Vorgang deshalb besonders unangenehm, weil ein schon Wochen zurückliegender ähnlicher Fauxpas am Wochenende im Netz erneut Entrüstung auslöste. Dabei ging es darum, dass im Mai gefälschtes Filmmaterial in die ARD-"Tagesschau" gelangt war, um einen Hubschrauberabschuss bei Slowjansk in der Ostukraine zu illustrieren - "nur eine von vielen Un- und Halbwahrheiten in der Propagandaschlacht um die Ukraine", wie der Blog "Blauer Bote" bissig kommentierte. 
Hubschrauber-Absturz in Syrien 2013 in der ARD-Tagesschau vom 29.05.2014
als Illustration eines Absturzes bei Slowjansk in der Ostukraine ... Screenshut
Youtube v. S!NEDi ...
Die Sequenz, die aus einem Youtube-Video aus dem Jahre 2013 stammte, zeigte in Wirklichkeit einen Abschuss in Syrien. Bei Youtube ist das Video der "Tagesschau"-Sendung vom 29. Mai noch verfügbar, in der ARD-Mediathek nicht mehr.

ARD-Auslandskorrespondent Udo Lielischkies nahm Ende Mai im Blog der "Tagesschau" ausführlich Stellung zu dieser Panne. "Die Manipulation von Informationen und Bildern ist im Ukraine-Konflikt ein gängiges Muster. Als Korrespondenten sind wir um höchste Sorgfalt bemüht", schrieb der Moskauer ARD-Mann. "Das ARD-Team prüft unter hohem Zeitdruck Quellen, ordnet ein und hat selbst Manipulationen aufgedeckt und hierüber berichtet. Trotz unseres intensiven Bemühens, ist uns nun ein Fehler unterlaufen." Das ukrainische Fernsehen habe "einen kurzen Ausschnitt von einem abstürzenden Helikopter gezeigt, den wir – neben authentischen Material der Nachrichtenagentur AP – als etwa zwei-sekündige Sequenz in Beiträge aufgenommen haben".

Lielischkies schrieb damals weiter: "Die Tatsache des Abschusses selbst war zu dieser Zeit gestern unstrittig. Uns fehlte an dieser Stelle sicher das nötige Misstrauen, mit dem wir sonst an externes Bildmaterial herangehen. Dafür entschuldigen wir uns und bedauern es sehr." Er versicherte: "Unser Misstrauen fremden Quellen gegenüber ist noch weiter geschärft worden. Wir danken dem User, der uns auf den tatsächlichen Ursprung des Videos hingewiesen hat!" Der Forderung der Kritiker im Netz, die ARD müsse sich nicht nur "versteckt" in einem Blog entschuldigen, sondern in der "Tagesschau" selbst mit ihrer deutlich höheren Reichweite, ist die ARD bis heute nicht nachgekommen.