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Herzlich Willkommen

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Donnerstag, 17. April 2014

S!NEDi... bin dann mal weg ...


die nordsee ruft - 
melde mich bis zum o5.o5.20i4 ab ...

herzliche gesegnete ostergrüße
S!NEDi

OSTERN: TOD UND AUFERSTEHUNG | Impuls für die Woche -133




S!NEDi|photo|graphic

Der Theologe Klaus-Peter Jörns zu

TOD UND AUFERSTEHUNG

Gedanken zu Karfreitag-Nachmittag und Ostermorgen



Was unsere Zukunft angeht, ist für mich entscheidend, dass zusammen mit dem sich entfaltenden Geist auch die gelebte Liebe nicht verloren geht, wenn wir sterben. Denn unsere Angst vor dem Tod hängt mit der Angst zusammen, es könnte wirklich »alles aus sein«, nichts bleiben von Liebe und Geist, wenn (geliebte) Menschen sterben und verwesen (oder verbrannt werden). 


S!NEDi|photo|graphic: Karfreitag - Todesstunde


Betrachten wir die Abfolge, in der biologisches Leben wird, stirbt und neu wird, können wir die Hoffnung denken, dass sich auch in unserem Sterben eine Metamorphose vollzieht. In ihr wird alles vergehen, was konkrete »leibliche« Gestalt geworden ist. Die Gestalt schaffenden Potenzen Geist und
Liebe aber werden nicht vergehen, sondern mitwirken an der Entstehung neuer Gestalten von Leben »danach«. Sie sind ja die Kraft, aus der »alles« geworden ist. 

Für diese gewisse Zuversicht steht für mich »Auferstehung« als bewegtes Bild. Auferstehung ist also Teil der Creatio continua des Geistes. Deshalb kann sie nicht in den sterblichen Leibern dieses Lebens gedacht werden (1. Korinter 15,42). Eine leibliche Auferstehung retten zu wollen, indem man ein undenkbares Geschehen als »Geheim« bezeichnet, nimmt die Schöpfung nicht ernst.

Denkt man Auferstehung als fortdauernde Schöpfung, kann man aber darauf vertrauen, dass auch alles, was in einem sterblichen Leben unvollendet geblieben ist, »nur« gedacht, erhofft und ersehnt worden ist,  nicht verloren geht, sondern zu dem gehört, was ein Mensch als seinen Beitrag in die Evolution des Geistes einbringen wird. Auferstehung sorgt also dafür, dass wir nicht auf ewig auf das festgelegt bleiben, was wir verwirklicht oder erreicht haben. Denn das ist nur eine Perspektive. 

Aperspektivisch verstanden ist Auferstehung das Entweichen aus jeder endgültigen Festlegung von Menschen und Bedeutungen, die wir mithilfe unserer Wertskalen und Bedeutungsspektren vornehmen. Und in diesem Sinn ist es wirklich zeichenhaft zu nehmen, dass trotz der erfolgten Grablegung kein Leichnam Jesu dingfest gemacht und zur Anbetung eingemauert wurde.

Wohin sein Leichnam auf der Erde auch gekommen und wo er verwest sein mag - das »leere Grab« signalisiert, dass die Menschwerdung des Menschen über den Tod der irdischen Lebensgestalt hinaus weitergeht, weil wir »eingebettet« bleiben in die Evolution des Geistes. So besehen sind alle unsere Gräber als Kenotaphe zu verstehen, als Grabdenkmäler für Menschen, die anderswo »eingebettet« sind. 

»Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist« (Lukas 23,46), war eins der letzten Worte Jesu am Kreuz. Es sagt, wohin wir »gehen«.

Wenn bildhaft von Jesu Auferstehung und schließlich seiner Auffahrt geredet wird, so geht es zuerst darum, die Grenze zu durchbrechen, die  von Jesu Gegnern mit seiner Hinrichtung gezogen werden sollte. Das Kreuz sollte Jesus nicht nur töten, sondern sollte ihn - der Titulus »Jesus der Nazarener, König der Juden« spricht davon - auf die Sicht seines Todes »festnageln«, die seine Richter hatten: dass er als Hochverräter und religiöser Aufrührer zu Recht verurteilt worden ist. Dem ist er durch die Auferstehung entkommen. 


S!NEDi|photo|graphic: Ostermorgen: Jemand hat den Stein vom Grab weg gewälzt ...

Theologisch sollte dieser Tod durch die Sicht der apostolischen Tradition auch festgelegt werden: als Sühnegeschehen. Dieser einseitigen Festlegung ist er durch die mit der Kreuzestheologie konkurrierende Theologie der Menschwerdung des außerweltlich gedachten Gottes entgangen. In dieser Theologie ist der Tod, den Jesus gestorben ist, die letzte Beglaubigung seines Menschseins. Denn wäre er nicht gestorben, wäre er auch kein Mensch gewesen.

Insofern mit dem Wort Auferstehung aber die Vorstellung vom Aufstehen eines Leibes vom Totenlager im Grab verbunden ist, ist der Begriff nicht mehr hilfreich. Denn er bindet die Zuversicht im Blick auf eine Metamorphose wieder an irdische Gestalt zurück. Deshalb ist es angemessener, einen Begriff zu benutzen, der in eine offene Zukunft weist: »Wir werden verwandelt werden« (1. Korinther 15,52).


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ALLEN BLOG-LESERINNEN UND -LESERN
EIN BESINNLICHES OSTERFEST


S!NEDI|photo|graphic: Ostermorgen - "Auferstehung"













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Klaus-Peter Jörns

Der Text meines diesjährigen 
Impulses zum Osterfest
stammt aus dem Buch:

Klaus-Peter Jörns
UPDATE FÜR DEN
GLAUBEN

Denken und leben können,
was man glaubt

Gütersloher Verlagshaus 2012


Soziologie: Max Weber zum 150. | Und zum 2. Mal: Da hinten irgendwo ...: Geronnene Gedanken zum Thema Sonnenaufgang über Oerlinghausen als "SOZIALPHOTOGRAPHIE" ...

Und noch einmal - meine "SOZIAL"-PHOTOGRAPHIE: Aufgang der Sonne über der Soziologen-Stadt Oerlinghausen, sieben Kilometer von meiner Wohnung entfernt gelegen: Erst neulich berichtete ich über Niklas Luhmann, der in Oerlinghausen lebte ehe er hier starb - und nun - zum 150. Geburtstag vom Soziologen Max Weber kann ich das gleiche Photo verwenden: Er heiratete hier seine Cousine Marianne, die sich als Frauenrechtlerin und Rechtshistorikerin ebenfalls im Fach Soziologie einen Namen machte - eben nicht nur im Schatten ihres Mannes ...
Ja - und mir geht jeden Morgen über dieser wissenschaftsträchtigen Stadt die Sonne auf .......

S!NEDi: Max Weber in PopArt


Im Widerstreit von Liebe, Politik und Wissenschaft

Max Weber, ein Klassiker der Soziologie, wurde vor 150 Jahren geboren


VON MANFRED STRECKER | NEUE WESTFÄLISCHE

Der Mann wurde von vielen verehrt, und er war - ungebärdig und reizbar, wie er sich gab - zum Fürchten. Dem einen Beobachter erschien der Gelehrte Max Weber als "nervöser Stürmer", der immerfort, ein Schlagetot, selbst um die "kleinsten lokalen Dinge" kämpfte. Einem anderen, dem Philosophen Karl Jaspers, wurde vor ihm "ganz unheimlich zumute". Die "unaufhebbare Zerrissenheit" Webers nötigte ihm aber zeitlebens Bewunderung ab: Weber war "ein Mann, den man auf keinen Nenner bringen kann". Max Weber, ein Klassiker der Soziologie, wurde als Spross einer großbürgerlichen Familie von Bielefelder Leinenkaufleuten am 21. April 1864, vor 150 Jahren, in Erfurt geboren.


Max Weber | nach einem BR-Foto


Max Weber verkörperte einen seltenen Typus in Deutschland, den des engagierten Intellektuellen, und das ausgerechnet in der Epoche des Wilhelminismus, in der nicht das Bürgertum, sondern Adel und Militär nicht nur die feine Gesellschaft beherrschten. 

Auf der einen Seite - als universal gebildeter Gelehrter - arbeitete Weber seine Grundlagen einer neuen Wissenschaft, der Soziologie, aus. Seine Erkenntnisse über den Kapitalismus, der zugehörigen modernen Lebensformen und deren Zumutungen gehören zu den meistdiskutierten sozialwissenschaftlichen Würfen aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts. Weber gilt daher als ein "Klassiker der Soziologie".

Mit wissenschaftlicher Wirkung gab sich Max Weber jedoch nicht zufrieden. Vielleicht, weil er dem Vorbild des Vaters, Max Weber senior, nacheiferte, der in Bielefeld in einer Villa an der Obernstraße (Sitz der Handwerkskammer derzeit) aufgewachsen war. Max Weber sen. war neben Abgeordnetenmandaten 23 Jahre als kommunalpolitischer Beamter und Baudezernent ins "Rote Rathaus" von Berlin bestellt. Ein politisches Amt, das ihm dauerhaft die Chance geboten hätte, "in die Speichen des Rades der Geschichte" zu greifen, blieb dem Sohn versagt. Allenfalls brachtees Max Weber junior zum Gelegenheitspolitiker, der in Zeitungen gereizte Einreden gegen die herrschende Politik erhob, vor allem im Ersten Weltkrieg. Noch in der Juli-Krise 1914 hielt Max Weber es für "ein Verbrechen, uns in eine militärische Auseinandersetzung zu verwickeln". Dennoch meldete er sich am 2. August freiwillig zum Kriegsdienst. Am 28. August schrieb er euphorisch in einem Brief, dieser Krieg sei, einerlei dessen Erfolg, "groß und wunderbar". In Heidelberg, seinem Wohnsitz, wurde er mit dem Aufbau von Reservelazaretten betraut, dabei wäre der Premierlieutenant der Reserve, wenn nicht mit 50 Jahren zu alt dafür, gern selbst an der Spitze einer Truppe ins Feld gezogen.

Auf Dauer blieb trotz aller oder wegen seiner nationalen Gesinnung Webers Urteil unbestechlich. Er störte sich an der maßlosen Kriegsziel-Politik von Kaiser und Militär, die großzügige Annexionen in den Nachbarländern vorsah; so würde ein ehrenvoller Frieden für Deutschland außer Reichweite rücken. Vehement stritt Weber gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, der - wie es sich erwies - die USA in den Krieg ziehen und Deutschlands Niederlage besiegeln würde. 

Spuren in der deutschen Geschichte hat Max Weber dennoch hinterlassen. Zu Beratungen über die neue deutsche Verfassung nach dem Untergang des Kaiserreichs herangezogen, setzte er sich für das Amt eines vom Volk gewählten Präsidenten mit erheblichen Vollmachten ein, um einer starken Führung der Republik eine plebiszitäre Legitimation zu verschaffen - wozu es in der Weimarer Reichsverfassung auch kam. Diese präsidiale Machtposition ebnete aber - damals kaum vorauszusehen - Wege, die Weimarer Republik in den 30er Jahren in einem kalten Staatsstreich zu vernichten.


Hauptwerk: Max Webers : "Die Protestantische
Ethik und der Geist des Kapitalismus"
Foto: WIKICommon/NW
Max Weber besaß rhetorische Überzeugungskraft, für seine plastisch-prägnante Sprache wurde er gerühmt. "Das mächtige Haupt ganz den Hörern zugewandt, spricht er frei, nur auf Handzettel gestützt, mit klangvoller, doch gebändigter Stimme." Durch zwingende Gedankenfolge, treffende Beispiele, geschichtlich begründete Erkenntnisse fesselte er seine Hörer, notiert ein Beobachter im Januar 1919 in München weiter nach einer Rede, die - mitstenografiert und ausgearbeitet publiziert - zum populärsten Werk Max Webers werden sollte. 

In "Politik als Beruf" leitet Weber die Zwangsläufigkeit eines Menschentypus der Moderne her, des Berufspolitikers. In dieser Rede findet Weber zu einer zum Überdruss zitierten Metapher: "Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß." Diese Sentenz verdichtet, was Weber verhohlen mit Pathos umkleidet: Der Politiker, gerade der verantwortungsbewusste, ist ein "Held", aber in tragischer Ausprägung, der auch böse Folgen seiner Machtausübung unerschüttert ins Auge fassen muss. Solche Helden sind in der Veralltäglichung der Berufsrolle des Politikers selten, der politische Konkurrenzkampf jedoch bietet für Weber allein die Chance, dass charismatische Persönlichkeiten herausgebildet würden. 
Das Großelternhaus Max Webers:
Die Handwerkskammer an der Obernstraße 48 in Bielefeld. FOTO: NW
Die Summe seines Denkens in Soziologie und für die Politik konnte er freilich nicht ziehen. Überraschend ist Max Weber an den Folgen der Spanischen Grippe, die seit 1918 in Europa Millionen Tote forderte, am 14. Juni 1920, erst 56-jährig, in München gestorben.








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Das Leben Max Webers dreifach gespiegelt:
Neue und alte Biografien


Bielefeld (rec). Ein Bewunderer, der ihn in jungen Jahren erlebt hatte, sah im Gelehrten Max Weber (1864-1920) die "Tragödie eines modernen Menschen". Tatsächlich bietet dessen Lebensweg ergiebigen Stoff, wie drei schwergewichtige, zwei davon in diesem Frühjahr erschienene Biografien bezeugen. Jede dieser Darstellungen, alle drei umfassen insgesamt mehr als 2.400 Druckseiten, wählt einen anderen Gesichtspunkt, um - gemäß der begrifflichen und methodischen Strenge, die der Soziologe Max Weber empfohlen hatte - die Überfülle an Quellen und Zeugnissen zu einem je verständlichen Lebenslauf zu ordnen.

Leben zwischen
den Epochen

Jürgen Kaube, Ressortleiter für die "Geisteswissenschaften" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schildert Max Webers Geschick als "Leben zwischen den Epochen". Als er geboren wurde, gab es das vereinte Deutschland noch nicht, als er 1920 starb, war das Kaiser-Reich gerade untergegangen. Doch Lebens-, Glaubens- und Verhaltensgewissheiten waren schon während dieser Lebensspanne ständig im Umbruch begriffen durch kapitalistische Industrialisierung, durch den den Alltag umwälzenden technischen Fortschritt, durch das Wachstum der Städte und das Aufkommen der Arbeiterbewegung. Kaube, einmal Assistent für Soziologie an der Universität Bielefeld, bekannt für scharfzüngig vorgetragene Argumente, führt, Widersprüche im Denken Webers aufspürend, beiläufig und erfrischend die Auseinandersetzung mit diesem "Klassiker der Soziologie".

Jürgen Kaube
Max Weber
Ein Leben zwischen den Epochen
Rowohlt Berlin, 496 Seiten








Politische 
Leidenschaft

Der Soziologe und Weber-Forscher Dirk Kaesler erzählt das Leben seines Protagonisten nach dem literarischen Muster, nach dem sich das Bürgertum, dem Max Weber entstammt, verstand: als Bildungsroman. Das von Bielefeld aus europaweit gespannte Netz der Familienbeziehungen von Kaufleuten, Unternehmern und Gelehrten kommt detailgetreu in den Blick. Das ist biografisch-soziologisch gerechtfertigt, weil Weber in diesem Netzwerk, wie man es heute nennt, das notwendige kulturelle und soziale Kapital anhäufte, das ihm zugute kam; nicht zu schweigen von dem daraus zugekommenen Geldkapital, das ihm und seiner Frau eine großzügige Lebenshaltung ermöglichte, obwohl er nur wenige Jahre einer bezahlten Berufstätigkeit nachging. Kaesler schildert die politische Leidenschaft Webers als Preuße, seine wissenschaftliche Passion als Gelehrter, und er deutet dessen inneres Lebensgeschick in Bindung, Temperament und Hemmung aus der frühkindlichen Prägung als Muttersohn.

Dirk Kaesler
Max Weber
Preuße, Denker, Muttersohn
Eine Biographie
C.H.BECK, 1007 Seiten







Der Wissenschaftler
und der Liebhaber

Schon 2005 hat der Bielefelder Historiker Joachim Radkau mit der ersten wissenschaftlichen Biografie über Max Weber überhaupt Furore gemacht. Radkaus Werk, jetzt als Taschenbuch wieder aufgelegt, verarbeitet Liebesbriefe des Soziologen, die bis dahin wohl verschämt unter Verschluss gehalten worden waren. Weber unterhielt bei Wissen seiner Frau Marianne gegen Ende seines Lebens, wie zuvor schon einmal, eine amouröse Beziehung zu einer engen Freundin der Familie, in der er offenbar sexuelle Erfüllung fand. Solche Intimität mag unerheblich für die Bilanz eines Gelehrten-Lebens erscheinen. Doch nach der Weberschen Diagnose verlangt das moderne Leben den Menschen eine allseits sachliche, in den Leidenschaften gebremste Lebensführung ab; die Rationalisierungforderungen der Moderne schließen sich um die Menschen wie ein "stahlhartes Gehäuse". Nur Kunst und Erotik bieten vorübergehend Ausflucht. In der erotischen Vereinigung wüsste sich der Liebende, wie Weber in seiner Religionssoziologie notiert, "den kalten Skeletthänden rationaler Ordnungen ebenso völlig entronnen wie der Stumpfheit des Alltags".

Joachim Radkau
Max Weber
Die Leidenschaft des Denkens. 

Carl Hanser, 1008 Seiten













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Marianne & Max Weber


Die Gefährtin

Marianne Schnitger, eine Cousine aus dem lippischen Bergdorf Oerlinghausen

Bielefeld (rec). Auch die Ehe Max Webers machte Geschichte. Nicht, weil es sich dabei um eine "Cousinen-Ehe" gehandelt hatte, nicht ungewöhnlich im Bürgertum des 19. Jahrhunderts. Marianne Schnitger, geboren am 2. August 1870 in Oerlinghausen, war die Enkelin von Max Webers Onkel Carl David, der in dem lippischen Bergdorf eine Leinenweberei (CaWeCo) aufgezogen hatte. In Oerlinghausen wurde 1893 geheiratet und damit der Grund gelegt zu einer "Gefährtenehe", die im Urteil der Zeitgenossen als vorbildhaft galt. 

Die Verbindung, kinderlos, ließ der Ehefrau Freiraum für eine einem bürgerlichen Hausstand angemessene höhere Bildung, auch für Studium, für wissenschaftliche Arbeit und politisches Engagement. Für Max Webers Forschung, Wissenschaft und Gelegenheitspolitik blieb die Ehefrau zeitlebens Gesprächspartnerin. 1896 hatte Max Weber einen Ruf nach Heidelberg angenommen. Dort wurde der Haushalt von Max und Marianne Weber unter wechselnden Adressen zu einem Kristallisationspunkt des gesellschaftlichen und intellektuellen Lebens. Beistand bot Marianne Weber ihrem Mann in den Jahren, in denen er wegen einer heute wohl "Burn out" genannten Erschöpfungsdepression aus Überarbeitung alle Lehrtätigkeit niederlegen musste. Und nach prekärer Genesung blieben der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Ehemanns von bleibender Sorge.

Marianne Weber, gestorben 1954, überlebte ihren Mann um 34 Jahre. Sie gab Werke aus dem Nachlass Max Webers heraus und verfasste 1926 ein "Lebensbild", das in vielen Details als Quelle der späteren Biografien dient. Darüber - als treue Gefährtin an der Seite des Gelehrten - geriet ihr eigenständiges Wirken in Vergessenheit. Sie gilt - in Fachkreisen wiederentdeckt - als Wegbereiterin der rechtshistorischen Frauenforschung, und sie engagierte sich als Frauenrechtlerin. 1919 erwarb sie als einzige weibliche Abgeordnete einen Sitz im Landtag von Baden, von 1919 bis 1923 hatte sie den Vorsitz des "Bundes Deutscher Frauenvereine" inne. Jahre zuvor schon richtete sie in Freiburg, wo Max Weber seine erste Professur angenommen hatte, eine Rechtsschutzstelle für Frauen ein. 

Marianne Weber focht energisch für die Chancengleichheit der Frauen im Bildungssystem und für die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau. Wegen ihrer Werthaltungen wird sie der bürgerlich konservativen Frauenbewegung zugerechnet. Die Frau "darf als Berufstätige durchaus nicht ,Mann? sein wollen, damit ihre besonderen weiblichen Wesenskräfte stets als warmer befruchtender Quell das Gestein der Sachlichkeiten durchbrechen kann, und sie darf als Gattin und Mutter nicht nur ,Weib? sein, sondern auch ,Mensch? - das heißt durch die Vereinigung: echt Frau." Zu dieser Schlussfolgerung war sie Ende der 20er Jahre in einem Aufsatz "Beruf und Persönlichkeit" gekommen. 

Über Marianne Weber liegt seit 2010 ebenfalls eine umfassende Biografie vor - 


Bärbel Meurer
Marianne Weber. Leben und Werk
Mohr Siebeck-Verlag, 688 Seiten

Die Soziologin Bärbel Meurer hat jüngst auch ein Büchlein Oerlinghausen als Ort gewidmet, den die Eheleute zur Erholung im Familienkreis immer wieder einmal aufgesucht hatten



Bärbel Meurer
Max und Marianne Weber und ihre Beziehung zu Oerlinghausen
Aisthesis-Verlag, 96 Seiten





© 2014 Neue Westfälische - Bielefeld Süd, Donnerstag 17. April 2014


Sexuelle Selektion: Studie favorisiert ein "Alleinstellungsmerkmal"

aufgeschreckt

In einer Gruppe von glattrasierten Männern - las ich heute morgen in der Zeitung - hat ein Bärtiger bei Frauen die besten Chancen - sein "Alleinstellungsmerkmal" - in diesem Falle also der Bart - macht ihn einer Studie zufolge besonders attraktiv: Es ist also jeweils dieses bestimmte "Alleinstellungsmerkmal", das heraushebt und besonders profiliert - und damit eine besondere erotische Aura verströmt ...

Gegen Marx hätten Gysi und Lagerfeld keine Chance - laut der Studie ...



Clown-Kloppo
Das können also auch die grünen Haare sein - oder der Ring durch die Nase - oder fehlende Zähne im Kreis von Gebissträgern - oder 15 Halbeliter Weizen in einer Gruppe von Abstinenzlern - oder die Clownsnase beim Kloppo ...

Ansonsten kennen ja alle Männer diese leidigen Rangordnungskämpfe vor Frauen (Mamis, Mädchen, Damen, Zicken ...) von kleinauf: Wer hat in meine Förmchen gepillert - wer hat den Lä.... - oder: mein Haus - mein Pferd - mein Boot - mein unschlagbarer "Herrenduft" ... usw.



Umgekehrt - zum obigen Bartbeispiel - finden Frauen in einer Gruppe von Bärtigen natürlich einen glattrasierten Mann besonders anziehend.

Das Forschungsergebnis*) bringt nach der Zeitungsmeldung neue Erkenntnisse zur "Theorie der sexuellen Selektion" und könnte so bei der Erklärung der Attraktivität eines "Alleinstellungsmerkmals" helfen.

"In einigen Fällen kann Seltenheit beim Körperschmuck von Vorteil sein", schlussfolgern die Forscher: Der "Theorie der sexuellen Selektion" zufolge suchen sich Weibchen im Tierreich Männchen mit bestimmten attraktiven Merkmalen aus - bei einem Papagei etwa prächtige Federn... - oder die Aknepickel und Mitesser im Gesicht des Pubertierenden unter einer Gruppe von ebenfalls pubertierenden aber Clearasil-gepflegten Schönlingen ...


*) Für diese umwerfende "Forschung" ist besimmt viel - viel zu viel - Geld gezahlt worden - meint sinedi ...


... gefunden in der NW von heute - als Meldung auf der Titelseite ...!!!

Mittwoch, 16. April 2014

Niklas Luhmann: Hier hinten irgendwo ...: Ein Sonnenaufgang mit geronnenen Gedanken zum Thema "SOZIALPHOTOGRAPHIE" ...

WENN EIN SONNENAUFGANG ÜBER OERLINGHAUSEN ZU EINER "SOZIALPHOTOGRAPHIE" GERIERT:
"Hier hinten irgendwo hat Niklas Luhmann gewohnt": Über Oerlinghausen - 7 km von meiner Wohnung entfernt - geht am 15.04.2014 die Sonne auf...



Niklas Luhmann (* 8. Dezember 1927 in Lüneburg; † 6. November 1998 in Oerlinghausen) war ein deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker. Als wichtigster Vertreter der soziologischen Systemtheorie zählt Luhmann zu den herausragenden Klassikern der Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert.




Leben
Luhmann wurde 1927 in die Familie eines Brauereibesitzers in Lüneburg geboren und besuchte das altsprachliche Johanneum. 1944 wurde er im Alter von 16 Jahren offiziell als Luftwaffenhelfer eingezogen, nachdem er schon seit dem 15. Lebensjahr dort tätig gewesen war. Von 1944 bis September 1945 war Luhmann in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, zu der er in einem Interview einmal sagte:

„[…] die Behandlung war – gelinde gesagt – nicht nach den Regeln der internationalen Konventionen.“

Wie erst 2007 bekannt wurde, war Niklas Luhmann als Mitglied der NSDAP verzeichnet.
[Zur Orientierung: Bei Hitlers Machtergreifung 1933 war Luhmann 6 Jahre alt - bei der Befreiung Deutschlands vom Faschismus 1945 war Luhmann 17 Jahre alt ...]

Luhmann studierte von 1946 bis 1949 Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, mit einem Schwerpunkt auf römischem Recht. Es folgte bis 1953 eine Referendarausbildung in Lüneburg. 1954 bis 1962 war er Verwaltungsbeamter in Lüneburg, 1954 bis 1955 am Oberverwaltungsgericht Lüneburg Assistent des Präsidenten. In dieser Zeit begann er auch mit dem Aufbau seiner Zettelkästen. 1960/61 erhielt Luhmann ein Fortbildungs-Stipendium für die Harvard-Universität, das er nach seiner Beurlaubung wahrnehmen konnte. Dort kam er in Kontakt mit Talcott Parsons und dessen strukturfunktionaler Systemtheorie. Nach seiner Tätigkeit als Referent an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer von 1962 bis 1965 und als Abteilungsleiter an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund von 1965 bis 1968 (1965/66 daneben ein Semester Studium der Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen)) wurde er dort 1966 zum Dr. sc. pol. (Doktor der Sozialwissenschaften) promoviert mit dem bereits 1964 erschienenen Buch Funktionen und Folgen formaler Organisation. Fünf Monate später habilitierte er sich bei Dieter Claessens und Helmut Schelsky mit Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung. Eine verwaltungswissenschaftliche Untersuchung. Mit seiner Berufung 1968 wurde Luhmann der erste Professor der Universität Bielefeld. Dort trug er zum Aufbau der ersten soziologischen Fakultät im deutschsprachigen Raum bei, lehrte und forschte bis zu seiner Emeritierung 1993.

Luhmann heiratete 1960 Ursula von Walter. Aus der Ehe gingen eine Tochter und zwei Söhne hervor. Seine Ehefrau verstarb 1977; danach zog er seine Kinder allein groß. Nach dem Tod seiner Frau zog Luhmann von Bielefeld nach Oerlinghausen um.

Nachlass
Luhmanns Kinder stritten jahrelang vor Gericht um die Eigentums- und Urheberrechte an seinem wissenschaftlichen Werk einschließlich des berühmten Zettelkastens, worauf das OLG Hamm im Jahr 2004 entschied, dass alleinig seiner Tochter die Rechte daran zustehen. Luhmann hatte ihr noch zu Lebzeiten 1995 in einem Vorausvermächtnis alle Urheberrechte zugewendet, da es sein Wunsch war, dass sein geistiges Erbe in einer Hand bleibt. Der Wert seines wissenschaftlichen Nachlasses wird auf einen siebenstelligen Euro-Betrag geschätzt.

Die Universität Bielefeld hat 2011 den Nachlass von Luhmann erworben und will ein Luhmann-Archiv errichten. Wichtigster Teil des Nachlasses ist der berühmte Zettelkasten, die Grundlage des umfangreichen Werkes.

Ehrungen
  • 1988 Hegel-Preis der Stadt Stuttgart.
  • 1997 Premio Amalfi.
  • 2000 Umbenennung des Städtischen Gymnasiums Oerlinghausen in Niklas-Luhmann-Gymnasium.
  • 2008 Straßenbenennung in Luhmanns Geburtsstadt, der Hansestadt Lüneburg.[11]
  • Seit 2004 verleiht die Stiftung der Sparkasse Bielefeld alle zwei Jahre zum Gedenken an Niklas Luhmann den mit 25.000 Euro dotierten Bielefelder Wissenschaftspreis.


Charakterisierung des Werks
Luhmanns Systemtheorie versteht Gesellschaft nicht als eine Ansammlung von Menschen mit Blutkreisläufen und sonstigen, nicht-sozialen Systemen, sondern als einen operativ geschlossenen Prozess sozialer Kommunikation.

Systemtheorie Luhmanns: Beispielhafte Systeme mit ihren Codes, strukturelle Kopplung
Die Systemtheorie thematisiert selbstreferenzielle soziale Operationen (Kommunikation). Selbstreferenziell soll heißen, dass sich Systeme nur auf ihre internen Operationen beziehen und trotzdem kognitiv offen sind. Die Leitdifferenzen von gesellschaftlichen Funktionssystemen bezeichnet Luhmann als Codes (im Beispiel „Recht/Unrecht“ für das Rechtssystem). Die meisten Funktionssysteme orientieren sich an symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, die Wirtschaft etwa an Geld.


Luhmanns Systemtheorie basiert auf der Gleichsetzung von Gesellschaft mit Kommunikation. Er behandelt Evolution von Kommunikation – von Oralität (mündlicher Kommunikation) über Schrift bis hin zu elektronischen Medien – und parallel auf der Evolution von Gesellschaft durch funktionale Ausdifferenzierung (siehe auch soziale Differenzierung). Daraus ergeben sich drei Stränge:

  • Systemtheorie als Gesellschaftstheorie,
  • Theorie der Interaktion (face-to-face-Kommunikation) und
  • Evolutionstheorie,

die sich durch sein gesamtes Werk ziehen.

Seit den 1980er Jahren bezieht sich Luhmann grundlegend auf die Differenzlogik der Laws of Form des britischen Mathematikers George Spencer-Brown.

Wirkung und Kritik in der Soziologie und darüber hinaus
Die Luhmannsche Systemtheorie (in Abgrenzung zur allgemeinen Systemtheorie von Ludwig von Bertalanffy u. a. sowie zur Theorie sozialer Systeme von Talcott Parsons) gilt derzeit als eine der erfolgreichsten und populärsten Theorien im deutschen Sprachraum, nicht nur in der Soziologie, sondern auch in diversen Feldern wie der Psychologie, der Theorie des Managements oder der Literaturtheorie. Auch international beeinflusst sie den sozialphilosophischen Diskurs, wobei sich nennenswerte Luhmann-Strömungen in Deutschland, den USA, Japan, Italien und Skandinavien herausgebildet haben.
Luhmann bezeichnete sich zwar zeitlebens als Soziologe, doch kann man ihn – ähnlich wie Jürgen Habermas – gleichzeitig auch als Wissenschaftstheoretiker auffassen, der die Soziologie sehr angeregt hat und der eine bemerkenswerte soziologische Urteilskraft besaß. In verschiedenen Bereichen der Philosophie werden Ideen Luhmanns rezipiert.
Das Fehlen eines primär normativen Elements in Luhmanns Systemtheorie hat eine teilweise heftige Debatte nicht nur in der Soziologie entfacht. Aus erkenntnistheoretischer Perspektive wird moniert, die Theorie laufe auf Grund ihres tautologischen, deskriptiven Ansatzes ins Leere und sage nicht mehr über die Welt, als was wir aufgrund fachwissenschaftlicher Erkenntnisse ohnehin schon über sie wissen oder wissen könnten. Genau dieser konstruktivistische Ansatz ist wiederum eine wesentliche Eigenschaft der Theorie: Als Beobachter der Welt können wir nach Luhmann nur das identifizieren und beschreiben, was für uns beobachtbar ist. (WIKIPEDIA)

Siehe auch den WIKIPEDIA-Hauptartikel Systemtheorie (Luhmann)



Veröffentlicht am 08.04.2012
Die Doku zeigt erst ein Interview mit Luhmann aus dem Jahr 1973, worin er seine Theorie in Grundzügen erläutert. Durch die gezielten Fragen von Ulrich Boehm erhält auch der Zuschauer, der sich noch nicht mit Luhmanns Theorie beschäftigt hat, einen Einblick in deren Leitgedanken. Der zweite Teil der Doku zeigt eine "Philosophie heute" Sendung aus dem Jahr 1989 über die Ökologie-Debatte.

The documentary shows first an interview with Luhmann from 1973, in which he explained his theory main features. By pointed questions from Ulrich Boehm also gets the audience, who has not yet dealt with Luhmann's theory, an insight into their guiding principles. The second part is from the "Philosophy Today" show in 1989. Luhmann on the ecology debate.

Dienstag, 15. April 2014

COMPUTER | ATELIER | S!NEDi: Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust ... | Wir wollen niemals auseinandergehen ...

s!NEDi: dueliandru - 13. versuchung - "liebe deinen nächsten - WIE DICH SELBST - aber mein Name ist: LEGION ...

... und noch ein werk aus meinem computer-atelier:

"Liebe Deinen Nächsten - WIE DICH SELBST..." - und: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust ...: Sehen Sie die zwei Paar Lippen an einem Mund - wenn Lippen Lippen geradezu verschlingen wollen, um sich die eigene Vielzahl einzuverleiben: Darum ging es mir: "Ich heiße Legion - denn ich bin Viele" -  hat dieser Besessene aus Gerasa geantwortet, als Jesus ihn nach seinem Namen fragt:


„Λεγεὼν ὄνομά μοι.“
       Legeōn onoma moi.
      „Mein Name ist Legion.“

Und er hat gesagt: "Eure Rede aber sei: Ja! Ja! oder aber Nein! Nein! Was darüber ist, das ist vom Übel." Sei eindeutig klar - nicht zweideutig ... Spreche mit einer Zunge - mit einem Mund - und nicht hier so und da anders ...

Nun gut - wir sind ja auch nicht jeden Tag gleich: wir sind heute so - morgen so - und übermorgen wieder anders: Und doch - wir sollten nicht auseinanderfallen - unsere Seele sollte sich nicht spalten - wir sollten auch keine gelebten Themen abspalten: Zusammensein -zusammenhalten - er-innern in der Er-innerungs-arbeit ... - zusammenhalten: nicht nur die Familie, die Gruppe, die Sippe>: nein - erst mal sich selbst zusammenhalten:

"Wir wollen niemals auseinandergehen" ... sang Heidi Brühl (* 30. Januar 1942; † 8. Juni 1991) seinerzeit ...: Und manche denken das morgens, wenn sie von der Waage steigen ... - na ja - ich weiß, das gehörte hier jetzt nicht hin ...
;-))
Wir müssen den Nächsten nicht gleich "fressen mit Haut und Haaren" - wir müssen ihn auch nicht andauernd mit dem Handy überprüfen, wo er sich momentan aufhält - das wiederum hat was mit Vertrauen zu tun ...: Wir müssen leben - und leben lassen: Ich weiß - alles Plattitüden - und doch scheinbar schwer so schwer ...

In Goethes Faust gibt es die berühmte Stelle von der inneren Zerrissensein zwischen körperlichen und geistigen Bedürfnissen, zwischen irdischen und himmlischen Ambitionen: 

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen."
Das alles ging mir beim "Malen" des oberen Bildes durch den Kopf: eine innere Meditation ...

Banksy Street-Art: ABHÖREN ALS KUNST

Street-Art-Künstler Banksy

Abhören als Kunst
Direkt aus dem Reuters-Videokanal

Banksy ist (vermutlich) wieder da. In Cheltenham, wo der Hauptsitz des britischen Abhördienstes GCHQ zu finden ist, hat der Graffiti-Künstler an einer Hauswand einen Kommentar zu staatlicher Bespitzelung hinterlassen.




© http://www.sueddeutsche.de/kultur/abhoeren-als-kunst-1.1937639
Video: Reuters

Luther-Fabel: WOLF & LÄMMLEIN ... mit Interpretationsaufgabe ...

Martin Luther (1483 –1546) 

„Wolf und Lämmlein“ 

Ein Wolf und ein Lämmlein trafen sich zufällig an einem Bach, um zu trinken. Der Wolf trank oben am Bach, das Lämmlein aber weit entfernt unten. Als der Wolf das Lämmlein sah, lief er zu ihm und sprach: „Warum trübst du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?" Das Lämmlein antwortete: „Wie kann ich dir das Wasser trüben? Du trinkst doch oberhalb und könntest es mir eher trüben." Da sprach der Wolf: „Wie, beleidigst du mich auch noch?" Das Lämmlein antwortete: „Ich beleidige dich nicht." Daraufhin sagte der Wolf: „Dein Vater hat das vor sechs Monaten ebenfalls getan, und du willst dich als Vater zeigen." Das Lämmlein antwortete: „Damals war ich noch nicht geboren. Warum soll ich für meinen Vater büßen? „Da sprach der Wolf: „Du hast mir aber meine Wiesen und Äcker abgenagt und verdorben." Das Lämmlein antwortete ihm: „Wie kann das möglich sein, da ich doch noch keine Zähne habe?" –„Nun gut", sagte der Wolf, „auch wenn du gut begründen und reden kannst, werde ich doch heute nicht ohne Fressen bleiben." Und er würgte das unschuldige Lämmlein und fraß es auf.
Lehre: So ist der Lauf der Welt. Wer fromm sein will, muss leiden, wenn einer Streit sucht. Denn Gewalt steht über dem Recht. Wenn man dem Hund übel will, hat er das Leder gefressen. Wenn der Wolf es so will, ist das Lamm im Unrecht.


 Übung 1

Interpretieren Sie die obenstehende Fabel! 
Arbeiten Sie dabei besonders ihren Realitäts- bzw. Aktualitätsbezug heraus - und denken Sie dabei an die Ukraine, an Russland, an die USA, an Herrn Putin, Frau Merkel, Mr. President Obama - und an Frank-Walter Steinmeier, den Rambo aus Lippe (Schwarz-Rot-GoldComic unten - v.l.n.r.) ... 

 Übung 2
Versuchen Sie es nach der 1. Fassung mit einem Rollentausch ... (schon jetzt sei Ihnen verraten, es klappt immer ... - sogar wenn Steinmeier Lämmlein ist - und das alles unter dem Motto: Pack schlägt sich - und Pack verträgt sich ... ;-))











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Bis gestern wusste ich gar nichts von den fabelhaften Fabeldichtungen unseres ollen Martin Luther ... - aber in einem "lebenslangen Lernen" lernt man ja nie aus ...: Und - hiermit hoch und heilig versprochen: - Von nun an - werde ich des öfteren aus Luthers Fabel-Oeuvre zitieren - wenn's passt - aber es passt ja eigentlich immer (siehe oben ...)

Unter Verwendung folgender Quellen: (Aus: http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/21/110/index.html | Fabeln aus drei Jahrtausenden. Ausgewählt von Reinhard Dithmar. Zürich 1976, S. 79f.) 
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Was sagte Martin Luther über die Fabel?

Alle Welt hasset die Wahrheit, wenn sie einen trifft.
Darum haben weise hohe Leute die Fabeln erdichtet und lassen ein Tier mit dem anderen reden, als wollten sie sagen: Wohlan, es will niemand die Wahrheit hören noch leiden, und man kann doch der Wahrheit nicht entbehren, so wollen wir sie schmücken und unter einer lustigen Lügenfarbe und lieblichen Fabeln kleiden; und weil man sie nicht will hören aus Menschenmund, dass man sie doch höre aus Tier- und Bestienmund. So geschieht's denn, wenn man die Fabeln liest dass ein Tier demandern, ein Wolf dem andern die Wahrheit sagt, ja zuweilen der gemalte Wolf oder Bär oder Löwe im Buch dem rechten zweifüßigen Wolf und Löwen einen guten Text heimlich liest, den ihm sonst kein Prediger, Freund noch Feind legen dürfte 
Als Vorlage für Luthers Fabelbuch diente eine der lateinischen Sammlungen seiner Zeit, und zwar die lateinische Übersetzung von Heinrich Steinhöwel (1412-1482.) 
Luthers Fabeln erschienen erstmalig 1557 im fünften Band der Jenaer Lutherausgabeunter dem Titel:Etliche Fabeln aus Esopo / von D.M.L. verdeudscht / sampt einer schönen Vorrede /von rechtem Nutz und Brauch desselben Buchs / jederman wes Standes er auch ist /lustig und dienlich zu lesen. Anno M.D.XXX. 
Die Fabeln Luthers zeichnen sich durch eine knappe, anschauliche Darstellungsweiseund gute Lehren, meist in der Form von treffenden Sprichwörtern aus.
Quelle:  http://www.fabelnundanderes.at/martin_luther.htm

WORLD-ART-DAY 2014: Ein Noldehimmel mit Gründerzeithaus - und frohe Ostern ...


Zum Welt-Kunst-Tag 2014 - mein neuestes Werk: Und ich habe mir wirklich und tatsächlich wieder mal alle Mühe gegeben: Warum sollte nicht ein Nolde-Himmel auch einen Straßenzug mit Gründerzeit-Geschäftshäusern schmücken ... ???
Es ist mein "Osterei" - mein Geschenk für Sie und all Ihre Lieben ...
Ob ich es mir an die Wand pappe - weiß ich nicht - aber wenn Sie Interesse haben - nur zu ... mit ein paar Clicks hin und her werden Sie es in Postergröße - evtl. auf Leinen - ausdrucken können bzw. auf Leinen einen Fotoabzug machen können - oder in der Poster-Werkstatt Ihrer Wahl einen entsprechenden Vertrauensauftrag tätigen ...

Und sagen Sie es auch den eventuell Beschenkten (wenn  Ihre Wände bereits alle mit Kostproben meines Oeuvres vollgehängt sind ...) - dieses Bild wäre ein echter "S!NEDi" - ja - ja - was meinen Sie, was solch ein buntbedrucktes Leinenmotiv in 20 - 35 Jahren wert ist - wenn der Gilb drin ist - so als Patina - Sie wissen schon was ich meine ...: ich will da jetzt mal gar nicht spekulieren ...

Und - geben Sie es zu: Es ist ein wunderbares Motiv - mit diesem kräftigen Farbspiel - ich meine - wo es denn hinpasst ...

Was - was - ??? - meine Frau sagt gerade - das Motiv mit diesen frischen Farben habe mehr von Endzeitstimmung als von einem taufrischen Ostermorgen:  - na ja - ich weiß nicht - sie hat auch - wie fast alle - diesen Karfreitag vorher - vor den bunten Eiern - schlichtweg vergessen ...: Ich will Ihnen mal was sagen: Ostern ist nicht nur ein kommerzielles Ereignis ...: denken Sie mal drüber nach ...

Ja - es ist ein wahrhaftig schönes Bild: Ach - ich glaub - ich kann es gar nicht hergeben - mit der Dauer der Betrachtung wächst die Liebe und die Entdeckung all der Details ...ein wahrer Schatz ...

Machen Sie was draus - und schöne Grüße ... Ihr S!NEDi

Montag, 14. April 2014

Jiddisches Lied: DONA DONA DONAJ | eine Predigt zur Karwoche

Ja - ich habe lange überlegt, welchen Post ich hier heute einfügen soll - zu Beginn der Karwoche ... Ich habe die gängigen Nachrichtenseiten durchstöbert nach einer passenden Anregung: ich wollte schauen, was auf mich zukommt - ich wollte finden und nicht suchen ...

Aber zwischen all den üblichen "Mutterschweinen", die so täglich bzw. wöchentlich bzw. epochal durchs globale Dorf getrieben werden, und die mich - in höchster Eile - immer mal wieder anquieken und angrunzen, war es dann letztlich doch eine Karfreitagspredigt zum Lied "DONA-DONA-DONAJ", das Joan Baez, Donovan, Esther Ofarim und noch viele andere in verschiedenen Sprachen gesungen haben ... Im Predigttext war "jiddisch" vorgegeben - und so habe ich nach einer entsprechenden Aufnahme Ausschau gehalten: Ich fand auf YOUTUBE den Song von NEHAMA HENDEL auf jiddisch - und habe dann ein paar Fotos dazu zusammengestellt ... Und insgesamt muss das auch weniger "gefallen" - als zum Nachdenken anregen - und ist bestimmt zeitloser als der Ruf nach Blauhelmen in Kiew - oder die Diskussionen zu einer Freihandelszone mit den USA - trotz NSA-Bespitzelungen ...- und beachten Sie die Guantánamo-Zitate am Schluss ....





DONA-DONA-DONAJ



Predigt 
über Jesaja 52,13-15 - 53,1-12:

Andreas Gruhn
in der evangelische Kirchengemeinde Poppenweiler


Liebe Gemeinde,

in der Karwoche und am Karfreitag selbst erinnern wir uns, was Jesus am Ende seines Lebens zugemutet wurde. Wir erinnern uns an die erfahrenen Demütigungen, sein Leiden und Sterben. Jesus der Jude - hingerichtet von den Römern. "Bist du der König der Juden?", wird er von Pontius Pilatus gefragt. "Du sagst es," antwortet Jesus und schweigt. Er erklärt sich nicht weiter. Unternimmt keinen Versuch sich zu verteidigen.

I. Der Gottesknecht

Was Jesus erlebt hat und was ihm widerfahren war, das erinnerte die Jünger nach Ostern an einen, den sie kannten. Auch er stammte wie Jesus aus dem jüdischen Volk. Doch lagen nun fünfhundert Jahre dazwischen. Was jeder von ihnen erlebt hat, lässt sie beide einander ähnlich sein. Er wird als eine unansehnliche Gestalt beschrieben, mit der niemand mehr etwas zu tun haben möchte. Krankheit und Schmerzen plagen ihn. Er wird misshandelt und niedergedrückt. Ohnmächtig gegenüber seinen Widersachern, kann er sich nicht wehren. Seinen Mund verschließt er, lässt seine Peiniger keinen Ton hören. Wie ein Tier, das man zur Schlachtbank führt, so schaut er drein. Und mit diesem Menschen, so bezeugen es die heiligen Schriften des jüdischen Volkes, hat sich Gott verbündet. Der, den alle verachtet hatten, an ihm hat Gott Gefallen gehabt. Später nannten sie diesen Menschen den "Gottesknecht". Vier Lieder sind ihm im Buch des Propheten Jesaja gewidmet. Das letzte davon ist unser heutiger Predigttext.

II. TEXT: Jesaja 52,13-15 - 53,1-12:
13 Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. 14 Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder, 15 so wird er viele Heiden besprengen, dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken. 
1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit.Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Fremdes Leid erinnert die Glücklichen, dass sie für den Augenblick davongekommen sind. Es führt aber gleichzeitig die eigene Verwundbarkeit vor Augen. Fremdes Leid kann Mitgefühl auslösen. Es kann aber auch das genaue Gegenteil bewirken. Abkehr bis hin zur Vernichtung. Offensichtlich bedrohen die Schwachen und Kranken die scheinbar Starken und Gesunden.

III. Der Entstehungsort von Dona Dona

Und wieder war es einer aus dem jüdischen Volk, nun aber fast zweitausend Jahre nach Jesus und zweieinhalbtausend Jahre nach dem sogenannten Gottesknecht, der bespuckt, gedemütigt und verachtet wurde. Eingesperrt im Ghetto in Warschau schaut er zu, wie sein Volk in Güterwaggons verladen wird. Niemand weiß wohin es geht, doch sie ahnen böses. Auf ihn selber wartet das gleiche Schicksal und er weiß nicht, wie er sich ihm entziehen könnte. Stumm vor Erschrecken kann er aber noch schreiben. Ein Gedicht entsteht. Es erzählt die Geschichte des Kälbchens, das mit dem Bauer auf dem Weg ist.

"Der Bauer führt ein Kälbchen hoch auf den Karren. Bindet es fest. Fesselt es an seinen Beinen. Nur den Rücken kann es noch krümmen. Mehr bewegen kann es sich nicht. Doch es weiß, wohin es geht. (Zum Schlachten.) Da sieht das Kälbchen am Himmel eine Schwalbe. Sie durchzieht den Himmel mit großem Bogen, frei und unbeschwert. Der Wind zieht durchs Weizenfeld. Es scheint dem Kälbchen als lachte der Wind über sein Geschick den Tag und die ganze Nacht hindurch. Da muss das Kälbchen weinen. Doch der Bauer lacht nur und sagt: "Nun bist du eben ein Kalb und hast nichts anderes verdient als geschlachtet zu werden. Du hättest eben ein Vogel werden müssen."

Da wusste das Kälbchen, dass Kälber geschlachtet werden. Nur wer Flügel hat, kann frei fliegen. Und wer fliegen kann, der wird niemals eines andern Knecht. Und der Wind weht durchs Weizenfeld und er lacht darüber, was er da sieht.
LIED: DONA DONA mit Gesang (jiddisch) von NEHAMA HENDEL,
Text: Jiddisch vermutlich nach Jizchak Katzenelson
Englisch: Shelodon Secunda (Vgl. Student für Europa Nr. 62
Musik: Sheldon Secunda (1940)

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Yiddish translation 
Dos Kelbl
Oyfn furl ligt dos kelbl
Ligt gebundn mit a shtrik
Hoykh in himl flit dos shvelbl
Freydt zikh, dreyt zikh hin un krik. 
Chorus
Lakht der vint in korn
Lakh un lakht un lakht
Lakht er op a tog a gantsn
mit a halber nakht.
Hey Dona, dona, dona... 
Shrayt dos kelbl, zogt der poyer
"Ver zhe heyst dikh zayn a kalb?
Volst gekert tsu zayn a foygl
Volst gekert tsu zayn a shvalb?" 
Chorus
Lakht der vint in korn.... 
Bidne kelber tut men bindn
Un men shlept zey un men shekht
ver s'hot fligl, flit aroyf tzu
iz bay keynem nit keyn knekht  
Chorus
Lakht der vint in korn....
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deutsch:

1. Auf einem Wagen liegt ein Kälbchen ist gefesselt mit ´nem Strick.
   Hoch am Himmel fliegt ein Vogel, fliegt nach rechts und fliegt nach links.
   Lacht der Wind im Kornfeld, lacht und lacht und lacht,
   lacht den ganzen Tag darüber und noch die halbe Nacht.
   Donaj, Donaj, Donaj....... daj !

2. Schreit das Kälbchen, sagt der Bauer: Weshalb bist du auch ein Kalb ?
    Wenn du willst, dann sei ein Vogel, wie am Himmel diese Schwalb !
    Lacht der Wind...

3. Arme Kälbchen kann man fesseln und zum Schlächter schleppen hin,
   frei zu sein bedarf es Flügel, und du fliegst zum Himmel hin.
   Lacht der Wind...  
Im Yiddischen heißt es übrigens nicht Dona - sondern Donaj - von Adonaj.

IV. Leiderfahrungen als das verbindende Band

Ich vermute, der Verfasser dieses eben vorgetragenen Liedes, kannte auch den Text, der uns heute als Predigttext vorliegt. Und wenn es nicht so sein sollte, dann ist es die gemeinsame Erfahrung von unbegreiflichem Leid, von Gewalt und Terror, die beide Schreiber miteinander verbindet. Damit sind sie mit allen verbunden, die auch heute Gewalt erfahren und niedergedrückt werden. Und während wir hier sitzen verliert vielleicht durch ein Selbstmordattentat eine jüdische Mutter ihren Sohn und ein Palästinenser seine Tochter bei dem darauf folgenden Vergeltungsschlag. Beiden Elternteile erstarrt wohl das Herz im Leibe und sie verstummen angesichts der Gewalt, die ihre Kinder wie Lämmer zur Schlachtbank führte.

V. Vom möglichen Sinn und der Hoffnung in mitten leidvoller Erfahrungen

Ist das Leid, das Menschen erfahren völlig sinnlos? Die Frage, wozu das alles geschieht, drängt ja nach einer Antwort. Diese Antwort für sich selber zu finden, ist fast unmöglich. Sie einem anderen zu geben, muss als Anmaßung erscheinen.

Von dem Menschen, den man später als den Gottesknecht bezeichnet hat, heißt es in unserem Predigttext: Gott der Herr, habe an dem, den alle verachtet hatten, Gefallen gefunden (V 10). Und der, der so vieles zu ertragen hatte, erblickt das Licht (V 11) und wird in die Reihe der Großen gestellt (12).
  • Das Recht, das diesem Menschen vorenthalten wurde, dieses Recht stellt Gott für ihn her. 
  • Rückblickend auf sein Leben zeigt sich, dass er nicht umsonst gelitten hat. 
  • Rückblickend auf das Leben Jesu erkannten die Jünger im Geschick des Gottesknechts das Geschick ihres Meisters.
  • Rückblickend auf das erfahrene Leid der Juden in Europa wird das Lied vom "Kälbchen" gesungen. Es singt allen, die zu Unrecht leiden. Und jedes Leid besteht zu Unrecht. Niemand, auch nicht der Ungerechte hat es verdient. Es singt von der einzigen Hoffnung, die dem Vergessenen, dem von anderen Menschen Aufgegebenen bleibt. Es singt allen, die heute körperliche und seelische Schmerzen zu ertragen haben. Es singt allen, die um ihre Schönheit und ihr gelingendes leben bangen.
In diesem Lied hören wir im Kehrvers dieses "Dona dona " erklingen. (Dieses Kehrvers, der in der Pop-Version so lieblich, fast zu lieblich klingt.) Dieser Ruf war die letzte, aber bleibenden Hoffung vieler ins Konzentrationslager verschleppter Juden. Es waren die letzten Worte Jesu am Kreuz.

Das "Dona, Dona" ist nicht die Erinnerung an eine geliebte Frau oder angebetete Madonna gar. Es ist die Abkürzung für "Adonai" Mit Adonai wird in der hebräischen Bibel der Name des Gottes Israels ausgesprochen. Adonai ist der verzweifelt hoffnungsvolle Ruf. "Mein Herr! Mein Gott"

Wo Menschen alles genommen wird, wo alles verloren geht, was einem eben noch so teuer war, da bleibt allein die Beziehung zu Gott erhalten. Sie bleibt denen, die in ihrer Verzweiflung Adonai mein Herr, mein Gott rufen und alles, was kommen mag in seine Hand ihm legen.

In diesem Adonai leuchtet eine Hoffnung auf. Der kurze Moment dieses hellen Scheins reicht zuweilen aus, dass wir der Verzweiflung entfliehen und dem Leben uns hingeben.

Amen  

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Zitate aus: Hier spricht Guantánamo. Roger Willemsen interviewt Ex-Häftlinge. Frankfurt: Verlag Zweitausendeins, 2006:
  • "Schlimm war aber vor allem, wie man zu den Verhören gebracht wurde. Man bekam Beinfesseln und Handfesseln angelegt, und man wurde vorüber gebeugt abgeführt, die Hände auf dem Rücken, und wenn man stolperte, konnte man nicht wieder aufstehen, sondern wurde einfach weitergeschleift" (113).
  • "Ja, sie haben mich gequält. Sie haben mich gezwungen, mit gefesselten Händen auf den Knien zu hocken. Manchmal habe ich auf einem Bein stehen müssen, manchmal haben sie mich mit den Händen an die Eisentür gebunden. Manchmal bin ich 24 Stunden lang mit gefesselten Händen und Beinen in einem Raum gesperrt worden. Wir durften Nachts nur 2 Stunden schlafen, und wenn einer sitzend einschlief, wurde er geweckt und gezwungen, aufzustehen. Wenn sich jemand wegen der Müdigkeit an die Gitter lehnen wollte, befahlen sie ihm, Abstand von den Gittern zu halten" (80).
  • "Beispielesweise hat man im ganzen Block das Wasser abgestellt, wegen irgendwelcher Verstöße. Oder man wurde in den Isolierraum, den Karzer, gesteckt. Dort wurde einem alles fortgenommen, und man musste auf dem nackten Eisen schlafen. Einmal habe ich 15 Tage so verbracht."
  • "Das war mein Platz. Die ganze Zeit über war ich im Käfig. Am Anfang durfte ich nur einmal wöchentlich für 15 Minuten den Käfig verlassen. Nach zwei bis drei Monaten wurden es zweimal wöchentlich dreißig Minuten" (216).
  • "Ich wäre glücklich gewesen und hätte es begrüßt, wenn sie mich hingerichtet hätten. Die Hinrichtung wäre für mich die größte Freude gewesen" (215). Quelle