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Mittwoch, 29. Juli 2015

Stolpersteine München - und anderswo ...


DPA | SPIEGEL.de


Erinnerung an NS-Opfer

München lehnt Stolpersteine ab

Die sogenannten Stolpersteine erinnern in vielen Städten an Opfer des Nationalsozialismus. In München soll es sie jedoch nicht geben - das hat der Stadtrat nun bestätigt. Befürworter der Gedenksteine sind empört.

Soweit die nackte Meldung ...

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Stolpersteine: Alltägliche Gedenk-"In|klusion" statt NS-"Ex|klusion"

Für die einen sind sie eine mit Füßen getretene "Ehrung im Straßenschmutz". Für die anderen bedeuten sie Innehalten und Verbeugung: die "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig, der mit diesen Messingplaketten im Boden an die Einzelopfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert. 

Auch im Sinn der derzeitig gesellschaftlich diskutierten Prämisse einer allgemeinen "Inklusion" und der vieldiskutierten Fremdenfeindlichkeit mit ihrer immer noch durch Vorurteile belasteten Scheu vor "Andersartigkeiten" - wird es höchste Zeit, die radikal ausgegrenzten und durch die NS-"Exklusion" brutal separierten, "niedergeführten" und "ausgemerzten" NS-Gewaltopfer in die Erinnerungsarbeit und ins Gedenken - ganz selbstverständlich - mit in unseren allgegenwärtigen Alltag hineinzunehmen, um die Umstände dieser Gewalt und Menschenverachtung auch heute gesellschaftlich aktuell zu kommunizieren. Und über einen "Stolperstein", 10 x 10 cm klein, stolpert man nicht tatsächlich, aber er legt sich uns in den Weg - gibt Anstoß - und man darf daran Anstoß nehmen - und ins Gespräch kommen ...


Denn: "Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst", schreibt der Sozialpsychologe Harald Welzer in Anlehnung an Jean Baudrillard ...

Diese europaweit aktive Stolperstein-Aktion des Künstlers Gunter Demnig ist die sicherlich zur Zeit bedeutendste Initiative, eben diese längst abgespaltenen Schicksale in das gesellschaftliche Kollektiv-Bewusstsein zurückzubeordern - und ist damit ein notwendiger Teil erfolgreicher gesellschaftlicher und auch individueller innerer Inklusion und Gewaltprophylaxe.

Vielleicht einfacher ausgedrückt: Zur einer "inneren Barrierefreiheit" gehört auch das Anstoß nehmen und die permanente und erfolgreiche Aufarbeitung all der Schrecklichkeiten, Schranken und Hindernisse durch die NS-Herrschaft, die das kollektive schlechte Tätergewissen auch unserer Altvorderen über all die Jahre hinweg einfach längst verdrängt und so zu einem zähen fast undurchdringlichen Wust in uns allen Nachgeborenen kollektiv aufgetürmt und verdichtet hat ... - eine solche kontinuierliche Aufarbeitung dient jedoch dem allmählichen Abbau dieser inneren Sperren - durch die Integration der Geschichte und der Geschichten und durch die Hineinnahme in den individuellen Alltag - und eben nicht die Verdrängung oder das Leugnen - durch "Abspaltung" oder durch die Zuweisung in besondere separate Gedenk-Sonderareale [von wegen: die "Gnade der späten Geburt" - H. Kohl]


Zu der von der prominenten Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKM) Charlotte Knobloch auch in der Vergangenheit mehrfach geäußerten kritischen Haltung zu den Stolpersteinen: "Menschen treten auf die Stolpersteine oder gehen achtlos über sie hinweg", ist festzustellen, dass jede Art von öffentlich aufgestellten Gedenkstätten und Denkmälern, seien sie an den Wänden und Mauern befestigt und damit aufgehängt [!] oder auf den Boden gestellt und verankert oder im Boden verlegt, immer in der Gefahr sind, von Andersdenkenden geschändet zu werden, mit Graffitis besprüht und im Übermut beschmiert zu werden, zerstört zu werden ... 
Auch auf den Stelen des zentralen Berliner Mahnmals für die Holocaust-Opfer ruhen sich die Schüler und Jugendlichen von den nächtlichen Eskapaden ihren Klassenfahrten aus, und wegen schlechten Betons bröckeln die Stelen bereits hier und da ...

Anders als Knobloch äußert sich der neue Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der seit Jahren das "tolle Projekt" der Stolpersteine unterstützt. "Die kleinen Messingsteine lassen uns immer wieder mitten im Alltag innehalten", sagte Schuster jetzt in Würzburg. Durch die Steine werde einem bewusst, dass die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft "mitten unter uns" gelebt hatten: "Es waren Nachbarn. Und auch wenn es heute keine Angehörigen mehr gibt: Sie sind nicht vergessen."

Gunter Demnig hat die Stolpersteine wohl bewusst nicht als "Grabsteine" oder Grabstein-Ersatz konzipiert, sondern als "Gedenkzeichen", als 10 x 10 cm kleine Hinweisschildchen - wie Hausnummern vielleicht, nur dass eben hier statt der Nummern die echten Klarnamen der Opfer genannt werden - man kann davor stehenbleiben, beim Lesen des Namens den Kopf beugen - und sich so auch ein wenig vor dem Opfer verneigen - einfach kurz innehalten ... - Ein "Stolperstein" legt sich uns direkt in den Weg  - an einer Gedenktafel läuft man wohl zumeist vorbei und vorüber ...

Boden-Denkmäler sind eine bewährte Form historischer Erinnerung. Vor dem Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität in München [!] erinnern Bodenkeramiken des Bildhauers Robert Schmidt-Matt seit 1988 an die Mitglieder der Weißen Rose. Wie die Flugblätter, die Sophie und Hans Scholl einst in den Lichthof der Universität warfen, liegen sie da. Wird die Erinnerung an die Geschwister Scholl an diesem Ort damit mit Füßen getreten?

Nicht die Opfer oder die "Erinnerung" werden beim Darübergehen "mit Füßen getreten", sondern wenn überhaupt, diese kleinen Hinweisplaketten, die als ein Gedenk-Angebot zu werten sind, an denen man Anstoß nehmen soll  - und die Anstoß geben sollen - zum Erinnern, Nachdenken und zur Diskussion ...

Die dezentrale Form dieser Gedenkkultur nimmt das Einzelopfer in den Blick - und in den "alltäglichen" schnöden Alltag - und lässt so erahnen, welch ungeheures Ausmaß die NS-Verbrechen in den einzelnen Familien und Gemeinden und in den Nachbarschaften angenommen hatten - und wie überall - bis in den letzten Winkel hinein - die tödliche Jagd auf Menschen gemacht wurde, die nach der faschistischen Ideologie der Nationalsozialisten als "Andersartig" und deshalb als "Bedrohung" für "Blut und Erbgut" eines willkürlich definierten "arischen Volkskörpers" aussortiert wurden  ...


Zentrale besonders "feierliche" und pompös gestaltete und errichtete Gedenkstätten werden vielleicht bei offiziellen Kranzniederlegungen und zu entsprechenden Gedenkdaten aufgesucht - und dann erst im nächsten Jahr wieder - vielleicht mit dem Schützenverein und "Ich hatt' einen Kameraden", intoniert von der Bundeswehr-Kapelle ...

Link zu den SZ-Artikeln dazu ... 


Stolperstein zur Erinnerung an meine Tante Erna Kronshage (Link) in Sennestadt






Verwandt mit Gunter Demnigs "Stolpersteinen" sehe ich auch diese Aktion: 

Das Berliner Künstlerkollektiv ZENTRUM FÜR POLITISCHE SCHÖNHEIT (ZPS) hat im Juni 2015 zum "Marsch der Entschlossenen" aufgerufen. Etwa 5000 Demonstranten zogen zum Platz der Republik und hoben auf der Reichstagswiese symbolische Gräber aus - als Protest gegen die europäische und deutsche Flüchtlingspolitik. Mit der Aktion will das ZPS vor Augen führen, worüber beim "Deutschen Volk" eigentlich Konsens herrschen sollte: das Sterben von Asylsuchenden bei der Flucht - vor allem übers Mittelmeer - muss ein Ende haben. 

Quelle: art - das Kunstmagazin - Bild: politicalbeauty.de



VINCENT VAN GOGH - IN MEMORIAM

29. Juli 1890 - 
Vincent van Gogh stirbt in Auvers-sur-Oise - 
vor 125 Jahren


Genie und/oder Wahnsinn
Lust und Last des Kunstschaffens


Die Psychiatrie hatte 
im ausgehenden 19. Jahrhundert für ausgelebte künstlerische Phantasie wenig übrig


Da war unser damaliger Hausarzt ganz in seinem Element, als wir Mitarbeiter eines Heimes für schwerstgeistigbehinderte Kinder und Jugendliche in Bethel seinerzeit mit ihm das Kröller-Müller Museum in Otterlo im Park Hoge Veluwe inmitten der Niederlande besuchten. 


Selbstbildnis: Vincent van Gogh - artble.com
Der Arzt hatte als junger Student der Psychiatrie-Medizin sich ausführlich mit Vincent van Gogh beschäftigen müssen - und sogar eine Prüfungsarbeit über diesen "Fall" verfasst ...  - und nun versuchte er  uns vor jedem Exponat van Goghs den jeweiligen "Fortschritt" der vermeintlichen Krankengeschichte aufgrund seiner Fachkompetenz aufs Genaueste zu erklären: Denn mit einer Diagnose "Akuter Wahnsinn mit Tobsucht" bzw. mit "Epilepsie" wurde van Gogh aufgrund einer Initiative besorgter Bürger  in die Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mausole im südfranzösischen Saint-Rémy-de-Provence eingeliefert ... 

Aus den Bildern, Briefen und weiteren Zeugnissen van Goghs vermochten verschiedene Ärzte zu verschiedenen Zeiten für ihn jeweils "eindeutig" u.a. folgende Erkrankungen herauszulesen:  
  • Schläfenlappen-Epilepsie, 
  • die Menière-Krankheit, 
  • Syphilis, 
  • Vergiftung durch Absinth-Missbrauch, 
  • Schizophrenie, 
  • Hysterie, 
  • eine manisch-depressive Erkrankung, 
  • die Stoffwechselkrankheit AIP (Akute intermittierende Porphyrie), 
  • verschärfend schlechte Ernährung bei hohem Alkoholkonsum ...

Dem klinischen Aufenthalt in Saint-Rémy war der zweimonatige Besuch des Malerkollegen Paul Gauguin in Arles bei Vincent vorausgegangen, wo es zu einem schweren Zerwürfnis zwischen den beiden begnadeten Künstlern kam, aufgrund dessen im Nachhinein van Gogh sich unter nie ganz geklärten Umständen einen Teil eines Ohres oder - je nach Lesart - ein ganzes Ohr abschnitt ...   

In der Folge wird der Maler immer wieder von "Wahnvorstellungen und Depressionen" heimgesucht. Allerdings weiß man bis heute nicht genau, ob diesen Zuständen tatsächlich jeweils ein psychiatrisch akuter Krankheitsschub zugrunde lag, oder ob vielmehr das totale persönliche Aufgehen in die eigene Kunst - im wahrsten Sinne des Wortes: mit Haut und Haaren und Leib und Seele - der Auslöser dieser seltsamen ekstatischen Zustände wurde ... Vincent van Gogh hat sich jeweils auch körperlich und seelisch bei seinem Kunstschaffen ganz und gar verausgabt - und hat sich durchaus fast besessen jeweils wie "besoffen" in einen "Wahn" gemalt ...

Er will damals nämlich nicht malen, was er sieht. 
Er will malen, was er seelisch und körperlich empfindet. 

Besondere optische Reize in der flirrenden südfranzösischen Sonne lösen bei dem Niederländer eine unbändige Schaffenswut bis hin zu handfesten Rauschzuständen aus, die er in seinen Briefen an seinen Bruder Theo auch schon einmal als "Orgasmen mit den Augen" beschreibt: "Die Erregung, die mich angesichts der Natur ergreift, steigert sich bei mir bis zur Ohnmacht", schreibt van Gogh ...

Unser guter Bethel-Arzt - Gott hab ihn selig - wusste zwar im Kröller-Müller-Museum auch etwas von diesen subjektiv so empfundenen Rauschzuständen Vincents, meinte aber angesichts der Werke uns erklären zu können, wie van Gogh seinen beginnenden Wahn mit verschleiernden Selbsterklärungen zu kaschieren versuchte - "was übrigens jeder Psychiatrie-Patient anfangs versucht - denn eine Krankheitseinsicht tritt - wenn sie je kommen sollte - erst viel viel später hinzu ...", dozierte der Arzt fachmännisch ...: "Das ist so wie beim Alkoholiker, der auch tausend Gründe erfindet, warum er wieder zur Flasche gegriffen hat ...", meinte er damals ...

Café-Terrasse am Abend (Le Café, le soir). 1888
Öl auf Leinwand: 81 x 65,5 cm
Otterlo, Museum Kröller-Müller 
Im flirrenden Strich seiner Bilder, wird das "Wahnhafte" festgemacht. Unser Hausarzt zeigte uns dazu das Gemälde "Café-Terrasse am Abend (Le Café, le soir)" von 1888, was mit seinen "schon über Gebühr funkelnden Sternen" ein Vorläufer war zum Spätwerk "Sternennacht" (1889) - mit dessen spektakulären Sternenlicht- und Himmelswirbeln. Während also in der abendlichen "Café-Terrasse" sich "das Unheil latent schon ankündigte", so unser Arzt, galt dann das Bild "Sternennacht" als "Ausdruck des totalen Ausbruchs von van Goghs nun zu Tage tretender Geisteskrankheit" ... 

Heute jedoch - das hat unser guter Doktor nicht mehr erlebt - werden diese Bilder nicht mehr ganz so pathologisch gesehen wie noch von ihm und seinen Lehrern und Kollegen - sondern eher als intuitive malerische Darstellung des Phänomens physikalischer aber auch innerseelischer Ergriffenheit und den dadurch empfundenen und wahrgenommenen Turbulenzen - etwa wie späterhin John Cage seine experimentellen Musikpartituren versucht hat in abstrakten Zeichen zu notieren, weil die gängigen Notenzeichen zu Darstellung des Gemeinten nicht mehr ausreichten ...  

Für Kritiker wie den Pulitzerpreisträger und van-Gogh-Biografen Steven Naifeh sind "diese vorzüglich gemalten blauen Pinselstriche in Wirklichkeit ein Muster von Vollkommenheit, Harmonie und Schönheit."

Sternennacht. 1889 | Öl auf Leinwand, 73,7 × 92,1 cm | Museum of Modern Art, New York


Bei diesen Bildern "Café-Terrasse" und "Sternennacht" meine ich auch ohne tiefenpsychologische oder kunsthistorische Vorbildung eigentlich überlegt angelegte und ästhetisch durchorganisierte Kompositionen zu erkennen, die eigentlich nichts haben von einer wahnhaft spontanen "Art brut" als die unverbildete Kunst der Geisteskranken - sondern allenfalls Elemente eines späterhin in Mode kommenden künstlerischen Surrealismus vorwegnehmen ...














1890 verlässt van Gogh die Anstalt und begibt sich in die Obhut des Arztes Paul Gachet nach Auvers-sur-Oise. Hier steigert sich seine unbändige Arbeitswut in einen nicht enden wollenden Schaffensrausch. In 70 Tagen malt er 80 Gemälde und 60 Zeichnungen, darunter die Häuser des Dorfes und sein berühmtes Porträt von Dr. Gachet. Am 27. Juli verlässt er, mit Staffelei und Farben beladen, seine Herberge.

Selbstmord – oder Mord? 

Irgendwann an diesem Tag fällt ein Schuss. Wer diesen Schuss tatsächlich abgefeuert hat, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Van Gogh jedenfalls schleppt sich verletzt zurück in seine Kammer und nach 30-stündigem Todeskampf erliegt er am 29. Juli 1890 seinen Verletzungen.

Zu der psychiatrisch-pathologischen Deutungsgeschichte des Werkes und der Person Vincent van Goghs passte dann natürlich am besten die Erklärung: "Es war ein Selbstmord - er hat sich 'suizidiert'" ... – eine Interpretation, die sich auch in der Kunstgeschichte bis heute als wahrscheinlichste Theorie hält. 

Allerdings führt Steven Naifeh in seiner Biografie auch Indizien für einen Unfall oder einen Mord an - und fragt: "Wie ist er an die Pistole gekommen? Jeder in Auvers wusste, dass er in einer Nervenheilanstalt war. Und: Pistolen waren selten auf dem Lande. Wer hätte Vincent van Gogh eine Pistole gegeben?" Und Tatsache ist auch, dass van Gogh in Auvers-sur-Oise nicht nur Freunde hatte. Ein solcher als etwas verschrobener und verhuscht geltender Künstler ist in so einem Örtchen natürlich ein Außenseiter - erst recht mit diesem sichtbaren "Ohrenabschnitt" ... Und deshalb foppte eine Jugendgang den merkwürdigen Sonderling fortwährend, die von einem Jüngling namens René angeführt wurde, der im Ort besonders als schießwütig verschrien war ...

Unter Anregung und Einbeziehung eines "Stichtag"-Textes vom WDR 

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S!NEDi: Sonnenblumen-Photo nach Vincent-Art bearbeitet ...

IN MEMORIAM 
VINCENT VAN GOGH
1853 - 1890

Dienstag, 28. Juli 2015

Klaus Fußmann an die Wand

Ein neuer Farblinolschnitt von Klaus Fußmann ziert nun die Wand unseres Wohnzimmers - und gesellt sich zu drei weiteren Arbeiten von ihm hinzu.

Klaus Fußmann: Weizen vor Ostsee in Düttebüll - Farblinolschnitt

Klaus Fußmann (* 24. März 1938 in Velbert) ist ein zeitgenössischer deutscher Maler und Grafiker.

Er studierte von 1957 bis 1961 an der Folkwang Schule in Essen und von 1962 bis 1966 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin.

Klaus Fußmann zählt zu den beliebtesten Malern unserer Zeit. Seine Werke schmücken viele bedeutende Ausstellungen. 

Der besondere Charme der norddeutschen Landschaft ist in allen Arbeiten Klaus Fußmanns spürbar. Fußmann schafft, vor allem in seinen Linolschnitten, mit großer malerischer Intensität im Farbauftrag fast schon Gemälde. Mit seinen Blumen- und Landschaftsdarstellungen erreicht der Künstler eine Strenge, welche diese natürlichen Sujets von jeder Beliebigkeit befreit. 

Und von den aus der Natur stammenden Motiven bleiben nur Versatzstücke übrig. Identifizieren lassen sich schemenhaft Felder und Blumen, Bäume, Häuser, das Meer. Das Konkrete löst der Maler jedoch auf, es erscheint nur noch verschwommen, andeutungsweise, leicht abstrahiert, aber bleibt stets noch als das Ursprüngliche erkennbar und wirkt sehr farbgewaltig. Seine Farblandschaften verlassen bewusst die realen Vor-Bilder, gleichen einer Reduzierung des Erkennbaren auf das Wesentliche, auf eine bisher unbekannte Dimension. In vielen Werken thematisiert er die Vergänglichkeit, modelliert Landschaften und nutzt dafür die Kraft der Farben. „Keine Tinte ist so blau wie der Rittersporn und kein Feuer so rot wie die Geranie“, davon ist er überzeugt.

Klaus Fußmann ist jetzt schon ein Klassiker der Moderne, dessen großartige Kunst von außerordentlicher Schönheit und Wertbeständigkeit ist.

Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, so 1972 mit dem Preis der Villa Romana Florenz und dem Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen. 1979 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Darmstadt. Bedeutende Präsentationen seines Werkes fanden u. a. 1972 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, 1982 auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, 1988 in der Kunsthalle Emden, 1992 in der Kunsthalle Bremen, 2003 im Museum am Ostwall in Dortmund statt. Anlässlich seines 70. Geburtstags waren 2008 umfassende Ausstellungen im Schleswig Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf, in der Freien Akademie der Künste Hamburg sowie im Mannheimer Kunstverein zu sehen.

Von 1974 bis 2005 hatte Klaus Fußmann eine Professur an der Hochschule der Künste Berlin inne.

Im Jahr 2005 malte er ein monumentales Deckengemälde im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Klaus Fußmann lebt und arbeitet in Gelting an der Ostsee und in Berlin. (WIKIPEDIA, kunsthaus artes, shz.de u.a.)

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Mich hat diese neu erworbene Arbeit und dieser farbenfrohe expressionistisch-meditative Stil angeregt, einige meiner Photos in diesem "Fußmann"-Stil zu bearbeiten:


Mühlenkamp um 1940 in Senne II (nach einem alten SW-Photo) - S!NEDi 2015

Mohnblüten vor einer Reetdach-Kate in Garding - S!NEDi 2015


Geblüte - S!NEDi 2015

Mohn und Kornblumen - S!NEDi 2015



Spinnkram

"Spinner" - S!NEDi|photography




Ganz schön versponnen, dieser Spinner ..., das ist zumeist eine überwiegend abwertende Bewertung für einen vielleicht etwas verhuschten Zeitgenossen.

Obwohl dieses "verhuscht" ja auch selbst etwas unscharf daherkommt: Ich kann mich mit einem Gegenüber nicht sofort in dessen Gedankenspiele einklinken, er sagt etwas, was mir nicht eingeht, was ich nicht mit meinen Wertigkeiten und meinem Denkschemata kompatibel bekomme, ich kann seine Denke mit meiner Denke nicht kalibrieren, nicht in Einklang bringen ..: Ja - dann muss der etwas "verhuscht" sein, nicht etwa ich ...

Es ist eigentlich erstaunlich, warum wohl sprachlich und begrifflich gerade die präzisesten Baumeister in der Natur, die Spinnen, diesem etwas wirr verhuschten, subjektiv undurchsichtig Empfundenen, ihren "Spinn"-Namen verleihen.

"Die spinnen, die Römer!" Mit diesem Ausspruch bringt deshalb Obelix sein Unverständnis über die Taten der römischen Legionäre zum Ausdruck - und jeder Leser weiß, was da bei "Asterix" gemeint ist ...

Dabei ist das oft wunderschöne Fangnetz einer Spinne eigentlich raffiniert und relativ klar strukturiert so aufgehängt, das möglichst viele fressbare Insekten und Minitierchen es anfliegen und aufsuchen, um sich dann darin an den klebrigen Fäden zu verfangen, und um dann von der lauernden Spinne verspeist zu werden, die durch den Zug der beteiligten Gewebefäden in ihrem Lauerstands-"Nest" sofort vermittelt bekommt, wo - in welchem Punkt des konstruierten Netz-Koordinatensystems sich die vermeintliche Beute befindet.

Dieses Spinnennetz-Koordinaten-System ist so genial überzeugend konstruiert, dass es bestimmt im Sinne der Bionik Pate stand für das Gradnetz der Erde, mit seinen Breiten- und Längengraden, das wie ein Spinnennetz um den Globus gelegt ist - also das diametrale Gegenteil von verhuscht und unpräzise ...

Der Begriff "Spinnen" wird aber auch benutzt, wenn es darum geht, mit dem Spinnrad neue Fäden zu quirlen: beim Verspinnen werden lose Fasern durch gleichzeitiges Verdrehen und Auseinanderziehen zu einem Faden verarbeitet.

Also auch etwas, was man von diesen Natur-"Drahtziehern", den Spinnen, gelernt hat: Fäden zu spinnen ...

Und dieses "Fädenspinnen" war dann auch der Ausgangspunkt zu den "Spinnstuben": Die Spinnstuben waren in den Wintermonaten Treffpunkte der unverheirateten Frauen. Üblicherweise traf sich ein Mädchenjahrgang, um für seine Aussteuer zu spinnen und andere Handarbeiten zu verrichten. Die gemeinsame Arbeit diente nicht nur der Geselligkeit; auf diese Weise konnte sowohl das noch nicht elektrisch verfügbare Licht in Form von Kienspänen, Kerzen oder Öllampen wie auch Heiz- und Feuerholz durch die gemeinschaftliche Nutzung gespart werden weshalb die Spinnstuben auch "Lichtstuben" genannt wurden. Die Spinnstube wird abwechselnd auf dem einen oder anderen Hof abgehalten, die Frauen und Mädchen spinnen, die Burschen machen Musik, oder es werden Volkslieder gesungen, Hexen- und Gespenstergeschichten erzählt und allerlei Kurzweil dabei getrieben. Die Spinnstuben dienten nicht nur dem Broterwerb, sondern waren Nachrichtenbörsen und kritisches Forum sowie Ort für jugendliche Kultur mit ihren ersten sexuellen Erkundungen des anderen Geschlechts und feuchtfröhliche Ausgelassenheit (aus WIKIPEDIA).

Und hierin schließt sich dann der Kreis, warum das "Verhuschte" und auch irgendwie Geheimnisvolle "spinnerig" ist: Die vielen Geschichten, Gerüchte und Falschmeldungen, die gesponnen wurden in der Spinnstube, die Prahlereien, die Gespenstergeschichten, die ein näheres Zusammenrücken der Geschlechter bewirkten und den Beschützerinstinkt weckten: Hier ist wohl der Ursprung der Namensgebung "Spinner" zu suchen - eine archaische NSA sozusagen ...

Und die Gebrüder Grimm fanden in diesen Spinnstuben ihre Märchen und Lieder und studierten die begriffliche und gesprochene Sprache in ihren umfangreichen Wörterbüchern ...

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Lore Hummel - 100. Geburtstag

Lore Hummel, geb. Guske (* 28. Juli 1915 in Karlsruhe; † 6. November 1997 in Neustadt an der Donau) war eine deutsche Kunstdesignerin, Bilder-/Kinderbuchautorin und -illustratorin.

Lore Hummel - Foto: beltz.de
1923 übersiedelte ihre Familie nach Nürnberg. Dort ging sie auch zur Schule und gründete eine Familie. Lore Hummel, die schon als Kind gern und gut gemalt hatte, studierte Kunst zuerst in Nürnberg und nahm ab 1950 privaten Zeichenunterricht bei Prof. Wolfgang Felten in München. Bedingt durch die Wirren des Krieges hatte es die Künstlerin nach Altmannstein verschlagen, wo 1939 ihr Sohn, der berühmte Pianist und Komponist Franz Hummel geboren wurde.

Rotkäppchen-Umschlagbild von Lore Hummel
Seit Ende der 1950er Jahre illustrierte und schrieb die inzwischen geschiedene Künstlerin (u.a. für den 1948 gegründeten Engelbert Dessart Verlag) zahlreiche Bücher für Kinder und wurde eine der bekanntesten Kinderbuchkünstlerinnen Deutschlands. Ihre fantasievollen Tier-, Elfen- und Zwergenreiche, in die eigene Kindheitsträume eingewoben sind, haben Eingang in viele Kinderzimmer gefunden. Lore Hummel illustrierte ca. 100 Bilder-/Kinderbücher, darunter Erzählungen, Märchen, Gebetbücher, Weihnachts- und Osterbücher und vor allem Wichtel-/Zwergengeschichten (vermutlich inspiriert durch die Werke von Ernst Kreidolf und Fritz Baumgarten). Darüber hinaus hat sie zahlreiche Sammelbände mit Liedern, Gedichten und Märchen herausgegeben und gezeichnet sowie Postkarten und Adventskalender (u.a. im 1951 gegründeten Adolf Korch Verlag) gestaltet. Von ihr stammen auch die Entwürfe zu den sogenannten Porzellan Lore-Figuren.

Im Marktmuseum in Altmannstein befindet sich eine Vitrine mit Porzellanfiguren, Originalzeichnungen sowie einigen Bilder-/Kinderbüchern der Künstlerin. WIKIPEDIA





Sonntag, 26. Juli 2015

S!NNTAGSMALER: EISPOINT - Schöller

S!NNTAGSMALER: beach|photography: EISPOINT - Schöller - mit mondsichel






















da bleiben vom tag
die spuren im sand
ungeordnet
hinüber herüber
durch ein ander
kreuz & quer

das eis ist längst
aus verkauft
& der boden
durch fachlich korrektes 
auf bocken
gerade gerückt
das abend hoch wasser
an der deutschen
nordsee küste
wird  1-3 deci meter
über dem mittleren
hoch wasser
ein treten
im hinter grund
hämmern rhythmen
aus einem alten vw käfer
& die möwen - 
die möwen 
verdauen gerade
& warten ab

haben alle zeit
der welt

sinedi


Faust im Modder ... Liu Bolin auf der NordArt 2015



Beim Anblick dieser überdimensionalen und doch eher schwebend aufgehängt wirkenden und silbrig in Metall gegossen Faust auf der NordArt 2015 in Rendsburg-Büdelsdorf fielen mir zunächst die kernigen ur-deutschen Begrifflichkeiten zu einer geballten Faust ein ...: Denn die Nationalsozialisten hatten seinerzeit den internationalen sozialistisch antikapitalistischen Begriff des "Hand- oder Kopfarbeiters" für ihre ideologischen Propagandazwecke adaptiert und dafür aber die Bandwurmbegriffe "Arbeiter der Stirn" und "Arbeiter der Faust" geprägt. Die klangen anscheinend besonders martialisch, grob, kraftvoll, willensstark, "arisch" - aber auch irgendwie gleichmacherisch - denn sie sollten einen in der "Volksgemeinschaft" gewollten gleichwertigen Stand zwischen den vorwiegend intellektuell Tätigen und Akademikern auf der einen Seite und den Handwerkern und Facharbeitern auf der anderen Seite neu definieren und zusammenführen - und das wiederum hatte wohl etwas mit dem damaligen volksdeutschen Verständnis von "Ehre" und der damit verbundenen gleichwertigen "Pflichterfüllung für Volk und Vaterland" aller leistungsfähigen und leistungswilligen "Volksgenossen" zu tun - auch um unzureichend Leistungsfähige und Leistungswillige entsprechend zu brandmarken und zu selektieren ...

Liu Bolin (China): FAUST - S!NEDi|photography



Aber diese hier installierte Skulptur von Liu Bolin (China) setzt diesem gemeinhin kraftstrotzenden Faustsymbol wohl doch irgendwie ein allerletztes Mahnmahl: Hier ertrinkt und verabschiedet sich justement das Kraft- und Willens-Symbol des 20. Jahrhunderts ... - Friede seiner Asche ... gluck-gluck - weg war es ...

Die Faust ist trotz ihrer Größe nicht bedrohlich und heroisch als Zeichen der Revolution und der aufbäumenden Kampfbereitschaft und der emsigen selbstlosen Fleißarbeit in die Höhe gereckt - sondern sie erglänzt silbrig im Sonnenlicht mild blinzelnd auf einem Inselchen inmitten eines kleinen mit Seerosen überschwommenen Teiches in einem fast asiatisch anmutenden Park auf dem Ausstellungs-Freigelände der NordArt - und ist kopfüber in den Sumpf gerammt - eine Faust aus dem Nichts - eine Faust wie aus dem Himmel - vielleicht aus einem geschlagenen Luftloch heraus ...

Mit diesem alten Faustsymbol kann die heutige globale Kultur insgesamt hoffentlich nur noch wenig anfangen: Die sensibel ausgestreckte Hand dagegen repräsentiert die tastende Kommunikation und die Kontaktaufnahme in der heutigen Zeit mit ihrem "Erspüren" der eigenen Befindlichkeit im Aufeinandertreffen mit den Befindlichkeiten eines Gegenübers - im gleichberechtigten Dialog ...

Ein alter Lehrer, der uns in die Geheimnisse germanistischer Raffinessen einweihte, rieb bei besonders kniffligen Fragestellungen immer gern die Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger kreisend aneinander und fragte dann vielsagend: "Spüren Sie das ?", wenn er uns sensibilisieren wollte für gefühlsmäßige Bedeutsamkeiten in der Sprache ...: Mit einer Faust - auch nicht mit einer silbernen - gelingt eine solche Bewegung nicht - und auch nicht diese defizile in-sich-hinein-horchende Geste ...

Gerade im Zeitalter der virtuellen Medien hat diese geballte Faust an Symbolik ausgedient: Was zählt ist das sensible Ertasten und Erspüren des Nächsten, der Situation, der Befindlichkeiten, des Jetzt & Hier ...

In meiner Kindheit noch hielten wir unsere Faust "aus Spaß" angeberisch dem Kontrahenten unter die Nase - mit den Worten: "Hier - riech mal -- riecht nach Friedhof" ... - denn aus den "Karl-May-Bänden" war uns "Old Shatterhand" ja geläufig, der Name stand ja englisch für „Alte Schmetterhand“ ... - für einen Faustschlag, der - einmal getroffen - "kein Gras mehr wachsen lässt" ...

IS und ISIS sind da an der türkischen Grenze noch Repräsentanten dieses uralten archaischen Faust- und Blut- & Boden-Prinzips ... - aber dieses Prinzip kommt keineswegs "silbrig glänzend" auf seinen letzten Tagen daher: Es ist das auf Erden allerletzte Sammelbecken für ideologisch-religiös gestörte und verblendete Menschen, denen das eigene verantwortungsvolle Denken und Tun abhanden gekommen ist oder nie ausgebildet wurde, und die sich so unter einen vermeintlichen gemeinsamen ideologisch-religiös verbrämten Schirm flüchten: Augen zu - und durch - koste es was es wolle ...: Selbstaufgabe ohne Aussicht auf eine positive Resonanz noch in diesem Leben  ... und wenn es denn im Hier & Jetzt mit den funktionierenden gleichberechtigten sozialen Kontakten nicht klappt, bleiben ja noch die 72 zu Dienste gehenden Jungfrauen im Paradies nach dem bösen Erwachen im Jenseits - eigentlich "nur" eine überdimensionierte erweiterte Selbsttötung im hirngewaschenen Wahn ...

Und auch die vielzitierte geballte "Faust in der Tasche" exponiert sich ja eben nicht glänzend im Sonnenlicht - und spiegelt nicht das Gewölk wider: Sondern hält die eigene Aggression trotz größter Herausforderung geradezu jesuanisch im Zaum - hält viel mehr "die andere Wange auch noch hin" - und nicht mehr "Auge um Auge - Zahn um Zahn" ...

Und dieses heldenhaft Heroische hat glücklicherweise wohl international insgesamt an Kraft verloren, wirkt etwas antiquiert und geradezu lächerlich, auch wenn immer wieder allerorten oftmals ein persönlicher "Kick" mit Adrenalinausschüttung gesucht und provoziert wird: in Arobatik, Mutproben, Extremsportarten - oder eben in IS- und ISIS-Selbstverpflichtungen usw. - und wer sich dem nicht stellt, gilt in irgendeinem Lebensabschnitt vielleicht irgendwo und irgendwann als "Memme" - aus einem anderen diametral gegenüberliegenden Fenster aber vielleicht trotzdem als eine Art verehrungswürdiger "Antiheld" - als der, der sich verweigert, der sich auflehnt, der nicht mitmacht, sich entgegenstellt, der aus dem Mainstream herausfällt ...

Die silbern geballte Faust-Installation von Liu Bolin, die sich im kräuselnden Nass widerspiegelt und die doch eigentlich nur in weichen Modderschlamm boxt - wie auf einen wehrlosen Sandsack - und wenn sie alsdann gänzlich zu Wasser gelassen ist, wird sie von schwebenden Wasserrosen endgültig überwuchert - und blinkt dann vielleicht grünspan- und algenbewuchert aus der Tiefe ...  

Freitag, 24. Juli 2015

Achtung - Tiefflieger




Im Lokalfenster eines TV-Senders kam die Frage auf, ob die Insekten, die Wespen z.B., heutzutage viel aggressiver zustechen als früher ...
Ein ins Studio eingeladener Dermatologe verneinte dies und wies darauf hin, dass durch Insektensprays in Ballungsräumen kaum noch Insekten aktiv seien - und die aggressiven ansatzlosen Stechattacken subjektive Empfindungen einzelner Betroffener seien...

Ich frage mich aber, ob nicht beide Beobachterseiten irgendwie Recht haben: Halb benommene Wespen, von Insektensprays beduselt, fliegen doch wahrscheinlich einfach Amok - und die wenigen aber immerhin tödlich Angezählten stechen im Falle eines Falles einfach blind zu ...
Ich weiß nicht, ob es Studien zu beduselten bekifften Insekten in Todesangst gibt - sonst her damit ...


Donnerstag, 23. Juli 2015

Wenn alles zusammenfällt



Die Zeiten zuammenzwiebeln
Zu einem Drahtseil
Gegenkunftwartzugangenheit
Oder so ähnlich
Nur das Hier & Jetzt noch
Das gilt

Das Zusammenplumpsen
In die Allgegenwärtigkeit
Näht die Saumnaht mit Ober- und Unterfaden
Zeigt allen was man so draufhat

Dabei den Nebel in der
Rechten Schädelkalotte geflissentlich
Ignorieren - das Tränen des
Rechten Auges wegputzen
Mit dem Tempo

Wegwischen all die Peinlichkeiten
Zu einem Silber Flügel Haufen
Wie bei den kleinen Flugameisen
Viel leicht wie sie schweben
Und mit der Zeit anfangen zu kribbelkrabbeln ...

sinedi


Mittwoch, 22. Juli 2015

Diskriminierung beim Schuhkauf



In fast allen Lebensbereichen hat sich der Mann inzwischen nach zähem aber mit Verbissenheit geführten Kampf gleichberechtigt etablieren können  - nur in einer frauenbeherrschten Domäne wird er weiterhin zum Affen gemacht - und er kann dort im wahrsten Sinne des Wortes "kein Fuß" fassen bzw kein Bein an die Erde kriegen:  Nämlich in der Schuhbranche ...

Wenn Sie einen Schuhladen für Schuhe beiderlei Geschlechts betreten, wird Ihnen auffallen, dass die Männerabteilung sich zumeist ein bis zwei Treppen hoch - oder ein bis zwei Treppen
hinunter befindet - jedoch niemals im leicht und bequem zugänglichen Parterre ...

Männer werden beim Schuhkauf eindeutig diskriminiert - wehrt euch - lauft barfuß ... - oder lasst eure Schuhe direkt auf dem Leisten handanfertigen ...

Es gibt eben Dinge, die Hand und Fuß benötigen ...

S!



Die Jungen Liberalen fordern eine Neuerfindung der FDP -

Das gab es bisher dazu an Erfindungen:

NATIONALLIBERAL
SOZIALLIBERAL
TURBOKAPITALLIBERAL
SPASSLIBERAL
NEOLIBERAL

.. und nu ...???

... und Möllemann schaut von unten zu ... - und Westerwelle klopft vorsichtig grinsend auf die Schenkel ...




SPIEGEL-Titel 45/2002

C&P-Reduktionen und Blüten




Nur noch ganz wenig "Copy & Paste" in diesem Blog verwenden ... - das ist mein Urlaubsvorsatz jedenfalls ... Mehr Ich einbringen - mehr Kommentar vielleicht - zu all dem Geraschel im alltäglichen Laub jedenfalls ... - aber auch von Befindlichkeiten berichten in mir und um mich herum - von Wahrnehmungen ... Mit Photos oder deren Bearbeitungen garnieren und würzen - dass es so meine Art hat ...



Dienstag, 21. Juli 2015

Totengräber



Auf neue Zählbarkeiten clicken
Sehen was kommt
Was da Gestalt annimmt ...

Das Morbide im schwange halten
Immer 10 mm über der Grasnarbe
Eh es ein Maulwurf vergräbt ...

Totengräber reinigen die
Fingernägel nur mühsam
Sie tragen deshalb die weißen Handschuhe ...

Die nach getaner Beisetzung abgestreift
In die Grube geworfen werden mit den Kondelenzbeigaben
Als einen der sogenannten letzten Grüße ...

Die Waage halten
Wie mit einer Photographierdrohne
Hauchdünn über die Krume schweben ...

Zum Auskundschaften all der
Begebenheiten von droben
Wie sich ein Engerling verpuppt ...

sinedi


Montag, 20. Juli 2015

FRAGEZEICHEN ?

Da stand ich heute morgen in der obligatorischen Brötchenholschlange vor der Verkaufsfiliale des Dorfbäckers hier: anfangs vor mir mindestens 12 Menschen in Reih und Glied aufgestellt - geduldig wartend - hinter mir dann  - nach und nach - setzte sich diese Kette fort mit nochmals 5-6 hungrigen Menschen.

Allmählich kam ich Schritt für Schritt dem Zeitschriftenangebot im Laden immer näher - und ich erkannte 4x untereinander die HUSUMER NACHRICHTEN mit der Aufmacher-Schlagzeile: AUFNAHMESTOPP - FEHLENDES FACHPERSONAL IN ALTENHEIMEN - und dann  - natürlich die BILD-Zeitung - aber nur gefaltet - uneinsichtig - von hinten ...
Herauskommende und entgegenkommende brötchenbepackte Menschen trugen hier und da verschämt eine ebenfalls unleserlich zusammengefaltete BILD unterm Arm - und ich konnte nur die Riesenschlagzeilenletternreste mit einem ? Fragezeichen? erkennen ...

Die BILD fragte sich oder uns oder wen auch immer irgendwas - aha ...

Beim Verlassen des Ladens mit meiner Brötchentüte unterm Arm las ich dann endlich die Fragezeichen-Schlagzeile: DER GROSSE VERGLEICH: WO GIBT ES AM MEISTEN RENTE?

Ich trug meine beiden Schwarzbrotbrötchen sinnend ins Ferienappartment - und wenn ich die HUSUMER mit der BILD-Schlagzeile verglich hatte ich lange daran zu knabbern und zu kauen ...

Merke: In deutschen Urlaubsgebieten ist die Versorgungslage der Bevölkerung so schlecht, dass man für einfache Brötchen schlangestehen muss ...

In diesem Land gibt es im internationalen Vergleich zwar genügend Rente - aber es wird die Lebenserwartung irgendwie künstlich zurückgesetzt ...

Das Fachpersonal in Altenheimen ist lebensbedrohlich ausgedünnt ...

Mit all diesen impliziten Maßnahmen lässt sich auf Dauer auch an den Renten sparen ...- die Absenkung des Renteneintrittsalters  und die  jüngste Rentenanpassung sind nur makabere Tricks - hin auf dem Weg zu einer umfassenden Altersabsenkung ...




Sonntag, 19. Juli 2015

Der Himmel über dem Paukenschlag

Das war ein echter Nolde-Himmel: So typisch schwefelgelb im bizarren blaugrau flauschigen Gewölk - aufgeschlitzt zerborsten irgendwie ...

Vielleicht vom Paukenschlag am Ende des Themas aus dem Adagio von Haydns gleichnamiger Sinfonie Nr. 94 G-Dur ...

Vielleicht eruptiert, explodiert unter diesen Erschütterungen ...

Das war ein wunderschönes Sinfoniekonzert da heute in der St. Peter-Kirche - mit Mozart und dem Konzert in D für Violoncello und Orchester... - von Haydn - vorgetragen von Niklas Jensen, einem  der vielen Jensens, die dort quasi als Familienverband immer mal wieder gemeinsam mit vielen Freunden musizieren ...

Und wenn ich hier schreibe, alles wirkte eher amateurhaft bei diesem Sinfoniekonzert in einer Kirche als so abgefuckt professionell, so meine ich das als Auszeichnung - nach dem gestrigen Erlebnis mit Professor Güttler - und seiner runtergespielten Profiroutine - die mir nichts sagte ...

Sinedi - St. Peter-Ording 19.07.2015

Meisterkonzert

Und hier geht es schon los ... - direkt aus dem urlaubsschweiss

meisterkonzert im kichlein am meer

dieser mächtig dröhnende orgelbass
schlängelt sich silberschwarz mir
in die magenkuhle
peitscht mir das histamin in die höh
und selbst das kunstvolle getröte
des professor güttler wirkt so stumpf
wie eine alte verrostete feile
sie kleben an seinen verhornten trompeterlippen
wie die fliegen am fliegenfänger

zu klein der raum
für dieses geknirsch
das glockengeläut war
dagegen ein genuss

sinedi 19.07.2015 st. peter-ording