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Kaleidoskop

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Freitag, 4. September 2015

S!NNTAGSMALER: HALBVOLL vs. HALBLEER


ist das glas nun halbleer oder halbvoll ... ???
das - so sagt man - sei eine frage der lebenseinstellung - 
vielleicht auch eine momentaufnahme
additive vs. subtractive
hinzuzählen oder abziehen
etwas gewonnen oder verloren
was macht den unterschied ... ???
die bilanz ziehen:
was bleibt unterm strich ... ???

S! 

Aylan (†3) ist tot ... - #KiyiyaVuranInsanlik | "impuls für die woche"


Foto: Nilüfer Demir  - (C) DHA - REUTERS u.a. - Quelle 













Aylan (3) ist tot ... -  #KiyiyaVuranInsanlik














Ich habe mir lange überlegt, ob ich diese traurige Bildikone auch hier ins Blog stelle ...  

Unzählige Male wurde das Foto von Aylan inzwischen auf Twitter unter dem türkischen Hashtag #KiyiyaVuranInsanlik geteilt - was so viel heißt wie «Die fortgespülte Menschlichkeit».

Für Aylan (†3) gibt es keine Hoffnung mehr. Aber wir alle könnten dazu beitragen, dass es solche Bilder nicht mehr gibt. 

Aylan Kurdi saß in einem von zwei Flüchtlingsbooten, die gestern Morgen auf dem Weg von Bodrum an der türkischen Küste zur griechischen Ägäis-Insel Kos sanken. Nur 15 Menschen schafften es an Land. Die türkische Küstenwache barg insgesamt zwölf tote Flüchtlinge aus Syrien. Drei gelten noch als vermisst.

Die Fotografin Nilüfer Demir sagt zu ihrem Bild: „Das Einzige, was ich tun konnte, war, seinem Schrei, dem Schrei seines am Boden liegenden Körpers, Gehör zu verschaffen. Und in diesem Moment habe ich das Foto geschossen. Hundert Meter weiter lag sein Bruder Galip am Boden.“

Der Vater Abdullah Kurdi erzählte unter Tränen von seinem Kampf, seine Familie vor dem Ertrinken zu retten. Hohe Wellen hätten das Boot zum Kentern gebracht. „Meine Kinder rutschten mir aus den Händen“, berichtete der Vater. „Es war dunkel und alle schrien. Deshalb haben meine Frau und meine Kinder meine Stimme nicht gehört.“ Vor Journalisten sagte er, die ganze Welt solle sehen, was mit ihnen auf ihrer Flucht vor dem Krieg passiert sei: „Lasst dies das letzte Mal sein.“ 

Neben Aylan und seinem Bruder starb auch ihre 27-jährige Mutter Rihanna, ihr Vater erreichte schwimmend das Ufer von Bodrum.

Ich habe mich dann entschlossen, hier im Blog das Bild zu zeigen - weil es hoffentlich ein Bild ist, das haften bleibt, das sich eingräbt - und das hoffentlich dazu führt, endlich innezuhalten - überall - bei    a l l e n    Regierungen und Institutionen dieser Welt - und auch bei Herrn Orbán - bei Herrn Assad - bei Herrn Netanjahu, bei Mr. Obama, bei David Cameron, bei Frau Merkel - um nur einige von ihnen namentlich zu nennen - bei allen, die heute wieder ihren Computer oder ihr Smartphone anschmeißen, um die Börsennachrichten abzurufen - und die heute wieder um die "marktkonforme Demokratie" ringen - und bei allen, denen die Vertriebenen- und die Flüchtlingsfrage einfach nur "sowas von am Arsch vorbei geht" ...

Und hoffentlich ist das Bild von Aylan nicht nur wieder einmal einfach ein Bild wie Tausende davor - der nächste Sensations-#hashtag, der mal kurz durch das globale Dorf gejagt wird - und dann: "Mund abputzen" - Augen zu - und durch ... - und dahinten kommt ja schon "das Nächste bitte" ... alle sind nur wieder einmal einen Momentlang betroffen - aber es gibt mal wieder keinerlei nachhaltigen Nachgang - und der Tod des dreijährige Aylan Kurdi wird wieder einmal zum x-ten Male einfach "egal" ... - und deshalb auch meine Bildbearbeitung - hier im nächsten Post ... denn dem zugrunde liegt ja tatsächlich die von uns allen mehr oder weniger zu verantwortende grausam verreckte Wasserleiche eines kleinen Dreijährigen ... - dem wir gemeinsam alle seine Chancen ersäuft haben - wie früher meine Oma das mit den überzähligen jungen Kätzchen nach jedem neuen Wurf gemacht hat - in einem Jutesack mit Backsteinen beschwert - im Brunnen hinterm Haus versenkt - aber davor sei ja mittlerweile das sicherlich europaweit geltende Tierschutzgesetz ...

Gestern wurde berichtet, das "seriöse" deutsche Medien "darauf verzichtet" hätten, dieses Bild auf ihre Titelseiten zu übernehmen wie das beispielsweise die britischen Massenblätter getan haben - angeblich um nicht in den Verdacht zu geraten - mit einem solchen Bild "Sensations-Stimmung" und "Auflage" machen zu wollen ... Aber - vielleicht hat diese pietätvolle Zurückhaltung auch trotzdem ein inzwischen viel raffinierteres "liberal-kapitalistisches - wirtschaftskonformes" Kalkül: Mit so einer Wasserleiche auf der Titelseit eines Boulevard-Blattes lässt sich nämlich "im Vorübergehen" - wie es bei den Massenmedien ja gefordert ist - tatsächlich kaum noch Auflagen-Knete machen - dem ist ja der Internet-#hastag in den Sozialen Netzwerken längst zuvorgekommen - und da beißt dann beim Kauf "im Vorübergehen" niemand mehr ad-hoc drauf an - wohl aber mit einer extra zur Schau gestellten angeblichen "vornehmen Zurückhaltung" - mit hehren "pietätvollen" und "würdevollen" Verpixelungen der Leiche des Jungen im Bild - und mit einem superdicken schwarzen Trauerrand auf der letzten Seite wie in der BILD-Zeitung - und dann natürlich mit der Berichterstattung über die Berichterstattung der anderen auch ausländischen Mitbewerber - und dem Interview mit dem Vater des Kindes und einer obligatorischen Tante in Kanada (fast so wie der "reiche Onkel aus Amerika") - zu der man eigentlich aus dem syrischen Kobane hatte aufbrechen wollen ...

Nun - was machen unsere Regierungen - von uns allen gewählt und bezahlt - was unternehmen sie jetzt für Kraftanstrengungen, wo sind ihre außergewöhnlichen nachhaltigen Lösungsvorschläge - wo ist die Gipfelkonferenz dazu, damit Aylans Tod sich nicht wiederholt - und der Tod von 71 Vertriebenen in einem Kühl-Lkw letzte Woche in Österreich - und der Beinahe-Tod von 24 Männern in einem Sprinter-Kastenwagen-Van, an dem die Schlepper die Türen zugeschweißt hatten - und der Tod von Tausenden und Abertausenden Ertrunkenen im Mittelmeer - damit das Elend endlich endlich ein für allemal gestoppt wird ... ????

Wann starten die ersten Lufthansa-Maschinen aus Tripolis, aus Damaskus, aus Kairo, Nairobi, Accra - aus Kabul und aus Islamabad um in einer Art "Luftbrücke" (wir älteren Deutschen kennen das ja noch - damals - aus Berlin ...) die Flüchtlinge und Vertriebenen, die zu uns wollen, sicher und mit einem Freiflug-Ticket zu holen ... - von den streikfreudigen Lufthansa-Piloten vielleicht zu neuen Tarif-Konditionen - um diese Flugreisenden dann zu registrieren, in Hotels und leerstehenden Kasernen einzuquartieren (The British Forces Germany verlassen ja Deutschland nach und nach in den nächsten Jahren ... - und die Bundeswehr wird immer kleiner ...), ihnen Aus-, und Fortbildungen und Eingliederungsmaßnahmen angedeihen zu lassen - wie sich das - Herrgottnochmal - für Christen und muslimische Menschen schickt - und eigentlich selbstverständlich sein sollte ...

Und die Türkei, die doch so gern zur €U gehören würde - warum kann sie keine Flüchtlinge vor Ort registrieren und normal wie andere Gäste bzw. Touristen behandeln - und dann in einen Flieger setzen, der vielleicht gerade Besucher dort abgesetzt hat: einmal Touristen - einmal Flüchtlinge - immer im Wechsel ... - und insgesamt etwas besser in die Puschen kommen als beim Mannschaftswechsel von Kevin Großkreutz (von Borussia Dortmund nach Gala Istanbul) ... Warum muss Vater Kurdi für seine Familie ein Schlepper-Boot von Bodrum nach Kos anheuern, wenn eine ganz normale Touristen-Fähre nebenan regelmäßig in nicht einmal 30 Minuten Überfahrt dorthin fährt, wobei die einfache Fahrt dort 20 €uro kostet, aber Aylans Familie bezahlt für die tödlich endende Schlepper-Überfahrt das Zweihundertfache, nämlich 4.000 Euro, wie der Vater berichtet ...

Wann werden die superrreichen arabischen Ölstaaten in der "Nachbarschaft" von Syrien und Afghanistan endlich politisch dazu motiviert und nachdrücklich aktiviert, ihre Glaubensbrüder aus der "Nachbarschaft" aufzunehmen - anstatt unsinnige Wüsten-Geisterhauptstädte in die Welt zu setzen und unsinnige Fußball-Weltmeisterschaften unter Glaskuppeln zu veranstalten und zum Bau dieser Monstren Sklaven beschäftigen, deren Hitzetod lapidar in Kauf genommen wird ... (wenn da zum Weltturnier niemand hinführe, hätte sich das erledigt ...) ...

Und wann und wo kann jede muslimische Familie ihren Glauben dort wie auch hier und überall in der Welt leben - egal ob Schiiten oder Sunniten - mit Schleier oder ohne Schleier - mit Burka oder ohne - und dadrunter mit geschminkten Augen und lackierten Fingernägeln - oder auch Christen aller Couleur oder Juden aller Couleur oder Voodoo's oder Agnostiker - oder - oder ... - Aber was ist daran das Problem ... ??? - außer vielleicht uralte Ressentiments aus unserem Kollektiven Unbewussten, die dort aber eher im Mittelalter eingepflanzt wurden und sich dort verbildet haben - und somit im 21. Jahrhundert überwunden werden sollten und könnten - die Welt ist doch inzwischen in ihrer Vielfalt ein ganz einfältiges globales Dorf geworden ... - und das alles im Miteinander wäre doch sogar mit den marktkonformen Demokratien kompatibel ... (Sicherung der Sozialsysteme - Konsum - Kaufkraft usw. usf.) ... - und sicherlich auch Gott und auch Allah gleichermaßen wohlgefällig ...

mit Zitaten aus der Neuen Westfälischen  - und dem "blick.ch"

Donnerstag, 3. September 2015

Aylan (†3) - Strandgut Bodrum | Bildbearbeitung | #KiyiyaVuranInsanlik | ... und nochmals "impuls für die woche" ...

Aylan (†3) - Strandgut Bodrum nach einem Foto von Nilüfer Demir |  #KiyiyaVuranInsanlik (click) | Türkei | S!NEDi|art [groß = auf das Bild clicken]









Die Leiche des kleinen Aylan (†3) wurde am Strand von Bodrum angeschwemmt - Aylan saß in einem von zwei Flüchtlingsbooten, die gestern Morgen auf dem Weg von der türkischen Küste zu einer griechischen Ägäis-Insel sanken. Nur 15 Menschen schafften es an Land. Die türkische Küstenwache barg insgesamt zwölf tote Flüchtlinge aus Syrien. Drei gelten noch als vermisst.

BODRUM | Die Stadt an der ägäischen Küste liegt, dem Binnenland abgewandt, in einer theaterförmigen Geländeausbuchtung aus den Ausläufern des Taurusgebirges. Die Küstenlandschaft bei Bodrum ist durch Inseln, Halbinseln, Buchten und Kaps reich gegliedert. In etwa einer halben Stunde erreicht man per Schiff die griechische Insel Kos.

Bodrum, das antike Halikarnassos (griechisch  Ἁλικαρνασσός), ist vor allem durch das Mausoleum berühmt, ein Grabmal, das sich der persische Satrap und König von Karien Mausolos II. noch zu Lebzeiten errichten ließ. Das riesige Mausoleum galt als eines der sieben Weltwunder der Antike. Nach ihm wurden ähnliche Bauwerke „Mausoleen“ genannt. 

Dank seiner Lage und des warmen, aber windreichen Mittelmeerklimas hat Bodrum wachsenden touristischen Zustrom, dem die Umgebung ihren wirtschaftlichen Aufschwung verdankt. Die Sommergäste kommen vor allem aus Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und in wachsender Zahl aus osteuropäischen Ländern wie Serbien und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Viele Familien aus Istanbul und Ankara verfügen hier über ein Sommerhaus und betrachten die Stadt als ihre Ferienresidenz. In Bodrum herrschen ideale Bedingungen für Surfen, Tauchen und alle Arten des Wassersports. Durch örtliche/staatliche Auflagen ist das Bauen in Bodrum auf maximal zwei Geschosse begrenzt, was Bodrum von anderen türkischen Touristenorten unterscheidet.

In der Burg von Bodrum befindet sich ein sehenswertes Unterwassermuseum. Prunkstück ist das Schiff von Uluburun, ein Wrack aus der Bronzezeit, das samt Fracht und Ausstattung gehoben wurde. Über die Herkunft des Schiffes gibt es viele Vermutungen, da man im Wrack Gegenstände aus dem mykenischen Griechenland, Zypern, Kanaan, Persien, Ägypten und Assyrien fand und die persönliche Habe der Besatzung ebenfalls aus vielen Ländern stammte. Möglicherweise war ein großer Teil der Ladung für einen mykenischen Palast bestimmt, aber es kann auch sein, dass Kaufleute an Bord waren, von denen einer jene hölzerne Schreibtafel benutzte, die ebenfalls erhalten blieb. (WIKIPEDIA)


Mittwoch, 2. September 2015

ÜBERGANGSZEITEN | # picturesc I - IV + V - VIII - S!NEDi|art


Übergangszeiten | Eine kleine Kunstausstellung - mit dem Titel # picturesc I - IV + V - VIII von S!NEDi|art ... Sie betreten eine kleine Galerie mit 8 Arbeiten - die in einem Anfall von unbändig kreativer Arbeitswut entstanden sind - und die - je nach Betrachtungsweise - Motive zeigen, die auf den bevorstehenden Herbst und Winter hinweisen - denn meteorologisch ist ja nun der Sommer 2015 vorbei - wie die Medien nicht müde wurden - uns darüber immer wieder erneut zu informieren - allerorten - und diese Dauerberieselung aus dem Äther und den Bildschirmen, Screens und Monitoren löst ja innen - in mir wenigstens - etwas aus ... - lassen Bilder zu, Einbildungen, die woher auch immer regelrecht in mir aufsteigen - bzw. sie kommen fast rülpsend aus mir hoch - und die somit "raus" wollen ... - Herzlichen Dank also für Ihr Interesse - und gehen Sie ruhig einige Male durch die Räume - und entdecken - mit den Augen - und auch mit dem inneren Blick - mit Kopf- und Bauchhirn also ... ;-))
Beachten Sie aber auch die unten folgenden Arbeiten - die noch so schön bunt sind - und alle dem scheidenden Sommer geschuldet sind ...
Ein bisschen geht es mir mit den meteorologischen Daten wie wohl dem Kevin Großkreutz jetzt bei seinen Übergangszeiten | : Gala Istanbul hat ihn zwar in letzter Minute von Dortmund verpflichtet - aber die FIFA-Absegnung steht noch wegen nicht erledigter Formalitäten aus ...: Der Sommer ist also vergangen - aber der Herbst/Winter hat noch [längst] nicht begonnen ... - Übergangszeiten | ...

Dienstag, 1. September 2015

ÜBERGANGSZEITEN | ... und es war alles so schön bunt hier - neue S!NEDi-arbeiten aus dem scheidenden Sommer 2015 ...


Übergangszeiten |  # und es war alles so schön bunt hier ...

# blind fleck

# esparge

# sprueh angriff

# brust bottle

# heaven ladder





Sonntag, 30. August 2015

Ablasshandel: Schizophrenitäten vs. Nachhaltigkeit



Waldvernichtung für Nickel- und Cobaltminen auf Madagaskar: 
Die reichen Länder profitieren, die armen leiden - Foto: AFP | SPIEGEL-ONLINE


Schizophrenitäten vs. Nachhaltigkeit

Die €U hat 2005 verkündet, die Ausgaben für Entwicklungshilfe bis 2015 auf eigentlich immer noch recht bescheidene 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung anzuheben - und warf sich damit stolz in die Brust: Doch dieses Ziel hat sie seit mittlerweile 10 Jahren krachend verfehlt: Der Anteil dümpelt bei rund 0,4 Prozent - und für die afrikanischen Staaten südlich der Sahara, aus denen viele der gestrandeten Flüchtlinge stammen, haben die €U-Länder ihre €ntwicklungshilfe sogar noch zurückgefahren. Nach Angaben der OECD sank sie zwischen 2005 und 2013 inflationsbereinigt von 18 auf 12 Milliarden Dollar pro Jahr - ein Rückgang um ein volles Drittel.
  • Und nun will die €U beim €U-Afrika-Gipfel im November auf Malta mehr als eine Milliarde €uro an zusätzlichem Geld für einen €U-Afrika-Treuhandfonds anbieten, deren Auszahlung nun aber davon abhängen soll, dass afrikanische Staaten ihre jeweiligen in €uropa gestrandeten Flüchtlinge zurücknehmen.
Das ist ein perfider - ein verabscheuungswürdiger und wahrhaft unchristlicher Deal, der da angezettelt werden soll: Zuerst trocknet man die "Entwicklungshilfe"-Reserven für Afrika stickum und heimlich still und leise nach und nach aus - um dann mit einem lächerlichen Stückchen Zuckerli die Vertriebenen in einer Art "Ex- und Hopp-Prozess" zurück zu beordern in ihre Heimatländer ... - Und dabei - wie früher "der reiche Onkel aus Amerika" - mit ein paar Bündeln €uros hin und her zu wedeln: komm - schnapp und friss ... - schwarzer Mann ...

Und dann geht eine solche "Rückführung" natürlich per Flug und Begleitpersonal und allem dazugehörenden Pipapo und Haste-nicht-gesehen vonstatten, was aber umgekehrt und andersherum als eine vielleicht völlig legitime Ausreisemöglichkeit mit einem Visum von den entsprechenden Konsulaten und Auslandsbehörden, schon ausgestellt in den afrikanischen Staaten, bisher strikt verweigert wird ... Gerade mit solchen bürokratischen Verweigerungen werden die wirtschaftsvertriebenen Fluchtwilligen ja erst in die Arme der aussaugenden Schlepperorganisationen und damit letztlich in diese seeuntüchtigen Nussschalen-Boote da über das kalte gefährliche Mittelmeer getrieben ...

Und nachdem diese Menschen dann ihre waghalsige Odyssee über eben dieses Mittelmeer per Schlepper- und Schleuser-Banden oft genug unter Lebensgefahr auf eigene Rechnung mit dem mühsam zusammengebettelten Geld aus Verwandtenkreisen glücklich überstanden haben - und sich hier im "christlichen Abendland" €uropas - hier vor Ort - eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder erhoffen - "verkauft" man sie einfach zurück nach einem einfachen "Return-to-Sender-Prinzip" - also eine einfache neo-liberal-kapitalistische Ad-hoc-Problemlösung - wahrscheinlich ganz im Sinne einer weltweiten "marktkonformen Demokratie"

Da werden Menschenschicksale flugs zu einer verhandelbaren Masse mit den längst zur Verfügung stehenden rechnergesteuerten Algorithmen-Verfahren hoch- und abgerechnet, und so werden dann einfach hin-und-her zu pokernde Summen und Zahlen für die €U-Afrika-Gipfelkonferenz im November ermittelt: Denn Geschäft ist Geschäft - insgesamt praktiziert man das ja auch ähnlich beispielsweise schon bei der Giftmüllbeseitigung und dem Endlagern von Elektronikschrott und deren Verklappungen aus €uropa in diese afrikanischen Staaten  ... 

Und das nennt man dann wahrscheinlich stolz "tätige Aufbauhilfe" - "Hilfe zur Selbsthilfe" und all diesen Zinnober, den man sich als "Marke" und "Humanitäre Hilfe" einfallen lässt - das "Kindmuss ja einen seriös klingenden Namen haben ... [eigentlich ist es ja nichts anderes als ein seit dem Mittelalter bekannter Kopfgeld- und Sklavenhandel - nur andersherum als früher] ...

Und dass die €U mit solchen Überlegungen und Praktiken ebenfalls zu einer multinationalen und perfekt organisierten Schlepper- und Schleuser-Organisation für diesen umgekehrten Weg mutiert, das hat sie vielleicht selbst noch gar nicht bemerkt ...

So verkommt Entwicklungshilfe zum schnöden ebenfalls bereits im Mittelalter praktizierten Ablasshandel - damals ganz ohne computergestützte Algorithmen. Dabei kann intelligent eingesetzte, langfristig wirkende Unterstützung ein probates Mittel gegen Fluchtbewegungen sein. Allerdings muss sie dafür von der Umwelt-, der Außen-, der Wirtschafts- und der Sicherheitspolitik intelligent und "nachhaltig" flankiert werden. Und nicht zuletzt auch vom Verhalten der Verbraucher. Doch meist geschieht das genaue Gegenteil:
  • Die Europäer überweisen brav Hilfsgelder und Spenden, wenn Stürme oder Fluten Tausende töten - blasen aber weiter fröhlich Treibhausgase in die Luft, was solche Wetterkatastrophen wahrscheinlicher macht. 
  • Sie bauen Märkte in armen Ländern auf, um sie dann mit subventionierten Produkten zu überschwemmen. 
  • Sie kaufen gern billige Kleidung, die für Hungerlöhne hergestellt wird. 
  • Sie lieben günstige Smartphones, für die Minerale unter katastrophalen Umständen aus der Erde gekratzt werden. 
  • Sie kaufen Früchte aus Ländern, die für den Anbau ihre letzten Wasserreserven verschleudern. 
  • Konflikten vor der eigenen Haustür sehen sie oft nur zu (wie in Syrien) oder verlieren sie nach einem kurzen Eingreifen aus den Augen (wie in Libyen). 
Die Folgen dieses Tuns treffen genau jene Länder, deren Menschen jetzt an Europas Grenzen auf der anderen Seite am NATO-Stacheldraht kratzen - oder die in irgendwelchen Kühllastern an der Autobahn elendig verrecken ...

Und wie würgte doch Max Liebermann schon seinerzeit: 
„Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“

Mit Anregungen und Materialien aus (clicken)

Samstag, 29. August 2015

S!NNTAGSMALER | Triptychon - klappbar

S!NEDi | Tripp | 2 red | 1 green | S!NNTAGSMALER | 315 x 102 cm | klappbar


KLÜCKSKLEE_KUH - AUSSICHT beim Wi[e]dermampfen ...

 Wächst das Gras und frisst die Kuh
Gleicher Takt und Seelenruh’ –
Kauend füllt sie mit Behagen
Pansen-, Netz-, Lab-, Blättermagen ...




hänsel aus eritrea ...





abgestorben fahle mehlfingerkuppen
trommeln zwanghaft auf die durchtränkte wasserplanke:
automatisch - wie ein frierender frosch
doch schon schwächeln die schwimmbewegungen
bevor sie dann ganz weghuschen

wie fährt man ein schicksal hoch

zu lesbaren zahlenreihen -
vielleicht auf einem zeitstrahl
von null bis neun - dann zweistellig weiter
und wie erfährt man es 
in all seinen möglichen varianten
wie misst man schmerz
wie misst sich trauer
wie groß ist verzweiflung

und - gibt es verdreiflung

vervierflung
verfünflung gar -
mit wieviel nullen
mit wieviel nullen schreibt man das

wie berechnet sich

ein leidensquotient
und wie berechnet
sich das fett
an hänsels fingern
bei der abschätzung durch die hexe

wie zügelt sie ihren appetit

wie verschmäht sie diesen happen
und wann ist unser hänsel endlich dran mit dem fell
was man ihm über die ohren zieht

natürlich kommt unser hänsel aus eritrea

und natürlich haben ihm seine eltern
weiße kiesel ins schlepper-boot gestreut
die im mondlicht weißblau blinken
und er hält das schwesterchen
ganz fest - ganz fest
ehe es dann doch in den fluten - versinkt
und ertrinkt - das gretel

und - ist denn die feuerklappe

in modernen ölheizungen
eigentlich groß genug
für einen finalen stoß
heutzutage
gegen eine dürre alte frau
die auf einem besenstiel reitet

hänsel wird von hilfskräften

der griechischen küstenwache 
vor kos aus dem wasser geborgen
kurz bevor in ihm das summen - ...
... ein andauerndes mitteltonfrequentiertes summen 
in ihm erwacht
mit randständigen
vibrationen bis hinauf
zu den schläfenlappen
in sandtönen beigegelbbraun - dumpf -
rieselnd knirschend - auch lehmig
afrikanisch halt ...

ein recht auf|bleiben nachts

im stehen schlafen
nicht hinlegen - aufbleiben
wecken pünktlich
durch den eingebauten tinnitus
seither - zwischen den ohren
salzwasser-summen ... 
trommelfell-summen
luftschutzsirenen
summen in zahlen ... zahlen
ohne reset-taste

welchen schulabschluss

haben sie eigentlich, herr hänsel 
wo liegt denn ihr numerus clausus
wenn sie verstehen - was ich meine
und - und wollen sie denn 
wollen sie denn dann nicht lieber
nicht wieder zurück - zurück
nach eritrea ... ???
und - wenn ja - 
warum denn nicht ... ???
herrgottnochmal - ich meine
um gottes willen:
was wollen sie hier bei uns
denn machen
herr hänsel


sinedi



Freitag, 28. August 2015

Flüchtlingstote in Österreich: Ihr kommt hier rein ... - impuls für die woche ... - mit Update vom 29.08.: Schicksale als Handelsmasse




Untersuchungen der Spurensicherung am Kühl-Lkw in Österreich - DPA | SPIEGEL-ONLINE




Inzwischen gibt es die feststehende Gewissheit, dass in diesem einfach so an der Autobahn geparkten Kühl-Lkw 71 Syrien-Vertriebene zusammengepfercht qualvoll in einem vielleicht stundenlang andauernden verzweifelten Todeskampf erstickt sind (laut "zeit.de" vom 28.08. - 11.40 Uhr - sind es insgesamt 4 Kinder - 3 Jungen im Alter von etwa 8 bis 10 Jahren, und ein Mädchen, das wohl noch keine 2 Jahre alt war - und 8 Frauen und 59 Männer) - die den Schleppern dafür auch noch Geld zahlten - das alles ist einfach mitten in €uropa zu sogenannten "Friedenszeiten" Anno 2015 einfach unfassbar - und dieser 71-fache Massenmord vor unserer Haustür lässt uns und die Politiker im "Augen zu - und durch - schon morgen kommt eine neue Schlagzeile" - hoffentlich endlich einmal innehalten ...  
Wie qualvoll die Flüchtlinge umkamen, wie sie noch verzweifelt um ihre Leben kämpften, legt ein Bericht des ORF nahe. Demnach sollen die Menschen noch versucht haben, sich aus dem Lastwagen zu befreien. Der Laderaum des Fahrzeugs sei von innen nach außen ausgebeult und teilweise aufgeschlitzt, heißt es.  
Nur bedingt geben vielleicht mittelalterliche Horrorabbildungen und vielleicht auch die Bilder von den letztlich vorgefundenen Leichen in den deutschen KZs nach dem Erreichen der Befreiungsarmeen dort im Frühjahr 1945 in etwa wieder, was da an Elend und Brutalitäten diesen Menschen in diesem Kühlwagen widerfahren ist ..., aus dem dann nach Tagen das Leichenwasser herausrinnt und an dem Tausende von Autos einfach ahnungslos vorbeidonnern ... - und die eigentlich nach ihrer oft halsbrecherischen Fahrt über das Mittelmeer nur nach einem Stück Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit im gelobten christlichen Abendland suchten: Völlig ehrlos und ohne jede Würde - einfach stickum verreckt an irgend einem Autobahn-Farbahnrand fern ihrer Heimat ... - weil ihnen immer noch kein legaler Ausreiseweg per Flug oder Bus oder Eisenbahn aus ihrer Notlage von den angeblich so christlich geprägten europäischen Regierungen in deren Auslandsvertretungen angeboten wird ... 
Stattdessen will man nun die Schlepperbanden stärker unter Kontrolle nehmen - und gegen Milliardenbeträge bzw. entsprechender Aufstockung von "Entwicklungshilfe" an Afrika die Flüchtlinge in einer Art "Ex- und Hopp-Prozess" zurück beordern - jetzt natürlich per Flug und allem dazugehörenden Pipapo und Haste-nicht-gesehen, nachdem diese Menschen ihre waghalsige Odyssee über das Mittelmeer per Schlepper und Schleuser unter Lebensgefahr auf eigene Rechnung mit dem mühsam zusammengebettelten Geld aus Verwandtenkreisen überstanden haben - nun also eine einfache neo-liberal-kapitalistische Ad-hoc-Problemlösung im Sinne der "marktkonformen Demokratie": ein einfaches "Return-to-Sender-Prinzip" - Menschenschicksale werden flugs zu einer verhandelbaren Masse mittels rechnergesteuerten Algorithmen-Verfahren hoch- und abgerechnet, und so werden dann einfach hin-und-her zu pokernde Summen und Zahlen ermittelt: Geschäft ist Geschäft - insgesamt praktiziert man das ja auch ähnlich beispielsweise schon bei der Giftmüllbeseitigung und dem Endlagern von Elektronikschrott und deren Verklappungen aus €uropa in afrikanische Staaten  ... 
Aber dass die €U mit solchen Überlegungen und Praktiken auch zu einer Schlepper- und Schleuser-Organisation für den umgekehrten Weg mutiert, das hat sie vielleicht selbst noch gar nicht bemerkt ...
Und genau an diesem Tag - mit einer so furchtbar perfiden Gewissheit und den dazu weiterhin tiefbohrenden Fragen - sagt die vor 3 Jahren in weiser Voraussicht in Herrnhut (Oberlausitz) gezogene und für heute maßgebliche Tages-Losung (© Evang. Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine):
Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, auch Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen.
Jeremia 31,8 - 
und in Jeremia 31,9a heißt es sogar weiter: "Sie werden weinend kommen und betend, so will ich sie leiten; ich will sie leiten an den Wasserbächen auf schlichtem Wege, dass sie sich nicht stoßen ..." 
und der Lehrtext aus dem NT dazu:
Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.
Lukas 14,23
Picasso's Wahlspruch lautete: "Ich suche nicht - ich finde ..." - ja - und diese "Zufalls"-Strategie des "passenden" Auffindens genau zur rechten Zeit hat auch just an diesem dunklen Tag diese hellen Worte zur Losung bestimmt. 

„Heute geschlossene Gesellschaft!“: so kann man es ab und zu an der Tür eines Restaurants lesen, und so lesen es auch die Vertriebenen aus Syrien und Eritrea und aus Libyen permanent und virtuell angepappt an den Grenzzäunen €uropas: „Out of bounds!“ - Zutritt verboten - und die Botschaft ist unbarmherzig klar: „Ihr kommt hier erst einmal nicht rein!“ Manchmal erhaschen sie vielleicht einen Blick durch die dichten Stacheldrahtmaschen der Grenzzäune - hinüber in das "gelobte Land" - und sie denken „Da wäre ich gerne dabei!“, vor allem, weil sie Hunger haben und völlig übermüdet und erschöpft sind und nun weiter nach Essen und einen Platz zum Ausruhen suchen - doch stattdessen: „Heute geschlossene Gesellschaft!“



Ganz anders klingen die Worte Jesu: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. [Matthäus 11,28] ... - Geh hinaus auf die Landstraßen und such sie auf an den Rändern der Autobahn und geh an die Grenzzäune und nötige alle Vertriebenen und ziellos Umherirrenden hereinzukommen, auf dass mein Haus voll werde. [nach Lukas 14,23]“ 

Das ist seine große Einladung an die gesamte Welt und auch an uns. Wir dürfen zu ihm kommen, mit allem, was uns belastet, mit den tonnenschweren Sorgensteinen, die uns den Atem nehmen und mit den Seelenqualen, für die wir sonst keinen anderen Ort wissen. Und wir dürfen auch jetzt zu ihm kommen, wenn wir ihm von dem aufgefundenen mit erstickten Leichen gefüllten Lastwagen erzählen und deshalb unser schlechtes Gewissen erleichtern müssen ...

Aber wir würden Jesus völlig falsch verstehen, wenn er nur die Mühseligen zu sich riefe. Auch die Fröhlichen, die Starken, die Erfolgreichen haben Platz bei ihm - die, die schon "drinnen" hinter dem Grenzzaun der €U wohnen ... - Aber das ausnahmslos alle kommen dürfen, dass wir kommen dürfen mit unserer Lebenslast, das macht ihn so besonders. Das schenkt uns so großen Trost. Jesus will mit allen an einem Tisch sitzen - jeder soll seinen Platz finden - ob Schwarz oder Weiß - ob Reich oder Arm - ob Jung oder Alt - ob Mann oder Frau - ob Muslim oder Christ oder Jude oder Hindu - oder Voodoo-Gläubiger - und ganz explizit besonders noch: " Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes." (Matthäus 19,14) ...

Jesus lädt also dazu alle bereits vor gut 2000 Jahren ein - ohne Visum, ohne Pass, ohne "Bleiberecht" - aber die Regierungen all dieser angeblich christlich geprägten Staaten hüten ihre Grenzen - und ihren Besitz - ihren "Wirtschaftsraum" wie ihren Augapfel - und tun sich so schwer mit echter Gastfreundschaft und guter Herberge ..., mit Eingliederung und Inklusion ... 

Um uns vor Augen zu führen, was Jesus meint, erzählt er uns das Gleichnis vom großen Abendmahl. Und wenn die Menschen der Zeit Jesu von diesem großen Fest hören, dann wissen sie: da ist das Himmelreich hier auf Erden gemeint - das ist bereits das "Reich Gottes" - alle zusammen - alle gemeinsam an einem Tisch ... So wird es sein, wenn wir mit Gott die neue Welt hier unten in real life vollenden. Wie eine Riesen-Fete, eine Hochzeit, ein großes Abendmahl. So ist es gleich klar: das, was Jesus hier erzählt, handelt von diesem Reich Gottes und von uns und von der großen Freude, die uns erwartet. Und es heißt hier nicht „Heute geschlossene Gesellschaft! - Out of bounds!“, sondern „Kommt, denn es ist alles bereit!“ [Lukas 14,17]. Alles hat Gott für seine Geladenen vorbereitet. Nun soll es losgehen, nun soll im Miteinander gefeiert werden. Doch jetzt passiert etwas, was wir vielleicht auch von anderen Feierlichkeiten kennen: Die Eingeladenen sagen ab. Und zwar nicht einer, sondern alle - einer nach dem anderen - und jeder schiebt andere Gründe dafür vor ... Enttäuschend und verletzend ist das natürlich für diesen freigiebigen Gastgeber, der mit uns - face to face - an einem gemeinsamen Tische sitzen will ... 

Denn für die, die absagen oder nicht kommen können, ist scheinbar Anderes wichtiger als das große Fest: Mein Visum ist nicht fertiggeworden - das wird uns verweigert - ich bin in Abschiebehaft - ich habe kein Bleiberecht - der Schlepper wartet noch auf seine letzte Rate, ehe er uns mitnimmt ... Und die, die bereits "drinnen" wohnen sagen ab, weil sie nicht mit "diesem eingeladenen Pack" an einem Tische sitzen wollen ... - weil "die vielleicht mit den Fingern" ihr Kichererbsen-Humus essen wollen - und vielleicht nur die andere, die in den Boden eingelassene Hock-Toilettenschüssel benutzen möchten, weil sie hygienischer ist - und weil sie es so gewohnt sind ... - und mit Andersgläubigen essen die einen vielleicht grundsätzlich nicht ... Auch weil mit denen ja sowieso nicht über die letzten Aktienkurse in ihrem Auf und Ab zu diskutieren ist - und nicht über die Bundesliga-Mannschaften und die Tabelle und das letzte Tor von Reus neulich im €urocup-Spiel - über was soll man also mit diesem "Pack" reden...


Foto: AP | SPIEGEL-ONLINE

Und der Ruf: „Kommt, denn es ist alles bereit!“ wird insgesamt ignoriert. Sie haben Anderes im Herzen. Denn diese Einladung muss mit dem Herzen gehört werden, sonst hört man sie gar nicht. Die Einladung bedeutet nämlich: Alles ist bereit für dich! Aber die Eingeladenen sagen: Ich will nicht! Ihr Herz ist verschlossen. Ein verschlossenes Herz aber hört eine solche Einladung Gottes einfach nicht, nämlich mit ihm gemeinsam reinen Tisch zu machen. Eine solche Einladung prallt dann ab an den Dingen, die wir vor unserer Herzenstür stellen: ein Visum, eine Hock-Toilette, die Börsen-Kurse, das Reus-Tor ...

Doch der Gastgeber da im Gleichnis will feiern. Er schickt seinen Knecht noch einmal los. Nun werden die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen hereingeführt, die Stadtstreicher, die Huren, die Durch- und die Vertriebenen, die Flüchtlinge - die, die alle ihr Packerl zu tragen haben... Und weil dann noch Platz ist, kommen auch noch die Landstreicher und Tippelbrüder und -schwestern von der Straße - und die Streunenden, Umherirrenden von den Autobahnen, die Vertriebenen und Flüchtenden. Denn der Ruf „Kommt, es ist alles bereit!“ gilt  ja noch - für alle ausnahmslos. 

Grenzzaun €uropa - Ihr davor - und Wir dahinter ... - Bild: epa ANA/picture alliance/dpa


Nun sitzen sie da, und ich kann sie vor mir sehen, diese Mühseligen und Beladenen, ungläubig staunend über das wunderbare Essen und die Freundlichkeit des Herrn, der sie freudig empfängt. Sie können ihr Glück kaum fassen. Denn das hatten sie niemals im Leben erwartet. Denn eigentlich war es doch klar: blind, lahm und vertrieben und verkrüppelt, von Armut und Erschöpfung gezeichnet, und vielleicht sogar Muslim statt Christ, hatten sie doch hier nichts zu erwarten. Und ihre Bedürftigkeit sieht man ihnen doch gleich an. Und fragen wir uns ehrlich: Wer von uns würde sich mit Solchen zu einem Festessen an einen Tisch setzen wollen? Mit Solchen, denen man sofort ansieht, was mit ihnen los ist. Nun erzählt uns Jesus seine Gleichnisse ja vor allem, um uns zum Staunen und zum Nachdenken zu bringen. „Du würdest dich mit so einem nicht an einen Tisch setzen. Aber bei Gott haben sie ihren Platz!“ 

Nun würden wir Jesus wieder falsch verstehen, wenn wir aus ihm einen Sozialromantiker machten. Jesus Christus warnt uns immer wieder vor den Folgen, die der Reichtum auf unser Herz auswirken kann. Aber zu denken, nur die Armen werden gerettet und die Reichen verdammt, denkt anders als Christus. Denn Christus will in unser Herz. Er weiß doch, wie bedürftig wir sind, auch die Reichen - auch der 24-jährige Fußballer Kevin de Bruyne mit seinen 18 Millionen Jahresgehalt ... Und er weiß auch, wie oft wir unsere Bedürftigkeit verstecken und uns schämen - trotz dem Allen - trotz diesen ungereimten Verrücktheiten ...

Die Blinden, Lahmen, Verkrüppelten und Landstreicher, die Huren und die Vertriebenen, die können ihre Bedürftigkeit gar nicht verstecken. Denen ist es doch anzusehen, dass sie arm dran sind. Die suchen einen Ort, wo ihre Sehnsucht gestillt wird, wo sie Freude und Leben erfahren können. Vielen von uns fällt es schwer, unsere Bedürftigkeit zu zeigen. Kirche, so sagen wir gerne, soll da sein für die, die sonst keinen Raum haben. Und das ist auch gut so. Aber wir machen Kirche viel zu klein, wenn wir sagen: sie soll nur da sein für die, die am Rand stehen. Wie sollten wir uns denn um dies kümmern, wenn es nicht die Reichen gäbe, die mit ihrer Kirchensteuer dazu helfen, dass diese Hilfe überhaupt stattfinden kann?! Nein, es geht Jesus um die Herzenshaltung - um Herzensbildung, wie man Anfang des letzten Jahrhunderts in höheren Töchterschulen gerne lehrte. Und das ein Armer, Verkrüppelter und Benachteiligter sich nach Zuwendung und Hilfe auch von Gott sehnt, das ist doch deutlich, ist offensichtlich.

Unsere eigene Bedürftigkeit aber verstecken wir doch lieber schamvoll: Wir schieben lieber Anderes vor: die Yacht, die Pferde, das Bankdepot, das neue Auto, die Datsche, das Haus, weil wir damit sagen: Wir doch nicht - Ick bin Ick - Wir sind Wir - Mia san Mia - "Wir sind das Volk" ... Wir haben Gott gar nicht nötig. Wir brauchen das gar nicht, dass Gott sich um uns kümmert. Martin Luther sagt, es gibt eigentlich nur zwei Wurzelsünden, Verzweiflung und Überheblichkeit. Die Verzweiflung  lässt uns zu klein von Gott denken, dass er uns doch nicht helfen kann. Die Überheblichkeit lässt zu groß von uns selbst denken. Gottes Hilfe? Brauch ich nicht. Mir geht’s doch super! 

Wenn wir wüssten, wie oft wir uns mit unserm Stark-Getue vor Gott lächerlich machen - ein Getue, das eigentlich aus unserer latent vorhandenen Angst vor Nichtbeachtung und Versagen und aus einer dadurch vielleicht uns gegenüber ausbleibenden oder uns nicht genügenden Anerkennung, Würdigung und Aufmerksamkeit hervorgeht. Dabei müssen wir vor Gott doch gar keine solchen Ängste haben. Bei ihm ist so viel Platz, und der freut sich, wenn wir endlich seiner dringenden Einladung zu ihm folgen. Nicht, dass wir etwas vorweisen können an Leistung ist wichtig. Nur dass wir seinem Ruf mit offenem Herzen folgen. Das können wir aber nur, wenn wir unsere eigenen Bedürftigkeiten selber sehen und sie auch ehrlich zeigen vor Gott. Wenn wir seiner Einladung folgen, dann werden wir verändert, allein dadurch, dass wir ihr folgen. Denn in Gottes Augen sind wir es wert, dabei zu sein bei seinem Lebensfest. In Gottes Augen sind wir liebenswert - so wie wir wirklich sind - ganz ungeschminkt - mit allen unseren eigentlichen Stärken und Schwächen gleichermaßen. „Heute geschlossene Gesellschaft!“: das steht nicht an der Tür zum Festsaal Gottes. Sondern: Ihr kommt hier rein - Du kommst hier rein ... Aber nur, wenn du du selbst bist und nicht der, der du gerne sein willst. „Kommt, denn es ist alles bereit!“ 

Und nach dieser Flüchtlingstragödie diesmal direkt vor unserer Haustür an einer österreichischen Autobahn (auch im Mittelmeer sind wahrscheinlich ebenfalls in den letzten 24 Stunden wieder Hunderte von Vertriebenen aus gekenterten Nepper-Schlepper-Bauernfänger-"Rettungs"booten vor der libyschen Küste zu Tode gekommen) hat die evangelisch-lutherische Kirche abermals legale abgesicherte Zugänge nach €uropa gefordert. Dies sei der einzige Weg, dem Schlepperwesen den Boden wegzuziehen, sagte Bischof Michael Bünker in Wien.

Durch eine Abschottung der "Festung €uropa" und eine schärfere Verfolgung der Schlepperei werde kein Mensch, der in €uropa Schutz vor Krieg suche, abgehalten. Vielmehr würden nur die Preise steigen und das Risiko für Flüchtlinge größer, in Lebensgefahr zu geraten.

Bünker zeigte sich tief erschüttert über Tod der Flüchtlinge in einem Lkw. "Mitten unter uns hat der grausame Tod diese Menschen getroffen. Tausende sind vielleicht schon seit Tagen ahnungslos an dem Lkw vorbeigefahren." Jetzt sei es Zeit, sich der Realität zu stellen, "weil sich nicht nur in fernen Ländern, vor Lampedusa oder Kos, sondern mitten unter uns zeigt: Das Fehlen eines gemeinsamen Vorgehens Europas hat tödliche Auswirkungen auf schutzsuchende Menschen."

"Wir sind es den Toten von Parndorf schuldig, dass sie in würdiger Weise und in ihrer religiösen Tradition eine letzte Ruhestätte finden", sagte Bünker einer kirchlichen Mitteilung zufolge. Wenn möglich, sollten ihre Angehörigen ausgeforscht und eingeladen werden.

nach einem Foto von: © Thiele | goettinger-tageblatt.de



Mit Anleihen und Gedanken aus einer Predigt von Peter Schuchardt


Donnerstag, 27. August 2015

Banksy-Park "Dismaland"


Ein "echter" etwas frivoler und nicht kindgerechter Banksy in "Dismaland" | REUTERS/Toby Melville


Banksy-Park "Dismaland": 
"Der glücklichste Ort auf Erden"

Da komme ich als Banksy- und Streetart-Freund ja gar nicht umhin, hier Banksys neuestes Oeuvre vorzustellen: DISMALAND - eine greifbare Satire auf alle Erlebnis- oder Themenparks dieser Welt ...

FOTO: YUI MOK—PA PHOTO
Wo Cinderella verunglückt und die weiße Kürbiskutsche auf dem Rücken liegt, die gebrochenen Räder ragen in den dunklen Himmel. Noch gurren die beiden Tauben, die an der Schleife des Ballkleids ziehen. Doch es hilft nichts. Die Prinzessin ist tot. Mit dem Kopf nach unten hängt sie aus dem Fenster des Gefährts. Mit ihr verreckt sind die zwei Schimmel, die sie ins Elend führten. So eine Sensation lassen sich die Paparazzi nicht entgehen. Ihre Motorradhelme noch auf dem Kopf, halten sie ihr Blitzlicht schon gnadenlos aufs Geschehen.

Dieser bitterböse Verweis auf die Historie der britischen Krone ist nicht etwa Teil eines Grusel-Märchenfilms der Walt-Disney-Studios, sondern ein Werk dieses so bekannten wie anonymen britischen Straßenkünstlers Banksy. Er verkehrt die romantisch verklärte Plastikwelt der Traumfabriken in ihr Gegenteil. Zu sehen ist die Arbeit in seinem am vergangenen Samstag eröffneten Freizeitpark namens „Dismaland“ im südenglischen Badeort Weston-Super-Mare, einem jener spaßigen englischen Küstenstädte mit Seepromenade, von denen das Meer bei Ebbe durchaus mal 1,5 Kilometer entfernt sein kann - also so ähnlich wie z.B. in St. Peter-Ording ...


Dismal“ ist der englische Begriff für düster oder trostlos ... Der „Bemusement Park“, der bis zum 27. September geöffnet sein wird, bespielt ein ehemaliges Erlebnisbad, das seit fünfzehn Jahren geschlossene „Tropicana“. Missmutige Mitarbeiter in pinkfarbenen Warnwesten weisen Besuchern jetzt den Weg durch die neubelebte Ödnis. Luftballons in tristem Grau ziert die Aufschrift „Ich bin ein Schwachkopf“. Banksy hat 58 Künstlerkollegen zur Mitwirkung eingeladen, darunter seinen Landsmann Damien Hirst oder die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer. Das Ziel, so heißt es auf dem Umschlag des zur Schauer-Tour gehörenden Programmhefts, ist „Englands enttäuschendste neue Besucherattraktion!“ - ungeeignet für kleine Kinder, so erläutert Bansky ganz pädagogisch mitfühlend.

FOTO: YUI MOK—PA PHOTO
Und das ist nachvollziehbar. Nicht nur, weil sich Kinder an einem Schalter ihr Taschengeld durch ein Darlehen aufbessern können, dessen Zinssatz bei 5000 Prozent liegt (Griechenland lässt grüßen...). Oder weil sich im Sandkasten ein peckeschwarzer See ausgebreitet hat, in der Miniatur-Flüchtlingsboote und Leichen schwappen. Auch ist der Anblick einer Dame auf einer Parkbank, die von Möwen angefallen wird, eher hitchcock- als kindgerecht. Aber: Welcher Freizeitpark ist schon tatsächlich kindgerecht? Sind es doch seit jeher vor allem Erwachsene, die sich auf Spiel und Spaß meterlangen Schlangestehens und überteuertem Eis bei permanent quengelnden Kindern einlassen.

REUTERS/Toby Melville
Das hier wieder bespielte „Tropicana“ habe er früher geliebt, lässt sich Banksy zitieren. 

Mit Musik im Disney-Stil untermalt, wird eine Familie bei ihrem Besuch in diesem erschröcklichen Park begleitet, dem wohl derzeit "glöcklichsten Ort auf Erden". Sind die Kinder zu Beginn bei der Einlasskontrolle noch skeptisch, werden sie nach jeder verstörenden Attraktion glücklicher. Eine Tortur scheint der Besuch jedoch für die Eltern zu sein, die teilweise in Tränen ausbrechen.

Fünf Wochen lang ist der Park geöffnet, und er scheint in jedem Fall einen Besuch wert zu sein. Aber entscheiden Sie selbst ...


Textanregungen aus: SPIEGEL-ONLINE u. F.A.Z.