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Donnerstag, 4. Februar 2016

Wissenschaft & Glauben | Evolutionsbiologie & Schöpfung

aufgespürt



Glauben

Wo ist Gott?
Wenn es um den Sinn des Lebens geht, stehen sich Religion und Wissenschaft meist als Widersacher gegenüber. Völlig zu Unrecht, findet Martin Nowak, Professor für Evolutionsbiologie in Harvard. Ein Gespräch über sein Vertrauen in Gott und in die Naturgesetze

Interview: Andreas Lebert und Christian Schwägerl | ZEIT Wissen


Martin Nowak, Professor für Evolutionsbiologie in Harvard | S!art


Charles Darwin hat Theologie studiert und sollte auf Wunsch seines Vaters Geistlicher werden. Doch nach seiner epochalen Forschungsreise wuchsen Darwins Zweifel an der christlichen Lehre, er bezeichnete sich später als Agnostiker. Viele prominente Evolutionsbiologen unserer Zeit distanzieren sich viel deutlicher vom Glauben als Darwin. Nicht so Martin Nowak, einer der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet. Wir treffen den Harvard-Professor in seinem Geburtsort Klosterneuburg bei Wien, wo er zu Besuch ist. Dort ist in den vergangenen Jahren das österreichische Institute of Science and Technology entstanden, ein Ort der Spitzenforschung, für den Nowak als Berater wirkt. Auf den Fluren laufen einem dort Ameisenforscher, Immunexperten, Robotiker und Physiker über den Weg. Nur in einem Raum geht es an diesem Nachmittag nicht um Spitzenforschung, sondern um ein Glaubensbekenntnis.

ZEIT Wissen: Herr Nowak, was macht Ihnen Angst?

Martin Nowak: Was mir Angst macht, ist, dass wir Menschen die Möglichkeit haben, Böses zu tun.

ZEIT Wissen: Lässt das Böse in der Welt Sie an Gott zweifeln?

Nowak: Augustinus zufolge ist die Natur Gottes, dass er das Gute auch aus dem Bösen erschaffen kann. Das Böse hat nicht die gleiche Existenz wie das Gute.

ZEIT Wissen: Sie sind Professor für Biologie und Mathematik an der Universität Harvard und leiten ein Programm für Evolutionsbiologie. Zugleich sind Sie gläubiger Katholik. Passt das zusammen?

Nowak: Sehr gut. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und christlicher Weltanschauung.

ZEIT Wissen: Das sehen oder sahen viele Ihrer sehr bekannten Kollegen in der Biologie anders, von denen einige große Namen behaupten, Wissenschaft und Glauben seien komplett inkompatibel.

Nowak: Aber die Argumente, die dabei vorgebracht werden, sind nicht wissenschaftlich, sondern subjektive Weltanschauungen. Sie liefern keinen Beweis, ob es Gott gibt oder nicht. Die Existenz Gottes kann man nicht wissenschaftlich prüfen. Jetzt zu sagen, ich interpretiere die wissenschaftlichen Beobachtungen, als ob sie zeigen würden, dass es Gott nicht gibt, das ist nicht wissenschaftlich. Das ist selbst eine Art von Religion. Eine Religion des Atheismus. Diese Haltung ist unter Biologen aus irgendeinem Grund häufiger verbreitet als unter Mathematikern und Physikern.

ZEIT Wissen: Waren Sie schon immer gläubig, oder ist das erst später gekommen?

Nowak: Bei mir hat es nie einen Bekehrungsmoment gegeben. Gott war für mich schon als kleines Kind anwesend. Vermutlich erwähnte meine Großmutter Gott. Gott war immer schon in mir, noch bevor ich in die katholische Privatschule in Wien ging. Die meisten Kinder haben dort beim Religionsunterricht nicht achtgegeben. Das hat mir leidgetan. Ich habe Glauben immer als etwas sehr Schönes, Tiefes und Wahres gesehen. Es war immer die Quelle einer allumfassenden Liebe, etwas sehr Aufbauendes und Tröstendes.

ZEIT Wissen: Und wie kam dann die Wissenschaft in Ihr Leben?

Nowak: Als Jugendlicher konnte ich mir den Beruf des Wissenschaftlers noch nicht vorstellen. Ich wollte Arzt werden. Einmal hat mir der Mathematiklehrer gesagt, Nowak, du bist ein Wissenschaftler, und ich wusste nicht, was er damit meint. In den letzten Ferien vor Beginn des Studiums habe ich ein Buch mit dem Titel Der achte Tag der Schöpfung gelesen. Es war eine Geschichte der Molekularbiologie. Das hat mich so fasziniert, dass ich von Medizin auf Biochemie umgesattelt habe. Über die Biochemie habe ich dann die Mathematik entdeckt.

ZEIT Wissen: Werden Sie häufig auf Ihren Glauben angesprochen?

Nowak: Ich habe Glauben und Wissenschaft lange Zeit getrennt gehalten und über meinen Glauben kaum gesprochen. Wenn doch, dann hörte ich Sätze wie: "Was, du glaubst an Gott?! Das hätte ich nie gedacht. Du bist doch vernünftig!"

ZEIT Wissen: Und heute?

Nowak: Halte ich Vorträge über Glauben und Wissenschaft und arbeite an einem Buch darüber. Über die Resonanz bin ich oft überrascht. Nach den Vorträgen kommen dann zum Beispiel Biologiestudenten fast mit Tränen in den Augen auf mich zu und sagen, sie wären schon knapp davor gewesen aufzugeben, weil diese Welt der Biologie, in der sie studieren, so säkular ist, dass sie das jetzt nicht mehr verkraften. Sie finden es schön, dass ein Wissenschaftler ihnen sagt, dass es Platz für die Religion gibt.

ZEIT Wissen: Lassen Sie auch andere Religionen gelten?

Nowak: Vor etwa 15 Jahren habe ich in Japan buddhistische Tempel besucht und mich gefragt: Wie soll ich dabei empfinden? Bin ich in einem Museum oder in einer Kirche? Wir sind von Tempel zu Tempel gelaufen, und ich konnte diese Frage nicht entscheiden. Bis wir zu einem ganz kleinen Tempel kamen, der gar nicht auf dem Programm stand. Da habe ich hineingeschaut, und die Buddha-Statue hat herausgeschaut, und in dem Moment habe ich mir gedacht: Das ist die Gegenwart Gottes.

ZEIT Wissen: Läuft man als gläubiger Wissenschaftler mit einer Art Stigma herum?

Nowak: Nein, das würde ich nicht sagen. Newton und Kepler haben an Gott geglaubt. In gewissem Sinne auch Einstein und Gödel. Die Harvard-Universität wurde 1636 ausschließlich dafür gegründet, Geistliche auszubilden. Das Symbol von Harvard, "Veritas", steht für göttliche Wahrheit. Aber heute muss man sich dafür rechtfertigen, wenn man einen ernsthaften Vortrag über Religion und Wissenschaft halten will.

immer & überall | Bildquelle: de.123rf.com





"Mathematik ist ein Zugang zu Gott"

ZEIT Wissen: Haben Sie ein Problem mit Attacken von aggressiven Atheisten, die die Wissenschaft für sich reklamieren?

Nowak: Ich muss und will diese Weltanschauung genauso respektieren, wie ich gläubige Christen, Muslime und Buddhisten respektiere. Die Wissenschaft gibt wichtige Resultate und Einsichten. Sie führt zu einem Verständnis dieser Welt und bringt uns technologischen und medizinischen Fortschritt.

ZEIT Wissen: Wie viel Glauben steckt in der Wissenschaft selbst?

Nowak: Vor Kurzem war ein berühmter Mathematiker in meinem Büro und kam auf Kurt Gödels Beweis zu sprechen, dass wir nie wissen werden, ob die Axiome der Mengenlehre konsistent sind oder nicht. Aber alle Mathematiker glauben, dass sie es sind. Das finde ich hochinteressant. Der Beweis ist schon da, dass man das nie wissen kann. Dennoch wird es geglaubt. Das ist sozusagen noch eine stärkere Art von Glauben als der eines religiösen Menschen. Ein religiöser Mensch kann sich immerhin noch vorstellen, irgendwann Jesus zu sehen.

ZEIT Wissen: Hat die Mathematik eine Bedeutung für Ihre Religiosität?

Nowak: Für mich ist die Mathematik durchaus ein Zugang zu Gott. Die Mathematiker beschäftigen sich mit etwas, was man die "endgültige Wirklichkeit" nennen könnte.

ZEIT Wissen: Was meinen Sie mit der endgültigen Wirklichkeit?

Nowak: Es ist die darunterliegende Gesetzmäßigkeit, die darunterliegende Wirklichkeitsform, die platonische Welt der Ideen. Es sind ewige Prinzipien, die in dieser Welt physisch umgesetzt werden. Die Gesetze selbst gibt es unabhängig von der materiellen Welt. Naturwissenschaftler versuchen zu verstehen, wie die Gesetze die materielle Welt betreffen, aber die Mathematik geht noch tiefer. Sie ist inspiriert von dieser Welt, aber sie kann im Prinzip auch über andere Welten nachdenken.

ZEIT Wissen: Ermöglicht Ihnen Mathematik also eine Nähe zu Gott?

Nowak: Für mich ist Mathematik ein sehr rationaler Zugang zu Gott. Ich empfinde auch den Katholizismus als rational und nicht emotional. Laut Thomas von Aquin ist Glaube eine Art Abkürzung zu Gott. Wenn man nur mit der Vernunft arbeitet und argumentiert, dauert es sehr lange, bis man alles versteht, sofern man nicht ein Thomas von Aquin ist. Deswegen gibt es den Glauben. Im Prinzip genügt aber die Vernunft. Mit Rationalität kann man jedes Argument gegen die christliche Lehre widerlegen. Man braucht niemanden zum Glauben zu zwingen. Das ist das Entscheidende. Und das finde ich faszinierend.

ZEIT Wissen: Tausende Naturwissenschaftler haben es anders erlebt: Wissenschaft als Befreiung von den Irrationalitäten des Glaubens!

Nowak: Aber diese Wissenschaftler werden nicht von einem Glauben kuriert, sondern von einem Aberglauben. Man hat ihnen sozusagen etwas Falsches erklärt, von dem sie sich loslösen wollen.

ZEIT Wissen: Worin irren sie sich denn?

Nowak: Zum Beispiel darin, dass Gott irgendein Wesen ist, das in diesem Universum existiert. Dass man, wenn man genau genug mit den Mitteln der Wissenschaft nachschaut, irgendwann Gott treffen müsste. Aber so ist es ja nicht. Schon der heilige Augustinus schrieb: "Ich ging zu den Bergen und fragte sie, seid ihr Gott. Und sie sagten mir, wir sind nicht Gott, aber er hat uns erschaffen. Er blickte zu den Wolken und fragte sie, seid ihr Gott, und sie haben gesagt, wir sind nicht Gott, aber er hat uns erschaffen." Wenn ich mit einem vernünftigen Atheisten spreche, stimme ich oft sehr schnell mit ihm überein, dass ich auch nicht an den Gott glaube, den er ablehnt.

ZEIT Wissen: Die Gegensätze von Glauben und Wissenschaft haben doch auch viel mit der Aufklärung zu tun, mit dem Versuch, den Menschen aus repressiven Abhängigkeiten zu befreien, sei es Aberglaube, übermächtige Institutionen oder eben Denkverbote durch Dogmen.

Nowak: Das stimmt, historisch betrachtet. Man kann sagen, die Menschen sind oft von organisierten Religionen unterdrückt worden. Die Religion wird dann als Machtmittel missbraucht. Das ist ein Fehlverhalten. Man muss unterscheiden zwischen der Suche nach der Wahrheit an sich und dem, was Menschen daraus machen.

ZEIT Wissen: Sie sind ausgerechnet der katholischen Kirche verbunden.

Nowak: Ich finde die katholische Kirche faszinierend. Sie ist die größte kulturelle Organisation der Welt. Sie hat im Laufe der Jahrhunderte viel Gutes geleistet. Sie versucht den Menschen zu helfen. Ununterbrochen. Das darf man nicht übersehen.

ZEIT Wissen: Sind Sie auch mit dem, was die Kirche zur Evolutionsbiologie sagt, einverstanden? Oder besteht da noch Nachholbedarf?

Nowak: Die Kirche hat kein Problem mit der Evolution. Es gibt nur manchmal Bedenken, wenn es heißt, dass in der Evolution alles nur "Zufall" sei.



ZEIT Wissen: Zufall statt Gott?

Nowak: Eben nicht! Man braucht sich vor dem Zufall überhaupt nicht zu fürchten, der Zufall ist ja nicht etwas, was über Gott steht. Zufall ist etwas, was von uns so empfunden wird. Auch die Gasmoleküle hier in diesem Raum bewegen sich zufällig. Aber dennoch entsteht ein konstanter Druck, eine konstante Temperatur ...

ZEIT Wissen: ... sie versammeln sich nicht plötzlich oben in der Ecke, und wir ersticken.

Nowak: Zufall bedeutet nicht, dass alles geht. Vielmehr ist Gott außerhalb der Zeit und bringt die Existenz von allem hervor, von dem, was wir als Zufall wahrnehmen, und von dem, was wir als zielgerichtet wahrnehmen. So stelle ich mir Schöpfung vor.

ZEIT Wissen: Hat es in Ihrem Leben auch Phasen der Abwendung vom Glauben gegeben?

Nowak: Nein. Gott ist immer anwesend. Der Glaube ist in einer schwierigen Situation ganz besonders stark da. Gott ist immer da, und Gott hilft ganz stark, wenn man traurig ist.

ZEIT Wissen: Haben Sie wirklich nie gezweifelt?

Nowak: Ich sehe absolut nicht die Möglichkeit, einen Widerspruch zu konstruieren. Im Dialog mit einer Theologieprofessorin, Sarah Coakley, bin ich in den vergangenen Jahren vieles durchgegangen und zu dem Ergebnis gekommen: Der katholische Standpunkt ist oft der vernünftigste.




"Ohne Gott gäbe es kein Universum, keine Biologie, keine Evolution"

ZEIT Wissen: Inklusive unbefleckter Empfängnis, leiblicher Aufnahme Mariens in den Himmel, der päpstlichen Unfehlbarkeit. Das soll rational sein?

Nowak: Alles, was Sie jetzt ansprechen, sind schöne Konzepte, über die man viel nachdenken kann. Bei der unbefleckten Empfängnis der Maria geht es um die Frage, ob Maria mit oder ohne Erbsünde auf die Welt kam. Das ist für mich theologische Ästhetik. Man will ein ganz reines Gefäß, um damit Jesus in die Welt zu bringen.

ZEIT Wissen: Aber ästhetisch heißt ja nicht rational. Ihnen als Biologen müssten sich doch die Nackenhaare aufstellen.

Nowak: Dieses Dogma ist nicht irrational. Es ist eine theologische Aussage. Was Erbsünde ist, dazu hat die Wissenschaft nichts zu sagen. Auch andere Dogmen sind definitionsartige theologische Formulierungen, keine wissenschaftlichen Aussagen.

ZEIT Wissen: Und die machen Ihnen auch überhaupt keine Probleme?

Nowak: Ich finde sie bemerkenswert. Was bedeutet es zum Beispiel, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott war? Wie kann man das verstehen? Welche Aussage ist das über den Menschen, und welche Aussage ist das über Gott?

ZEIT Wissen: Steckt Gott hinter dem Urknall?

Nowak: Da muss man jetzt auch wieder vorsichtig sein. Der Urknall muss nicht der Akt der Schöpfung sein. Genauso wie zum Beispiel das Entstehen eines neuen Sterns ein Phänomen ist, das Physiker mechanisch beschreiben, ist auch der Urknall möglicherweise ein physikalisches Phänomen.




ZEIT Wissen: Wo ist dann Gott?

Nowak: Gott ist immer anwesend, er ist die innerste Existenz in allem und mir näher als ich mir selbst. Es ist nicht so, dass Gott nur ganz am Anfang alles irgendwie gemacht hat. Er ist notwendig, um jeden Moment in Existenz zu halten. Auch diesen Moment gäbe es jetzt nicht ohne die erhaltende Kraft Gottes.

ZEIT Wissen: Von Ihnen als Evolutionsforscher klingt das besonders erstaunlich. Können Sie uns erklären, wie Sie speziell die Evolutionsbiologie mit dem Glauben an Gott in Verbindung bringen?

Nowak: Die Evolution beschreibt die Entstehung und Entwicklung des Lebens auf diesem Planeten und vermutlich überall im Universum. Ohne Gott gäbe es kein Universum, keine Biologie, keine Evolution.

ZEIT Wissen: Es gibt keine Spannung zwischen der Idee von Kreation und Evolution?

Nowak: Gibt es eine Spannung zwischen Gravitation und Gott? Kein Gläubiger fühlt sich von Gravitation herausgefordert. Dadurch, dass wir eine mathematische Erklärung, Beschreibung von der Gravitation haben, nehmen wir ja nichts von Gott weg. Genauso die Evolution. Die Evolution ist eine mathematische Theorie, die beschreibt, wie sich das Leben entfaltet. Zunächst von Darwin wörtlich formuliert, aber in der Zwischenzeit eben sehr stark in die exakte Sprache der Mathematik umgewandelt, sodass man also exakte Aussagen über die Evolution heutzutage immer mathematisch treffen muss.

ZEIT Wissen: Aber es ging doch auch um ganz andere Fragen, ob die Natur sich ständig entwickelt oder statisch ist, ob sie ein Ziel hat oder der Zufall regiert, ob der Mensch über den anderen Lebewesen steht. Darwin ist darüber mindestens zum Agnostiker geworden!

Nowak: Das stimmt. Aber in den meisten Fragen geht es nicht um wissenschaftliche Alternativen, sondern um subjektive Wertvorstellungen. Ich bin sicher, dass etwa ein Thomas von Aquin begeistert gewesen wäre, wenn man ihm die Darwinsche Evolutionslehre erklärt hätte.

ZEIT Wissen: Während der Atheist Richard Dawkins Selbsterhaltung und Wettkampf im Zentrum der Evolution sieht, beschäftigen Sie sich mit Kooperation. Steckt dahinter bei Ihnen auch ein religiöses Motiv?

Nowak: Nein. Meine wissenschaftlichen Studien sind genau das: rein wissenschaftlich und sonst nichts. Die erste Aussage ist, es ist nicht nur reiner Wettbewerb. Es gibt nicht nur Mutation und Selektion, sondern etwas anderes, und das ist die Kooperation. Kooperation ist immer dann besonders wichtig, wenn die Evolution kreativ etwas ganz Neues entdeckt, wenn die Evolution über eine Grenze steigt oder einen ganz wichtigen Schritt macht, wie zum Beispiel die Entstehung der ersten Zelle, die Entstehung von eukaryotischen Stellen, die Entstehung von multizellulärem Organismus, von sozialen Insekten, der menschlichen Sprache.

ZEIT Wissen: Ist das Gute in der Natur bereits angelegt?

Nowak: Man muss nur hinsehen, um zu erkennen: Da ist nicht nur Wettbewerb, und das bedeutet viel für die Evolutionslehre. Wenn man anschließend daraus eine Weltansicht ableiten möchte, nachdem man die Wissenschaft durchgearbeitet hat, könnte man sagen, das freut mich, es wäre ja schade, wenn Gott vom Menschen Liebe und Selbstlosigkeit will, aber die Natur den Menschen nur mit Selbstsucht, Hass und Wettbewerb ausgestattet hätte. Und dann würde ich sagen, die Natur ist nicht nur egoistisch. Was Gott von uns will, ist auch ein Grundprinzip der Natur.

ZEIT Wissen: Kann uns dieser kooperative Aspekt der Evolutionsbiologie helfen, Menschheitsfragen wie den Klimawandel zu lösen?

Nowak: Ja, globale Kooperation und auch Kooperation mit zukünftigen Generationen sind jetzt Notwendigkeiten für die Erhaltung des intelligenten Lebens auf diesem Planeten.

ZEIT Wissen: Wenn wir Menschen uns auf der Erde ausrotten, weil wir nicht kooperativ genug sind, existiert die Menschheit dann im Jenseits weiter?

Nowak: Alles, was es jetzt gibt, gibt es in alle Ewigkeit. Man versteht Ewigkeit erst dann, wenn man versteht, dass der jetzige Moment und die Ewigkeit ein und dasselbe sind.

ZEIT Wissen: Wenn Sie schreiben, dass schon leblose Moleküle in der Lage sind, zu kooperieren, dann klingt das nach einer zielgerichteten Eigenschaft. Ist es nicht andersherum, die Eigenschaften waren einfach so vorhanden, und wir sind das Ergebnis?

Nowak: Hier muss man sich die Frage stellen: Was ist Wissenschaft? Die meisten Wissenschaftler würden sagen, das ist eine ganz objektive Auseinandersetzung mit der Natur und dem Studium der Natur, das ganz objektiv erfolgt, wo der Wissenschaftler durch Subjektivität so wenig wie möglich beeinträchtigt wird. Man kann aber mathematisch zeigen, dass das gar nicht möglich ist. Wissenschaft ist vielmehr der folgende Prozess: Der Wissenschaftler stellt Fragen, und die Natur gibt die Antwort. Und dann lernt der Wissenschaftler etwas daraus. Was lernt der Wissenschaftler daraus? Er lernt daraus die Regeln, nach denen die Natur funktioniert. Das ähnelt dem Prozess, über den ein Kind Sprache lernt. Das Kind hört Sätze, und es schließt von diesen Sätzen auf die Grammatik, die diese Sprache erzeugt.

ZEIT Wissen: Und das ist in der Mathematik ähnlich?

Nowak: In der Mathematik finde ich es noch faszinierender: Der Mathematiker stellt die Frage, aber wer oder was gibt die Antwort? Das ist jetzt nicht die Natur, sondern die ihr zugrundeliegende Wirklichkeit. Für mich bekommt der Mathematiker die Antwort von der Gesetzmäßigkeit der endgültigen Wahrheit, also von der Welt der platonischen Formeln. Vom Logos. Es war Eugene Wigner, der sich darüber gewundert hat, wie effektiv die Mathematik darin ist, naturwissenschaftliche Prozesse zu beschreiben. Es ist, als gehe man einen endlosen Korridor entlang mit versperrten Türen, man hat einen riesigen Schlüsselbund, und immer, wenn man zur nächsten Tür kommt, nimmt man zufällig einen Schlüssel, und der passt sofort. So effizient ist die Mathematik im Aufsperren von diesen Sachen. Und das finde ich schön, dass wir doch viele Gesetzmäßigkeiten über die Schöpfung verstehen können und über die zugrundeliegende Wahrheit. Aber nicht alles.

ZEIT Wissen: Was sind die großen Unbekannten der Evolutionsbiologie?

Nowak: Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob wir den Prozess der Evolution vollständig verstehen. Wir verstehen den Suchprozess, aber nicht den Raum, der durchsucht wird. Ein wirkliches tiefes Verständnis der Biologie würde auch eine Theorie verlangen für diesen Raum, der durchsucht wird.

ZEIT Wissen: Was beschäftigt Sie noch?

Nowak: Die Frage, warum die Evolution überhaupt kreativ ist. Das Leben auf der Erde ist ja schrittweise komplizierter geworden. Vor drei Milliarden Jahren war die Erde noch ein Planet von Bakterien, das hätte auch so bleiben können. Bisher kann niemand eine Rechnung anstellen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Evolution eine bestimmte Richtung einschlägt, so wie Physiker ermitteln können, wie das Weltall in ein paar Milliarden Jahren aussieht.

ZEIT Wissen: Sind Sie Optimist?

Nowak: Ja, es kommt bei mir ein ganz tiefer Optimismus zustande. Ein Glaube an den Logos, an eine fundamentale Wahrheit, die uns aber nur teilweise zugänglich ist. Man kann natürlich behaupten, es gibt diese Wahrheit nicht, aber was ist die Alternative dazu? Es bliebe eigentlich nur der Nihilismus, die Ansicht, dass nichts einen Sinn ergibt – das würde dann aber die Wissenschaft mit einschließen.

ZEIT Wissen: Gibt es Trost?

Nowak: Ja, den gibt es in dem Gedanken von Sokrates, dass einem guten Menschen nie etwas Schlechtes passieren kann. Es kann einem ja nichts Schlechtes passieren, wenn man sich selbst nichts Schlechtes tut. Das klingt zunächst absurd, aber darin steckt eine tiefe Wahrheit.



ZEIT Wissen: Was, denken Sie, passiert mit uns nach dem Tod?

Nowak: Die Seele geht zurück zu Gott. Gott ist also Anfang, Mittelpunkt und Ende in jedem Leben. Man kann sich nicht vorstellen, wie das sein wird und ob der Einzelne weiter besteht, ob man vereint wird mit Gott. Vielleicht sehen wir jetzt alles bruchstückhaft, dann von Angesicht zu Angesicht. Aber ich weiß nicht, wie man darüber nachdenken kann.

ZEIT Wissen: Was hilft Ihnen dabei, dennoch darüber nachzudenken?



Nowak: Die Musik von Gustav Mahler. So wie mich die Philosophie ergreift, ergreift mich auch die Musik. Im Lied von der Erde geht es um den Abschied. Mahler hat sich ja zutiefst über das menschliche Leben Gedanken gemacht und das musikalisch verarbeitet. Was ist das Leben? Was ist Resignation? Ich muss jetzt damit fertigwerden. Mahlers Musik setzt sich auseinander mit dem menschlichen Leben, wie man mit dem Leben umgeht, wie man mit Sachen fertigwird, die jetzt schwierig sind.

ZEIT Wissen: Glauben Sie an eine Zukunft, in der Wissenschaft und Religion auch wieder zusammenfließen?

Nowak: Ja, daran glaube ich. Es ist auf beiden Seiten ein großer Fehler, einschränkend und dogmatisch vorzugehen. Das gemeinsame Staunen über das Schöne, das uns umgibt, Toleranz, Zuhören, Diskutieren, Akzeptieren, das sind wichtige Voraussetzungen. Viele Menschen denken, sie müssen zwischen einer religiösen und einer wissenschaftlichen Weltanschauung wählen. Das stimmt aber nicht. Beide Tore stehen offen und laden ein.



Mittwoch, 3. Februar 2016

erna 03-02-2016 | update - S!NED!art

"Das Schicksal seiner Tante Erna Kronshage hat ihn nicht mehr losgelassen und wird es wohl auch nie mehr tun," schrieb neulich die Zeitung hier - womit sie wahrscheinlich Recht hat ...

Nun bastele ich hier ja ab und zu auch photographisches Gedöns - und ich habe hier explizit ein Bild zu Erna Kronshage gemacht:
S!NED!art: erna-03-02-2016 update - xxl: click here


garagenrosen - S!NED!art

S!art: garagenrosen - 2013-2016

vom rosendorn direkt
ins aug gestochen
tränenreiche hybridanleihen
geschäft ist geschäft
und geld ist geld

was ist der erlös
was ist denn die erlösung gar

die ultimative endlösung
ist für alle gleich:

... holt endlich die rosen aus dem garagenfenster

bessere zeiten damals - ist klar
wer hebt so lang schon
verflossene blüten auf
die längst verstaubt 
nach heu und knete und asche riechen

und der benzingestank wird das
seine dazu beigetragen haben -
und als sich dann das trockenlaub
hinterm fensterglas entzündete
fehlte im eimer der sand zum löschen

das gab der feuerversicherungsfritze
seinerzeit zu protokoll -
erde zu erde - asche zu asche
staub zu staub

die ultimative endlösung
ist für alle gleich:

... holt endlich die rosen aus dem garagenfenster


sinedi

Dienstag, 2. Februar 2016

Angst essen Seele auf ... - aktionen und karikaturen zum kleinen aylan (3)


Die Wasserleiche des kleinen Aylan Kurdi (3) liegt Anfang September 2015 am türkischen Strand - Das Foto wurde zu einer Bildikone - Foto: Nilüfer Demir  - (C) DHA - REUTERS u.a.


Aylan Kurdi

(geb. 2012; gest. 2. September 2015 nahe Bodrum) war ein syrischer Flüchtlingsjunge kurdischer Abstammung. Er starb auf seiner Flucht während der Flüchtlingskrise in Europa. Die veröffentlichten Film- und Fotoaufnahmen seines Leichnams erregten weltweites Aufsehen.



Kunstaktion: Der chinesische Künstler legt sich in Lesbos an den Strand. Foto des ertrunkenen Jungen ging als Symbol für die Lage der Flüchtlinge um die Welt.


Ai Weiwei stellt Bild des toten Aylan nach


Neu Delhi (dpa). Der chinesische Künstler Ai Weiwei (58) hat das Foto des ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi nachgestellt und die Szene vom September 2015 damit erneut in die sozialen Netzwerke gebracht. Zahlreiche Twitter-Nutzer nannten das Bild "überwältigend" und "tief bewegend", einige kritisierten es auch.


Auf der Flucht Richtung Griechenland war der dreijährige Aylan zusammen mit seinem fünfjährigen Bruder und seiner Mutter vor der türkischen Küste ertrunken. Das Foto des toten, an den Strand gespülten Jungen ging als Symbol der Flüchtlingskrise um die Welt. Ai Weiwei, der verschiedene Flüchtlingsprojekte unterstützt, legte sich nun auf der griechischen Seite am Strand von Lesbos selbst bäuchlings auf die Steine, und ließ sich dabei vom Fotografen Rohit Chawla ablichten. Das Bild, das für ein Interview des indischen Magazins India Today gemacht wurde, war am Wochenende auf der Kunstmesse "India Art Fair" in Neu Delhi zu sehen. "Künstler sollten eher menschlich als politisch sein," sagte Ai Weiwei. Erst vergangene Woche hatte Ai Weiwei aus Protest gegen die verschärfte Asylpolitik der dänischen Regierung eine Schau mit seinen Werken in Kopenhagen gestoppt. 


© 2016 Neue Westfälische
03 - Bielefeld Süd, Dienstag 02. Februar 2016





tja - da hat sich der chinesische künstler ai weiwei an den strand von lesbos gelegt - in der pose des ertrunkenen flüchtlingsjungen aylan - und gemeint, "künstler sollten eher menschlich als politisch sein" - obwohl diese "menschliche geste", am strand zu liegen wie ein dreijähriger kleiner junge - ja in dieser pose und unter diesen umständen - auch schon wieder ein politikum erster güte darstellt ... -

und wenn ai weiwei aus protest gegen die verschärfte asylpolitik der dänischen regierung aktuell eine schau mit seinen werken in kopenhagen stoppt, so ist das eher politischer protest ... allerdings lassen sich politik und menschlichkeit ja auch nicht scharf voneinander trennen - wird doch die politik eigentlich "für das leben der menschen im miteinander" betrieben...

da passte nun die wasserleiche des kleinen aylan im september 2015 gar nicht so recht ins bild: während man in deutschland (damals noch mehrheitlich) von der "willkommenskultur" faselte, zeigte sich am beispiel des kleinen aylan die kehrseite der uropäischen flüchtlingspolitik - da man eine legale einreise zur asylsuche in uropa verweigert, müssen illegale wege mit schlepperbanden beschritten werden, um ans ersehnte ziel zu gelangen und um bombenhagel und terror zu entfliehen - dabei könnten in einem gesamturopäischen agreement relativ rasch und auch preiswert (normaler flug ca. 300 €uro - zahlung an schlepperbanden ca. 5.000 €uro ... einschließlich der desolaten "sicherheit" für die "fahrgäste") flugzeuge aus den krisengebieten der welt die flüchtlinge in die uropäischen oder amerikani$chen metropolen bringen, wo sie registriert werden und verteilt werden - wonach ihnen der sinn steht - so aber nimmt man mal eben ein paar wasserleichen als "kollerateralschäden" in kauf - und dieses unwort, das einst der außenminister joschka fischer für die zivilen opfer des balkankrieges prägte, benutzt nun der bundesinnenminister de maiziere in afghanistan ebenfalls: angesichts der prekären lage dort - in der de maiziere nun die "sicheren abschieberegionen" ausmachen will, um auch afghanistan zu einem "sicheren herkunftsland" schönzureden -  zur einschränkung der flüchtlingszahlen ...: "wollkommenskultur" war gestern - "kollateralschäden" sind heut ...

auch die karikatur bewegt sich ja am scheidepunkt zwischen politik und menschlichkeit und (galgen)humor - und manchmal auch mit tiefer fast depressiver traurigkeit und trauer verbunden ...

deshalb habe ich hier und heute mal eine auswahl der fülle von grafischen beispielen z.t. internationaler spitzenkünstler zusammengetragen, die sich mit dieser "bildikone" des aylan am strand von bodrum irgendwie beschäftigen, sei es im zorn, in der traurigkeit, in der überwindung, in der schuldzuweisung, in der resignation ...


click here






und manche arbeiten - das wirst du beim blättern schnell erkennen - sind quasi "von hinten durch die brust ins auge" bzw. ins herz getroffen: da muss man erst genauso zickzack denken wie der künstler, um die "pointe" zu verstehen - also vergleichbar mit der situation, wenn beim kabarett der "groschen" für den beifall nur allmählich "pfennigweise" tröpfelt ...

lasse dich von der vielfalt der arbeiten überraschen: von den anklagen, vom harten strich, vom zarten strich, von der grellen vollfarbe ebenso wie von den zarten halbton-aquarell-pastell-tönungen ...

für mich wenigstens ist das ganze eine sammlung unterschiedlichster reaktionen und wahrnehmungen ein und derselben tragödie um den kleinen aylan ... mir kommt es darauf an, diese unterschiedlichkeit zu verdeutlichen - und trotzdem die empörung über das geschehen in all den arbeiten auszumachen - und die fülle - und der umfang der blätterbroschüre von yumpu - soll auch bewusst aufrütteln ... - auch hierbei diesmal den spieß eben umdrehen - und dem bewusstsein eher "kollateralschäden" zufügen - als geruhsame "willkommenskultur" ...

- wenn sie verstehen - was ich meine 
- und trotzdem chuat choan 
- wird schon wieder ... - S!

Montag, 1. Februar 2016

Jakob Augstein: Trump & Petry ...



inspiration - na ja - eigentlich ist dieses wort viel zu groß - für die folgenden zeilen:

also - mir persönlich fällt zu typen wie trump und petry nichts ein ... - deshalb übernehme ich gern die "im zweifel links"-kolumne von jakob augstein in spiegel.de ...

ich habe ein arbeitsleben lang bei geistig behinderten und auch schwerstmehrfachbehinderten menschen gearbeitet und fast 3 jahre in einer langzeit-psychiatrie - ich kam mit den dort angetroffenen menschen eigentlich immer gut aus und konnte sie mögen und schätzen bei all ihren macken - und mir fiel auch immer etwas ein, zugang zu gewinnen [!] - jawohl "gewinnen", denn es waren auch wirklich interessante typen, die noch heute - oft 30 jahre später, meinen namen hinter mir her rufen wenn wir zufällig aufeinander treffen, weil sie mich erkannt haben ...

bei trump|petry & co. muss ich da einfach passen: mir fällt dazu nichts ein - und ich will auch keinen zugang ... ja - bei solchen typen stecke ich im dilemma: beschäftige ich mich mit ihnen - werte ich sie quasi auf ... - auch wenn ich karikaturen von ihnen erstelle ... - eigentlich ist es zu viel meiner kreativen zeit, die ich ihnen dabei widme ... - aber wenn man sich nicht mit ihnen befasst, wertet man sie ja auch auf, weil sie quasi kampflos dann das terrain besetzen ... - und es genug doofe lemminge gibt, die ihnen hinterher trotten - ohne es zu merken: wie die motten, die ins tödliche licht fliegen: es muss der kick sein - diese lust, eigentlich etwas "unmögliches" zu tun ... - die meisten: einfach so - aus gag - aus spass an ne freud - mal sehen was "die da oben" wohl machen, wenn solch ne typen sie ablösen ... - ach was wird das eine gaudy ... - das ist besser als fußball-weltmeisterschaft - das ist dann fan-meile pur ...

ich hab neulich noch eine szene aus einem hitler-film gesehen: wo man herrn hindenburg mitteilt: "die industrie wünschen sich herrn hitler als reichskanzler" ... - wer weiß - wer da jetzt die fäden zieht, damit solche populisten-typen wieder groß werden können und einfluss gewinnen - aber man braucht auch immer eine tumbe masse - das "populus" (volk), die kopflos mitzieht ...: pegida und all diese adf-linge und all dieses k(n)ackbraune gesindel ...

"wie oft hatte man sie schon totgesagt - doch
hier im innern des landes, da leben sie noch ..."

jedes wort dafür ist zu eigentlich zu viel ... - und wenn in meinem beruflichen alltag damals jemals jemand von meinem behinderten klientel sanktioniert werden sollte, gab es das mittel, der "nichtbeachtung" (die gestalttherapie würde sagen: aus dem kontakt gehen ... - keinen kontakt aufnehmen - auch nicht indirekt ...)

okay - wenden wir uns spätestens ab morgen anderen wirklich wichtigen ereignissen zu:
ick kann ja nüscht soville fressen, wie ick kotzen möchte ...

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Trump und Petry: Nackte Kanonen
Eine Kolumne von Jakob Augstein (click)


Wer schon immer an der westlichen Kultur verzweifeln wollte, hat jetzt zwei gute Gründe: Frauke Petry und Donald Trump. Der 
Schlaf der Demokratie hat diese Ungeheuer geboren.


Wolf & Schafspelz: Frauke Petry: Der Kussmund täuscht - im Kopf hat sie die Kalaschnikow für den Grenzer ...


Wir erleben ein Wetterleuchten des Wahnsinns. Der Irrsinn beschleunigt sich. In Deutschland heißt die drittstärkste politische Kraft jetzt AfD. In den USA will Donald Trump Präsident werden. Dystopien drohen Wirklichkeit zu werden. Es herrschen goldene Zeiten für Pessimisten.
Wer schon immer an der westlichen Kultur verzweifeln wollte, hat jetzt wenigstens gute Gründe.

Hinterher soll keiner sagen - er habe es nicht gewusst ...
Lesen Sie hier weiter ... (click)

... und hier weitere Kolumnen "Im Zweifel links" von Jakob Augstein


Jakob Augstein, Jahrgang 1967, ist seit 2008 Verleger der Wochenzeitung "Der Freitag". Augstein hat vorher für die "Süddeutsche Zeitung" und die "Zeit" gearbeitet. "Der Freitag" steht für kritischen Journalismus aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Er experimentiert mit neuen Formen der Leserbeteiligung und der Verknüpfung von Netz und Print. Die Gestaltung des Layouts vom "Freitag" wurde bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem durch den Art Directors Club, die Lead Awards, den European Newspaper Award und die Society for News Design.




Samstag, 30. Januar 2016

Gestaltgebet: Fritz Perls

figur|grund: pokal oder zwei gesichter

Du bist Du - 
und ich bin ich ...

Gestalt"gebet" nach Fritz Perls

Ich tu, was ich tu,
dafür bin alleine Ich verantwortlich.
Und Du tust, was Du tust,
wofür nur Du verantwortlich bist.

s!art: Fritz



Ich bin nicht auf dieser Welt,
um nach deinen Erwartungen zu leben.
Ich kann und darf Erwartungen von dir erfüllen,
muss es aber nicht - wie entlastend.
Und Du bist nicht auf dieser Welt,
um nach meinen Erwartungen zu leben.
Wie schön, dass du viele meiner Erwartungen
ohne Belastung und Druck erfüllst.

Du bist Du und Ich bin Ich.

Ich achte deine Grenzen, du achtest meine Grenzen.
Ich achte Dich, Du achtest mich.
Und manchmal verschmelzen wir - in Liebe.
Aus Ich und Du wird dann ein Wir.

Wir achten uns. Ich achte mich, 
Du achtest dich.
Und wenn wir uns zufällig finden - 
wunderbar.

Manchmal erleben wir Situationen,
in denen wir uns nahe sind.
Wenn nicht, kann man nichts machen.
Begegnungen wollen wir nicht 
erzwingen.
Für sie bleiben wir offen.

Schön, dass es Dich gibt, dass es mich gibt,
dass es uns gibt.


Fritz Perls

Freitag, 29. Januar 2016

Werden & Vergehen - Wisch & weg - Alles oder Nichts. Das Sandmandala und die Gestaltarbeit - noch ein impuls für die woche ...




foto: pa/puchner|publik-forum



Werden & Vergehen - Wisch & weg - 
Alles oder Nichts


Sandbilder - sind Bilder aus farbigem Sand, die zumeist in symbolischen Handlungen, Gebeten oder Heilzeremonien Verwendung finden. Die Bekanntesten sind die der Tibeter. Im tibetischen Buddhismus werden detailreiche Sandmandalas geschaffen. Diese werden rituell wieder zerstört, um die Vergänglichkeit des Seins zu symbolisieren.

Buddhistische Mönche aus Tibet arbeiten oft Tage und Wochen daran, gefärbten Sand zu einem Mandala zu arrangieren, der komplexen geometrischen Repräsentation eines Kosmos – und es nach seiner Fertigstellung völlig zu zerstören. Das Wegwischen der in langwieriger Arbeit entstandenen Kunstwerke ist Teil des Prozesses selbst und gehört unbedingt dazu. Die Mönche schaffen diese Kunst als etwas Flüchtiges und Vergängliches, um den Vorrang des kreativen Prozesses im Hier & Jetzt gegenüber dem geschaffenen Produkt zu verdeutlichen: Denn künstlerische Aktivität hat wie das Spiel auch in ihrer reinen Form keinen anderen Zweck als sich selbst. Es geht nicht darum, Kunst herzustellen, sondern darum, voller Konzentration in jenem wunderbaren Zustand zu verweilen, in dem Kunst unvermeidlich entsteht - von Moment zu Moment ...

Sandmandala & "Gestalt" - nunc|hic - dem Jetzt & Hier auf den Grund gehen

Die Gestaltarbeit nach Laura & Fritz Perls & Paul Goodman spürt nach einem sensibilisierenden Gewahrsein-/"awareness"-Training - mit dem Fokus auf den Augenblick - auf das Jetzt & Hier (nunc|hic) - Wahrnehmungsbruchstücke auf, die manchmal vielleicht auch nur die Größe eines Sandkorns im ersten Moment haben - eine Empfindung - ein Erspüren - eine Be-Rührung - eine Gestimmtheit ... - der Sandkorn startet als erstes 3-D-Pixel - und dann gesellen sich Sandkorn zu Sandkorn und Farbe zu Farbe - und Form zu Form - und Muster zu Muster - wie die Vorläufer der Pixel: die Rasterpunkte beim alten Zeitungsfoto ... - die sich durch Hirnoperationen mit der Tendenz zur "sinnvollen" Vervollständigung - hin zu einer "Gestalt" - zu einem "Ganzen" ergänzen  - aus den vielen bunten Sandkörnern entsteht in mühevoller Kleinstarbeit das wohlgestaltete abgerundete Mandala in Teamarbeit: Die Einzelelemente (hier: Sandkörner) werden in der komplexen Wahrnehmung mit allen Sinnen und Empfindungen zu möglichst sinnvollen Ganzheiten, zu "Gestalten" (hier: Mandala) verbunden.

Wahrnehmung, soziales Leben und Eigenexistenz sind immer Ausdruck einer komplexen Sinngebung. Das „Ganze“ ist immer mehr bzw. anders als die Summe seiner Einzelelemente: das alte Zeitungsfoto bildete ein Ab-bild einer bestimmten Außenszene für den Betrachter - und war so ein "sinnvolles" Mehr als ein Haufen von bestimmten schwarzen und weißen aneinandergereihten Punkten ... Und genau diese Erkenntnis wird durch die Mönche aus Tibet beim "gestalten" eines Sandmandalas auch symbolisch so deutlich vorgeführt: Aus diesen vielen Millionen bunten Sandkörnern entsteht eine komplexe, in sich abgerundete und "geschlossene" "Gestalt": das Mandala, das nach seiner "Zusammenstellung" dann wieder zerstört wird, die in sich selbst abgeschlossene Gestalt tritt zurück und vergeht im Grund - um einer neuen Wahrnehmung Raum zu geben - usw. - nochmal und nochmal und nochmal ...

werden ... - foto: dpa|hamburger abendblatt
Der Ton macht die Musik 

Also etwa so, wie das Bewusstsein aus einem Ton, den es hört, eine Melodie formt - die als "Ohrwurm" nach einem "Thema", nach einem abschließenden Crescendo etwa, nach einem eingängigen Akkord strebt - und danach wieder vergeht, weil eine andere Melodie den Platz als "Ohrwurm" eingenommen hat ... »Auch auf der emotionalen Ebene hat der Mensch die Tendenz, Dinge zu vervollständigen«, so meint der Gestaltbegriff - und so modelliert sich ein Sandmandala - immer wieder anders, immer wieder neu, mit immer neuen Ideen und Intentionen und Dynamiken ...

In gestalttheoretischer Sprache ausgedrückt, taucht mit einem entstehenden Bedürfnis eine zunächst noch offene Gestalt aus dem (Hinter-)Grund auf und wird im Vordergrund zur Figur, und zwar solange, wie sie nicht geschlossen ist. Die abgeschlossene Gestalt - hier also: das vervollständigte Sandmandala - kann dann zurück in den Grund eintauchen - als bunter Sand nach der Fertigstellung des Mandalas in einen Fluss oder ins Meer gestreut werden, aus dem die Millionen oder gar Milliarden Sandkörner ursprünglich angespült wurden - und einer neuen Wahrnehmung einem neuen sich daraus entwickelnden Bedürfnis - einem neuen Mandala - in einer neuen werdenden Gestalt Platz machen.

Symbolik für Leben & Tod

Dies versteht die Gestalttherapie als Fähigkeit des Organismus zur Selbstregulierung - und ich empfinde das ganze als "handfeste" Symbolik auch für Leben und Tod - für Werden und Vergehen (Stichwort: Seebestattungen ...): das neue Leben, der neue Mensch entwickelt sich embryonal: aus Spermium und Eizelle formt sich nach und nach die "Gestalt" - die Person - die nach einem oft langen gelebten Leben wieder vergeht - zurück "auf den ewigen Grund" (Winnetou sagte: "in die ewigen Jagdgründe" ...), aus dem sie einst herausgetreten ist - um einer neuen Gestalt Platz zu machen ... Nur der Geist (= das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile - die Bibel ist mehr als ein Haufen Papier im Ledereinband mit Goldschnitt und gedruckten Lettern auf dünnem Bibelpapier - z.B.) bleibt und potenziert sich und wächst mit jedem gelebten Leben in genau diesen hinzutretenden Nuancen ...: also der ganze Kosmos in all seiner immer wieder sich selbst erneuernden Lebensenergie und seinem Zugewinn an Geistesdynamiken - als ein "Riesen-Sandmandala" im ständigen Werden & Vergehen ... Denn kein Sandkorn wird tatsächlich vergehen ("nichts geht verloren - nichts kommt hinzu" ...), sondern bildet irgendwann einmal wieder neue und andere abgeschlossene Sandmandala-Gestalten - aber ganz anders als zuvor - in einem anderen Muster - einer anderen Farbe - einem anderen Sosein ...

- Ist dieser sichtbar gemachte Kreislauf-Prozess nicht einfach nur - wunderbar ... ???

Figuren, die nach Abschluss drängen

Aus einem permanenten »Wahrnehmungsstrom« kristallisieren sich Figuren heraus, die abgeschlossen werden wollen. Erinnerungen an Ereignisse zum Beispiel, die unaufgelöst geblieben sind und die aktuelle Beziehungsgestaltung stören (z.B. ein verdrängtes "Familiengeheimnis"). Im gegenwärtigen Augenblick der Therapie können sie sich in einer Geste zeigen oder einer Handlung: Wer sich nicht traut, während der Sitzung seine Jacke auszuziehen, hat womöglich auch in Paarbeziehungen die Tendenz, aus lauter Rücksichtnahme die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren. »Der Schlüssel zu Veränderungen liegt immer in uns selber«, sagt die Gestalttherapie - "wir sind die einzigen Experten für unsere Leiden" ...

... & vergehen - foto: gero helm / waz fotopool
Angeregt durch diese Beiträge wurden sie zu meiner Lektüre für diesen Artikel: Psychotherapie Aktuell - Wie das innere Erleben heilt - von Anita Rüffer | publik-forum 02/2016 - und: "Wisch und Weg" - Im Bilde - Bild und Text zur Entstehung eines Sandmandalas | ebenfalls: publik-forum 02/2016 - sowie WIKIPEDIA - Gestalttherapie ...

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P.S. ich will mit diesem beitrag hier nicht dem augenblicklichen trend folgen, angesichts der flüchtlingskrisen einfach in neue "innerlichkeit" abzutauchen - einfach zu "flüchten" vor der flucht und abzuhauen - und zu "soften"- wie das vielleicht zeitschriften wie "flow" permanent tun u.a. - die aber erstaunlich hohe auflagen mit diesem augen-zu-und-durch und eiapopeia-was-raschelt-im-stroh erzielen ... 

nee - ich will nur fingerzeige geben, wie man sich auch "wappnen" kann - ganz ohne gaspistole und pfefferspray - um den "nächsten" auch tatsächlich wahrzunehmen und vielleicht in einen guten kontakt zu kommen - und zu lernen - und "wenn das nicht gelingt kann man auch nichts machen" (sagt fritze perls in seinem "gestaltgebet") - dann gelingt es vielleicht beim nächsten "nächsten" ... ja - und wie man die eigenen re-aktionen auf diesen verheerenden zeitgeist augenblicklich in die eigene wahrnehmung bekommt - nicht verdrängen und abstoßen - sondern aushalten - und mitgehen - und dem nächsten sagen, was sache ist - auch dem pegida und afd-blubberer - die haben doch auch nur schiss... S!

 

urkohle - S!NNTAGSMALER

S!: ur-kohle - xxl=click here



ich könnte hierzu etwas schreiben
von vegetation und schwarzem gold
und goldenem staub
im portemonnaie - statt kohle
mein opa mein vater mein schwiegervater
sie schürften dieses gold
zum teil als migranten

ich werde diesem land
deshalb doch nicht meine seele verkaufen
da sei das zaumzeug vor
der kleinen schwarzen grubenpferde
die die abraum-loren ziehen mussten
da tief unter tage

die grubenpferde - so behauptet die mär
wären all erblindet
wegen der finsternis da unten 
unter tage

opa ist wieder hochgekommen
sonst wär ich ja nicht
mein vater auch - 
sonst wär ich ja nicht
und mein schwiegervater auch
sonst wäre sie ja nicht

wenn auch nicht spurlos ...
ach - ich könnte hier etwas schreiben ...
aber der staub verfliegt
und glitzert in der sonne
über tage ...

sinedi

bergpredigt-gesumse: impuls für die woche ...


 
... Da es augenblicklich ohnehin schon genug Hohn und Hass in unserem Land gibt, hat die Unwort-Jury entschieden, es solle in der Rückschau auf das Jahr 2015 ein Hohn-und-Hass-Wort erster Güte an den Pranger kommen. Kenner der spitzmäuligen Sprachbelehrung wissen allerdings, dass der Gutmensch bereits genüsslich durch die Achtzigerjahre getrieben wurde; damals allerdings eher von genervten Altlinken, die das Apfelbäumchen-Bergpredigt-Gesumse von Neulinken wie Dorothee Sölle, Hoimar von Ditfurth und Franz Alt nicht mehr hören wollten. Wie so viele Spottworte war auch der Gutmensch zu Anfang ein origineller Neologismus, den man selbstgefälligen Moralisten um die Ohren fliegen lassen konnte. Heute, so sieht es offenbar die erzürnte Unwort Jury, wandelt sich das spöttische G-Wort zur Hassvokabel, mit der man jene menschenfreundliche Haltung diffamieren kann, die in der Flüchtlingsfrage der pegidagestützten Intoleranz gegenübersteht. ...
Süddeutsche Zeitung, Mittwoch, 13.01.2016, S.1: "Das Streiflicht" über "Der Gutmensch ist zum Unwort des Jahres gewählt worden ...." (Auszug)

S!: regenbogen


tja - da komme ich ja gar nicht umhin, dieses zitat aus der "sz" zwei wochen verspätet hier weiterzureichen ...
- und wieder fällt mir dazu der olle dröge aber superweise altbundespräsident gustav heinemann ein, mit seinem zitat im zusammenhang mit ausschreitungen gegen springer-einrichtungen nach dem anschlag auf rudi dutschke vom 14. april 1968:
"wer mit dem zeigefinger allgemeiner vorwürfe auf den oder die vermeintlichen anstifter oder drahtzieher zeigt, sollte daran denken, dass in der hand mit dem ausgestreckten zeigefinger zugleich drei andere finger auf ihn selbst zurückweisen." dieses zitat damals konnte sich auf den springer-konzern beziehen ... - ... ebenso wie auf die gewalttäter, die die auslieferungsfahrzeuge des springer-verlages damals in brand setzten...

und hier zu dieser sz-kolumne fällt mir dieser satz ein, weil ich mein starkes unbehagen spüre, wenn die sz hier so tut, als berichte sie eine allgemeine meinung von irgendwelchen imaginären "genervten altlinken", die "das apfelbäumchen-bergpredigt-gesumse von neulinken wie dorothee sölle, hoimar von ditfurth [man schlage mal die verbindung zu seiner tochter jutta ditfurth ...] und franz alt nicht mehr hören wollten"... - aber die tatsächliche zitaten-quelle zu diesen ungeheuerlichen abqualifizierungen dieser "bergpredigt"-ideen und personen werden nicht mitgeliefert und bleiben uns verborgen - was bei mir den eindruck erweckt, als habe die/der verfasser(in) der sz-kolumne hier nur seine/ihre eigene einstufung mal eben so weitergeben wollen:
"gesumse" - "bergpredigt-gesumse": desto länger ich mir diese begriffe anschaue, um so wütender werde ich - und ich habe in den letzten tagen ein paar mal irgendwo den satz gehört: "wer wütend ist, hat keine angst mehr" ... - 
es hört sich für mich so an, als trauere die/der sz"streiflicht"-autor/in nun da hinterher, dass dieser "originelle" "gutmensch"-"neologismus" aus seiner zum klammheimlichen kichern und für das kabarett einsortierten manuskripten-schublade für eben dieses allgemeine "bergpredigt-gesumse" als "unwort" zum allgemeingut-gebrauch auch der k(n)ackbraunen scene mutiert wurde - an die "öffentlichkeit" gezerrt wurde ...


wie eh und je: schafherde in der wüste bei bethlehem ... - foto: meingruss.at


"bergpredigt-gesumse" - mir lässt dieser begriff keine ruhe:
ich habe es andernorts schon einige male erörtert, dass das bei jedem gottesdienst von den großen "christlichen" glaubensgemeinschaften allgemein vorgetragene "apostolische glaubenbekenntnis" das tatsächlich überlieferte leben jesu und seine ureigene glaubens- und lebensphilosophie gänzlich ausblendet und sträflich vernachlässigt - also das herzstück des christlichen glaubens überhaupt - das eigene persönliche bekenntnis des "ich glaube" ... - in dem es sich nur auf die geburt und den tod jesu und seinen interpretationen und folgen bezieht:
...denn nach "geboren von der jungfrau maria ..." kommt direkt: "gelitten unter pontius pilatus ...": kein wort - kein satz zur bergpredigt [... und deren ...-"gesumse" ... - weil eben schon im 5. jahrhundert - als dieses "apostolische" bekenntnis entstand [von den "aposteln" steht da nicht eine silbe drin ...] - die durch und durch vom paulinischen denken unterwanderten kirchen eben dieses jesus-"gesumse" auch nicht im bekenntnis des "glaubens" beten wollten ...] - keine zeile zur "reich-gottes-lehre mitten unter uns" - kein satz zur "goldenen regel" - matth. 7,12: „alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ - kein wort zu markus 12,29ff: „ ... du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft - als zweites kommt hinzu: du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst - [ich wieder hole noch einmal unterstreichend: ..."wie dich selbst" ...].“
aber all dieses "gesumse" hat ja trotzdem zu einem nicht unerheblichen teil dazu beigetragen, dass wir heute von einem "christlichen abendland" faseln können und von unseren "werten":
  • die einen, um muslime daraus auszusperren und abzuwehren - 
  • die anderen, um mit einem solchen "apfelbäumchen-bergpredigt-gesumse" als sogenannte oder beschimpfte "gutmenschen" ihre hilfsbereitschaft für die "nächsten", für fremde und nachbarn aus dem globalen dorf zu untermauern - und [leider] auch rechtfertigen zu müssen ...
all diese selbstverständlichen werte werden plötzlich in frage gestellt - und kommen auf den prüfstand - auch bei den parteien mit dem "c" im namen. ich bin gespannt, wann mal irgendwer den tatsächlichen mut hat, dieses "c" in den parteinamen mit einer erweiterten "gebrauchsmusterschutz-klage" oder so etwas ähnliches erfolgreich anzufechten ... - zeit wäre es ...

amerikanischen delegierte des internationalen friedens-kongresses der frauen, der in den haag im jahre 1915 stattfand - Quelle: wikimedia-commons


also - die inzwischen auch schon wieder als "alt-linke" zu bezeichnenden menschen, die als jesu-
jünger(innen) der theologie und den gedanken einer dorothee sölle und den aktionen eines hoimar von ditfurth und eines franz alt noch immer folgen - und die für so etwas wie "frieden schaffen - ohne waffen" oder "liebe deinen nächsten - wie dich selbst" oder die neben den östlichen meditationstechniken an ein "reich gottes - jetzt!" und an ein neues zeitgemäßes reform-"update für den glauben" im hier & jetzt - [also nicht nur damals - vor 2000 jahren] ...glauben und eintreten, sind die schlechtesten nicht - und diese "gutmenschen" und "spinner" halten ewige allerwichtigste menschliche werte hoch ... - und eben nicht diese eintagsfliegen wie sie zur zeit überall umherschwirren ... - um sich hinterrücks beim geldzählen ins fäustchen zu lachen ...
wenn sie verstehen, was ich meine - und chuat choan -wird schon wieder - kein "gesumse" wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird ... - S! 

ENDLOSSCHLEIFE - zum x-ten mal ...

S!: endlosschleifen: nochmal und nochmal und nochmal und nochmal und nochmal und nochmal ...



























  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am 5. November 2015.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am 28. Januar 2016.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am ........... 2016.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am ........... 2016.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am ........... 2016.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am ........... 2016.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am ........... 2017.
  • "Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer haben sich auf eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik geeinigt." So begann eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE am ........... 2017.
S!: endlosschleife mit schieflage



................

usw. - usf. - ... 

- und dann sind erst einmal bundestagswahlen - vielleicht ende september 2017 ... - wenn bis dahin keiner aus der kurve getragen wird ... S!


und auf vielfachen wunsch nochmal zur erinnerung:


Donnerstag, 28. Januar 2016

merkel hat schabowski's zettel verklüngelt ...


standardfoto mit immer wieder neuer ausstattung, kostüme und requisite ... - foto nach © kay nietfeld/DPA | SPIEGEL.de
(der schatten vorn ist nicht etwa der erhobene linke arm der kanzlerin - sondern eine an der einigung vorbeifliegende friedenstaube: in der nacht sind aber alle katzen grau - und weiße friedenstauben eben schwarz ...)



»You can get the boxer out of  the ghetto, but not the ghetto out of the boxer.« - 
So was gilt neuerdings auch in der Politik: 
»Du kriegst die Frau aus dem Pfarrhaus, aber du kriegst das Pfarrhaus nicht aus der Frau.«














es ist fast immer das gleiche ritual - der regisseur benutzt immer das gleiche drehbuch - und jedem der schauspielernden akteure auf den brettern, die die welt bedeuten, hängt seine "ureigene" aber ewig gleiche kasperle-rolle sicherlich schon längst zum halse raus: egal - ob tarifverhandlungen, pilotenstreik-abwendungsverhandlungen, umweltverträge, regierungskrisen aller art - mistverständnisse - missverständnisse - mir nichts dir nichts: all dieses zeugs wird jeweils in der nacht verhandelt von diesem lichtscheuen gesindel - zu nachtschlafenden zeiten fängt man ja zumeist erst an miteinander zu sprechen - zu "verhandeln" - "zäh miteinander zu ringen" - so will man uns das wenigstens vorgaukeln ... (längst haben die unterhändler und büro-teams zu ganz normalen arbeitszeiten ohne jede nachtarbeitsaufschläge einen kompromiss gefunden - und den durchtelefoniert - und der liegt bereits längst paraphiert im safe ...

da hat der DPA-reporter "zufällig" gleich ne serie geknipst - und die friedenstaube ist weiter geflogen in die schwarze nacht: foto nach © kay nietfeld/DPA | stern.de



ja - dieses persönliche "miteinander ringen" - auf deubel komm raus - das ist natürlich nur politshow bzw. politposse: mit video-zuschalte und konferenzschalte - und mit skype - könnte man sich zu normalen arbeitszeiten sogar tat-sächlich in die augen schauen - und viel fahrgeld und flugbenzin einsparen - und nachtaufschläge für die fahrer, für die security, für staatssekretäre und ihren jeweiligen büro- und zuflüsterer-apparaten - und all den schillernden lobbyisten, die eigentlich in der lobby hin und her flanieren müssten - oder eben auch mal gerade schon längst telefoniert haben - und alles klar machen: den neuen erhöhten wehretat, neue gelder für die gebeutelten bundesländer - wegen ... - ach sie wissen schon ... - und mehr geld für die bundespolizei - und da muss der wolfgang (schäuble) erst mal schlucken - der ist als einziger live zugeschaltet (wegen seines handicaps) ...

- und laufend werden die neuesten detaillierten zahlen von infratest und der forschungsgruppe wahlen und emnid sondiert und abgeglichen: wie komme ich an - welcher #shitstorm läuft wo gegen wen gerade ... - und - wie war ich - wie bin ich - wie komme ich an - wo komme ich her - wo gehe ich hin - was soll ich wollen - was passt gut ins gesamtbild - was lass ich lieber - ich weiß nicht mehr was ich eigentlich will - was sind meine ureigensten stärken - wenn du verstehst ... - wie steht's mit meinen frauen und mannen in der partei - also ich werde auch nicht mit der afd - und das hatten wir ja damals auch: erst bei den grünen - dann bei den linken - bei den rechten sowieso schon immer - (ach wie siehts eigentlich aus mit dem npd-verbot - ich meine, jetzt wo du's sagst ... ???) -  und jetzt mit der afd wieder der gleich zirkus:  reden ist silber - schweigen ist gold ... - vor sich hin brüten kommt immer gut an - wir reden zu viel und zuviel - wegducken - auch mal die schnauze halten - schluck runter ... - also eher macht die spd mit der linken - als wir mit der afd - das glaub ich aber ...

da - da schau mal - es hat geblitzt: da - da unten hat uns einer fotografiert hier oben - wahrscheinlich dieser dpa-nietfeld, der hat jetzt seinen termin für uns hier oben am fenster - der hat das mit dem presseamt so abgesprochen ... los wir gehen jetzt mal hier vom großen fenster ne zeitlang weg - und in ca. 36 minuten haben zwei von uns sinnierend die hände in den taschen - und du angela, schreitest wildgestikulierend auf und ab - natürlich vor dem fenster - und steck das der presse - dass die dann wieder fotografieren - hahaha - ich glaube, dann ist REUTERS dran - und die wollen das so haben mit den wilden gesten und so ...

warum schreiben die immer "nacht-sitzungen" in unsere drehbücher ... - und warum verkünden wir immer nacheinander - so ab gegen 03.38 ff. uhr den "durchbruch" nach "zähen verhandlungen" - und das ist ja so bei einer triade: wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte ... - nicht wahr genosse gabriel ... - aber vorsicht - wenn du dich gleich mit angela - freut sich der horst - und wenn du mit dem horst - freut sich die angela ... - aber ... - mein gott - das könnte man doch auch tagsüber bereden - aber dann schlafen eben zu viele foto-journalisten noch - wegen dieser ewigen nachtsitzungen ... - raute hin - raute her ...

wenn sie verstehen, was ich meine - 
und chuat choan - 
früher war auch nicht alles besser ... S!


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p.s.: den boxer-spruch mit dem ghetto habe ich heute in der ZEIT gelesen ....