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Sonntag, 22. Oktober 2017

touch of red - meditation



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Samstag, 21. Oktober 2017

The Surrealism Dancing

The Surrealism Dancing | S!NED!|art

Freitag, 20. Oktober 2017

das ewige rätsel: die bibel


S!|art



die bibel?
die bibel - sagt er - das ist ja ein antikes sammel-lehrbuch menschlicher tiefenpsychologie
mit dem der in diese welt hineingeworfene mensch nach der abnabelung von der (ur-)mutter allmählich diese ewigen existenziell relevanten fragen sich selbst und seinen angehörigen stellt und auch beantworten will - mit dem ihn lebenslang begleitenden raum-, bild- und begriffsarealen im kopfkino mit seinem imaginationsgeschehen in tag- und nachtträumen - nämlich:
  • woher kommen wir? 
  • wer sind wir? 
  • wohin gehen wir?

und die seele schafft da in uns ein ganzes heer von bedeutungsschwangeren phantasiefiguren mit bestimmten rollenzuweisungen, die anfangen miteinander und mit dem individuum zu kommunizieren und sich zu inszenieren, zu beeinflussen und zu koordinieren, wodurch sich einredungen und affirmationen formulieren und bahnen ...

diesem inneren oder gehörten zumeist narrativen geschehen wurde in den noch spärlichen antiken medien ausdruck verliehen: es wurde notiert und skizziert und erzählt und weitergegeben. so bildete sich im laufe der zeit - zunächst regional und kulturell umgrenzt - eine grundfassende ankernde funktion, eine sinnstiftende struktur zwischen dem leitplanken aus, die dieses leben hier auf erden in seinen alltäglichen äußeren und inneren dimensionen (wieder-)erkennbar und damit trittsicherer macht - in immer weiter sich ausbreitenden räumen ...

genau unter dieser prämisse können wir die biblischen texte auch in ihrer partiellen widersprüchlichkeit lesen und verstehen lernen. sie sind von verschiedenen ganz menschlichen autoren in unterschiedlichen epochen festgehalten, die jeweils inspiriert und überzeugt und sogar überwältigt und auch manchmal "politisch" und "propagandamäßig" vereinnahmt worden waren. und so haben die formulierungs- und erklärungswege kompass- und seismograph-funktionen erlangt - im guten wie im schlechten - und im alltäglichen "dahin & daher" ... - und so auch in:
  • glaube, hoffnung, liebe - 
  • diese drei; 
  • aber die liebe 
  • ist die größte unter ihnen (1. kor.13,13).



woher kommen wir - wer sind wir - wohin gehen wir | paul gauguin 1897/1898 

Fuchs - hast Du ne Gans gestohlen ???

Warum ein Fuchs in einen Berliner Bus kletterte
Von Jörg Rößner | welt.de


Ein Berliner Busfahrer bekommt während einer Pause zwischen zwei Fahrten überraschenden Besuch von mehreren Füchsen. Ein Experte erklärt, warum das kein ungewöhnliches Verhalten ist.


Der Twitter-Account der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist bekannt für seinen Humor und seine Schlagfertigkeit. Seit knapp drei Jahren kommentieren dessen Social-Media-Experten die Ereignisse rund um den öffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt mit einem Augenzwinkern.

Für den mit 2900 Likes (Stand: Freitag, 12.15 Uhr) beliebtesten Tweet seit mehr als zwei Monaten brauchten sie allerdings ein bisschen fremde Hilfe: Am Donnerstag postete die BVG das Foto von einem Fuchs, der gerade dabei zu sein scheint, in einen Bus zu klettern, als dieser mit offener Tür zwischen zwei Fahrten eine Pause macht. Knapp hinter ihm und noch etwas weiter entfernt stehen zwei weitere Füchse und beobachten das Geschehen.

Gewohnt launig kommentiert die BVG das Bild, das ein Busfahrer im Dunkeln machte: „Und wenn Se n Grizzlybär wärn… Tür frei, sonst geht’s hier nicht weiter.“

BVG - twitter - welt.de

Die Aufnahme ist gut zehn Tage alt, sie entstand am Wochenende des 7. und 8. Oktobers an der Endhaltestelle der Linie 169 in Müggelheim im Bezirk Treptow-Köpenick.

„Das ist kein ungewöhnliches, sondern ein typisches Verhalten“, sagt Derk Ehlert, Referent der Berliner Senatsumweltverwaltung und großer Fuchs-Experte. „Sonst wären sie auch nicht in der Lage, in der Stadt zu leben.“ In Berlin gibt es insgesamt 1400 Fuchsreviere.

Die fotografierten Füchse sind Ehlert bekannt. Der Fuchsbau dieser drei Tiere sei nur etwa 200 Meter von der Haltestelle entfernt, erzählt er und identifiziert das Tier im Bus als den Alt-Fuchs. Im Hintergrund seien zwei seiner drei Jungtiere, die in diesem Jahr geboren wurden, zu sehen. Die vermeintliche Familienidylle trüge jedoch: In wenigen Wochen beginne das Muttertier die Jungtiere zu verjagen, um sich ab Januar der nächsten Paarungszeit widmen zu können.

Essensreste sind „Dauer-Supermarkt für Tiere“

Ehlert ist sich sicher, dass die Tiere nicht durch das Licht oder die offene Bustür angezogen worden seien, sondern durch ein Geräusch. Wahrscheinlich hielten sie sich sowieso relativ oft der Haltestelle auf. Denn die Essensreste dort seien ein „Dauer-Supermarkt für Tiere“.

Die Situation sei für den Busfahrer, der schnell auf den Auslöser drückte, nicht bedrohlich oder gefährlich gewesen, so Ehlert. Allerdings hätte er die Tiere nicht streicheln dürfen. Denn dann hätte er schnell gemerkt, dass Füchse von ihrer Natur aus eben Wildtiere sind, die sich in bestimmten Situationen auch entsprechend verhalten können.

Laut Ehlert sei dies nicht das erste Mal in den vergangenen 20 Jahren gewesen, dass sich Rotfüchse einem BVG-Bus oder sogar einer U-Bahn genähert hätten. Bei ähnlich aufmerksamen Bus- und Bahnfahrern kann sich die BVG also noch auf ein paar weitere Social-Media-Erfolge freuen.

Die schlauen Füchse sind eben auch nur Menschen: Sie haben Hunger, fahren gern schwarz in den öffentlichen Verkehrsbetrieben - und schmeißen bald ihre erwachsenen Kinder aus dem Haus (... aus dem Bau), um wieder ihre Ruhe zu haben ... - Geht doch ...-S!

Donnerstag, 19. Oktober 2017

FURCHTBAR IST ES ZU TÖTEN


AUTOREN-FILM: DEUTSCHLAND IM HERBST - 1978



_________________________

„Es war eine Tragödie“

40 Jahre nach der Ermordung Hanns Martin Schleyers darf es kein Staatsgeheimnis Stammheim geben. Die Akten müssen auf den Tisch. Das ist der Staat, der das Leben Schleyers nicht retten konnte, den Angehörigen schuldig. 

Eine Dokumentation.

Eine Rede von WELT-Herausgeber und RAF-Kenner Stefan Aust, die er am 18. Oktober im Schloss Bellevue im Beisein vieler Angehöriger der Opfer terroristischer Gewalt hielt.

Liebe Familie Schleyer,

sehr geehrter Herr Bundespräsident,

meine Damen und Herren!

Der Deutsche Herbst 1977, er jährt sich zum 40. Mal, und mit ihm jähren sich Todestage, Todestage von Menschen, die von Terroristen der RAF gezielt oder ungezielt ermordet worden sind. Einer von ihnen war Hanns Martin Schleyer, und bevor er gezielt und in kurzer Distanz erschossen wurde, hatte er 44 Tage in Geiselhaft gelitten, hatte um sein Leben gekämpft und wusste wohl doch, dass er am Ende diesen Kampf verlieren würde.

Die Bundesregierung war nicht bereit, sein Leben gegen die Freiheit von Terroristen einzutauschen, die wegen Mordes verurteilt worden waren und von denen man weitere Mordtaten erwarten konnte, wenn man der Erpressung nachgegeben hätte.

Es war, so sagte es mir einmal Helmut Schmidt, wie in einer griechischen Tragödie – wie man sich auch entschied, man machte sich schuldig.

Am Anfang stand der Aufbruch

Sie, Herr Schleyer, haben damals für das Leben Ihres Vaters gekämpft und konnten es dennoch nicht retten.

Der Deutsche Herbst 1977 ist aber nicht nur das Ende eines Jahres der Gewalt, er ist auch das Ende eines Jahrzehnts, das grundlegende Veränderungen in der Gesellschaft markierte, positive und zugleich auch grauenerregende Brüche, globale und auf ganz besondere Weise auch sehr deutsche Brüche.

Am Anfang stand der Aufbruch. „Unter den Talaren, Muff von 1000 Jahren“ hieß einer der Sprüche der Studentenbewegung, die den Abschied von angestammten Traditionen der deutschen Universitäten propagierte. Es sollte moderner zugehen, demokratischer, offener. Man wollte sich nicht mehr von althergebrachten Autoritäten gängeln lassen und schon gar nicht von jenen, die für die Schrecken des Dritten Reiches und ihres Vernichtungskrieges verantwortlich gewesen waren.

Die Befreiung der Dritten Welt von Kolonialismus und Imperialismus stand auf dem Plan. Und der Kampf gegen den Krieg, den die Amerikaner in Vietnam führten. Da begann man sich schon – in allerbester Absicht – mit Diktatoren zu solidarisieren. „Ho – Ho – Ho Chi Minh“ klang es dann über den Kurfürstendamm.

Und die Amerikaner, die in West-Berlin die Freiheit gegen den Kommunismus verteidigten, mutierten über Nacht zum Lieblingsfeind der revoltierenden Studenten. Aus Eiern auf das Amerikahaus wurden Farbflaschen, dann Steine, dann Molotowcocktails und schließlich selbst gebastelte Bomben. Und kräftig eskaliert wurde von beiden Seiten.

Als der Schah von Persien zum Staatsbesuch anrollte, wurde friedlich demonstriert, dann schlugen persische Geheimdienstschläger zu, dann fiel ein Schuss aus der Pistole eines West-Berliner Polizisten, der, was damals noch keiner wusste, im Nebenberuf für die Stasi arbeitete.

Der 2. Juni 1967 war der Beginn eines Jahrzehntes der Gewalt. Und die wurde zunehmend zum Programm. Verantwortlich dafür waren nicht nur jene, die in den Untergrund abtauchten.

Der West-Berliner Studentenführer Rudi Dutschke saß auf einem Schreibtisch vor einem Plakat mit der Aufschrift „Es brennt, es brennt, ein Kaufhaus brennt …“ und erklärte vor laufender Fernsehkamera: „Wir müssen gegen das System mit aller Gewalt vorgehen …“

Kurze Zeit später brannten in Frankfurt zwei Kaufhäuser, und der Pfarrer Ensslin, Vater der Brandstifterin Gudrun Ensslin, sprach in einem Interview zur Tat von einer „ganz heiligen Selbstverwirklichung“ seiner Tochter, „im Sinne des heiligen Menschentums“.

Sie wollten die Fackel der abflauenden Studentenbewegung weitertragen, buchstäblich. Und allzu viele beteiligten sich, entweder selbst im Untergrund oder als Helfer und Sympathisanten. Das machte die RAF anfangs bei vielen geradezu chic. Wenn die berühmte linke Journalistin Ulrike Meinhof, die man von ihren Kolumnen und ihren Fernsehauftritten kannte, dabei war, dann hatte der Untergrundkampf geradezu einen Heiligenschein.

Wohnungen und Pässe wurden zur Verfügung gestellt; da führten ein paar unerschrockene Genossen den Krieg, den viele gern selbst geführt hätten, aber zum Glück nicht mutig genug waren, um selbst zum Attentäter zu werden und das eigene Leben zu riskieren.

Als die ersten Bomben explodierten und amerikanische Soldaten in Frankfurt und Heidelberg in Stücke rissen, sahen manche das als Teil des Vietnamkriegs – und ein durchaus renommierter Anwalt verglich das später im Prozess mit einer möglichen Bombe auf das Reichssicherheitshauptamt, von dem aus die Vernichtung der Juden organisiert worden sei.

Es ging einiges durcheinander in den Köpfen damals – und hatte doch, wie in jedem Wahnsystem, seine eigene Logik. „Welche Niedrigkeit begingest du nicht, um die Niedrigkeit auszutilgen …“ zitierte Ulrike Meinhof den Dichter Bertolt Brecht. Und fügte gleich noch ein paar Verse aus dem Stück „Die Maßnahme“ hinzu, die geradezu programmatisch waren, für das, was sie sich zum Ziel gesetzt hatten:

„Furchtbar ist es zu töten.
Aber nicht andere nur,
auch uns töten wir,
Wenn es Not tut.
Da doch nur mit Gewalt
Diese tötende Welt zu verändern ist,
Wie jeder Lebende weiß …“

Nicht nur der Mord gehörte zum Programm der heiligen Selbstverwirklichung, auch der Selbstmord gehörte dazu.

Nur zwei Jahre dauerte der Untergrundkampf der ersten RAF-Generation, es gab Tote und Verletzte bei Bombenanschlägen, Polizisten wurden erschossen, denn „natürlich kann geschossen werden, der Typ in Uniform ist ein Schwein“, wie es Ulrike Meinhof in einem Text für den „Spiegel“ formuliert hatte. Und es starben auch unter Polizeikugeln bei Festnahmeversuchen Gruppenmitglieder wie die junge Friseurin Petra Schelm.

Stammheim – ein Denkmal aus Stahl und Beton

Dann schien der Spuk vorbei. Der harte Kern der Gruppe wurde verhaftet und saß hinter Gittern. In Isolationshaft, woraus schnell „Isolationsfolter“ wurde. Jetzt waren aus den Tätern Opfer geworden. Und die abgestorbene Welle der Sympathie in Teilen der linken Öffentlichkeit kehrte langsam zurück.

Der Staat baute ihnen ein eigenes Gefängnis und ein eigenes Gerichtsgebäude: Stammheim – ein Denkmal aus Stahl und Beton. Damit wurden die RAF-Gründer erst richtig bedeutend. In dem vergeblichen Versuch, einen politischen Prozess zu verhindern, machte das Oberlandesgericht Stuttgart aus dem Verfahren einen Schauprozess, in dem Angeklagte, Verteidiger, Staatsanwälte und Richter alle Aspekte des Terrorismus durchdeklinierten. Und alles wurde auf Tonband aufgenommen und auf gut 15.000 Seiten wortwörtlich abgeschrieben.

Nur von drei Prozessen im Nachkriegsdeutschland gibt es solche Wortprotokolle: Nürnberg, Auschwitz, Stammheim.

Durch Stammheim hatte die RAF plötzlich eine Hauptstadt. Und eine zweite Generation, deren Ziel nun die Befreiung der Gefangenen wurde. Die RAF war nun ihr eigenes Thema geworden. Die Stammheimer – wie Heilige einer politischen Sekte. In Hungerstreiks wurde „der Körper zur Waffe gemacht“, wurde entschieden, wer „fressen durfte“ und wer nicht. „Du bestimmst, wann du stirbst“, schrieb Gudrun Ensslin an Holger Meins, und der fügte sich und starb, bei 1,83 Meter Körpergröße noch 39 Kilo schwer.

Ulrike Meinhof bekam offenbar Zweifel, sprach im Prozess über die Unmöglichkeit des Aussteigens, schrieb an den Rand eines Zellenzirkulars „Selbstmord ist der letzte Akt der Rebellion“, riss ein weiß-blau gestreiftes Anstaltshandtuch in Streifen, knotete diese aneinander und erhängte sich damit am Fenstergitter ihrer Zelle.

Und dann das Jahr 1977. Der Prozess ging zu Ende. Es ging um „lebenslänglich“. Der Druck nahm zu, das hatten auch die Sicherheitsbehörden gemerkt – und schon länger darüber nachgedacht, die Gespräche der Gefangenen abzuhören. 1977 flog die erste Maßnahme auf, und es wurde zugegeben, in zwei Phasen, bezogen auf den Paragrafen 34 („rechtfertigender Notstand“) Gespräche zwischen Angeklagten und ihren Verteidigern heimlich abgehört zu haben.

Was man verschwieg: Mithilfe des BND waren Mikrofone auch in zwei Besprechungszimmern neben dem Prozessgebäude, in dem die Gefangenen in Prozesspausen untergebracht waren, installiert worden. Wenn das damals herausgekommen wäre, hätte es das Ende des Prozesses bedeutet.

Grund für die Abhörmaßnahme – schriftlich festgehalten und nachzulesen im Staatsarchiv Ludwigsburg: Ihre Benutzung dürfe nur erfolgen, „wenn eine Geiselnahme erfolgt ist und konkrete Gefahr für das Leben von Menschen besteht“. Das war im Frühjahr 1977, ein halbes Jahr vor der Entführung Hanns Martin Schleyers.

Grauenvolle Fehler bei der Fahndung

Auch die Wohnzellen der Gefangenen selbst im 7. Stock des Hochsicherheitstraktes sollten verwanzt werden, Unterlagen darüber gibt es. Ob das erfolgt ist oder ob man sich lieber in die heimlich gebaute Kommunikationsanlage der Gefangenen einschaltete, ist bislang ungeklärt. Indizien und sogar Zeugenaussagen hoher Beamter dazu gibt es.

Der Chef der Staatsschutzabteilung des LKA Baden-Württemberg sagte mir schon vor Jahren auf die Frage, ob die Gefangenen während der Schleyer-Entführung abgehört wurden: „Es wäre doch idiotisch, wenn man solche Einrichtungen nicht nutzen würde, um das Leben Schleyers zu retten. Alles, was machbar war, wurde gemacht.“

Doch die betreffenden Behörden in Baden-Württemberg und Berlin halten immer noch Akten zu diesem Thema geheim. Kein Wunder, dass weiter Verschwörungstheorien über die angebliche Ermordung der Stammheimer kursieren – wie etwa am vergangenen Sonntag ausgerechnet im „Tatort“ der ARD.

Nach 40 Jahren muss Schluss sein mit der gefährlichen Heimlichtuerei. Ein Staatsgeheimnis Stammheim darf es nicht geben. Zumindest das ist der Staat, der das Leben Hanns Martin Schleyers nicht retten konnte, den Angehörigen schuldig.

Wir alle wissen, welche grauenvollen Fehler bei der Fahndung 1977 gemacht worden sind. Der schlimmste war die sogenannte Fahndungspanne in Erftstadt-Lieblar, wo der Entführte mehrere Tage im Hochhaus Am Renngraben festgehalten wurde – und die Polizei vor Ort wusste das. Ihr Hinweis ging in der überbordenden Fahndungsbürokratie irgendwie unter.

Aber anstatt sich einmal ans Telefon zu hängen, um bei der Vorgesetzten Dienststelle zu fragen, was aus dem Hinweis geworden war, fuhr der örtliche Beamte mit seiner Frau am Hochhaus vorbei, zeigte nach oben und sagte: „Da oben sitzt Schleyer.“

Es war eine Tragödie, damals vor 40 Jahren, und schuld waren natürlich diejenigen, die die RAF gegründet hatten, die sie unterstützt hatten, die Entführer, die Mörder, die Gruppenmitglieder, die halfen, die Sympathisanten.

Vertuschen ist die Grundlage des nächsten Versagens

Aber diejenigen, die bei der Fahndung versagten, sollten nicht den Deckel über ihre Versäumnisse schlagen, sondern offen dazu stehen. Nur wenn klar wird, was schiefgegangen ist bei dem Versuch, einen Menschen aus der Geiselhaft zu befreien, kann daraus gelernt werden. Vertuschen ist die Grundlage des nächsten Versagens.

Der Spruch des Geheimdienstkoordinators aus dem Kanzleramt zum Schreddern der NSU-Akten, ausgesprochen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages, darf niemals zur Maxime behördlichen Handelns werden: „Es dürfen keine Staatsgeheimnisse bekannt werden, die Regierungshandeln unterminieren.“

Vielleicht hat der ehemalige Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz sogar recht. Aber anders, als er meint. Es ist nicht das Bekanntwerden von Staatsgeheimnissen, das Regierungshandeln unterminiert. Es sind die Staatsgeheimnisse selbst, die das Vertrauen in die Demokratie und in ihre Institutionen unterminieren.


DIE WELT - Ausgabe vom 20. Oktober 2017
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ich war 1977 30 jahre alt - und habe diesen "deutschen herbst" ganz bewusst erlebt und erinnere mich, als sei das alles gestern gewesen ... 
ich habe mir ein jahr später auch den autoren-film "deutschland im herbst" (oben) angeschaut, der diese damalige tragödie - auch in ihren in mancher hinsicht heute so empfundenen verkorksten "peinlichkeiten" in einigen szenen - atmosphärisch ganz gut einfängt ... 
heute nun - 40 jahre später - lese ich diese  wichtige "auf-arbeitung" von "zeit"-herausgeber stefan aust - eine notwendige dokumentation mit vielen fakten aber auch fragen ... - und dadurch hält sich die notwendige ausgewogenheit - benennt das unfassbare auf der einen seite wie auf der anderen ... 
alles - was gedacht und getan wurde damals, war irgendwie verstrickt - verstrickt in und mit "schuld" und dem letzten fünkchen moral, wenn man nicht gänzlich skrupellos veranlagt war... : die unversöhnlichen konsequenzen auf allen seiten erzeugten - wenigstens bei mir - in den einzelnen handlungsschritten jeweils auch "verständnis": die phase, wo man schadlos aus der sich hochschaukelnden nach oben eskalierenden spirale herausgekommen wäre, war vertan - der konflikt war letztlich "unentscheidbar" - und es ging den unmittelbar beteiligten um angeblich unumwerfbare "prinzipien" - und bei allem herumgehampel auch um "macht" ... - um einfaches macho-verhalten: "wer hat den längsten" ... 
wie wäre dieser herbst wohl ausgegangen, wenn im bundeskanzleramt kein schnarrender reserveoffizier und "macher" gesessen hätte - sondern schon damals eine frau - und wenn weniger baader das sagen bei der raf gehabt hätte, sondern viel mehr die pfarrerstochter gudrun ensslin ... - wenn damals all diese akteure aus ihren vermeintlichen "rollen" hätten schlüpfen können ... - aber: hätte-hätte - fahrradkette ...
32 jahre nach kriegsende war es immer noch da - dieses deutsche chronische sodbrennen, ausgelöst durch all die verdrängte und heruntergeschluckte nazi-schuld von papa, mama, opa und oma, onkel und tante ... denn ohne dieses eingeimpfte und genetisch durch spiegelneuronen unbewusst weitergegebene "post-nazi-gewissen" hätte es keinen "deutschen herbst" gegeben...
und jetzt - weitere 40 jahre später kommt immer noch ein jüngst wieder zunehmender leiser schluckauf ab und zu ... - der sich bei ausbleibender darmentleerung wieder zu einer brennenden sod entwickeln kann - ja: hier draußen - hier im innern des landes - da leben sie immer noch - und da leben sie wieder - nach urväters sitte - mit dem "christlich-völkischen abendland" auf du und du ... -S!

Mittwoch, 18. Oktober 2017

rote linie

rote linie | S!NED!|art

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auswanderung und einwanderung




JULIAN NIDA-RÜMELIN

„Recht auf Auswanderung, kein Recht auf Einwanderung“

Von Marcel Leubecher | welt.de

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin warnt vor zu starker Konzentration unserer Solidaritätsressourcen auf Migranten. Mit einer Summe in Höhe der Flüchtlingsaufnahmekosten könne man etwa den Hunger weltweit ausrotten.


DIE WELT: Herr Professor Nida-Rümelin, Sie sprechen sich aus kosmopolitischen und humanitären Gründen gegen offene Grenzen aus, wie kommen Sie dazu?

Julian Nida-Rümelin: Kosmopoliten halten Grenzen streng genommen für illegitim, weil sie es ablehnen, dass der Geburtsort die Lebenschancen einer Person bestimmt. Sie sagen, wenn jemand sein Leben an einem anderen Ort verbringen möchte, ist es sein gutes Recht, dorthin zu ziehen. Nun sind die meisten Anhänger des Kosmopolitismus nicht so dogmatisch, dass sie die Grenzenlosigkeit von heute auf morgen für realisierbar halten, sie setzen sich aber für möglichst wenig Grenzziehung und Abweisung ein.

Die Gegenposition dazu nehmen in der politischen Philosophie die Kommunitaristen ein, für sie ist der Zusammenhalt durch die Zugehörigkeit der Menschen zu politisch oder kulturell verfassten Gemeinschaften derart zentral, dass das Recht auf globale Freizügigkeit hintanstehen muss. Das aus philosophischer Sicht Besondere meiner Position ist, dass ich gegen offene Grenzen aus einer kosmopolitischen Perspektive argumentiere.

DIE WELT: Welche kosmopolitischen Gründe sprechen für diese Begrenzung der Freiheit?

Nida-Rümelin: Es gibt ein kosmopolitisches Interesse an staatlicher Gestaltung unserer Lebensbedingungen. Wir alle, und mit „wir“ meine ich die Weltgesellschaft, haben ein Interesse, dass Regierungen von ihren jeweiligen Bürgerschaften kontrolliert werden und in der Lage sind, staatliche Solidarstrukturen zu etablieren.

Sozialstaatlichkeit setzt voraus, dass sich die Bürgerschaft auf Regeln verständigt, nach denen Sozialrechte zugewiesen werden, nach denen Steuermittel erhoben und eingesetzt werden, um mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Das alles setzt die Existenz einer abgegrenzten Bürgerschaft voraus, die die politischen Geschicke ihres Landes gestaltet.

DIE WELT: Dies ist aber auch mit starker Migration möglich.

Nida-Rümelin: Ja, viele Länder profitieren von starker Zuwanderung, aus meiner Sicht könnte die Welt sogar mehr transkontinentale Migration als heute vertragen. Ich lehne aber eine Welt der offenen Grenzen ab, wie sie von Marktradikalen und vielen Linken gefordert wird, weil die allgemeine Auflösung der politischen Verantwortung in einem globalen Markt, nicht nur der Güter und Dienstleistungen, sondern auch der Arbeitskräfte, mit der politischen Gestaltung nicht vereinbar ist.

Außer man entscheidet sich für eine Weltstaatskonstruktion. Diese ist aber nicht nur völlig unrealistisch, sondern auch gefährlich. Ich stimme Immanuel Kant zu, der 1795 in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ davor gewarnt hat, dass ein solcher Weltstaat despotisch werden könnte.

DIE WELT: Kant fordert darin aber ein Weltgastrecht …

Nida-Rümelin: Mit der völkerrechtlichen Verbindlichkeit der Genfer Flüchtlingskonvention haben wir eine Konkretisierung dieses Welthospitalitätsrechts. Kant spricht aber nicht von einem Recht auf Einbürgerung in einem anderen Land, sondern von der Pflicht, den aufnahmebegehrenden Menschen als Gast aufzunehmen, also zeitlich befristet. Oder modern gesprochen: ohne Integrationsperspektive. Mein Recht, jeden zu heiraten, den ich heiraten möchte, schließt nicht die Pflicht jedes Menschen ein, mich zu heiraten. Diese Asymmetrie gilt auch in der Staatenwelt: Ich habe ein Recht auf Auswanderung, ich habe aber kein Recht auf Einwanderung.

DIE WELT: Zementieren wir damit globale Ungleichheit?

Nida-Rümelin: Nein, die Steuerung der Wanderungsbewegungen ist entscheidend. Die planlose Migrationspolitik der Europäer führt dazu, dass Regionen in Ostafrika, aber auch in Europa, etwa in Montenegro, durch die Abwanderung vieler junger Menschen veröden.

Es kann nicht sein, dass wir hier durch schlechte Bezahlung oder vernachlässigte Ausbildung in vielen sozialen Berufen ein Nachwuchsproblem schaffen und dann in Osteuropa, Südamerika oder Afrika Krankenschwestern und Pflegekräfte abschöpfen, die allerdings in ihrer Heimat dringend benötigt werden. In dem diskutierten neuen Einwanderungsgesetz im Interesse der deutschen Wirtschaft sollte zugleich eine Kompensation der Herkunftsstaaten für die Ausbildungskosten festgelegt werden.

DIE WELT: Wie kompensieren wir einen armen Staat für einen nach Deutschland ausgewanderten Ingenieur?

Nida-Rümelin: Dazu hat die Politikwissenschaftlerin Gillian Brock schlaue Vorschläge erarbeitet: An einer Kompensation sollten sich alle beteiligen, die von dem Transfer profitieren. Zuerst profitiert natürlich die migrierende Person. Weil sich deren Realeinkommen meist vervielfacht, kann man guten Gewissens einen Teil dieser Verbesserung abschöpfen und in das Ausbildungssystem des Herkunftslandes zurückfließen lassen. Zweitens profitiert der neue Arbeitgeber. Er bekommt dadurch eine Arbeitskraft, die er sonst nicht oder zu höheren Kosten hätte. Und drittens profitiert der Staat, der damit ein Ausbildungs- und Demografie-Defizit behebt.

DIE WELT: Tragen wir durch Aufnahme aus den Armutsregionen aber nicht auch zur Milderung der Weltarmut bei?

Nida-Rümelin: Inzwischen ist durch viele Untersuchungen belegt, dass unter den Transkontinentalmigranten, also jenen, die aus armen in reiche Weltregionen auswandern, meist nicht die Ärmsten ihrer Staaten sind. Die zehntausend Dollar für die Reise nach Europa können die Ärmsten nicht aufbringen. Laut UN sind 720 Millionen Menschen weltweit chronisch unterernährt, zuletzt mit steigender Tendenz, 1,2 Milliarden Menschen leben von weniger als einem US-Dollar Kaufkraft, über zwei Milliarden von weniger als zwei US-Dollar Kaufkraft am Tag, diese kommen aber nicht nach Europa oder in die USA, sondern meist Menschen aus der unteren Mittelschicht. Die sympathische Idee, dass wir mit der Einwanderung die globale Armut bekämpfen, entspricht nicht der Realität.

DIE WELT: Aber die meisten über das Asylsystem einreisenden Migranten sind, verglichen mit uns Deutschen, arm dran – und können die Segnungen unseres Staates gut gebrauchen.

Nida-Rümelin: Da haben Sie völlig recht und verweisen auf ein echtes ethisches Dilemma, vor dem wir stehen. Das Prinzip der Gleichbehandlung verlangt von uns zum einen, dass wir unsere Anstrengungen auf jene richten, die unsere Hilfe am nötigsten haben. Das sind im Weltmaßstab die eine oder zwei Milliarden ärmsten Menschen, also diejenigen, die von ein oder zwei US-Dollar Kaufkraft leben. Angesichts begrenzter Ressourcen müssen wir vor allem diesen absolut Armen helfen und nicht jenen, die im Vergleich zu Mitteleuropäern arm sind.

Andererseits haben wir ein Gleichbehandlungsgebot gegenüber allen Menschen, die in unserem Land leben. Deswegen haben europäische Verfassungsgerichte entschieden, dass die Leistungen für Asylbewerber nicht unter den Sozialhilfeanspruch für Einheimische gesenkt werden dürfen, weil dies mit der Menschenwürde unvereinbar wäre.

Beide Gleichbehandlungsgebote sind völlig vernünftig, geraten aber in Konflikt miteinander. Weil wir die Leute, die hier herkommen, wesentlich besser behandeln als jene, die es am nötigsten hätten. Unsere Willkommenskultur ist großartig, sie nutzt aber nur jenen, die wir zu Gesicht bekommen, und nicht den in den Lagern gebliebenen Frauen, Alten und Kranken.

DIE WELT: Sollten wir nachhaltiger mit unseren Solidaritätsressourcen umgehen?

Nida-Rümelin: Eindeutig, ja, allerdings bin ich kein Konsequentialist, begründe also meine Position nicht utilitaristisch, sondern deontologisch, weswegen ich auf das ethische und rechtliche Verrechnungsverbot hinweise: Ich darf den Schwerkranken in der Klinik nicht sterben lassen, auch wenn sein Tod fünf Menschen, die auf Spenderorgane warten, das Leben retten würde. Trotzdem müssen wir eine verantwortliche Politik betreiben, wenn wir eine Verbesserung der Situation der Ärmsten dieser Welt herbeiführen wollen.

Es wäre einigermaßen bizarr, unsere Solidaritätsressourcen in erster Linie auf jene zu konzentrieren, die transnational migrieren. Weltweit leben 720 Millionen chronisch Unterernährte, die UN schätzten 2008, dass 30 Milliarden jährlich ausreichen, um den Hunger auf der Welt auszurotten. Wir bekommen keine genauen Angaben zu den tatsächlichen Aufnahme- und Integrationskosten.

Einen Hinweis gab aber die Europäische Kommission mit ihrem Vorschlag, dass die EU-Staaten, die nicht zur Aufnahme der beschlossenen Anzahl von Flüchtlingen bereit sind, sich an den Integrationskosten mit 250.000 Euro für jeden nicht aufgenommenen Flüchtling beteiligen. Dies liegt in der Höhe der Schätzungen ökonomischer Experten. Bei einer Million Zugewanderten sind das 250 Milliarden, mit 350 Milliarden könnte nach wissenschaftlichen Schätzungen sogar die extreme Armut – das bedeutet eine Kaufkraft von unter einem US-Dollar am Tag – weltweit abgeschafft werden.

DIE WELT: Warum stehen sich die Befürworter und Gegner starker Zuwanderung derart unversöhnlich gegenüber?

Nida-Rümelin: Weil Sie einander nicht zuhören, aber auch weil sie unterschiedliche Erfahrungen machen. Die obere Mittelschicht profitiert von starker Zuwanderung, sie nimmt gerne billige haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch – jemanden, der kocht, bügelt oder den Garten in Ordnung hält. Die Menschen in den besseren Stadtvierteln erleben aber selten, was es bedeutet, wenn sich die Wohnbevölkerung in den weniger begünstigten Vierteln deutlich verändert. Manche sind so schizophren, dass sie ihre Kinder aus den öffentlichen Schulen nehmen, weil sie sagen, da spricht ja kaum noch jemand ordentlich Deutsch, gleichzeitig aber offene Grenzen befürworten.

Diejenigen, die von den sozialen, kulturellen und teilweise ökonomischen Folgen starker Zuwanderung am stärksten betroffen sind, gehören in der Regel den unteren Einkommensgruppen an, solche mit und ohne Migrationshintergrund. Das ist ein objektiver Konflikt von Interessenlagen, da sollte man nicht voreilig Rassismus vermuten, so wichtig die Kritik an Islamophobie und Ausländerhass ist.

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ich habe hier in diesem beitrag zum ersten mal intelligente argumente gelesen für eine begrenzte einwanderung und für nur bedingt "offene grenzen". ich hoffe, dass herr nida-rümelin öfter in talkshows und bei anhörungen durch die bundestagsparteien vertreten ist, um seine ansichten auch dezidiert vortragen zu können ...

Dienstag, 17. Oktober 2017

bildungstrends

Es ist etwas faul im Staate ...

Die am vergangenen Freitag veröffentlichte IQB-Bildungsstudie zeigt, wie stark sich das Niveau der Grundschüler deutschlandweit verschlechtert hat. Der Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff gibt nicht nur den Lehrern die Schuld.


nach Getty Images/AGrigorjeva


Mit dem vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) veröffentlichten „Bildungstrend 2016“ wurden zum zweiten Mal nach 2011 die Fähigkeiten der Viertklässler im Lesen und Zuhören, in der Rechtschreibung und der Mathematik überprüft. Knapp 30.000 Schülerinnen und Schüler an 1.508 Grundschulen und Förderschulen in Deutschland haben im Mai und Juni 2016 an den halbtägigen Tests teilgenommen.

Deutschlands Viertklässler haben sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Die Lesekompetenz ist dagegen im vergangenen Jahr auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011.

Die dramatische Verschlechterung der Grundschüler, vor allem in Mathe und Deutsch liegt Kinderpsychiater Michael Winterhoff zufolge vor allem an Helikoptereltern, einer fehlenden Frustrationstoleranz der Kinder und unserem Laissez-faire Bildungssystem. In einem Interview mit der "Welt" rechnet er mit Politik und Eltern ab.

Helikoptereltern

Kinder zur Eigenständigkeit erziehen und ihnen durch klare Ansagen dazu verhelfen, sich in der Gesellschaft zurechtfinden zu können - das schaffen laut Winterhoff nur die wenigsten Eltern. „Ich habe Mütter und Väter, die für ihr Kind fühlen, für ihr Kind denken, für ihr Kind gedanklich in die Schule gehen – die viel beschriebenen Helikoptereltern. Diese Eltern sind gar nicht in der Lage, ihr Kind anzuleiten. Kinder brauchen ein klares Gegenüber, um sich emotional und sozial entwickeln zu können“, sagt er.

Durch die fehlende Sozialkompetenz finden sich laut Winterhoff Kinder nur schwer im Klassenverband oder anderen Gruppen zurecht. Was früher selbstverständlich war, hat sich in den letzten Jahren zum Problem entwickelt. Dazu sagt Winterhoff: „1995 waren die Kinder mit drei kindergartenreif, mit sechs schulreif und mit 16 ausbildungsreif. Ich habe heute Kinder, die sind mit zehn derart auffällig, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass die überhaupt in einer Gruppe klarkommen – in der Schule nicht und bei einem Arbeitgeber schon gar nicht.“

Laissez-faire Bildungssystem

Der Bonner Kinderpsychiater bemängelt nicht nur die fehlende Anleitung der Eltern, sondern auch den Laissez-faire Stil in Schulen und Kindergärten. „Für mich als Psychiater stellt es eine Katastrophe dar, dass wir unser Bildungswesen vor 15 Jahren umgestellt haben. Seitdem gilt in Kindergarten wie Schule: alles offen, alles frei. Das Kind soll alles von alleine machen, alles von alleine erkennen. Und dabei hat man gar nicht gesehen, dass sich so niemals die Psyche entwickeln kann. Kinder brauchen dringend einen Unterricht,der auf den Lehrer bezogen ist. Sie müssen lernen, dass es Personen gibt, die besser sind als sie. Sie müssen lernen, was Frust bedeutet“, sagt Winterhoff im Interview mit der "Welt".

Ändert sich in Zukunft nichts daran, sieht Winterhoff schwarz: „Immer mehr Heranwachsende sind nach Schulabschluss nicht im herkömmlichen Sinne arbeitsfähig. Es fehlt ihnen an Arbeitshaltung, Sinn für Pünktlichkeit, Akzeptanz von Strukturen und Abläufen. Wenn das so weitergeht, steuern wir auf einen riesigen Fachkräftemangel zu – und die Situation, dass wir in ein paar Jahren jede Menge Menschen haben, die dem Staat auf der Tasche liegen.“

Fehlende Frustrationstoleranz

Der Psychologe warnt nicht nur vor den Folgen fehlender Empathie. Ein großes Problem sieht er auch bei der Frustbewältigung von Kindern, „Wir haben heute massenhaft Heranwachsende, die keine Frustrationstoleranz haben, die eigene Bedürfnisse nicht hintenanstellen können, die nicht in der Lage sind, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Der Staat muss dringend handeln, wenn wir nicht eine ganze Generation von Narzissten heranziehen wollen.“

Migration ist kein Grund für die allgemeine Verschlechterung

Kinder, die sich nicht in Gruppen integrieren können oder unter einer mangelnden Frustrationstoleranz leiden, kommen laut Winterhoff aus allen Bevölkerungsschichten. „Ich kann nur sagen, dass ich viele Patienten habe, die gar kein Migrationsproblem in der Schule haben. Wenn wir nur die Situation der Migrantenkinder abfedern müssten, wäre ich ja als Kinderpsychiater froh und würde gar nichts sagen. Aber wir haben heute das Problem, dass Kinder aus allen Schichten, auch aus der bürgerlichen Schicht, weit von einer Schulreife entfernt sind. Und damit ein Unterricht immer weniger möglich ist“, so Winterhoff.
Quelle: focus.de

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da wird ja so gern das fremdwort "inklusion" angeführt, wenn es darum geht, gleichaltrige schüler mit verschiedenen entwicklungsvoraussetzungen in einem klassenverband gemeinsam in einer institution zu fördern und zu bilden. und man dachte immer an behinderte kinder oder kinder mit migrationshintergrund, die hierzu besonders integrationsbedürftig seien.

nun berichtet aber ein kinderpsychiater von seinen schlimmen erfahrungen an der edukationsfront - und er fällt ein vernichtendes urteil, das einem aufmerksamen beobachter der situation im alltäglichen rundherum nicht übertrieben erscheint.

während alle parteien vom "flüchtlingsproblem" schwadronieren - und der ganze wahlkampf fast nur damit bestritten wird, wird das erziehungsproblem unserer kinder und jugendlichen einfach verdrängt und ausgeblendet - es wird als "ländersache" bezeichnet und dadurch marginalisiert, da dort ja jedes bundesland für sich allein "kämpft" und das problem in 16 tortenstücke zerschnitten ist - und haushalts"experten" und laienhaft zuständige staatssekretäre und zusammengewürfelte arbeitsgruppen daran - unabhängig voneinander - mit erlassen und "versuchen" herumdoktern - jedes land nach seiner fasson - und natürlich auch, um dem eigenen berufsstand "kollegial" so wenig aufzubürden wie möglich - und knete einzusparen, wo es eben geht ...

die eigentliche "inklusion" ist also das gebot der stunde und dieser begriff ist deutlich aufzublähen - auch im alltäglichen bewusstsein der öffentlichkeit und der politik, besonders auch in den dafür bereitgestellten bildungs-budgets: für alle schichten und schülergruppen und orientierungen und den jeweiligen persönlichen möglichkeiten - denn die durchschittlich begabten und integeren kinder sind nur noch die immer weiter abschmelzende spitze eines aus den tiefen wassern ragenden eisbergs - von dem 7/8el unterdurschschnittlich unter der oberfläche dahindümpelt ...-S!


eisberg mit hervorragender spitze ... - nach gallery-world-wallpaper

Kloppen Sie das einfach in die Tonne ...

Ex-EKD-Ratsvorsitzender Schneider erhielt böse Post


Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, der 2014 wegen der Krebserkrankung seiner Frau sein Amt aufgab, wurde damals persönlich angegriffen.

Die Schneider's litten unter den schriftlichen Anfeindungen: "Der Arzt sagte: Kloppen Sie das einfach in die Tonne."


"Mir hat ein Mann geschrieben, der sich für sehr fromm hält: Ich solle doch endlich mal darüber nachdenken, was Gott mir sagen will und womit Gott in meinem Leben nicht einverstanden ist", sagte Schneider der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt": "Weil ja schon meine Tochter Meike 2003 an Krebs gestorben sei und nun auch meine Frau vom Tod bedroht sei - und ich offensichtlich mein Amt so schrottig ausgeführt habe."

Er habe auf diesen Brief nicht geantwortet, fügte Schneider hinzu. Auch Anne Schneider berichtete von unangenehmer Post: Manche "schrieben, ich hätte wohl den falschen Mann oder den falschen Lebensstil". Man habe ihr empfohlen, keine Chemotherapie zu machen und Beeren zu essen. Irgendwann habe sie aufgehört, darauf zu antworten: "Mein Arzt sagte: Kloppen Sie das einfach in die Tonne."

Schneider verteidigte seine Entscheidung, sein Amt aufzugeben. Er habe das nicht bereut. "Als die Behandlung bei Anne so gut angeschlagen hat, war all die Zeit, die ich bereitgestellt hatte, zwar gar nicht nötig, aber das konnten wir nicht wissen." Nikolaus Schneider (70) war Pfarrer, Präses der Rheinischen Landeskirche und Ratsvorsitzender der EKD. Anne Schneider (68) war Lehrerin für Religion und Mathematik. Ihre jüngste Tochter Meike starb 2005 mit 22 Jahren an Leukämie. Quelle: evangelisch.de

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durch twitter, facebook & co. werden die guten kommunikationssitten im miteinander verdorben - und das macht auch nicht vor "christen" halt:

da tritt ein nichtfundamentalistischer sondern eher sozialliberal orientierter präses und ekd-ratsvorsitzender von seinen ämtern zurück, um seiner krebskranken frau beizustehen - und wird dafür böse beschimpft - von "viel frommeren" glaubens"geschwistern".

was sind das nur für typen, die sich damit produzieren wollen? 

überhaupt - nach dem aufkommen der rechtslastigen afd- und pegida-bewegungen glauben auch manche ultrakonservative sekten und pietistisch orientierte menschen, die "wahrheit gottes" mal wieder für sich gepachtet zu haben - ohne sich historisch daran zu erinnern, dass es schon einmal eine gleichgeschaltete kirche der "glaubensbewegung deutscher christen“ (dc)" (link) gab: sie glaubten, gott habe adolf hitler zum "erlöser" deutschlands erkoren - sie schwenkten auch haken - k r e u z - fahnen und hoben den rechten arm zum "deutschen gruß": heil ...

hinterher musste die "bekennende kirche" im "stuttgarter schuldbekenntnis" (link) dann stellvertretend abbitte leisten für solcherart verirrungen ...

die afd hatte bei der bundestagswahl einen hohen stimmenanteil von russland-deutschen menschen bekommen, die sich schon in der sowjetunion als deutsche volksgruppe unterdrückt fühlten - und fast ausschließlich den rechten flügeln mennonitisch-pietistisch-konservativer freikirchlicher gemeinden angehörten und angehören - und innerhalb der älteren generation gewissermaßen zumindest "teil-verhüllt" das straßenbild bereichern ... - S!

ja - hier im innern des landes leben sie noch (wieder) ...



... und click here

... ein wörtlein kann sie fällen ...

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wenn man sich parlamentarisch mit der afd auseinander-setzt - dann nur so, wie es der fdp-fraktionschef im baden-württembergischen landtag gemacht hat: mit einem glänzenden stellungsspiel und raschem gegenpressing muss man diese banausen sofort in die schranken weisen ...

ansonsten dürfen wir die afd in den medien und blogs auch nicht zu "groß" schreiben und jeden furz dokumentieren - hier im blog möchte ich zukünftig die buchstaben dieser rechten vereinigung nur erwähnen, wenn es unbedingt nötig ist ...

denn luther hat schon vor 500 jahren gedichtet: 

... und wenn die welt voll teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
der fürst dieser welt*) 
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein wörtlein kann ihn fällen ...

*) zu luthers zeiten war damit der "teufel" gemeint ... -  

und der fdp-fraktionschef hans-ulrich rülke hat vorgemacht, wie "ein wörtlein 'ihn' fällen kann" ...-S!

URKNALL - WELLEN - WURMLÖCHER

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mich wundert gar nichts mehr: paralleluniversen gibt es doch sogar hier auf erden allerorten: während ich hier sitze und schreibe rauscht es in 2 kilometern entfernung auf der autobahn a2 vorbei: meine welt hier - und dort das einfach in allen belangen andere: ruhig sitzen am schreibtisch hier - 120 km/h geschwindigkeit am bielefelder berg (vorsicht: radarfalle!) dort hinten - das atmen und knacken des waldes bei nacht aus dem teuto herüber - und eben im pc bilder vom 300-opfer-massaker in mogadischu ...

mogadischu

alles zu (s)einer zeit ... - parallel - dort trump als gestaltgewordener hofnarr - und hier das herumgeeiere und die geziertheit der f.d.p., in niedersachsen eine "ampelkoalition" zu bilden ("das geht nicht mit den grünen ...") - andererseits und parallel dazu aber durchaus mit einem "jamaika-bündnis" kokettieren - im bund und auch in niedersachsen (das geht dann mit den grünen - wegen dem "grundlegenden neuanfang"; so sagt's der liberale ...): mauschelei und kungelei - ganz parallel nebeneinander her im hier und jetzt ... - S!

Sonntag, 15. Oktober 2017

light|artifcts | S!NED!|photography



wie amöben, zellentierchen, wie schnappschüsse aus den weltall-galaxien, wie porträts aus dem mikrobiom als teil der milliardenfachen mikroorganismen unserer darmflora oder wie mini-planktonteilchen aus dem unterwasser-labor, bildmaterialien von mikroskopisch vergrößerten präparaten und objekten ... den eigentlichen basalen "bausteinen" der natur und schöpfung kommen diese raschen - kaum mit photoshop bearbeiteten - licht-bildwerke recht nahe - ausgestattet mit einem reichen farb-lichtspiel ...

ich kann mich nicht recht entscheiden, ob ich damit einen weg "back to the roots" in meiner photographischen lebens-odyssee eingehe - oder ob es eine entwicklung nach vorn ist: suche ich nach dem gestern - oder bewege ich mich damit richtung morgen ??? - oder schließt sich da ein kreis ...:

es entstehen photobildarbeiten aus dem reich der abstraktion. sie versetzen feste kategorien in bewegung und lösen werk- und wirkstoffe auf. formassoziationen, licht- und farbräume von unauslotbarer dimensionierung tun sich auf, symmetrien, brüche und permutationen. aus dem kreativen spiel mit wirklichkeitsausschnitten und lichtreflexen entstehen gebilde, die sich der verdinglichung einer eilfertigen wiedererkennung und der voyeuristischen alltäglichen auch populistischen augenlust entziehen ...

auf alle fälle sind die bildwerke schnappschüsse eines hier & jetzt: wegstationen aus der vergangenheit - in die zukunft - immer wieder neu ...  - S!

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wie oft hat man sie schon totgesagt - doch ...


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wie oft hat man sie schon totgesagt - doch ... 
hier im innern des landes leben sie noch ...



seisdrumS!NED!

S!NED!|art: seisdrum