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S!|art: janis joplin - poster zum 75. - als "umsturz" gemalt - zu baselitz' 80.

Samstag, 20. Januar 2018

Janis Joplin zum 75.











tres

S!|art: tres

Freitag, 19. Januar 2018

der alte weg ist immer noch besudelt ... - die ermordung von zwangsarbeitern ...

DER ALTE WEG - videostill


Der unbequeme Heimatdichter

Von Michael Lünstroth | kontextwochenzeitung

Seit Jahren sorgt der Autor Gerd Zahner mit seinen Stücken über die NS-Vergangenheit der Bodenseeregion für Gesprächsstoff. Er schont dabei niemanden und will vor allem eines: Dass die Menschen endlich aus ihrer Geschichte lernen.

Manchmal muss man mit dem Hass leben, sagt Gerd Zahner. So wie damals, als er das Stück über Hans Robert Jauß geschrieben hat. Darin hatte Zahner nahegelegt, dass die Ikone der Linguistik und einer der Säulenheiligen der Universität Konstanz sich in der Nazizeit schuldiger gemacht habe, als er zeitlebens selbst behauptet hatte. Sein Stück "Die Unerwünschten" rückte Jauß in die Nähe eines Kriegsverbrechers.

Historisch zweifelsfrei nachgewiesen wurde das bislang nicht. Nach der Aufführung im Audimax der Konstanzer Universität vor drei Jahren hat Gerd Zahner einige eher, vorsichtig formuliert, unschöne E-Mails bekommen. Der 60-Jährige hat das durchgestanden. "Kein Problem", sagt er, wenn er mit einer Recherche und einem Stück mit sich im Reinen sei, dann könnten die anderen machen, was sie wollen, "das ist mir vollkommen egal".

So viel Coolness vermutet man nicht hinter der Fassade: Graues, wallendes Haar, modische Brille, Schal um den Hals, sanfte Stimme – Gerd Zahner ist auf den ersten Blick nicht unbedingt der Typ knallharter Aufdecker, eher der zerzauste Professor. In Konstanz gilt er auch ein bisschen als verschrobener Kauz. Tatsächlich hat sich der Theatermacher in der Bodenseeregion in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht als unermüdlicher Erzähler der unbequemen Heimatgeschichten. In Singen hat er großen Unternehmen wie Maggi und Georg Fischer den Spiegel vorgehalten, wie sie mit Zwangsarbeitern in der NS-Zeit umgegangen sind, in Radolfzell hat er die Geschichte einer in der Stadt lieber vergessenen alten SS-Kaserne wieder aufgerollt, in Tengen hat er mit "Der alte Weg" an das Schicksal eines polnischen Zwangsarbeiters erinnert, der kurzerhand an einem Baum aufgeknüpft wurde, weil er angeblich ein Mädchen aus dem Dorf geküsst haben soll. Widerstände gab es überall gegen diese Aufführungen, meistens konnte Zahner die Entscheider am Ende von der Notwendigkeit der Projekte überzeugen.

Ein Workaholic, der die Vergangenheit ausgräbt

Was ist das für ein Mensch, der seine Heimat so unnachgiebig an ihre Vergangenheit erinnert? Gerhard Zahner, geboren 1957 in Singen. Er wächst in normalen Verhältnissen auf. Sein Vater ist Angestellter, seine Mutter bleibt Zuhause und kümmert sich um die Kinder. Als Schüler schreibt er für Lokalzeitungen, nach dem Abitur geht er nach Freiburg und studiert Jura. Danach kommt das Referendariat in Berlin. Dort bleibt er nur ein paar Jahre. Danach entscheidet er sich, wieder zurückzugehen in den Südwesten, in seine Heimatstadt Singen. Die lokale Verwurzelung ist stark, seine Anwaltskanzlei eröffnet er trotzdem in der Nachbarstadt Konstanz. Fachgebiete: Straf- und Familienrecht. Die Kanzlei läuft. "Wir setzen Ihre Ansprüche mit Konsequenz und Zielstrebigkeit durch", wirbt der Anwalt im Internet. Seine Kanzlei firmiert unter "Gerhard Zahner". Zum Gerd wird er nur als Autor, "meine Mutter hat mich Gerd genannt, das ist was Privates", sagt er.

Die Schreiberei gibt er trotz vollem Anwaltskalender nie auf. Abends, nachts, an Wochenenden, Zahner ist ein Workaholic. Ein Thema, das ihn einmal gepackt hat, lässt er so schnell nicht wieder los. Dass er sich dabei so intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt hat auch mit seiner Familiengeschichte zu tun. Sein Vater, selbst kein überzeugter Nazi, kam traumatisiert aus dem Krieg nach Hause. Über seine Erlebnisse hat er nie gesprochen. Die Kinder merken nur, dass etwas anders ist, weil sie bei Feuerwerk draußen jetzt immer die Fenster schließen müssen. Der Vater kann sonst nicht schlafen. Zum Erweckungserlebnis wird aber etwas anderes.

Als junger Mann liest Gerd Zahner ein Buch. Darin findet er die Geschichte von Nachbarn und Freunden seiner Eltern. Sie hatten verfolgten Menschen während der NS-Zeit als Fluchthelfer gedient. Der Mann landete vorübergehend im KZ, aber in Zahners Elternhaus wurde all das nie thematisiert. "Es herrschte ein Dogma des Schweigens und ich weiß noch, dass ich es damals als entwürdigend empfunden habe, nichts über die Geschichte unserer Freunde zu wissen", sagt Zahner. Es war der Ausgangspunkt von allem weiteren Schreiben. Zahner wollte das Schweigen brechen. Er wollte über die Untaten und vom Leid der Opfer berichten, "denn wenn alles beschwiegen werden kann, ist alles irgendwie gleich. Es relativiert Dinge, die man nicht relativieren kann".

Der Zuschauer soll seine eigene Wahrheit finden

Mit seinen Projekten ist Gerd Zahner in der Bodenseeregion inzwischen bekannt, manchmal sogar auf der Straße. Aber kaum einer kennt ihn so gut wie Walahfrid Schrott. Sie haben dieselbe Schule besucht, haben die Sommer gemeinsam im Freibad verbracht, kennen sich seit Jugendtagen. "Der Gerd hatte schon immer ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, er hielt immer zu den Schwächeren", erinnert sich Schrott. Das zeige sich auch heute noch in seiner Arbeit als Autor, er wende sich den Opfern zu, wolle ihnen so etwas wie späte Gerechtigkeit ermögliche. "Er hat ein Gespür für lokale Themen, er gräbt immer wieder Dinge aus, die noch nicht so richtig bekannt sind. Gerd ist im besten Sinne ein Chronist unserer Region mit dem Talent, die Geschichten so aufzubereiten, dass sie die Menschen berühren, zu Diskussionen führen und einen Prozess in Gang setzen", sagt Schrott. "Schreiben ist seine Berufung, ich glaube, wenn er davon leben könnte, würde er die Juristerei an den Nagel hängen." Ob er nicht auch manchmal nerve mit seiner Vergangenheits-Besessenheit? "Nein, gar nicht. Gerd ist ein unverbesserlicher Optimist, der daran glaubt, dass wir aus unserer Vergangenheit lernen können und müssen. Deshalb macht er das alles", ist der Weggefährte überzeugt.

Gerechtigkeitsjäger, Vergangenheitsbewältiger, Volksaufklärer, es gibt viele Etiketten, die man Gerd Zahner aufkleben könnte. Der Autor selbst winkt ab, die Beurteilung überlasse er anderen, aber die Sache mit der Gerechtigkeit sei schon ein wichtiger Punkt. "Gerechtigkeit beruht auf Wahrheit. Dazu versuche ich mit meinen Stücken beizutragen. Dinge so aufzuschreiben, wie sie waren, ohne den Zeigefinger zu erheben. Ich biete etwas an, aber der Zuschauer muss aus der Geschichte seine eigene Wahrheit finden", erklärt Zahner.

Zahn "öffnet Türen für Menschen,
an ihrer Geschichte zu arbeiten",
sagt Regisseurin Anna Hertz.
Screenshot: Doku "Der Alte Weg"
Dass mit der Wahrheit ist natürlich so eine Sache. Von Historikern ist Zahner immer wieder angegangen worden, dass er nicht exakt arbeite, nicht alle Fakten historisch korrekt wiedergebe. Auch in der Auseinandersetzung um das Hans-Robert-Jauß-Stück. Ein von der Universität Konstanz in Auftrag gegebenes Gutachten kam 2015 zu dem Schluss, eine individuelle Tatbeteiligung von Jauß sei zwar nicht nachzuweisen; "es ist jedoch völlig ausgeschlossen, dass Jauß von den Verbrechen keine Kenntnis hatte." Er verstehe die Historiker-Kritik, sagt Zahner, aber er mache die Dinge eben auf seine Art. "Ich sehe ein System, eine Farbe und die will ich zeigen", sagt er. In seinen Stücken greift Zahner einzelne Situation heraus, die dann auf das große Ganze verweisen sollen. Das Pars-pro-toto-Prinzip. Zahners Sprache changiert von poetisch bis rätselhaft. Für Regisseure, die damit arbeiten sollen, ist das eine Herausforderung.

Intensive Erlebnisse auf der Theaterbühne

Anna Hertz, Regisseurin und Schauspielerin unter anderem am Theater Konstanz, hat in den vergangenen Jahren mehrere Projekte mit dem Singener Autor gemacht. "Es ist ihm schon wichtig, dass man seinem Stoff gerecht wird. Wenn er einem vertraut, dann kann er sich aber auch rausnehmen und einen machen lassen", sagt Hertz bei einem Cappuccino in einem Konstanzer Café. Zuletzt haben sie gemeinsam die Geschichte des polnischen Zwangsarbeiters auf die Bühne gebracht, der in der NS-Zeit gehängt wurde. Sehr intensiv sei diese Erfahrung gewesen, "wahrscheinlich das intensivste Theatererlebnis, das ich je hatte", sagt die Regisseurin. Was die Arbeiten von Zahner so besonders mache? "Er öffnet Türen für die Menschen, gemeinsam an ihrer Geschichte zu arbeiten", sagt Hertz.

Diese Geschichte, das ist bei Gerd Zahner vor allem der Nationalsozialismus. Und das hat nicht nur mit dem beharrlichen Schweigen seines Vaters zu tun. Zahner hat in den Geschehnissen von damals ein Muster erkannt, eine Matrix mit Strukturen, die sich immer und immer wiederholten: "Der Nationalsozialismus liefert eine Blaupause für den Schrecken", sagt Zahner. Das treibt ihn an. Das Fatale für ihn: Radikale Kräfte auf der ganzen Welt hätten dies auch erkannt und kopierten nun die Strukturen. Das Spektrum reiche dabei von muslimischen Fundamentalisten bis zu rechtsradikalen Strömungen. Auch der sogenannte Islamische Staat (IS) habe die Methoden der Nazis übernommen. Deshalb ist er überzeugt: "Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir in den früheren Gebieten des IS beispielsweise Massengräber von Zwangsarbeitern finden, so wie wir sie damals nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden haben." So lange die Menschen nicht aus diesen Mustern lernten, will er weiter schreiben und dazu beitragen, dass diese Matrix entschlüsselt wird, "damit niemand mehr darauf reinfällt".

Bis es so weit ist, helfe nur, sich den radikalen Kräften entgegenzustellen und eine Gegenidee zu entwickeln. Wie die aussehen könnte? "Ich finde zum Beispiel, Flüchtlinge aufnehmen ist eine Gegenidee zu Flüchtlinge umbringen." Humanität als Antwort auf Radikalität? "Ja, daran glaube ich", sagt Zahner.

Im Juli 2017 wurde Gerd Zahns neuestes Stück zur NS-Zeit, "Der alte Weg", in Watterdingen uraufgeführt. 
Eine kurze Doku über die Produktion gibt's hier:




gerechtigkeitsjäger, vergangenheitsbewältiger, volksaufklärer, wichtigtuer - es gibt viele etiketten, die man leuten wie gerd zahner ja sicherlich anpappt, weil der ja nicht als historiker oder archivar - von amtswegen - sondern als rechtsanwalt noch die zeit findet, altes unrecht quasi narrativ nahe an die orte des tatsächlichen geschehens heranzubringen, zu erzählen und in entsprechenden theater- und volksstücken aufzuführen - heute 75 bis 80 jahre nach diesen sinnlosen ns-unrechtstaten.

als ernst klee in den 70-er/80-er jahren anfing, die "euthanasie"-morde und das ns-unrecht umfassend aufzuarbeiten in verschiedenen publikationen, hatte er es als investigativ-journalist ähnlich schwer, sich gegen die mauer des "vertuschen"-wollens durchzusetzen ... - und erst heute - weitere 30 jahre später - gibt es plötzlich "gedenkstätten" allerorten - und man interessiert sich zaghaft immer mehr für die "familiengeheimnisse" im eigenen umfeld ...

zuvor hütete man das bleierne schweigen - und auch behörden mauerten und mauern immer noch - und kommen nach diesen langen zeit und den jahren nach dem tod der beteiligten akteure mit "datenschutz" um die ecke, während google und instagram und nsa alle meine persönlichen daten längst bis ins kleinste auswerten können für ihre mir nicht immer einsehbaren zwecke - und staatsanwaltschaften waren oft einfach auf einem bestimmten auge blind - so dass die alten ns-täter noch "beruhigt" ihre rente zumindest bis in die späten 60-er jahre genießen konnten - bevor dann vielleicht noch anklage erhoben wurde, die aber dann oft wegen altersgebrechlichkeiten nicht mehr zum prozess führten. 

adolf eichmann wurde ja auch nicht etwa von deutschen behörden zur aufarbeitung seiner greueltaten gesucht und gejagt, sondern es war ja der israelische geheimdienst, der mit hilfe von simon wiesenthal eichmann schließlich aufspürte.  

der historiker götz aly schätzt, dass ungefähr jeder 8. erwachsene deutsche irgendeine verwandtschaftliche beziehung zu einem ns-opfer der "euthanasie" haben muss - und ich bin der meinung, dass viele auch unbewusste belastungen einzelner heute im alltag oder in der verarbeitung von familien- und sogar gesellschaftskonflikten noch immer herrühren von unaufgearbeiteten und abgespaltenen vernachlässigten "familiengeheimnissen" aus dieser zeit ...

schon in der bibel wird meines erachtens ja zu recht darauf hingewiesen, dass die taten der väter "bis ins 3. und 4. (generations-)glied" nachwirken können ... 

wenn also leute wie gerd zahner oder auch damals ernst klee und andere fingerzeige auf diese ns-taten und -täter geben, dann dient das ja vielleicht auch dazu, dass sich menschen mit ihrer familiengeschichte vor ort auseinandersetzen. das kann dann also auch zum allgemeinen wohlbefinden mit beitragen - und ist vielleicht eine notwendige prophylaxe vor neuem "rechtslastigen" wahn aller couleur, der ja heutzutage wieder munter allerorten aufflackert ...  - S!

crying eye - kunst aus guantánamo

"Untitled (Crying Eye)" von Muhammad Ansi, 2016, Pigment auf Papier.
(Foto: Muhammad Ansi)

Kunst aus Guantánamo


Ausstellung: Im Ringen mit ihrer Vergangenheit fertigen US-Häftlinge oft eindrucksvolle Kunstwerke an. Selbst im Gefangenenlager auf Kuba dürfen Insassen malen

Tupfer in Blau, Rot, Grün, Gelb. Sie kreisen, werden enger, verbinden sich zu einem Abwärtsstrudel. Die Pünktchen erzeugen ein Schwindelgefühl - das Aquarell heißt "Vertigo auf Guantánamo". Gemalt hat es Ammar al Baluchi, einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001, der seit mehr als zehn Jahren in dem Gefangenenlager auf Kuba einsitzt. Bis Ende Januar sind seine Kunstwerke und diejenigen weiterer Guantánamo-Insassen in New York zu sehen. Sie bieten Einblick in die Gedankenwelt jener, die die Regierung der USA als Terroristen und Massenmörder beschuldigt.

"Vertigo auf Guantánamo" von Ammar al Baluchi


Aber was sagt ein Bild über einen Gefangenen, der es malt? Was davon ist Betrachtung der Außenwelt, was Spiegel zur Seele einer oft schwerkriminellen Vergangenheit? Verkürzt die Beschäftigung mit Kunst Häftlingen lediglich ihre Wartezeit bis zum Ende ihrer Strafe, oder hilft ihnen die Kunst, Vergangenes zu verarbeiten?

Wie eine kleine Sensation wirkte es, als im New Yorker John Jay College im Oktober plötzlich 36 Arbeiten von acht Männern ausgestellt waren, die in Guantánamo inhaftiert waren oder sind. Das höchst umstrittene Lager ist für seine harten Bedingungen bekannt - Ammar al Baluchi wird einem UN-Experten zufolge bis heute gefoltert, obwohl die US-Regierung Foltermethoden in dem Lager vor fast zehn Jahren offiziell abschaffte. Dass Häftlinge hier Aquarelle pinseln oder Modellboote bauen dürfen, wirkte ebenso befremdlich wie die Tatsache, dass sie "Harry Potter"-Bücher und Disney-Filme ausleihen können.

Selbst im Umgang mit mutmaßlichen Terroristen hat auch das US-Militär offenbar erkannt, dass künstlerische Arbeit einen Alltag hinter Gittern positiv beeinflussen kann.

"Ode an die See: Kunst aus Guantánamo Bay" heißt die Schau, die etwas versteckt im fünften Stock der Hochschule im Westen Manhattans liegt. Rund 500 Besucher hätten die Ausstellung bereits besucht und mehr als 20.000 hätten sich zur dazugehörigen Website geklickt, erklärt eine Sprecherin.

click here zum Katalog der New Yorker Ausstellung - die so auch im Internet verbleibt - auch wenn die US-Regierung die Arbeiten verbrennen will ...


Die Arbeiten sind beeindruckend angesichts der Tatsache, dass eine Gefängniszelle auf Guantánamo etwa so inspirierend sein dürfte wie ein stillgelegter Fußgängertunnel bei Nacht. Sie drehen sich fast ausnahmslos um die See und die Seefahrt. "Einige dieser Zeichnungen waren eine Mischung aus Hoffnung und Schmerz. Die See bedeutet Freiheit, die niemand kontrollieren kann, Freiheit für alle", schrieb Mansoor Adayfi, der 2016 aus Guantánamo entlassen wurde.

Aus Sicht ihrer Aufseher sind Häftlinge vor allem eine Nummer im System. Persönliche Gegenstände und selbst verfasste Texte oder selbst gemalte Bilder geben ihnen ein Stück ihrer Identität zurück. "Sie waren ein Beweis, dass ich existiere", schreibt Mohamedou Ould Slahi in der Washington Post über seine mittlerweile als "Guantánamo-Tagebuch" bekannten Aufzeichnungen sowie Geschenke seiner Familie. Beim Umzug in eine andere Zelle musste er sie hinter sich lassen. Zurückbekommen hat er diese "Komfort-Gegenstände", wie das US-Militär sie bezeichnet, bis heute nicht.

Was die Kunst aus Guantánamo angeht, dürfte es die vorerst letzte Schau dieser Art gewesen sein. Im Zuge der Ausstellung sei der Transfer von Kunstwerken verboten worden, teilt Pentagonsprecher Ben Sakrisson mit. Solche Arbeiten gelten künftig als Regierungseigentum der USA.

Regierungsamtliche Bilderverbrennung ?

Sie schicken Bilder an ihre Familien oder schenken sie ihren Anwälten, manche wurden sogar ausgestellt. Doch nun beansprucht die US-Regierung die Werke der Guantánamo-Insassen für sich - wohl um sie zu verbrennen.

Brutale Haftbedingungen in Guantánamo auf Kuba



Seit Jahren kämpfen die Insassen des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay mit Kohlestücken, Aquarell- und Acrylfarbe gegen ihre Langeweile. Die Bilder legten sie oft Briefen an ihre Familien bei oder schenkten sie ihren Anwälten. Kuratoren begannen, die Werke zu sammeln. Nun ist die Kunst unter dem Titel "Ode to the Sea" in einer Hochschule in New York zu sehen - noch. Denn die US-Armee, die das Gefangenenlager betreibt, hat nun festgelegt: Eigentümer von auf Guantánamo geschaffenen Werken seien nicht deren Schöpfer, sondern die US-Regierung. Als deren Vertreter werde man nicht weiter gestatten, dass Werke das Lager verlassen.

Bisher mussten die Häftlinge ihre Artefakte lediglich den Militärzensoren vorlegen, die prüften, ob in ihnen versteckte Botschaften, politische Aussagen oder sicherheitsrelevante Informationen zum Lager enthalten waren. Das "Guantánamo-Tagebuch" des Mauretaniers Mohamedou Ould Slahi schwärzten die Zensoren an über 2500 Stellen - ein internationaler Besteller wurde es dennoch, die Verkaufserlöse ermöglichten dem Autor nach der Entlassung einen Start ins neue Leben.

So etwas soll nun unmöglich gemacht werden: Auf der Internetseite der New Yorker Schau war eine E-Mail-Adresse für Kaufinteressierte angegeben, die den Ärger der Armee erregte. Es sei "fraglich, wohin die Erlöse gehen", sagte ein Armeesprecher. Sie stünden der Regierung zu. Die Ausstellungsmacher verstehen das nicht: "Es ergibt keinen Sinn, hier finanzielle Begründungen vorzuschieben", sagt Kuratorin Erin Thompson. Laut Menschenrechtlern koste jeder der 41 verbliebenen Häftlinge den US-Steuerzahler 11 Millionen Dollar pro Jahr, neben diesen Kosten könne man den Wert der Häftlingskunst trotz ihrer zeitgeschichtlichen Relevanz vernachlässigen. Man werde die Werke nun wohl verbrennen, teilte die Armee mit.


Texte aus: Johannes Schmitt-Tegge (dpa) für © 2018 Neue Westfälische, Freitag 19. Januar 2018 und Moritz Baumstieger für Süddeutsche Zeitung



It is something we can smell. - Es ist etwas, das wir riechen können.




Im eindrucksvollen digitalen Katalog, der auch Briefe, Gedichte und kurze Texte der Gefangenen enthält, ist eine Videoarbeit von Mansoor Adayfi (Link anclicken) eingebaut, der vor der Kamera von den Anfängen seiner künstlerischen Arbeit im Gefängnis berichtet. "Einige der Zeichnungen waren eine Mischung aus Hoffnung und Schmerz. Die See bedeutet einfach Freiheit, die niemand kontrollieren kann", sagt Adayfi darin. "Menschen werden immer alles tun, um ihre Gedanken der Hölle entkommen zu lassen", hört man ihn im Hintergrund abstrakter Wasser- und Wellenbilder sagen. 2016 konnte er Guantánamo endlich als freier Mann verlassen. (Quelle: DW)

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"Untitled (Hands Holding Flowers Through Bars)" von Muhammad Ansi.
(Foto: Muhammad Ansi)


"Bisher mussten die Häftlinge ihre Artefakte lediglich den Militärzensoren vorlegen, die prüften, ob in ihnen versteckte Botschaften, politische Aussagen oder sicherheitsrelevante Informationen zum Lager enthalten waren." 
"versteckte botschaften" sind ja eigentlich in jeder kreativen arbeit irgendwo und irgendwie enthalten - wenn auch nicht die kriminellen oder militärisch-sicherheitsrelevanten - nach denen gefahndet wurde... 

in diesen arbeiten aus guantánamo von verschiedenen insassen dort sind natürlich eine menge - vielleicht von dumpfen miltitärköppen übersehene botschaften enthalten: der "geruch" der freiheit - der "durst" nach dem lebenselixier "wasser" - die angesichts der erlebten traumata unbewusste sehn- und fühlsucht zum "fruchtwasser" ... - zum verlangen nach einer neugeburt in freiheit nach dieser durchlebten hölle dort.

das sind ja noch immer die "blinden flecken" in der amtsführung von obama, dass er guantanámo trotz des versprechens als vorab geehrter friedens-nobelpreisträger nicht beseitigen konnte: ein perfektes und perfides kz im freiheitlichsten land der welt: rache und "auge um auge - zahn um zahn" - in einem der christlichsten staaten - wenigstens nach eigener einschätzung.

und trump beschäftigt ja sogar einen evangelikalen andachtsprediger, der für eine solche moralische ausrichtung im weißen haus zuständig scheint.

und das ist ja auch der blinde fleck in der amtsführung unseres jetzigen bundespräsidenten steinmeier, der als kanzleramtschef und geheimdienstkoordinator der rot-grünen bundesregierung damals ein inoffizielles angebot der amerikaner, den inzwischen freigekommenen guantanámo-häftling murat kurnaz schon im jahr 2002 freizulassen, nicht angenommen hat. und steinmeier erklärte später sogar im rückblick: "ich würde mich heute nicht anders entscheiden." ... - ist das die "menschlichkeit" eines heutigen bundespräsidenten ... ???
wiederholt forderte kurnaz wenigstens eine entschuldigung steinmeiers. nach dessen wahl zum bundespräsidenten äußert sich der frühere guantanàmo-häftling im interview enttäuscht darüber, dass steinmeier sich dazu nicht durchringen kann... 

und dabei geht es also nicht einmal um "versteckte botschaften", sondern um ganz einfache mitmenschliche bekundungen, die aber selbst im "christlichen abendland" mit füßen getreten werden, wenn es denn irgendwem gegenüber "politisch" opportun erscheint - und wenn es auch nur der eigene starrsinn ist ... - aber trotzdem: "der islam gehört zu deutschland", wie es wiederholt der bundespräsident wulff seinerzeit und frau merkel ausdrückten ...

und so will ja nun die amerikanische regierung all diese kunstwerke der guantanámo-häftlinge verbrennen lassen - und die eventuellen verkaufserlöse will auch die us-regierung einstreichen, da die arbeiten ja in einer vom staat finanzierten "kunsttherapie" entstanden seien ...

aber es bleiben - zumindest offiziell in deutschland - : "einigkeit und recht und freiheit" ... - S!








Donnerstag, 18. Januar 2018

future cities

click here



zeit.de: filterblasen in denen wir wohnen sollen ...


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"Wenn man in der Lage wäre, 
eine Stadt von Grund auf neu zu bauen, 
könnte man auch bestehende Konzepte 
der Sozialpolitik und der politischen Führung 
komplett neu erfinden 
und ganz neue Ideen 
eines datengetriebenen Managements testen."

Dan Doctoroff - Sidewalk-CEO, ehemals stellvertretender Bürgermeister von New York und Chef von Bloomberg LP


in dem vielleicht etwas zu üppig geratenen artikel von adrian lobe aus "zeit/kultur" wird die nächste tendenz für das menschliche urbane zusammenleben skizziert: der Bewohner ist dann noch ... "...lediglich ein computer, der mit der vernetzten stadt zu einem großrechner verschaltet wird. daher rührt auch die neoliberale rhetorik von der 'performanz' der stadt, als müsse man das urbane leben irgendwelchen messbarkeitskriterien zuführen. der intellektuelle, der im straßencafé (analog) notizen macht, wäre demnach unproduktiv, weil er gar keine daten generiert. ..." (lobe).

ich meine, wir sind ja auf dem besten wege dahin: alle daten, die wir "hinterlassen" werden ja bereits gefiltert und sortiert und zugeordnet - und nicht "umsonst" ist mein mail-postfach morgens mit 40-50 oft dubiosen und anrüchigen werbeaufrufen vollgestopft - wie ja auch mein briefkasten "in real life" unten an der haustür.

ich bin einfach nur noch ein konsument, ein zahlendes etwas, was es zu ködern und zu "integrieren", sich "einzuverleiben" gilt - und manche nennen das in seinen "ganzheitlichen" auswüchsen dann ganz neudeutsch auch gern "inklusion": alles was etwas exotisch anmutet, was (noch) eigenständig ist und nicht einsortierbar - was im falle der frühkindlichen defizite etwa ge"sondert" in tagesstätten oder schulen nur mit "aufwand" "betreut" werden kann, wird passend gemacht - liefert auch bald daten - und wird dann für die it-gesteuerte hilfsmittel-industrie interessant - und es werden extra "chice" und auf das individuum "zugeschnittene" lebensräume generiert: für viel geld - damit wir dann alle miteinander rasch an die futtertröge kommen, die sie uns hinstellen und mit ihrem synthetischem "fast food" füllen - und was wir gar nicht fressen wollen - wird uns schmackhaft gemacht - wünsche entfacht - sonst rollt die knete (bitcoins, uro, rubel, $ollar, yuán) nicht: eine neue moderne variante von "friss oder stirb" - irgendwie eine art "pseudohumaner weltfaschismus" - andernorts heißt das dann noch "globale neoliberal-kapitalistische wirtschaftsordnung" - und da sind wir ja jetzt schon mittendrin mit merkels "marktkonformer demokratie"...

der einzige trost ist, dass auch die, die so etwas planen und umsetzen ebenfalls teil des systems sind - ebenfalls mit allem vernetzt und in alles mit allem total eingesponnen ...

bis irgendwann mal das netz vor lauter prallheit und sattheit reißt ... - S!


abb: prezi/vamedia gmbh

Mittwoch, 17. Januar 2018

der arme zungenwurm

Dorothea Grünzweig erhält Kurt Sigel-Lyrikpreis

„Feine Sprachbilder“: Die Lyrikerin Dorothea Grünzweig erhält den mit 4000 Euro dotierten Kurt Sigel-Lyrikpreis des deutschen PEN-Zentrums.


Die Lyrikerin Dorothea Grünzweig erhält den mit 4000 Euro dotierten Kurt Sigel-Lyrikpreis des deutschen PEN-Zentrums. Die Jury lobte in einer Mitteilung vom Dienstag Grünzweigs feine Sprachbilder. Dadurch lasse sie die Leser „Tod, Trauer, Verlassenheit und die wuchernde Natur neu sehen“. Grünzweigs Texte seien findig und originell. Die Lyrikerin wurde 1952 im baden-württembergischen Korntal geboren. Seit 1998 lebt sie in einer Kommune in Finnland. Stifter des Preises ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel. Die Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird, soll am 26. April bei der Jahrestagung der Schriftstellervereinigung in Göttingen verliehen werden. (dpa|tagesspiegel)

S!|bearbeitung





Die Wiederkunft der Orgeln

I

Es ist ein Pflock in uns getrieben
auch wenn wir neben und
nicht im Gefängnis leben
ein Pflock aus Tönen
so laufen wir nicht fort

Die Kathedralen sind herangerückt
wir sind gebettet an Kathedralen
auf die wir lauschen weil sie im Innern

                     Orgeln schlagen

Wir lauschen
hier sind die Muscheln an unserem Kopf
die wir wie schwere Krüge
stützen müssen
wir gehen in die Orgelhocke
in die Orgelknie
vertraut schon unserem Kindesbein
ein einziges Neigen und
                     Beugen vor der Musik
II

Sonnenorgeln
Schattenorgeln der Kathedralen
wir lauschen im Licht
der Sonnenorgeln lauschen
im Schatten der Schattenorgeln
stemmen die Muscheln
dass sie nicht brechen

werden den Tonpflock nicht
ausziehn und uns an Orgelstatt
an anderes halten
werden nicht
         aufstehn verleugnen gehen

III             

Die Schattenorgeln 
sind dicht bei den Sonnenorgeln
der Abstand beträgt einen Viertelton
so wie wir 
dicht beim Gefängnis
dicht bei den Kathedralen wohnen
mit einem kleinen Dazwischen 
das abwehrt die Macht 
der Deckungsgleiche

ein Reibungsraum ist vorhanden
wo alles Abgeblühte Öde
zu Sand zermahlen wird damit
wirs nur noch
              wegzublasen brauchen

IV

Das Orgeln ist kein Trostgesang
kein Hirtenaug uns ruhig zu weiden
kein Winterweizen der sich dann
emporlebt wenn
die Eisschicht bricht

es ist ein ungebärdiges Gestehn
 von Wünschen von Verzweiflung

            ein Stampfen  Schlagen  Schreien
                  Lustschluchzen Lobschluchzen aus Brustwerk Hauptwerk
                             gegen den Himmel ein Jagen über Tod- und Auferstehungsgrenzen

ist Löschung unsrer Augen

V

Wir hören sind betört
sind hörig reine Form Spiralen

bald von Orgeln hochgerissen
bald gestaucht
Orgeln die wie’s am Anfang war

in offene Kindsgemüter                                                                        
das Majestätische in Überlebensgrösse
gleich einem Vormund eintreten

                                     Orgeln ihr
 Brausen bei den Fruchtgewässern
vor unserem Anfang schon uns in
das Fleisch gesenkt

                           als ein Organ
                              als das Geschlecht 
                                  als unsere Orgelleiblichkeit und jetzt
                                                                   durch Orgeln wiederkünftig

in den herangerückten Kathedralen 
werden auch wir
weil wir dafür geschaffen sind
wir werden auch geschlagen
     
VI

Der arme Zungenwurm
wie er
sich krümmt und windet 
weil er ins Wortreich will
bei diesem Toben
        
und ist es ihm verwehrt

(Quelle: lyrikline)

Dorothea Grünzweig - S!|bearbeitung nach einem Privatfoto im tagesspiegel


Dorothea Grünzweig

* 25.12.1952, Korntal bei Stuttgart , Deutschland
lebt in: Dorf in Südfinnland, Finnland

Nach ihrem Studium der Germanistik und Anglistik verbrachte sie zunächst einige Jahre in England und Schottland. Danach unterrichtete sie sieben Jahre lang in einem Internat in Süddeutschland. Seit 1989 lebt Grünzweig in Finnland, wo sie neun Jahre an der Deutschen Schule Helsinki tätig war.

1997 erschien ihr erster Gedichtband ...


Sonntag, 14. Januar 2018

rückrundenstart - ist doch alles nur grokolores

karikatur: rürup - wams 14-01-18

Samstag, 13. Januar 2018

wie im gefängnis - aber the show must go on ... - update

"nach hause - nach hause - nach hause gehen wir nicht - im w-b-h da brennt noch licht" - "Blick" durch die Fenster-Lamellen des Willy-Brandt-Hauses, wo die Sondierungs-Runde der Union und der SPD einen turbulenten 25-Std.-Marathon hinlegten - Foto: DIE WELT | AP | Michael Sohn

ach ja - als ich heute mal nach dem bild oben "googelte", zeigte mir google-chrome vielsagend das bild zwar an - aber mit der vermutung, dass es sich wohl um das foto einer "gefängniszelle" (prison) handeln könne ...


screenshot der bildersuchseite bei google-chrome zu dem bild ganz oben ...



vielleicht fühlten sich auch einige teilnehmer so oder so ähnlich: erst wenn "weißer rauch" aus dem willy-brandt-haus in den dämmernd regnerischen morgen aufsteigt, dürfen alle nach hause gehen - bis dahin: mitgefangen - mitgehangen ... - und der letzte macht das licht aus ...

ich meine, warum tun diese leute sich das an? warum enden all solche verhandlungen immer in spektakulären nachtsitzungen, wo man völlig fertig nicht mehr so genau hinsieht oder überhaupt noch durchblickt - und ab irgendwann sich wahrscheinlich mit seinen vorstellungen "über den tisch ziehen" lässt (siehe interview am ende dieses posts) - auf beiden seiten - weil man ganz nötig auf's klo muss - oder ins bett will: denn die allerfrischesten nachteulen, so echt disco-durchtrainiert, sind die ja alle nicht mehr ...

warum versammeln sich unsere spitzenpolitiker mit solch einem völlig unsinnigen setting ... - wer tut ihnen das an ???: erst ein vierteljahr rumdödeln und dann ausgiebig advent & weihnachten feiern - und dann aber - dann geht's - aber erst nach der ersten januarwoche urplötzlich mit nem ruck und paukenschlag und marathon-nachtsitzung los: ein polit-iron-man für nicht ganz austrainierte akteure sozusagen ...



the show must go on ...

mit: "nach hause - nach hause - nach hause gehen wir nicht - im willy-brandt-haus brennt noch licht ..." ist es auch nicht mehr besungen - selbst die nationalhymne, die 3. strophe vom lied der deutschen von hoffmann von fallersleben, wird morgens um 08.30 uhr nach 25 stunden kaum mehr intoniert worden sein - warum tun die sich das an - immer und immer wieder ...???

will man uns etwa weismachen, man täte das für's "volk" - für die wähler ??? - damit es endlich voran ginge ... ??? - aber nicht doch fast 120 tage nach der wahl - wo man doch bis jetzt die ruhe weg hatte und die demokratische wahlentscheidung vom september einfach verdrängte und ignorierte ... - nee - also nee - die machen sich da doch echt nicht tot - und bringen alle hübsch ihre delegationen und experten-teams mit, die für nen appel & nen ei alles haarklein vorbereiten müssen...

auch hier gilt also der spruch der barbiere: klappern gehört zum handwerk - ne ordentliche nachtsitzung - und dann werden die wähler schon wieder beruhigt sein ... nee - das wird nichts ... - ich wenigstens lass mich so nicht mehr beruhigen und hinhalten: 

ich werde euren zirkus da einfach ignorieren: es ist mir egal - völlig egal - mit wieviel "turbulenzen" ihr da was beschließt oder verwerft ... - denn damit z.b. die genossen der spd selbst nur keine persönliche verantwortung für das ausgeheckte tragen müssen, beschließt nicht etwa morgen - sondern erst in gut einer woche ein parteitag, ob überhaupt nach den sondierungen die koalitionsverhandlungen aufgenommen werden sollen - bis dahin sind alle wieder erholt - und nötigenfalls schafft man dann schon wieder die nächste nachtsitzung - und dann steigt unser aller angela merkel in die bütt, denn sie will zum "fasching" die koalitionsverhandlungen abschließen: dann ist schluss mit lustig - und dann erfolgt die sich hinziehende mitgliederbefragung der spd - und "bis ostern" will man ggf. die koalition besiegeln ... -

die spd - und leider auch die meisten ihrer immer-noch-wähler - verwechseln solche verhandlungen immer gern mit so 2-4-monatigen "ganz schwierigen" tarifverhandlungen mit warn- und dann richtigen streiks ihrer gewerkschafter - und zum schluss kommt dann immer der "große unerwartete durchbruch" ... (auch diese streiks und verhandlungsrunden sind völlig überflüssige show's - denn die ergebnisse werden vorher per budget-einstellungen [im öffentlichen dienst wenigstens] und am telefon ausgekungelt ...).  

ich sagte ja - man macht sich nicht tot - und das ist diese völlig überflüssige overprotection-über-demokratur, die uns demokratie nur noch als popanz vorspielt: von hinten durch die brust ins auge - das ist alles nur noch "kulisse" ...

dieses herumgehampel nimmt der politik doch jede spontaneität und jede aktualität - und zeigt ihre eigentlich genuine unwichtigkeit heutzutage - und die medien müssen sich bei dem schneckentempo jeden tag den stoff für 25 bedruckte seiten oder 5 tägliche ausgaben der tagesschau aus den fingern saugen ... - und dann schimpft man, dass sie jedem gerücht gleich hinterherhecheln ...: the show must go on ...

viel lärm um nichts - und: der berg kreißte - und gebar eine maus ... 

es lebe die herrschaftsfreie und
gewaltlose anarchie ... !!! -
in meinem herzen - und ganz ohne raf  ...
also - dreht euch alle wieder um - die nächste nachtsitzung kommt bestimmt - vielleicht mit der frage, ob man nun endlich eine katzensteuer einführt - oder eine katzenstreu-steuer - und ob ich vor dem erwerb einer katze in deutschland womöglich alle tierheime in uropa konsultieren und angebote einholen muss - ehe ich mich dann entscheiden darf - und vielleicht ausgerechnet in bulgarien oder auf malta fündig werde ... - nach 16-wöchiger quarantäne darf ich dann das kätzchen mit nach hause nehmen - flug in einem extra-tierkäfig-katzenbehälter - ausbruchsicher nach eu-norm XY 456-3428 DIACAT - so gott will ...

gefängnis - prison - ??? - in manchen zellen bzw. einzelzimmern einer psychiatrie sieht es bestimmt ähnlich
aus ...: 

"isch glaab se hohle misch ab" - ha-haaa ... - die nacht war einfach zu lang - ha-haaa ... -S!



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foto: corbis - spiegel.de


24 Stunden ohne Schlaf – geht das?

Forscher Ingo Fietze über die Auswirkungen von Marathon-Verhandlungen auf den menschlichen Körper

Mehr als 24 Stunden haben die Politiker von Union und SPD zuletzt sondiert. Geht das überhaupt? Ingo Fietze ist Professor an der Berliner Charité. Er leitet dort das schlafmedizinische Zentrum. Eine solche Marathon-Verhandlung lässt sich kaum durchhalten, sagt der Schlafforscher im Gespräch mit Hagen Strauß.

Herr Professor Fietze, kann man bei mehr als 24 Stunden Verhandlungen noch klar denken?

Ingo Fietze: Nein. Wenn man 24 Stunden wach ist, fehlen acht Stunden Schlaf. Dann leiden Gedächtnis, Geschicklichkeit, Konzentration und Reaktionszeit. Eben das Gehirn.

Dann müsste das Sondierungsergebnis von Union und SPD doch viel Murks enthalten, oder?

Ingo Fietze: Das will ich nicht bewerten. Aber man kann es so sagen: Alle vier Stunden haben wir ein geistiges Hoch. Man sitzt also nicht die ganze Nacht wie im Nebel. Wenn alle zur selben Zeit ein solches Hoch haben, müssten eigentlich genau in diesen Momenten die wichtigen Entscheidungen fallen. Das ist aber nur graue Theorie, da jeder biorhythmisch ein bisschen anders tickt. Unter dem Strich wird aber wahrscheinlich im Laufe der Nacht die Kompromissbereitschaft größer.

Gibt es Tricks, wie man bei solchen Verhandlungen ge­gen die Müdigkeit ankämpfen kann?

Ingo Fietze: Als Politiker kann man natürlich darauf setzen, dass die andere Seite irgendwann müde wird, um dann selber mehr durchzusetzen. Ich würde in den Pausen, die es ja auch gibt, fünf bis zehn Minuten die Augen zumachen. Das wäre klug. Dann ist man die nächsten zwei Stunden wieder eindeutig fitter. Ansonsten gibt es außer hellem Licht und koffeinhaltigen Getränken keine Tricks.

Gerade Politiker behaupten immer wieder gerne, dass sie mit sehr wenig Schlaf auskommen. Kann das überhaupt sein?

Ingo Fietze: Das ist ein Mythos. Angeborene Kurzschläfer gibt es nur ganz wenige. Außerdem würde das ja bedeuten, dass ein Mensch, der dauerhaft weniger als sechs Stunden schläft, und das ist für uns Schlafmediziner wenig, dies auch am Wochenende oder in seinem Urlaub macht. Und dass er dann in den restlichen 18 Stunden fit ist. Das geht nicht. Irgendwann muss der fehlende Schlaf nachgeholt werden.

Kann man es denn zumindest trainieren, mit wenig Schlaf auszukommen?

Ingo Fietze: Das hat noch keiner geschafft. Man kann aus einem Normalschläfer auch keinen Lang- oder Kurzschläfer machen. Die benötigte Schlafzeit lässt sich nicht wirklich manipulieren.

WESTFALEN-BLATT - 2018-01-13

Freitag, 12. Januar 2018

basquiat kehrt heim

Die vom Auktionshaus Sotheby's zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt das Gemälde "Untitled"
des amerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat - Copyright: dpa


Basquiat-Gemälde kommt nach New York


Das für gut 110 Millionen Dollar (90 Mio. Euro) versteigerte Gemälde „Untitled“ des verstorbenen US-Künstlers Jean-Michel Basquiat bekommt eine eigene Ausstellung in New York. „Ich bin begeistert, Basquiats Meisterwerk nach Hause nach Brooklyn zu schicken“, sagte der japanische Unternehmer Yusaku Maezawa, der das Gemälde ersteigert hatte, laut einer Mitteilung des Brooklyn Museum. Dort soll das auf 1982 datierte Gemälde, das einen mit Öl-Stift und Sprühfarbe gemalten, bunten Totenkopf auf hellblauem Untergrund zeigt, vom 26. Januar bis 11. März zu sehen sein.

Maezawa hat „Untitled“ im Mai für eine Rekordsumme beim Auktionshaus Sotheby's ersteigert – dem Auktionshaus zufolge der höchste Preis für die Arbeit eines US-Künstlers. Nach Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“, das bei Christie's im November für gut 450 Millionen US-Dollar (371 Mio. Euro) den Besitzer wechselte, war es auch die erfolgreichste Auktion des Jahres 2017.

Nach der Ausstellung soll „Untitled“ dem Brooklyn Museum zufolge auf „Welttournee“ gehen und seinen dauerhaften Platz dann im japanischen Chiba nahe Tokio finden, wo Maezawa ein Museum bauen lassen will.

Basquiat wurde 1960 in Brooklyn geboren und besuchte das Museum in Kindheitstagen auch selbst, wo seine Mutter ihn im Alter von sechs Jahren als Junior-Mitglied anmeldete. 2005 widmete ihm das Museum eine Retrospektive und 2015 eine weitere Ausstellung.

Basquiat starb 1988 im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis Heroin nach einer kurzen aber steilen Karriere. Er zählt zu den posthum erfolgreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts.

© WeltN24 GmbH. Alle Rechte vorbehalten





... und hier:
"BASQUIAT", der Porträtfilm von Julian Schnabel (siehe nächsten Post) von 1996 im Original 

Donnerstag, 11. Januar 2018

groß - größer - julian schnabel


Julian Schnabel mag große Formate - und das Malen im Freien, denn das Licht ist dort so hell und erbarmungslos: Was im Freien bestehen kann, kann es in Innenräumen dann auch, meint er. (Foto: Porfirio Munoz)





Groß, größer, Schnabel

Neu im Kino: Pappi Corsicato porträtiert den US-Maler, Filmemacher und Exzentriker Julian Schnabel. Die Hommage ist etwas oberflächlich, aber unterhaltsam

Von Anke Groenewold

"Vielleicht mag ich ihn, weil ich ihn nicht verstehe", sagt der Drehbuchautor Jean-Claude Carrière über den Maler Julian Schnabel. "Er ist eine der rätselhaftesten Personen, die ich kenne." Diese Sätze fallen in Pappi Corsicatos Filmporträt des amerikanischen Malers und Regisseurs Julian Schnabel. 

Das Rätsel Schnabel vermag Corsicato, der mit dem Maler befreundet ist, auch nicht zu lösen. Sein Film ist eine flott geschnittene Hommage. Eine tiefer gehende Analyse des Phänomens Julian Schnabel fehlt, Kritisches ebenso.

Der Regisseur holt neben Schnabel dessen Schwester, zwei Ex-Ehefrauen, mehrere seiner Kinder und Prominente wie die Schauspieler Al Pacino, Willem Dafoe, die Musiker Laurie Anderson und Bono oder den Künstler Jeff Koons vor die Kamera. Sie alle singen Loblieder auf den Mann, der mit seiner ersten Ausstellung 1979 schlagartig zum Star der New Yorker Kunstszene aufstieg, aber auch kontrovers diskutiert wurde. 

"Er ist überlebensgroß", sagt der Regisseur Héctor Babenco über Schnabel. Ein Satz, der immer wieder in dem Film zu hören ist. Denn was das Überlebensgroße diese 1951 in New York geborenen Malers und Filmregisseurs ("Schmetterling und Taucherglocke", "Basquiat") jenseits seiner gigantischen Bilder und seines exzentrischen Lebensstils ist, kann Corsicato in seinem stilistisch biederen, flatterhaften Film nicht wirklich vermitteln. Dazu fehlen ihm Ruhe, Fokus, vor allem aber Distanz und eine echte Auseinandersetzung mit der Kunst und den Geschichten hinter den Bildern. Dennoch: Der Film ist materialreich, unterhaltsam und macht neugierig auf dieses Multitalent. 

Schnabel beim Malen zuzusehen, ist reizvoll. Zum Beispiel, wenn er unter freiem Himmel farbgetränkte Lappen auf gigantische Leinwände schleudert und am Ende selbst vor Farbe trieft. Oder wenn er eins seiner Tellerbilder malt. Leider hält sich Corsicato nie lange bei der Kunst auf. Die Gemälde Schnabels rauschen so schnell vorbei, dass man zwar viel zu schauen bekommt, aber am Ende das Gefühl hat, nichts wirklich gesehen zu haben. 

"Als ich jung war, wollte ich ein großer Künstler werden", erklärt Schnabel, der als Sohn jüdischer Einwanderer 1959 in New York geboren wurde, zunächst in Brooklyn aufwuchs und später ins ländliche Texas umsiedelte. Seine Tochter Lola sagt einen Schlüsselsatz: "Er sagte immer zu mir, dass Kunst zu erschaffen ein Fluchtweg aus der Realität ist - sie wird dich vor allem retten." Wovor das Allheilmittel Schnabel rettet, bleibt vage. Der Künstler selbst deutet private Krisen an - gescheiterte Beziehungen etwa, bei denen er den Sänger Lou Reed als mütterlich sorgenden Vertrauten an seiner Seite hatte. Aber der 66-Jährige lässt sich in den recht knapp geratenen Gesprächen mit Corsicato nur bedingt in die Seele schauen, etwa wenn er verrät: "Ich bin nicht gern allein."

Schnabel hat sich seine eigene Welt erschaffen. Er inszeniert sich als barocker Malerfürst in Seidenpyjamas, baute sich in New York einen rosaroten, protzigen venezianischen Palazzo. "Er machte immer nur das, was er wollte", sagt seine Schwester Andrea Fassler über Schnabels behütete Kindheit. Nichts scheint unmöglich für dieses selbstbewusste Energiebündel, sein Umfeld lobt ehrfürchtig seine Energie und Willensstärke. In Bologna wollte man ihm mal den Schlüssel der Stadt überreichen. Den wies er zurück, forderte vom Bürgermeister statt dessen die ausgeblichenen Vorhänge des Rathauses für seine Kunst - und bekam sie, erklärt Julian Schnabel freudestrahlend. 

"Er machte immer diese übertriebenen Aussagen", erinnert sich die Galeristin Mary Boone, die als Erste seine Werke ausstellte, "aber die meisten wurden wahr" . 

Den schrägsten Satz des Films sagt sein Sohn, der Kunsthändler Vito Schnabel, der mal mit Model Heidi Klum liiert war: "Er ist einer der letzten Künstler, die ihre Werke wirklich noch selbst malen."


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Film und Ausstellung 
Der Film "Julian Schnabel: A Private Portrait" läuft in Programm-Kinos bundesweit  
Originale von Julian Schnabel stellt zurzeit die Galerie Samuelis Baumgarte in Bielefeld aus. Noch bis 3. Februar sind dort Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 2016 zu sehen.  
Neben Gemälden wie dem großflächigen "Untitled (Chinese Painting)" aus dem Jahr 2008, das die große Ausstellungshalle dominiert, sind mehr als 30 grafische Werke zu sehen. 
Die Galerie am Niederwall 10 ist geöffnet von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr.  
© 2018 Neue Westfälische, Donnerstag 11. Januar 2018




ich lernte den namen julian schnabel zunächst als filmemacher kennen: "basquiat", 1996, über den von mir verehrten wilden jung verstorbenen künstler jean-michel basquiat, mit dem er befreundet war, und den er deshalb sehr hautnah porträtieren konnte.

in diesem film "a private portrait" nun lässt auch der bildende "groß"-künstler julian schnabel den regisseur pappi corsicato ebenso nahe heran an sich, denn schnabel bleibt ansonsten eben gern etwas exzentristisch in übervornehmer distanz - trotz all der "größe", die er selbst und seine werke mit ihm ausstrahlen.

wenn ich etwas von ihm sehe und ihn höre - und seine vorliebe für seidene pyjamas, die er in verschiedenen ausführungen am liebsten immer trägt - so erinnert mich das stark an salvador dali - und bei mir macht es dann den inneren click: julian schnabel - als "wiedergänger" von dali ...

natürlich anders und im künstlerischen stil mit der zeit mitgegangen: aber wenn ich z.b. seine arbeit "untitled (dom zu köln)" 2016, anschaue, die er für die grafik-edition des kölner stadt-anzeigers schuf, dann macht es wieder diesen click hin zu dali:  ausgangspunkt seiner überarbeitung bildet dabei ein original schulwandbild, wie es ursprünglich für lehrzwecke bis in die 1950er jahre hergestellt wurde.



in dieser übermalung spielt das gestisch-expressive in seiner pinselführung eine ebenso entscheidende rolle wie die zufälligkeit des farbabdrucks, den ein in farbe getränkter lappen auf der bildoberfläche hinterlassen hat. diese spannung, einen altmeisterlichen aber mittlerweile vergammelten stich mit figuration und abstraktion in ein neues anderes und plötzlich zeitgenössisches kunstwerk zu verwandeln, ist mit "einfachen" mitteln hervorragend gelungen ... 

sein fiktionaler fast surrealistischer gestus macht dieses werk zu einer komposition, in der schnabel vor allem das bleibende aufsteigend metaphysische in und über der vergehenden materie sichtbar macht. - S!