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"Findungsphase" - bis 06.10.2016 - Bis denne ind alles Gute S!NED!

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jörg zink ist tot - CLICK ON THE PICTURE

Donnerstag, 22. September 2016

Tschüß

FINDUNGSPHASE BIS 06.10.2016 - Viel Spaß - alles Gute - bis denne 
S!NED!

Mittwoch, 21. September 2016

Paul Parin zum 100. - Fremdheit ist keine Eigenschaft ... - Frau Petrys "völkisch" einmal ganz "unvölkisch" gesehen ...

ZDF - Paul Parin zum 100. Geburtstag 
Vor 100 Jahren, am 20. September 1916, wurde Paul Parin geboren. Der Utopist und Begründer der Ethnopsychoanalyse ist eine Jahrhundertgestalt.



Paul Parin zum 100. - Fremdheit ist keine Eigenschaft ... 

Frau Petrys "völkisch" einmal ganz "un-völkisch" gesehen ...

Paul Parin, der am 20. September 100 Jahre alt geworden wäre, Goldy Parin-Matthèy und als Dritter im Bunde Fritz Morgenthaler lebten und arbeiteten am Utoquai 41 in Zürich. Ihre psychoanalytische Praxis hatten sie hier 1952 eingerichtet, nachdem Paul Parin und Goldy Matthèy aus Jugoslawien zurückgekehrt waren, wo sie 1944/45 auf Seiten der Partisanen medizinische Hilfe geleistet hatten. Ab Mitte der 1950-er Jahre gingen sie dann gemeinsam mit Ruth und Fritz Morgenthaler auf Reisen, um in Westafrika unter den Dogon und den Agni die psychoana­lytische Methode zu erproben.


Vor 100 Jahren, am 20. September 1916, wurde Paul Parin in Polzela, Österreich-Ungarn, heute Slowenien, geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er die meiste Zeit in Zürich. Schon früh erkannte er das Unheil des Nationalsozialismus. In Graz studierte er zunächst Medizin und arbeitete als Chirurg. Während des 2. Weltkriegs schloss er sich den jugoslawischen Partisanen an. Nach dem Krieg ließ er sich zum Psychoanalytiker ausbilden und entwickelte zusammen mit seiner Frau Goldy Parin-Matthèy und seinem Kollegen Fritz Morgenthaler nach mehreren Forschungsreisen in Westafrika die Ethnopsychoanalyse. Seine Bücher stießen international auf große Anerkennung. Eine ausführliche Würdigung enthält nebenstehender Beitrag von Roland Kaufhold unter dem Titel: "Befreit Grönland vom Packeis". Das Foto wurde im Oktober 1988 in Zürich aufgenommen. (Foto: Keystone/Keystone/STR)

War es möglich, die Angehörigen von nicht-westlichen Gesell­schaften mit den theore­ti­schen und metho­di­schen Mitteln der Psycho­analyse zu verstehen? Ausgehend von einem univer­sa­lis­ti­schen Menschenbild, verliefen ihre Forschungs­in­ter­essen aber nicht nur in eine Richtung. Die Ethno­psy­cho­analyse sollte auch in der heimat­lichen Umgebung der Schweiz angewendet werden, zur Behandlung von Patien­tinnen und Patienten und zugleich als Form der Gesell­schafts­analyse und –kritik.

Goldy Parin-Matthèy und Paul Parin, welche die Autorin und Journa­listin Ursula Rütten einmal als „vermählte Zwillinge“ bezeichnet hat, blieben Zeit ihres Lebens insti­tu­tionell ebenso unabhängig, wie sie in einem ausge­dehnten, global vernetzten, linken und undog­ma­ti­schen Freun­des­kreis verankert waren. Wobei Freund­schaft hier mehr bedeutet als bloße private Bindungen und Neigungen – ihre Freund­schaften schufen darüber hinaus einen Arbeits- und Diskus­si­onsort. Stefan Zweifel hat die sonntäg­lichen Zusam­men­künfte am Utoquai einmal als Versammlung auf einem Affen­felsen beschrieben, wo er als Kind den Erwach­senen zu Füßen saß und ihren Debatten zuhörte („schöne Paviane“, die sich „Geschichten aus dem Haar lausten“).

Freud­sches Denken

Mir kam die Wohnung, Jahrzehnte später, eher wie eine Zeitma­schine vor. Der Straßenlärm der Durch­gangs­straße war durch die Fenster­scheiben ebenso gedämpft wie das Licht durch die vergilbten Vorgänge, und so konnten wir rauchend und trinkend an jeden belie­bigen Ort der Welt und in jede Zeit reisen. Meist aber landeten wir im frühen 20. Jahrhundert irgendwo in Europa oder in den 1950-er und 1960-er Jahren in Afrika. Trotzdem keine Nostalgie. Jede Geschichte war ein Exempel und das Interesse galt der Gegenwart.

Eine geschlossene Theorie entstand aus der ethno­psy­cho­ana­ly­ti­schen Forschungs­praxis nicht.
Grundlage blieb stets und dezidiert das Freudsche Denken, wie Paul Parin im Namen der Gruppe im Text „Subjekt im Wider­spruch“ erläu­terte: „Erst wenn sich diese Theorie einmal nicht eignete, um unsere Beobach­tungen zu erklären, haben wir sie modifi­ziert, etwas hinzu­gefügt, anderes wegge­lassen oder abgeändert.“ Entscheidend war die Verbindung von Psycho­analyse und Ethno­logie, wobei die Forscher­per­sön­lichkeit mit ihren eigenen kultu­rellen Verstri­ckungen in die Analyse einbe­zogen worden ist.

Das heißt, bei der Forschung war immer auch die eigene Reaktion auf den Forschungs­ge­gen­stand, d.h. auf die anderen Menschen und die fremde Umgebung Teil der Betrachtung, und dieser Ansatz ist für alle quali­tativ arbei­tenden Wissen­schaften bis heute relevant. Es gilt nicht, das eigene Ich (Herkunft, Geschlechte, Generation, usw.) und die eigenen kultu­rellen Verstri­ckungen möglichst „auszu­schalten“, sondern diese zu analy­sieren und produktiv in den Forschungs­prozess einzu­bringen. In den 1950er Jahren waren solche Überle­gungen in der Ethno­logie noch unerhört, galt es doch „im Feld“ eine wissen­schaft­liche Distanz zu wahren, und überdies standen Ethno­logen mit ihrer Forschung zu dieser Zeit noch häufig im Dienst von Kolonial­in­ter­essen. Die kolonialen Unter­tanen sollten erforscht werden, um sie beherrschbar zu machen – das galt nicht nur im Südafrika unter der Apartheid.

Fremdheit ist keine Eigen­schaft

Voraus­setzung und Resultat des ethno­psy­cho­ana­ly­ti­schen Zugangs ist, dass Fremdheit keine Eigen­schaft ist, sondern ein relatio­nales Verhältnis beschreibt. Das passt zu einer zentralen Überlegung Sigmund Freuds, wonach Neurosen keine ihnen eigenen Inhalte haben, die nicht auch bei „Gesunden“, bei Menschen ohne Symptome, zu finden sind. Folgt man diesen Gedanken, existieren weder der Fremde noch der Kranke an sich und aus sich selbst heraus; krank oder fremd ist ein Mensch vielmehr immer nur in Beziehung zu etwas oder zu jemand anderem.

Insofern ist mit der Ethno­psy­cho­analyse auch eine Utopie verbunden, eine Form der Aufklärung, die nicht nur das eigene Fremde einschließt und analy­siert, sondern das Fremde als Eigenes anerkennt. Mit der These, dass sich Psycho­analyse als Form der Gesell­schafts­kritik und der indivi­du­ellen Aufklärung auch in anderen, koloni­sierten Gesell­schaften bewähren würde, sollte eben gerade keine „afrika­nische Psyche“ (re)konstruiert werden. Vielmehr ging es bei den psycho­ana­ly­ti­schen Gesprächen um die Einzig­ar­tigkeit der Personen, aller­dings in ihrer Verstri­ckung in die jeweilige Gesell­schaft und soziale Umwelt. Bei den Agni an der Elfen­bein­küste und den Dogon in Mali stellte sich dies histo­risch und sozio­lo­gisch höchst unter­schiedlich dar und drückte sich in unter­schied­lichen Persön­lich­keits­struk­turen aus. So glücklich und frei sich die Dogon-Gesellschaft zeigte, so verstrickt und bedrückt erlebten die Reisenden die Agni.

Die postko­lo­niale Forderung, „den Anderen“ eine Stimme zu geben, ist in der Ethno­psy­cho­analyse mit ihren Einzel- und Gruppen­ge­sprächen radikal umgesetzt. Denn die Inter­viewten sind nicht Stell­ver­tre­te­rinnen oder Stell­ver­treter einer Gruppe von Anderen, sondern erscheinen in ihrer Indivi­dua­lität, mit ihren Reaktionen und Emotionen, ihren Biografien und Träumen in so unter­schied­lichem Masse fremd und vertraut, wie jeder andere Mensch, dem wir begegnen oder über den wir lesen. Zugleich werden aber auch die materi­ellen und sozialen Struk­turen und Bedin­gungen von Glück und von Scheitern aus den Inter­views und ihren Analysen deutlich.

Goldy und Paul Parin in Mali, ca. 1960; Foto: Fritz Morgen­thaler



Die Ethno­psy­cho­analyse bedarf des Orts- und Perspek­ti­ven­wechsels, sie ist eine Reise in die Fremde und nach Innen, zu den Anderen und zu sich selbst, sie versucht das Gemeinsame zu ergründen und muss dabei geogra­fische und intel­lek­tuelle Orte wechseln, d.h. die eigenen Annahmen immer in Frage stellen. Diese „Pendel­be­wegung zwischen den Kulturen“ (Mario Erdheim) ist gerade in der gegen­wär­tigen politi­schen Lage hoch relevant. Nie treten die Konturen des Eigenen so scharf hervor, wie in der Konfron­tation mit dem Anderen. Die Vorstellung, man habe eine einzige geschlossene Kultur, an die sich die Fremden anzupassen haben, unter­liegt einem Denkfehler. Das was heute so vehement als Kern eigener Kultur verteidigt wird, ist auch in scheinbar homogenen Gemein­schaften das Ergebnis von Vermi­schungen, Neuent­wick­lungen, einer Aushandlung zwischen Innovation und Tradition sowie zwischen Eigenem und Fremdem. Alles verändert sich in diesen fortwäh­renden Aushand­lungen, die Sprache, die Bräuche, die Erzäh­lungen über die Vergan­genheit.

In der Konfron­tation mit Fremdheit, sei es zu Hause oder auf Reisen, wird die eigene Kultur aber plötzlich als scheinbar geschlos­senes Ganzes erfahren, man wird zur Deutschen oder zum Schweizer, zum Europäer oder Afrikaner, während im Alltag solche Defini­tionen weder für die Fremd- noch für die Selbst­zu­schreibung nötig sind – da sind die vielen unter­schied­lichen Identi­fi­ka­tionen und Zugehö­rig­keiten jeder Person weitaus relevanter. Soll man jedoch die eigene Kultur erklären, wird sie zumeist zu einem hyper­realen Ideal, Typisches wird hervor­ge­hoben oder auch konstruiert, abgetrennt von der alltäg­lichen Erfahrung der Unordnung, Unvoll­stän­digkeit und Hybri­dität, die gelebte ‚Kultur’ auszeichnet. Kultur ist immer in Bewegung (und mag diese noch so langsam sein), das Kultur­gewebe ist in unter­schied­lichen histo­ri­schen Epochen geknüpft, sein Material stammt aus ganz verschie­denen Quellen, und wird immer wieder neu inter­pre­tiert. Gerade weil Kulturen – also die Lebens­wirk­lich­keiten von Menschen – immer hybrid sind, geraten sie durch Ortswechsel durch­ein­ander. Das kann produktiv sein oder zu gewalt­tä­tiger Eruption führen.

Ein grosser Erzähler

Heute ist der Utoquai 41 nur noch eine Hausnummer, nichts erinnert mehr an Paul und Goldy, und das passt vielleicht zur Utopie der Ethno­psy­cho­analyse, denn sie hat im Wortsinne keinen Ort, sie kann nur im Gespräch und in der Analyse entstehen, da wo zwei oder mehr zusam­men­treffen und sich darüber einigen, dass sie etwas ergründen wollen.  Die Ethno­psy­cho­analyse hat eine wissen­schaft­liche Praxis initiiert, so Maya Nadig, „die es erlaubt, einen diffe­ren­zie­renden und kreativen Blick auf eine kompli­zierte und schwer zu verste­hende Welt zu werfen. Es ist ein wunderbar mensch­licher Blick, weil er nicht einfach den Anderen unter­sucht, sondern auch die eigene Invol­viertheit und die Gefühle in der Beziehung zum Anderen ernst nimmt. In dieser Mensch­lichkeit der Methode liegt auch ihr politi­sches und revolu­tio­näres Potential.“

„Alle Wörter liegen vor mir auf dem Tisch, aber ich weiß nicht mehr, wie sie zusam­men­ge­hören“

Als klar war, dass Paul bald sterben würde, versam­melten sich die Freunde in großer Zahl um ihn. Vielen schrieben seine Sätze auf. „Alle Wörter liegen vor mir auf dem Tisch, aber ich weiß nicht mehr, wie sie zusam­men­ge­hören“, war einer seinen letzten Sätze. Paul Parin bleibt nicht nur als Ethno­psy­cho­ana­ly­tiker, sondern auch als grosser Erzähler immer in Erinnerung.

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Quelle: "Geschichte der Gegenwart" - Eine ältere Version dieses Beitrag erschien in der Publi­kation „De-Neutralize – Globale Geschichten aus Zürich“, Daniel Kurja­kovic, Franziska Koch, Lea Pfäffli, Bernhard Schär, Eduardo Simantob, Barbara Preisig (Hrsg.), Ein Koope­ra­ti­ons­projekt der VBK (ZHdK), IFCAR (ZHdK), Professur für Geschichte der modernen Welt (ETH), Johann Jacobs Museum, Zürich 2016.

Und noch ein lesenswerter Link zu Paul Parin: "Ich bin ein Weltbürger"

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die von den parins begründete "ethno-psychoanalyse" zeigt der frau petry von der afd, was "völkisch" auch bedeuten kann ... - sie setzt sich ja für eine neue "konnotation" dieses begriffes ein... ethno-psychoanalyse, so wie sie paul parin und goldy betrieben haben, zeigen, wie alle menschen - auf ihre art - gemeinsam ticken ... - nämlich so - dass parins persönliches fazit lautete: "ich bin ein weltbürger" ... - so wie es der christlich-abendländische poet schiller in der "ode an die freude" dichtete: 

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt, (also auch Burka & Niqab)
Alle Menschen werden Brüder, (also auch Muslime, Christen, Juden, Schwarze, Weiße, Rote usw.)
Wo dein sanfter Flügel weilt.




Sonntag, 18. September 2016

... ich glaube ... - wahlen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren ... - eine nachlese



ich glaube ... dass so eine landtagswahl wie in berlin zum oktoberfest von vielen als eine art gaudi angesehen wird ... da ist nichts mehr mit "staatstragender verantwortlichkeit" - das ist eher wie beim lotto-tipp am samstag - vielleicht springt da ein fünfer raus - oder ein sechser - ansonsten nehmen wir es olympisch: "hauptsache dabeigewesen" - zum wählen gehen - um es denen mal so richtig zu zeigen: taraaa - taraaa - und anschließend trinken wir nen bier und lachen uns ins fäustchen ...

in der ddr ging man ja auch mit dschingderassabumm zur wahl - und meldete öffentlich, dass die wilhelm-pieck-straße, plattenbau 5-7, "einstimmig" ... - und alle wussten, dass das nicht die wirklichkeit war - sondern theater ... - und das kleine mädchen mit dem blauen halstuch sagte zum papa: "guck mal papa - der kaiser ist ja nackt - der hat ja gar nichts an" ...

und ich glaube, so ernsthaft wählen ... - das hat das "volk" einfach verlernt: so mit einer kleinen prise "staatstragendem respekt" - so etwas wie "ehrfurcht" und "dankbarkeit" - auch für die eigene demokratische freiheit einer solchen wahlmöglichkeit und mitbestimmung überhaupt: frei - gleich und geheim ... - 

und die moralischen werte einer (früher: national-)sozialistischen diktatur sollen dann plötzlich "demokratisch" mit luftballon, fähnchen und gratis-kugelschreiber und geschwurbeltem grundsatzprogramm ...: nee - ich glaube - das dauert - das dauert 2-3 generationen - wenn bis dahin nicht alles längst verkommen und den bach runtergegangen ist: angesichts von trump, erdogan, orbán, afd und pegida - ein weltweites populismus-phänomen - ein zeitgeist-paradigmenwechsel: klamauk statt ernsthaftigkeit, zocken statt wirtschaften ... - ohne jede werteskala - ohne moral ... - ohne gott ...

ich meine - die im amt stehenden politiker haben das ja - gerade in berlin - vorgemacht: der wowereit als partylöwe, und jetzt sein nachfolger mit dem gesicht wie der alte ben hur, also wie charlton heston, und mit dem seltenen allerweltsnamen: müller ... - müller macht's ...
"herr müller - wann wird auch ihnen der flughafen BER einfach zu teuer - bei 6 milliarden ??? - wann wird es auch ihnen zu bunt ... ???"  
"ach - hören sie - die bautätigkeiten dort sind ja längst fertiggestellt - es geht ja jetzt noch um ein paar sicherheitsabstimmungen ...!!! ..."

"und das stadtschloss ...??? - und die schulen - die schulen in berlin" ... - " ...

(wie aus gut unterrichteten kreisen verlautet: sollen ja die schulen berlins zum "weltkulturerbe" angemeldet worden sein - deshalb darf man daran jetzt nichts verändern - bis das verfahren abgeschlossen ist ...)




ansonsten haben in berlin fast alle parteien gewonnen: die hauptsache ist, so sigmar gabriel, dass berlin von einem sozialdemokraten weiter regiert wird: die spd ist wieder die stärkste kraft geworden ... - die cdu ist die zweitstärkste kraft geworden, die grünen haben mit 2 % nur wenig abgegeben, die fdp ist wieder da, die linke hat tatsächlich hinzugewonnen, die afd ist auf anhieb zweistellig: alle haben die wahl gewonnen - nur die demokratie ist auf der strecke geblieben ... und mit "völkisch" kann man 6% mehr wähler an die urnen ziehen ...

und alle wahlforscher haben es prophezeit: wenn eine "große koalition" gebildet wird, stärkt das die extrem-radikalen kräfte - diesmal mehr rechts als links ... das ist quasi ein naturgesetz der demokratie - und eine rot-rot-grüne koalition hätte 2013 10 stimmen mehr gehabt - man hätte es verwirklichen können, willy brandts traum von der mehrheit "links der mitte" ... - und hätte sich vieles erspart - auch in uropa ... - wir müssen nun mit diesem geschwurbel fertig werden - und "wer hat uns (auch 2013) verraten" ... - ach - sie wissen schon ... - diese steimeiers und gabriels, die es dem genossen steinbrück nicht gönnten ...- aber: "hätte-hätte-fahrradkette" ... 

und doch - wieder gabriel: "wir müssen aber auch feststellen, dass fast 90 % "diese da" nicht gewählt haben ... - ein überwältigender sieg der demokratischen kräfte" ... bla-bla-bla - was soll man dazu sagen: politik ist ein schmutziges geschäft - ein nichtssagendes geschäft - politik hat sich vom "völkischen" alltagleben weit entfernt - und bittet uns ja nur alle 4-5 jahre ... - und wieder mit kugelschreiber - und etwas mehr kindergeld vielleicht - und moderaten steuersenkungen - und "völkischem" Gewese ...

und wo man früher am stammtisch schwadronierte: "das haben die da oben aber gesagt" ... - denkt man heute: ach hätten die doch lieber den mund gehalten ... S!

Freitag, 16. September 2016

Einsperren ist auch eine Lösung

Polizeibeamte auf dem Kornmarkt
Polizeibeamte auf dem Kornmarkt - SPIEGEL-ONLINE

Ausgangssperre für Flüchtlinge in Bautzen

Sieg der Rassisten

Die Polizei in Bautzen lobt sich für die Wiederherstellung der Ruhe in der Stadt. Tatsächlich hat sie den Rechtsextremen das Feld überlassen, indem sie die Flüchtlinge in ihre Unterkünfte sperrt.

Ein Kommentar von Maik Baumgärtner - click here

Die Filme A GOOD AMERICAN und SNOWDEN

A GOOD
9/11 wäre zu verhindern gewesen: A GOOD AMERICAN - ein Film ohne Verschwörungs-Theorie - ganz seriös - von Alfred Moser - und die Ankündigung zu dem Spielfilm "SNOWDEN" ... | CLICK ON THE PICTURE ...

Donnerstag, 15. September 2016

Jakob Augstein: Identitäre Bewegung - (o Gott - auch das noch) ...



"Identitäre" Störer

Begegnung der braunen Art

Mit Parolen gegen Debatten: Am Montag störte eine rechte Jugendgruppe eine Veranstaltung unseres SPON-Kolumnisten Jakob Augstein. Hier berichtet er von dem Zwischenfall - und darüber, was er dabei über die neuen Nazis lernte.





Am vergangenen Montag moderierte ich im Berliner Maxim-Gorki-Theater eine Diskussionsveranstaltung, die von Radio Eins live übertragen wurde.

Margot Käßmann war zu Gast, die frühere Bischöfin. Wir sprachen über die Politisierung der Religion. Frau Käßmann war bei der Burka angekommen. Sie sagte, sie sei gegen dieses Instrument der Unterdrückung, aber auch gegen ein Verbot. Da rief ein Mann im Saal "Heuchler", und plötzlich skandierte ein Chor immer wieder dieses Wort: "Heuchler."

Zwei Reihen im Publikum erhoben sich, Schilder wurden gereckt, Fäuste geballt, Parolen gebrüllt. Aber das waren lauter nett aussehende, adrette junge Leute. Sie hielten ordentlich ihre Schilder. Sie brüllten ordentlich. Und als man sie des Saales verwies, gingen sie ordentlich davon. Darf ich vorstellen: die "Identitäre Bewegung", unsere neuen Nazis.

Die "Identitären" haben ihre Wurzeln in Frankreich, sie wurden in Österreich prominent, und seit einiger Zeit gibt es sie auch in Deutschland. Der Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen nannte die Gruppe vor ein paar Jahren noch eine "virtuelle Erscheinungsform des Rechtsextremismus" mit "bislang wenig Realweltbezug". Das hat sich geändert. Es ist ja eine rechte Revolution im Gange, und die kann solche Fußtruppen gut gebrauchen.

In seinem "Kälbermarsch" hat Bert Brecht gedichtet: "Sie tragen ein Kreuz voran auf blutroten Flaggen / Das hat für den armen Mann einen großen Haken." Ins Maxim-Gorki-Theater hatten die "Identitären" auch ihren Haken mitgebracht, schwarz auf gelbem Grund, den griechischen Buchstaben Lambda. Er stammt aus dem Film "300". Die Spartaner, die im Abwehrkampf gegen die östlichen Invasoren ihr Leben geben, tragen dieses Zeichen auf ihren Schilden. Die alten Nazis entlehnten ihr Symbol alten Mythologien, die neuen einem amerikanischen Spielfilm. Das ist insofern bemerkenswert, als es gerade Globalisierung und Amerikanisierung sind, gegen die sie sich wehren. Aber gegen die Macht der Popkultur ist kein Kraut gewachsen, auch kein braunes.

Margot Käßmann und ich selbst waren nicht durch Zufall das Ziel der Aktion. Im Netz schreiben die Rechtsaktivisten, Käßmann und Augstein seien, "diejenigen, die einer Einwanderungsgesellschaft das Wort reden und dem Großen Austausch so den Weg ebnen". Der "Große Austausch", die Schreckensvision der Rechten: Das deutsche Volk wird durch ein neues, durchmischtes ersetzt.

Globalisierung, Migration, Multikulturalismus sind des Teufels

Ich habe die "Identitären" Nazis genannt. Man muss mit dem Wort vorsichtig sein. Es sind nicht alle, die eine andere Meinung haben, Nazis. Aber hier trifft es zu. Diese Leute predigen weder Eroberungskrieg noch Judenmord. Ihre Ideologie heißt "Ethnopluralismus". Jedes Volk hat ein Recht auf seinen eigenen Raum - und soll da auch bitte bleiben. Globalisierung, Migration, Multikulturalismus sind des Teufels. Das Wort "Raum" erinnert nicht umsonst an Martin Heidegger und Carl Schmitt, Heroen der neuen wie der alten Rechten. Denn so fesch sich dies "Identitären" geben, so alt ist ihr Denken. Es sind junge Greise, die da demonstrieren.

Sie träumen den Traum eines modernen Faschismus. Ihre Helden sitzen in Russland und in Ungarn. Wenn sie unter sich sind, in ihren Zeitschriften, im Netz, bei ihren Tagungen auf den Burgen und Schlössern ihrer vermögenden Förderer, geben sie sich ihren Allmachtsfantasien hin, ihren Visionen von der "Reconquista", der Befreiung des Landes von Islamismus und linkem Mainstream. Am Ende aber läuft es schlicht auf die Ausschaltung des Gegners hinaus - vor allem die Ausschaltung der unabhängigen Medien.

Ich bin nicht sicher, ob ich es als Kompliment auffassen soll, dass ich in den Plänen der "Identitären" namentlich erwähnt werde. Der österreichische "Identitäre" und Rechtsaktivist Martin Sellner hat in einem Aufsatz die Strategie seiner Bewegung so beschrieben: Die Journalisten, die er als "Camarilla" bezeichnet, müssten "aus ihren, letztlich illegitimen und undemokratischen Machtpositionen entfernt werden. Hier ist kein Einlenken, kein Umdenken und kein Ausgleich möglich. Solange sie tagtäglich mit ihrer suizidalen Agenda des Selbsthasses die 'demokratische Mitte' diktieren, ist ein identitärer Grundkonsens gegen den Großen Austausch undenkbar. Keine metapolitischen Überlegungen führen an der Tatsache vorbei: solange - etwas zugespitzt - ein Augstein im Spiegel schreiben darf, ist eine deutsche und europäische Zukunft unmöglich."

An diesem Abend im Gorki-Theater haben mir die modernen Nazis ihr Gesicht gezeigt. Es ist jung und glatt und kalt. Ich habe in das Gebrüll der Demonstranten hinein gefragt, warum sie mich einen "Heuchler" nennen, und was sie von uns wollen. Sie haben nicht geantwortet. Nicht die Form des Protests ist das Problem. Sondern ihr Inhalt. Und es ist nicht das Gebrüll, das Angst macht. Sondern die Weigerung zu reden.

Die Rechten haben die Öffentlichkeit gesucht. Sie haben sie bekommen.

Helfen wir ihnen dabei, wenn wir davon berichten? Ja. Wäre es darum besser zu schweigen? Nein.



Seltsamkeiten ... auch augen zeigen ein gesicht !!!

Foto: Steve Mc|Curry: Porträt: Sanaa/Yemen



hallo - ich habe hier ein post aus dem februar 2016 noch einmal aktualisiert - aus besonderem anlass (siehe die posts wg. des nikab hier drunter ...). auf alle fälle zeigt das eine foto von steve mc|curry die älter gewordene sharbat gula mit offenem und gelebtem gesicht - und einer hochgeschlagenen burka (!) - das war also sogar in afghanistan möglich - leider vielleicht - wie ich vermute - nur gegen dollars in bar - aber: steter tropfen höhlt den stein ... S!




DIE NEUE SELTSAMKEIT - TOCOTRONIC
SONGTEXT 1999

Man sagte mir, es sei soweit
Es komme eine Seltsamkeit
Und alles, was bis jetzt noch war
Sei dann auf einmal nicht mehr da

Und noch bevor der Morgen graut
Werden vereinzelt Stimmen laut
Dass man sich zwar nicht sicher sei
Doch man sei auf jeden Fall dabei

Man wisse zwar nicht, wann und wie es passiert
Und ob man gewinnt, oder ob man verliert
Man habe vorsorglich schon mal Geld gespart
Und für Donnerstag dem Verein abgesagt

Man sei durchaus bereit, ein and'res Leben zu führen
Im Augenblick stünde man zwar noch zwischen den Türen
Es sei ja auch schwierig, so von heute auf morgen
Man habe ja auch noch den Hund zu versorgen

In manchen Gegenden habe es früh angefangen
Man sei dort vor Jahren spazieren gegangen
Seinerzeit wusste man nicht, was es ist
Doch man ahnte bereits, hier und dort rührt es sich

Aber nicht nur an Plätzen fiele es auf
Auch zu bestimmten Zeiten im Tagesablauf
In der Stunde nach Sonnenuntergang
Kündigte sich eine Veränderung an

Doch man habe natürlich, wenn man ehrlich sei
Damals all das verdrängt, was man heute begreift
Und man habe höchstens unbewusst registriert
Dass etwas um sich greift, dass etwas passiert

Und erst jetzt komme man wohl nicht umhin
Sich einzugestehen, dass hier etwas spinnt
Die Zeichen werden deutlich, es sei soweit
Es komme nun eine Seltsamkeit

Und ich liege im Bett, und ich muss gestehen
Ich habe große Lust, mich nochmal umzudrehen
Draußen, wo sich die Nacht mit dem Tageslicht mischt
Scheint etwas vor sich zu gehen, das auch mich betrifft


***
Fremdenhass in Deutschland ... ???
Nie wieder !!!

Ein SPIEGEL-ONLINE-Kommentar von Markus Feldenkirchen


Diese deutsche Lethargie hat die deutsche Band Tocotronic in ihrem Lied "Die neue Seltsamkeit" wunderbar treffend besungen:

"Und ich liege im Bett, und ich muss gestehen
Ich habe große Lust, mich nochmal umzudrehen
Draußen, wo sich die Nacht mit dem Tageslicht mischt
Scheint etwas vor sich zu gehen, das auch mich betrifft."

Vermutlich waren die meisten Deutschen nicht darauf gefasst, zu Lebzeiten noch einmal mit so viel Ernsthaftigkeit konfrontiert zu werden, die auch sie betrifft.

Die Geschichte hat gezeigt, dass man im Vorhinein nie genau weiß, ab wann die Warnungen zu spät sind. Es soll jedenfalls niemand mehr sagen, man habe die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt, vor allem wir Deutsche nicht. Wir, die weit nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren wurden, haben Gutes und Grausames geerbt. Für das Gute dürfen wir dankbar sein. Dafür, dass sich das Grausame nicht wiederholt, sind wir verantwortlich. Es gibt kein Ende der Geschichte.

Wir sind glücklicherweise noch weit entfernt von einer Situation, wie es sie zu Beginn der 1930er Jahre gab. Aber es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die Nazis nicht deshalb an die Macht kamen, weil eine überwältigende Mehrheit der Deutschen ihnen zujubelte. Sondern weil eine unpolitische oder resignierte Mehrheit es zuließ, dass die Lauten und Aggressiven den Diskurs bestimmten. Diese nämlich hatten eine klare Haltung, das war ihr Vorteil.

Für den ganzen sehr lesenswerten Kommentar unbedingt here clicken ... - und ...


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Die Bildikone "Afghanisches Mädchen" - Foto: Steve McCurry - 1984


Die gleiche Frau (namens Sharbat Gula) - 17 Jahre später - mit hochgeschlagener Burka  - Foto: Steve McCurry

Die meisten meiner Fotos sind in Menschen geerdet, denn ich sehe für einen unbedachten Augenblick das Wesentliche der Seele herausspähen: die Erfahrungen einer Person sind in ihr Gesicht geätzt. - Steve McCurry. 

ja - das exotische auf der titelseite des national geographic zog damals - 1985 - uns alle seltsam an: steve mc|curry hat das foto damals in einem flüchtlingslager in pakistan aufgenommen, wo er sharbat gula antraf, auf ihrer flucht vor russischen fliegerbomben auf afghanistan - die kämpferisch-feurigen augen des "afghanischen mädchens" erlangten weltruhm - das foto wurde eines der meist abgedruckten bildikonen in der westlichen welt - allerdings mit dem grundtenor: seht nur, was russische fliegerbomben in afghanistan anrichten können - und wen sie treffen ...

steve mc|curry hat dann nach 17 jahren in afghanistan in der nähe von kabul diese inzwischen verheiratete mutter sharbat gula nach intensiver forschung wiedergetroffen ... - und porträtierte - nachdem sie mit erlaubnis ihres mannes ihre burka lüftete - ein gesicht, das das "wesentliche der seele"(steve mc|curry) wahrhaft wiederspiegelt - und ein knallhartes leben - aber auch ein leben mit flucht und zurück und hin und her auf dieser unserer einen welt ... sharbat gula hatte bis zum erneuten zusammentreffen mit steve mc|curry keine ahnung von der hype um ihr foto von 1985 in der westlichen welt - und wird es in ihrem alltäglichen dasein bis heute kaum nachvollziehen können - aber wir haben daraus lernen können - dass alle gesichter dieser welt - ein jedes für sich - ein spiegelbild der seele ist ... - ein spiegelbild der immerwährenden schöpfung  - hin und her auf dieser unserer einen welt ...

sharbat gula war ein flüchtlingskind aus afghanistan, das dann nach beendigung des sowjetischen bombenhagels aus pakistan nach kabul zurückkehrte, wo sie nun die drohnen- und bombenangriffe der usa - unterstützt mit deutscher logistik - aushalten muss ... - ob sie sich jetzt auch wieder mit unter den vielen flüchtlingen richtung westen befindet, weiß man wahrscheinlich nicht ... - vielleicht aber lebt sie tatsächlich inzwischen in clausnitz oder wartete auf schutz in bautzen - und wenn nicht diese sharbat - dann vielleicht eine nachbarin von ihr - eine klassenkameradin - vielleicht ... - aber sharbat gula wird - wenn sie sich richtung deutschland auf den weg gemacht hat mit ihrer familie wieder keine ruhe finden - denn da sei unser aller bundesinnenminister de maiziere vor: der erklärte ja bei einer stippvisite, afghanistan sei ein sicheres und ein schönes und lebenswertes land, und in deutschland gebe es kein begrüßungsgeld - und nicht für jeden arbeit und eine wohnung ... - sharbat müsste also wieder zurück nach kabul - denn afghanistan sei quasi ein "sicheres herkunftsland" - und asylbewerber werden abgeschoben ... - und wie das gesicht der sharbat gula wohl dann unter der burka - als "spiegel ihrer seele" - aussieht ...

aber nun brüllen irgendwelche besoffene tumbe aufgehetzte "bürger" gegen ein solches gesicht - gegen einen solchen menschen und zünden häuser an - und sie sind gegen ihre "archaischen sitten und bräuche" (afd-wahlplattform in baden-württemberg) - nun endlich fast in einklang mit der offiziellen propagierten deutschen asylpraxis - wenigstens in bezug auf afghanistan...

das macht mich sprachlos und wütend ... - S!


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bibi aisha wurde 2009 in afghanistan von ihrem damaligen schwiegervater im beisein ihres taliban-mannes und dessen brüder so verstümmelt, weil sie die familie verlassen hatte, von der sie gequält wurde ... - ihr porträt - von jodi bieber fotografiert - schaffte es 2010 auf das "time magazine" ...
(bibi) aisha mohammadzai (offizieller Name) unterzog sich insgesamt 12 abgeschlossen operationen und erhielt ein temporäres nasen-implantat - finanziert von einer amerikanischen hilfsorganisation. sie wurde von einem afghanisch-amerikanischen ehepaar adoptiert und lebt in maryland. sie studiert englisch und mathematik und strebt eine ausbildung zur polizistin an ... - was wäre mit ihr in deutschland passiert ... - jetzt, wo afghanistan anscheinend ein "sicheres herkunftsland" geworden ist ... (Foto von 2014: WireImage|sz)


„Ich will allen Frauen, die misshandelt werden, sagen, dass sie stark sein sollen. Sie sollen niemals aufgeben und niemals die Hoffnung verlieren.“ Aisha Mohammadzai




meine photoshow von 2013: click here


http://www.kizoa.de/Movie-Maker/d5276776kP137586657o2l1/aisha


































Cheb Khaled
Aïcha Songtext 
Übersetzung:

Als ob ich nicht existiert hätte,
ist sie von mir gegangen,
ohne ein Blick, die Königin von Sabbah,
Ich sagte, Aisha nimm, alles ist für dich

Sieh hier die Perlen,die Juwelen,
auch das Gold um deinen Hals,
Die reifen Früchte mit dem Honig Geschmack
Mein Leben, Aisha, wenn du mich liebst.
Ich werde dort hingehen wo dein Hauch uns hinführt,
in das Land von Elfenbein und Ebenholz,
ich werde dir deine Tränen und deine Sorgen wegwischen,
Nichts ist zu schön für eine so Schöne wie dich.

Refrain:
Oh Aisha, Aisha, hör mir zu,
Aisha, Aisha, geh nicht weg,
Aisha, Aisha, schau mich an,
Aisha, Aisha, antworte mir.

Ich werde die Worte sagen, die Gedichte,
Ich werde die Musik des Himmels spielen,
Ich werde die Sonnenstrahlen einfangen,
um deine traumhaften Augen zu erleuchten.

Refrain

Sie sagte behalte deine Schätze,
Ich, ich bin mehr wert als das,
ein Käfig bleibt ein Käfig, auch wenn er aus Gold ist,
ich will die gleichen Rechte wie du,
ich, ich will nur die Liebe.

Als ob ich nicht existiert hätte,
ist sie von meiner Seite gewichen,
Ohne ein Blick, Königin von Sabbah,
Ich sagte, Aisha nimm, alles ist für dich.


Refrain


NIKAB - zum dritten | NIKAB - einmal anders - diesmal aus der überregionalen ZEIT

Die französische Muslimin Stéphanie Lécuyer mit Rachid Nekkaz, dem "Zorro des Nikab" - Foto: Rebecca Marshall für DIE ZEIT





Sie bricht das Gesetz. Er zahlt

Der algerische Millionär Rachid Nekkaz ist Kopftuchgegner. Trotzdem übernimmt er das Bußgeld für Hunderte Frauen, die das Verschleierungsverbot missachten 


Er hat es wieder getan. Diesmal in Nizza, in einem stinkenden Schalterraum nahe dem Bahnhof, in der Bußgeldstelle der staatlichen Finanzbehörde. Die Frau an seiner Seite hebt ihren Schleier, zeigt ihr Gesicht und ihren Ausweis. Er zahlt das Geld, in bar, 150 Euro, plus 22 Euro Bearbeitungsgebühr, wie immer.

Der Verstoß: öffentliches Tragen des Nikabs, des muslimischen Gesichtsschleiers. Die Schuldige: Stéphanie Lécuyer, eine zierliche Französin, voll verschleiert. Der Mann mit dem Portemonnaie: Rachid Nekkaz, Unternehmer algerischer Herkunft, ein hochgewachsener Mann von 44 Jahren, Internetpionier und Immobilienkönig.

Nekkaz zahlt, wenn Frauen Geldstrafen bekommen, weil sie religiöse Kleidung tragen. Vor allem in Frankreich, wo seit 2011 das Anti-Verschleierungs-Gesetz gilt. Manchmal auch in Belgien und Holland. Er selbst ist Muslim. »Ich führe diesen Kampf nicht für den Islam«, sagt er, »sondern für die Menschenrechte und gegen jene Demokratien, die ihre eigenen Ideale verraten.« 583 muslimischen Frauen hat er schon geholfen, meist aus den Vorstädten, viele jung, viele alleinstehend. Insgesamt 245 181 Euro hat er dafür ausgegeben, aus einem von ihm selbst aufgelegten Fonds von einer Million Euro, dem »Fonds für die Verteidigung der Freiheit und der Laizität«. Wer ein Bußgeld zahlen soll, muss nur auf Nekkaz’ Internetseite gehen – und ihm eine E-Mail schreiben.

Viele sehen in ihm schon den nächsten algerischen Präsidenten

Nekkaz überweist das Geld nicht, er bringt es selbst vorbei, kommt oft sogar mit zum Bußgeldschalter. 375 der Frauen habe er persönlich getroffen, sagt Nekkaz. Um sich zu überzeugen, dass sie ihre Kleidung aus eigenem Antrieb tragen – und nicht auf Befehl ihres Ehemannes. Und um sich mit den Frauen öffentlich zu zeigen. Auch an diesem heißen Septembertag in Nizza hat er Journalisten Bescheid gegeben, ein Kamerateam des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders France 3 wird ihn begleiten.

Nekkaz und die Frau an seiner Seite verlassen die Bußgeldstelle und schlendern zum Meer, über den berühmten Strandboulevard, entlang der Luxushotels, dort, wo am 14. Juli ein islamistischer Attentäter mit einem Lastwagen 85 Menschen tötete. Nekkaz legt seine Hand auf Lécuyers Schulter. Er trägt Krawatte, Businesshose und ein tadelloses schwarzes Jackett. Sie trägt einen braunen Schleier, der nur ihre Augen frei lässt. Sie sind ein auffälliges Paar.

»Ihr tretet das Gesetz mit Füßen!«, schimpft eine ältere Dame auf dem Boulevard. »Provokateur!«, ruft ein Mann in kurzen Hosen. Aber Nekkaz bekommt in Nizza auch Applaus. Auf Höhe des Kasinos Le Ruhl bleiben zwei leicht bekleidete Studentinnen stehen, Französinnen mit algerischen Wurzeln. Sie rufen: »Rachid, warte, ein Foto bitte!« Als das ungleiche Paar den Boulevard an einer Ampel überquert, beginnen zwei Autos ein spontanes Hupkonzert. Die bärtigen Fahrer haben Nekkaz erkannt, öffnen ihre Fenster und winken. »Weiter so!«, rufen sie.

In der arabischen Welt und unter algerischstämmigen Franzosen gilt Nekkaz längst als Held. Erst recht, seit in französischen Städten wie Nizza in diesem Sommer der Burkini verboten wurde, bis ein Pariser Staatsratsbeschluss das Verbot wieder aufhob. Eine Million Menschen folgen ihm auf Facebook, viele sehen in ihm Algeriens nächsten Präsidenten.

Die nicht muslimischen Franzosen erkennen Nekkaz in der Regel nicht, aber viele regen sich über ihn auf, sobald sie eine verschleierte Frau an seiner Seite sehen. Einmal versuchten Pariser Abgeordnete, ein Gesetz gegen ihn durchzubringen, es sollte Dritten das Zahlen von Bußgeld verbieten. Ihr Plan scheiterte. In der vergangenen Woche haben sie es wieder versucht, Anfang Oktober soll der Senat darüber abstimmen, auf Antrag des Innenministeriums. Diesmal hat der Antrag gute Chancen durchzukommen. Nekkaz sagt, er wolle dann dagegen klagen.

Nekkaz und die Frau, mit der er in Nizza am Strand entlangspaziert, kennen sich gut. Stéphanie Lécuyer, 41, Tochter eines Pariser Polizisten, lebt in Nizza und konvertierte vor 20 Jahren zum Islam. Dann kam das Verschleierungsverbot. Lécuyer beschloss, sich nicht daran zu halten. Und wurde erwischt, wieder und wieder. Schon 46-mal handelte sie sich ein Bußgeld ein. 46-mal bezahlte Nekkaz für sie. »Rachid kam für mich gerade richtig«, sagt Lécuyer. Sie sieht sich als typische Verliererin: arbeitslos, geschieden, alleinerziehend. Er ist ein Gewinnertyp, ein Profiteur der Globalisierung. Als junger Mann gründete er ein Start-up, baute Internetseiten für große Verlage. Er wurde reich und besitzt heute Immobilien in Paris, Mailand, Miami, New York.

Dabei beginnt das Leben von Rachid Nekkaz dort, wo die meisten Träume an grauem Beton zerschellen: im Pariser Vorstadtghetto Choisy-le-Roi, Block 120. Rachid ist das neunte von zwölf Kindern, seine Eltern sind Algerier und beide Analphabeten. Der sieben Jahre älterer Bruder begreift, dass Rachid begabter ist als die meisten anderen Kinder. Und er begreift, was man in Frankreich braucht, um aus einem begabten Kind ein erfolgreiches Kind zu machen: einen Platz an einer Eliteschule. Wer dort hinwill, muss in der Regel in einem guten Viertel wohnen, die Plätze werden nach Wohnort verteilt. Der Bruder meldet Rachid im Pariser Voltaire-Gymnasium an, mit einer fingierten Adresse. Mit demselben Trick wechselt Rachid Nekkaz später an die Duruy-Schule, eine Vorzeige-Bildungseinrichtung direkt neben dem Eiffelturm. Nekkaz ist ein guter Schüler. Aber er muss seine Herkunft verschweigen, kann keinen Klassenkameraden nach Hause einladen. »Sie hielten mich für ein Botschafterkind«, sagt er.

Später studiert er Philosophie und Geschichte an der Sorbonne. 1997 schreibt er ein Buch über das Leben im Pariser Vorstadtghetto. Darüber, dass die Banlieue voller Hindernisse ist – und dass man sie überwinden kann. Für ein zweites Buch startet er zusammen mit seinem Co-Autor ein weltumspannendes Projekt: Er sammelt Fragen von mehr als 200 000 Jugendlichen aus 190 Ländern, die diese gern den großen Staatschefs stellen würden. Und genau denen legt Nekkaz die Fragen vor. Prompt laden ihn die G8-Staatschefs zu ihrem Gipfel im Jahr 1999 ein. Frankreich ist stolz auf sein Ghettokind. Das Hochglanzmagazin Paris Match berichtet über ihn, bald freundet sich Nekkaz mit Claude Chirac an, der Tochter des damaligen Präsidenten. Nekkaz wird zum ständigen Gast im Élysée-Palast.

Versöhnt hat ihn das nicht mit seinem Land: »Die Frustrationen der Jugend überwindet man nicht so schnell«, sagt er. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum er seine Internet-Millionen in Pariser Immobilien anlegte. Nie wieder sollte man ihn aufgrund seines Wohnsitzes diskriminieren können. Von seinen Reisen in die USA importiert er ein Geschäftsmodell nach Paris: Er kauft große Häuser mit großen Wohnungen, die er dann in viele kleine Apartments umbauen lässt. Das funktioniert bis heute. Nur will er jetzt alle seine Pariser Immobilien verkaufen. »Ich habe mit Frankreich gebrochen«, sagt er. »Seine Politiker, seine Intellektuellen, seine Medien: Alle sind Populisten. Das Land interessiert mich nicht mehr.« 2013 legte er seine Staatsbürgerschaft ab.

Unbequem war er schon früher. Im Wahljahr 2007 startete er ein spektakuläres Täuschungsmanöver: Er fingierte seine eigene Präsidentschaftskandidatur. Nicht um Präsident zu werden, sondern um korrupte Politiker zu entlarven. Wer in Frankreich Kandidat werden will, braucht von mehr als 500 Volksvertretern eine sogenannte parrainage, eine Art Bürgschaft. Nekkaz fand Bürgermeister, die ihm eine Bürgschaft ausstellten – gegen Geld. Der Politikbetrieb tobte, aber nicht wegen der korrupten Bürgermeister, sondern wegen Nekkaz. Später bekam er vor Gericht eine Bewährungsstrafe. Die Medien liebten den telegenen Jungunternehmer, der vor der Kamera die gekauften Bürgschaften zerriss. Bis er im Herbst 2010, als das Vollverschleierungsverbot in Kraft trat, einen Verein gründete. Touche pas à ma constitution heißt er, »Rühr meine Verfassung nicht an«. Nekkaz wendet sich gegen das Nikab-Verbot. Plötzlich wenden sich die Journalisten von ihm ab. Nekkaz steht allein da. Ohne Kameras, nur mit seinem Geld.

Er selbst ist gegen den Nikab, seine Frau, eine zum Islam konvertierte Amerikanerin mit Stanford-Abschluss, die mit dem gemeinsamen Sohn in San Francisco lebt, trägt keinen Schleier, Nekkaz selbst hält ihn für wenig hilfreich bei der Integration. Aber er sagt, er erinnere sich an seine Zeit im Voltaire-Gymnasium, als er die Schriften des großen französischen Aufklärers las: »Selbst wenn ich nicht damit einverstanden bin, was Sie sagen, werde ich immer dafür kämpfen, dass Sie es sagen können«, zitiert er.

Am Strand vom Nizza, dem Ort des Attentats vom Sommer, zitiert er Voltaire

Seit Rachid Nekkaz kein Franzose mehr ist, besinnt er sich stärker denn je auf seine Wurzeln. Seine Zukunft sieht er in Algerien. Seit 2013 verbringt er eine Hälfte des Monats in Paris und San Francisco – die andere in Algerien. Seit Ende 2014 wandert er durch das Land, um es besser kennenzulernen. Vier Märsche seien es bislang gewesen, insgesamt mehr als 3000 Kilometer. Nach seinem zweiten Marsch wurde er von rund 20 000 Menschen empfangen. Die algerische Presse verglich ihn mit Mahatma Gandhi.

Heute ist er Umfragen zufolge einer der populärsten Algerier. »Unser einziger Politiker, der die Bedeutung der Digitalisierung verstanden hat«, schrieb Ende August Algeriens größte Zeitung El Khabar. Dass Nekkaz einst seinen französischen Pass abgab, hat auch taktische Gründe: Im nächsten Jahr will er bei den Parlamentswahlen antreten – in Algerien. Politik ist dort ein schwieriges Feld; kein Außenseiter hat es bisher erfolgreich bespielen können. Und so wirkt Nekkaz’ Plan auch etwas verzweifelt; das Land ist eine Parteidiktatur.

Dagegen wirkt sein Auftritt in Nizza perfekt inszeniert. Dort, wo im Juli 85 Menschen starben, wo die Trauernden bis heute Blumen, Kerzen und Stofftiere niederlegen, trauern jetzt auch er und Stéphanie Lécuyer. Sie legen einen Strauß nieder, Lilien und Edelrosen, üppiger als jeder andere. Lécuyer hat Tränen in den Augen und kniet nieder. Die Kamera der Fernsehteams hält drauf. Auch hier zitiert Nekkaz den Satz von Voltaire. »Hören Sie doch endlich mit Voltaire auf!«, ruft eine der Journalistinnen. »Was Sie hier machen, ist reine Provokation.« Nekkaz bleibt ruhig. Bis zum Ende.

Text: Georg Blume | DIE ZEIT Nr. 39 v. 15.09.2016 - S. 34

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Streit um ein Stück Stoff 
Wer den Schleier verbietet 
Das erste europäische Land, in dem das öffentliche Tragen von Burka oder Nikab landesweit verboten wurde, war 2010 Belgien. Bald folgten Frankreich und die Niederlande. In Frankreich wurde der Schleierstreit kürzlich neu entfacht: Erst wollten einige Bürgermeister das Tragen des Burkinis am Strand verbieten. Am vergangenen Wochenende wurde in Paris ein mutmaßlicher IS-Anschlag verhindert. Die Hintermänner der vereitelten Tat waren: drei Frauen
Wer die Verbote umgeht  
Widerstand gab es in allen Ländern, kaum jemand war so effizient wie der algerischstämmige Unternehmer Rachid Nekkaz, der in Frankreich »Zorro des Nikab« genannt wird. Bevor er anstelle der betroffenen Frauen die Bußgelder zahlt, müssen sie ihm schriftlich versichern, dass niemand sie zwingt, den Nikab zu tragen, und sie den radikalen Islam nicht unterstützen. Für Trägerinnen der Burka zahlt Nekkaz jedoch nicht, die sei ein »Symbol der Frauenunterdrückung in Afghanistan und für die Frauen ein Gefängnis«.

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also - es geht auch anders: »Selbst wenn ich nicht damit einverstanden bin, was Sie sagen, werde ich immer dafür kämpfen, dass Sie es sagen können«, zitiert der "zorro des nikab", rachid nekkaz, seinen voltaire ... - und kämpft auf seine kostspielige art dafür, dass die maxime des ollen friedrich II vom 22.05.1740 (!) auch erhalten bleibt: "Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der fiscal nuhr das auge darauf haben, das keine der andern abruch Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden." - was uns hier seitdem zur leitschnur geworden ist - also eine maxime, die fast schon 300 jahre hier in "deutschland" - im gestrengen preußen - gelebt wird ... - und nach meiner auffassung auch für kleidung mit einem religiösen background gilt, wenn die eben nicht als gegen andere menschen gerichtete "gewalttat"  und "extremistisch" als waffe eingesetzt wird ...

die diesbezügliche provokation einer mikab-akteurin in einem bielefelder gasthof ist da sicherlich ein grenzfall im graubereich - wegen der "ängste", die sie im verschlafenen dorf schildesche damit auslöst - aber: "steter tropfen höhlt eben den stein", und manchmal muss man seine grundrechte - eben auch die einer muslimischen frau - auch ein bisschen mit provokation geltend machen - die 68-er-akteure zum beispiel in mutlangen und in brokdorf kennen ja eine solche strategie zu genüge ...

und dank dieser 68-er-provokationen gibt es eine gesetzlich anerkannte schwule verpartnerung, eine chancengleichheit zwischen den geschlechtern, eine liberalisierung der sexualität, ja die entdeckung einer eigenständigen weiblichen sexualität überhaupt, die demokratisierung und liberalisierung der gesellschaft und damit den übergang der bundesrepublik in eine moderne gesellschaft mit bürgerinitiativen, mitbestimmung, bildungsreform und kritischer umgang mit autoritäten - sowie die kritische aufarbeitung mit der meist braun angehauchten elterngeneration - damit allerdings verbunden der bruch mit dem traditionellen "familienbild" - und dem beginn des eigenständigen "single"-lebens oder der patchwork-familie ... 
heute behaupten manche historiker, das wäre auch ohne die 68-er alles passiert - die zeit sei einfach auch international dafür reif gewesen - aber ich glaube, die apo und die 68-er waren die geburtshelfer, die hebammen für all diese paradigmenwechsel - die wegbereiter ...

da ist dann die ausbildung einer eigenständigen persönlichen moral mit eigenen werten und zielen gefragt: und vielleicht ist dafür das provokative tragen des nikab in der öffentlichkeit ein notwendiges durchgangsstadium - ansonsten wollen wir uns unserer freiheiten erfreuen: dass jeder nach seiner fasson selich werden kann - und dass man für den erhalt dieser grundwerte auch streitet, auch wenn es nicht den eigenen grundwerten entspricht: »Selbst wenn ich nicht damit einverstanden bin, was Sie sagen, werde ich immer dafür kämpfen, dass Sie es sagen können« ... - S!

Inklusion vs. Exklusion - die zweite ...



Wie sich die Kommentare beider Bielefelder Zeitungen doch zu diesem Thema ähneln (z.B. in der Überschrift !!!) - obwohl die eine Zeitung der SPD gehört (die [Zeitung] von gestern) und der heutige Kommentar in einem der CDU sehr nahestehenden Blatt abgedruckt ist ... (naja - aber die sind ja auch in der großen Koalition: "Wir schaffen das ..." - Sie wissen schon ...)

Klare Ansage
[Der Kommentar vom Redacteur Mönter gestern hierzu - in der Konkurrenz-Zeitung - war überschrieben mit "Klare Grenzen" ... - und ob dieser Titel wohl auch schon auf die Einwanderungspolitik der Großen Koalition zielte ...???]

Bis hierhin und nicht weiter: Mit seiner klaren Ansage an eine vollverschleierte Frau hat der Bielefelder Gastwirt Christian Schulz gezeigt, dass Toleranz nicht unendlich dehnbar ist.
Wer durch einen Schlitz seiner Kleidung sein Umfeld beobachtet, ohne selbst erkannt zu werden, überschreitet eine Linie, stellt sich gegen eine offene Gesellschaft, sät Misstrauen, bei manchen vielleicht sogar Angst. Das wird die Frau wohl auch gewusst haben, als sie in den gutbesuchten Biergarten ging.

Auch wenn die Vollverschleierung in der Öffentlichkeit wohl nicht verboten werden kann: Der Nikab gehört nicht zu Deutschland. Es bedarf klarer Ansagen wie der des Bielefelder Wirtes, damit diese Kleidung nicht irgendwann wie selbstverständlich zum Straßenbild gehört.

Ob der Shitstorm bei Facebook gegen den Wirt ein echter war, oder ob nur einige wenige unter falschen Namen massenhaft Stimmung gemacht haben, lässt sich nicht sagen. Klar scheint aber: Die Frau mit dem Nikab, mutmaßlich eine Deutsche, steht keinesfalls isoliert da, sondern hat Unterstützer. Der Nikab im Bielefelder Biergarten – er wird nicht die letzte Provokation gewesen sein.

Christian Althoff - WESTFALEN BLATT

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NIKAB - zum zweiten


Also - nochmal zur NIKAB IM BIERGARTEN:

Da schreit man nach Inklusion - nach Toleranz - nach "Vielfalt statt Einfalt" - aber in der Praxis sieht das im "deutschen" provinziellen Alltag (neuerdings wieder ...???) ganz anders aus: Da schreibt nun ein Herr Redacteur Althoff des Konkurrenzblattes zur Lokalzeitung von gestern: "Der Nikab gehört nicht zu Deutschland. Es bedarf klarer Ansagen wie der des Bielefelder Wirtes, damit diese Kleidung nicht irgendwann wie selbstverständlich zum Straßenbild gehört."

Ähhhh ... ??? - Damit erweitert er ja das - sowieso in diesem Fall umstrittene - Hausrecht eines Wirtes (nämlich: Wo fängt Willkür und Diskriminierung an ??? - und wo hört Hausrecht auf ??? ...) auf das gesamte "Alltagsbild in Deutschland" - einem Land, dessen CDU-Bundeskanzlerin im letzten Jahr für eine Million Schutzsuchende - davon sicherlich auch einige mit Burka und Nikab - die Grenze öffnete - flankiert von den lauten "Willkommensbekundungen" der Mehrheit des "Volkes" ...


Multikulti: Berufskleidungen - CLICK HERE
Da halten wir jedes Jahr zum Straßenumzug die Schützenuniformen aus, die Lederhosen und Dirndl zum Oktoberfest, die Karnevalsnarretei- und Zirkus-Kostüme, die Trachten und Kutten und Hauben und Schleier der Ordensschwestern aller Couleur, und den Talar und die Albe, oft mit Mitra und Schal, von Priestern und Pastoren - wir haben seinerzeit die gewiss nicht alltägliche Kleidung (Kopftuch oder gar Kopfkappe und schwarzer Hut, langer Wollrock, Wollstrümpfe, Wollkleid - mit eigener Sprache: dem "Plautdietsch" - und sogar die Wohngetto-Bildung ausgehalten - mancherorts mit Errichtung von Bethäusern oft für mehrere Hundert Gläubige pro Gottesdienst in Gewerbegebieten - meist mit viel zu klein ausgelegten Parkplätzen für die Anzahl der Besucher dieser Hunderttausenden sogenannter "Russlanddeutschen" - viel viel mehr als mal hier und da eine Moschee mit Minarett, was jedes mal zu einem politischen Aufstand führt ...: also für unterschiedlichste Glaubensgemeinschaften wie Mennoniten, Altmennoniten, Baptisten, Amishe usw. - auf Geheiß der Union in einem Vertrag mit Russland gekommen - zur Aufbesserung ihrer Wahlklientel - wir halten jeden Tag vermummte Polizisten, Feuerwehrmänner, Motorradfahrer, voll vermummte Fußball-Hooligans aller Nationalitäten aus - wir halten inzwischen die Schwulen- und Lesbenparaden aus (auch da sind anfangs zärtlich miteinander umgehende schwule Paare in Kneipen auch noch des Feldes verwiesen worden ...) - und da pinkeln wir uns für eine vollverschleierte Provokateurin 2016 in einer Kneipe beim "Lichterfest" dort ins Hemd .. ??? - 

Und wollen diesen Anblick mit einem Quasi-Aufruf zur Selbstjustiz aus dem "Straßenbild" verbannen ... - also nicht nur von hausrechtlich abgesicherten Grundstücken und Etablissements - sondern aus dem gesamten "Straßenbild" - weil der Nikab "nicht zu Deutschland gehört" ... 

Früher waren es die Jeans- oder "Nietenhosen", die meine Eltern noch monierten, die Hippies, die "Langhaarigen", die "Itacker", die "Kanacken", die "Verlausten", der "Abschaum", die "Asozialen", manchmal - modebedingt: die Rothaarigen, die "Blonden" sind meist alle "doof", Kinder mit Down-Syndrom gehören sowieso abgetrieben... - dann waren es die Kiffer, ganz früher waren es die Kaffeetrinker - und Opiumraucher - und damals wieder wie heute: die Tabakraucher ... 

Hitler und NS-Deutschland haben dann gerufen: "Das Judentum gehört nicht zu Deutschland" und mit "klarer Absage" und "Kante zeigen" - wie das heute heißt - tödliche Pogrome und millionenfache Vernichtung durchgeführt, um Deutschland "zu säubern", typisch jüdische Kennzeichen oder Haartrachten wurden verspottet und diskriminiert (!) ... - 

Hitler hat darüberhinaus auch alle "deutschen" "Rand-" und "Ballastexistenzen" (Behinderte, psychisch Kranke, Schwule, Lesben, Arbeits- und Kriegsdienstverweigerer usw.) - so wie er sie definierte - zwangssterilisiert, eingelocht und - oft durch gezieltes Aushungern - umbringen lassen ... 

Ja - es wurden die vom einzig rechtmäßig tickenden "deutschen Geist unverständlichen" Kunstwerke als "entartet" definiert (genauso geschmacksabhängig wie eben heute die Mikab ...[= "gehört nicht zu Deutschland"]) und Bücher mit anderen Meinungen wurden verbrannt und verbannt ... - 

Das muss wohl irgendwie in der "deutschen" Seele liegen und so in den sogenannten "deutschen" Genen durch Erziehung und Umwelt immer weiter "vererbt" werden: diese Hochnäsigkeit, zu wissen, was zu "Deutschland" gehört, wie "deutsch" "Deutschland" auszusehen hat - obwohl ja die meisten von uns noch wissen, wie geteilt und unterschiedlich dieses "Deutschland" sein kann ... - wie man "deutsch" zu "ticken" hat, was "deutsche" Normen sind und "deutsches" Blut ist - obwohl die nächste lebensrettende Blutspendenkonserve vielleicht von einem Afrikaner muslimischen Glaubens stammt ... - und "wir sind ja die Tourismus-Weltmeister", denen so etwas häufiger passieren könnte ... (!!??)

Zum Glück wissen wir das ja hinterher nicht: aber ich glaube, das Blut schäumt auch nicht besonders - und es setzt uns keine neuen Flöhe ins Ohr ...

Und dabei hat die Bundeskanzlerin den Satz des damaligen Bundespräsidenten Wulff bewusst mehrfach schon wiederholt - und bekommt dabei sogar von den christlichen Kirchen Unterstützung: "Der Islam gehört zu Deutschland" - und wer "Ja" zum Islam sagt, muss vielleicht auch mit ein paar angeblich religiös motivierten Kleidungsstücken des Islam fertig werden. 

Und auch wenn es Frau Merkel immer wieder - immer zaghafter - anders beteuert - aber wir sind längst eine "MULTIKULTI"-Nation, wenigstens tun wir mehrheitlich auch so in unseren Essgewohnheiten und bei unseren Urlaubsreisen ...: der Döner schmeckt - auch auf Mallorca - eben besser als der Erbseneintopf ...   - 

Nur mit unseren Einkaufsstraßen und Trendmarken verhält es sich entgegengesetzt - aus einem ursprünglich internationalen "Multikulti" wird aus global-turbokapitalistischen Gründen alles zum Einheitsbrei - überall globalisiert sich das Gleiche: die Marken in Tokyo, in New York, in Berlin, in Paris tragen alle das gleiche Logo in den gleichen Farben und Schriftzügen - und umso uniformer wird die Optik eines Einkaufboulevards ...

Das Denken in territorialen und begrifflich besetzten "Nationalismen" führt immer wieder zu internen "Grenzziehungen" und bildet ein Weichbild der Weite oder Enge unserer inneren und externen "Grenzen" ab ... - unserer Bereitschaft zu Offenheit, Toleranz, Neugier, Integrationsfähigkeit, unserer geistigen Weite zur Diversität - zur Vielfalt - zum Inklusionsvermögen im weitesten Sinne ... allerdings ohne deshalb in einer Beliebigkeit zu versinken ...

Wir sind alle nur Menschen - wir kleiden uns nach unserem Geschmack und bilden Sitten und Verhaltensweisen aus ... - und in einem fremden Land passen sich die meisten Eigenarten der Mehrheit oft rasch an - allerdings dauert es schon ein/zwei Generationen: Die Anzahl äußerlich erkennbarer "Russlanddeutscher" hat stark abgenommen ...: Die Frauen tragen inzwischen Hosen - und die Käppies sieht man immer weniger ... S!

Mittwoch, 14. September 2016

Inklusion vs. Exklusion


FEST DER 1.000 LICHTER: DER SEEKRUG AM WOCHENENDE, ALS DER STREIT ENTSTAND. | © BARBARA FRANKE | NW
Vollverschleierte muss Lokal verlassen

Shitstorm: Weil der Wirt des Ausflugslokals "Seekrug" eine Nikab-Trägerin bittet zu gehen, wird er im Internet mit Kommentaren angegriffen. Zugleich erfährt er Unterstützung, die für ihn "überwältigend" ist

Von Ansgar Mönter - NEUE WESTFÄLISCHE

Zahlreiche Kenner des Seekrugs am Obersee wundern sich seit Tagen über negative Urteile des Ausflugslokals und Beschimpfungen des Wirts auf Plattformen im Internet, vor allem Facebook. Mit neu angelegten Profilen, teilweise mit ausländisch klingenden Namen, werden Personal und Essen verunglimpft. Ursache ist offensichtlich ein Streit mit einer voll verschleierten Frau. Die wurde am vergangenen Samstag des Lokals verwiesen.

Auf Facebook hat sich zugleich eine Gegenbewegung geformt. Weit mehr als 50 Beiträge anderer Nutzer verteidigen Wirt Christian Schulz, loben das Lokal und raten ihm sogar, gegen die "Schmutzkampagne" juristisch vorzugehen.

Der Vorfall ereignete sich vor dem Lichterfest. Die Frau, nach Angaben des Wirtes eine Deutsche, trug einen so genannten Nikab. Der bietet nur einen schmalen Augenschlitz. Vom Gesicht ist ansonsten nichts zu sehen. Der Nikab wird - wie Burka und Tschador - in westlichen Ländern vor allem von Musliminen getragen, die einer fundamentalistischen, oft salafistischen Islam-Interpretation folgen.

Wirt Schulz und seine Frau baten die Frau, das Gesicht zu zeigen. Ihnen war unwohl mit einem solchen Gast kurz vor einem großen Fest im Seekrug. Es ängstigte sie sogar. "Daraufhin schimpfte sie gleich los", berichten Christian und Rita Schulz. Da die Frau der Bitte der Gastronomen nicht nachkam, musste sie gehen. "Mein Haus, meine Regeln", sagt Christian Schulz.

Auch Gäste in Kleidung der Marke Thor Steinar, Insignien der Neonaziszene, habe er schon mal rausgeworfen. "Auf der Straße kann ich nichts machen, aber in meinem Lokal muss ich sie nicht dulden."

Kurz nach dem Disput mit der Nikab-Trägerin brach laut Wirt der virtuelle "Shitstorm" aus. Worte wie "rassistisch", "ausländerfeindlich" und "menschenverachtend" werden in Beiträgen gegen den Seekrug verwendet. Das wiederum sorgt für Kopfschütteln und Gegenrede bei anderen Besuchern der Seekrug-Seite. "Der Wirt ist alles andere als ausländerfeindlich", schreibt ein User, wissend, dass dort unter anderem Köche aus Nigeria, Ghana, Pakistan und Portugal angestellt sind.

Auch das Personal und das Essen werden vor den teilweise rüde formulierten Schmähungen von den Seekrug-Unterstützern in Schutz genommen.

Einige haben zudem gleich bemerkt, dass es sich um eine organisierte Kampagne handeln müsse, da zahlreiche Facebook-Profile der Schimpfer frisch angelegt wurden und kaum einer realen Person zugeordnet werden können.

Wirt Schulz ist besorgt, will sich allerdings keine Angst einjagen lassen. Die Unterstützung seiner Gäste hilft ihm dabei. "Sie ist überwältigend", sagt er.

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Kommentar

Klare Grenzen

Lächerlicher kann ein Vorwurf kaum sein als den Seekrug-Wirt ausländerfeindlich zu nennen. Jeder, der ihn kennt, weiß das.

Eine Vollverschleierte des Lokals zu verweisen, ist sein Recht – und nachvollziehbar. Ein Nikab ist nicht einfach nur ein Kleidungsstück, wie manche in Unklarheit über die Ideologie dahinter oder politischer Überkorrektheit behaupten. Es drückt Ablehnung der freien Gesellschaft aus. Mit grundgesetzlicher Religionsfreiheit kann es daher nichts zu tun haben.

Dafür aber ist es Teil der Scharia, also der islamischen Gesetzgebung, die in erheblichen Teilen nicht mit den universellen Menschenrechten vereinbar ist. Das sollte jeder wissen – und kann jeder nachlesen.

Der Vorfall im Seekrug zeigt: Fundamentalisten im religiösen Gewand leben auch in dieser Stadt. Sie sind - wie alle politischen Wahnbewegungen – dann gefährlich, wenn sich die Gesellschaft ängstlich wegduckt, statt klare Grenzen zu ziehen.

ansgar.moenter@

ihr-kommentar.de

© 2016 Neue Westfälische

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ja - dazu habe ich heute morgen denn mal meinen "kommentar" abgegegeben und dem herrn redacteur moenter geschickt ...

Lieber Herr Moenter,
für einen Kommentar sind Ihre Zeilen und auch Ihr Artikel ziemlich einseitig formuliert – und lesen sich für mich wie ein PR-Text für den “Seekrug” (der wird sich Ihren Artikel bestimmt ausschneiden und hinter die Theke peppen), wo der Wirt gegen die Nikab-Trägerin “klare Kante” gezeigt hat  - ganz im Stil knallharter Politiker bestimmter Couleur...
Und dann noch diesen “Vorfall” in dieser Art und Weise gegen die “Shitstorm”-Spinner aufzuheizen und so “Bedeutung” zu geben – das ist in meinen Augen der Aufbau einer Eskalations-Spirale – aber eben kein bisschen De-Eskalation und zurückholen auf den Teppich ... – außerdem werden Ihnen auch die falschen Leser dabei zujubeln, nämlich die offenen oder verkappten AfD-Wähler und BIGIDA-Akteure...
Ich hätte es viel spannender gefunden, auszuprobieren, was passiert wäre, wenn diese Frau ganz normal bedient worden wäre: Wie sie mit dem Gedöns vor dem Mund ihr Getränk und ihre Speise zu sich genommen hätte ... Darüber hätte man auch eine mindestens ebenso spannende Reportage machen können...
Und endlich sieht man mal eine “Vollverschleierte” in der normalen Öffentlichkeit, verbannt man sie mit dem Beifall des Lokalblättchens wieder. Natürlich war das wohl als eine “Provokation” durch bestimmte muslimische Kreise gemeint – aber die ist ihnen mit Ihrer Reaktion auch voll gelungen – Sie sind ihnen mit vereinten Kräften auf den Leim gegangen... – ein “Bravo” dazu verkneif ich mir mal lieber ...
Eine solche “Provokation” hätte man sicherlich intelligenter lösen können - und intelligenter kommentieren dürfen ... – denn was macht der “Seekrug-Wirt” bei “vollverschleierten” Motorradfahrern oder bei starkem Frost mit vermummten Gästen oder bei seiner nächsten Karnevalsfeier ... ???
Die Rechte, die der Wirt reklamiert, sind für mich die Rechte in erster Linie von Wohnungsinhabern – aber wer ein öffentlich zugängliches Lokal betreibt ... – muss vielleicht wie auf dem Kiez demnächst mit bezahlten “Türstehern” arbeiten – aber die müssen mit 8,50 €uro/Std. entlohnt werden ...
In Detmold zum Beispiel stand früher an den Kneipentüren zur Abwehr von randalierenden britischen Soldaten der Hinweis: “OUT OF BOUNDS” ... – “OUT OF BOUNDS FOR NIKAB & BURKA” – wäre ja eine Hinweisschild-Möglichkeit – vielleicht mit Ihren abgedruckten Verschleierungs-Bildchen als Erklärung dazu ... – naja – ob mir in einem solchen Lokal die Apfel-Schorrle noch schmecken würde ...???
In früheren Jahren hatte ich als Begleiter von schwerstmehrfachbehinderten Menschen aus Bethel beim Besuch in Bielefelds Top-Cafés ähnliche Probleme – da fühlten sich “die übrigen Gäste belästigt” – und wir mussten einen Extra-Raum aufsuchen – oder das Café verlassen ... – Aber das wäre ja auch noch eine Lösung für den “Seekrug” – einen Extra-Raum für Nikab- und Burka-Trägerinnen einrichten – ähnlich wie die  “Raucher-Lounges” - in alten ausrangierten Bussen ...

Mehr Kreativität und mehr Mut zur Vielfalt – mit freundlichen Grüßen
S!